Geschlechterreflektierte Arbeit mit Kindern und Jugendlichen

3. Dezember 2016 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Zum Thema „Geschlechterreflektierte Arbeit mit Kindern und Jugendlichen“ fand in der vergangenen Woche im Jugendhaus Memmingen eine Veranstaltung für interessierte Pädagoginnen und Pädagogen aus verschiedenen Kindertagesstätten und Jugendhilfeeinrichtungen statt. Fast 30 Besucherinnen und Besucher folgten der Einladung der Veranstalter.

Organisiert wurde der Abend von Claudia Fuchs, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Memmingen und Elke Werner, Pädagogin im städtischen Jugendhaus. Beide engagieren sich seit Jahren im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit sowie im Arbeitskreis „Jugendliche“ für den Abbau von geschlechtsspezifischen Benachteiligungen und die Umsetzung von Maßnahmen, die die Bedürfnisse und Interessen junger Mädchen und Jungen der Stadt berücksichtigt.

Gewinnen konnte man für die Veranstaltung namenhafte Referentinnen: Hannelore Güntner, Mitbegründerin der „IMMA“ – Deutschlands größtem Mädchenprojekt und Vorstand der Bundes- und Landesarbeitsgemeinschaft Mädchenpolitik Bayern, sowie Frau Danii Arendt, die beim Münchner Mädchenprojekt  „amanda“ tätig ist und sich ebenfalls bei der LAG  Bayern als Vorstandsfrau einen Namen gemacht hat.

Zunächst gingen die Referentinnen auf den Begriff „Gender“ ein, der in der Pädagogik schon lange in aller Munde ist und veranschaulichten mit Hilfe von kabarettistischem Filmmaterial, wie gebrandmarkt Mädchen und Jungen sowie Frauen und Männer heute in Bezug auf ihre Geschlechterrolle sind. Die Erwartungen der Gesellschaft mit Slogans wie „Mädchen sind so“ und „Jungen sind so“ lassen der/dem Einzelnen kaum Freiheit, sich entgegen der üblichen Vorstellungen und Klischees der Geschlechterrolle zu entwickeln.

Geschlechterreflektierte Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, Jugendhaus Memmingen, 01.12.2016

Anschließend gingen die LAG- Vorstandsfrauen auf Themen der Genderpädagogik ein, die die besondere Berücksichtigung der jeweiligen Leben von Jungen und Mädchen auf der Grundlage der Reflexion der bestehenden Geschlechterverhältnisse beinhaltet. Dabei appellierten sie an die interessierte Zuhörerschaft, das Thema „Geschlechterreflektierte Arbeit“ in Kitas, Schulen und in der pädagogischen Ausbildung zu verankern und so Kinder und Jugendliche dabei zu unterstützen, zu selbstbestimmten und charakterstarken Persönlichkeiten heranzuwachsen.

In ihren Ausführungen ging es Hannelore Güntner und Danii Arendt auch darum, die pädagogischen Fachkräfte aus den verschiedenen Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe zu ermutigen, den (pädagogischen) Blick auf die Geschlechtergerechtigkeit hin zu fokussieren.

„Gleichberechtigung, wie sie in der Bayerischen Verfassung verankert ist, wurde in der Realität noch nicht erreicht. Mädchen und junge Frauen sind von alltäglichen und strukturellen Einschränkungen, von Sexismus und Gewalt betroffen“, so die Referentin Güntner. „Sie sind von dieser, nicht nur abstrakten Gefahr in hohem Maße in ihrer Lebensgestaltung eingeschränkt“. Frau Arendt ergänzte: „ Selbstbestimmung ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, ein Leben nach den eigenen Wünschen und Bedürfnissen gestalten zu können. Auch das haben wir in Deutschland für viele Frauen noch nicht erreicht.“

Die LAG Mädchenpolitik Bayern setzt sich daher mit einem Forderungspapier an bayerische Politiker für konkrete Maßnahmen ein, wie z.B. die ökonomische Unabhängigkeit von Frauen. „Die Berufswahl junger Frauen ist nach wie vor auf wenige Berufsfelder mit geringen Verdienst- und Aufstiegschancen beschränkt“ so Referentin Güntner.

Auch Alexander Mück, der als Gastgeber und Leiter des Jugendhauses an der Veranstaltung teilnahm, sah das ähnlich: „Ich halte Frauen nicht per se für die besseren Führungskräfte, aber wir können es uns nicht leisten, Spitzenpositionen mit zweit- und drittklassigen Männern zu besetzen, wenn erstklassige Frauen zur Verfügung stehen.“ Mit diesen Worten stieß er auf die Zustimmung der Zuhörer.

In der anschließenden Diskussion waren sich alle Anwesenden einig: Auch im 21. Jahrhundert gibt es in Deutschland in Sachen Gleichberechtigung noch viel zu tun. Veranstaltungen wie diese sind dabei ein wichtiger Schritt hin zu mehr Geschlechtergerechtigkeit.

Foto:

Hannelore Güntner, Mitbegründerin der „IMMA“ – Deutschlands größtem Mädchenprojekt und Vorstand der Bundes- und Landesarbeitsgemeinschaft Mädchenpolitik Bayern (rechts), und Danii Arendt, die beim Münchner Mädchenprojekt „amanda“ bei der Veranstaltung im Jugendhaus Memmingen.

Fotoquelle: Jugendhaus Memmingen.

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