Kleidung mit gutem Gewissen

13. Dezember 2016 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Die sympathische Jungunternehmerin Sina Trinkwalder sprach in ihrem Vortrag über „Kleidung mit gutem Gewissen“ am vergangenen Freitag im Casinosaal des Naturherstellers Rapunzel in Legau über die Entstehungsgeschichte ihres mittlerweile florierenden mittelständigen Unternehmens.

Dabei ermutigte sie die anwesenden Gäste eines prall gefüllten Casinosaales dazu, sich nicht unbedingt von Hindernissen aufhalten zu lassen, wenn es darum geht, sein Leben zu Gunsten nachhaltiger Konzepte zu ändern, auch wenn dies zu einem späteren Zeitpunkt im Leben eines Menschen zu einem erstrebenswerten Lebensinhalt wird.

Die in Augsburg geborene, heute 38-jährige Sina Trinkwalder, heute Geschäftsführerin von „Manomama“ mit 150 festen, auf unbegrenzte Zeit angestellten Mitarbeitern, hatte selbst einen gut dotierten Job in der Werbebranche, als sie im Alter von 31 Jahren im Jahr 2009 ihr Leben grundlegend änderte, wie die aufgeschlossene Unternehmerin bei ihrem Vortrag erzählte.

Vortrag Kleidung mit gutem gewissen von Sina Trinkwalder, Rapunzel, Legau, 09.12.2016

Was mit dem Gefühl begann, in einem beruflichen Hamsterrad gefangen zu sein, wurde durch eine eindrückliche Begegnung zum Auslöser ihrer grundlegenden Veränderung zu Gunsten von etwas Produktivem, etwas, was von „gesellschaftlicher Relevanz“ ist.

Als erfolgreiche Marketing-Fachfrau begegnete sie um die Weihnachtszeit 2008 einen Obdachlosen Menschen, der die Zeitschriften aufsammelte, die sie nicht mehr benötigte und achtlos ablegte. Aus Neugier fragte sie ihn, was er damit vorhabe, und dieser antwortete, er bastle mit den bunten Seiten zusammen mit seiner Frau Weihnachtsschmuck. Für ein zu Hause, was es nicht gab, denn er lebte mit seiner Frau unweit des Bahnhofes ohne festes Dach über dem Kopf.

Für die heute als „Social Entrepreneur der Nachhaltigkeit“ bezeichnete, unter anderem mit dem deutschen Nachhaltigkeitspreis und dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnete Jungunternehmerin war dies ein Schock, der ihr aufzeigte, dass „etwas nicht stimmte“ und bestärkte sie maßgeblich im Bestreben, ihr Leben zu verändern.

Sie wollte etwas produzieren, etwas, was man in der Hand halten kann, „Wertschöpfung“ der „Abschöpfung“ entgegenstellen. Doch was? Nachdem sie noch ein knappes Jahr weitermachte wie vorher, entschied sie sich in der ehemaligen Textilhauptstadt Augsburg für die Textilbranche und wollte Mitarbeiter beschäftigen, die sonst kaum eine Chance auf einen guten Job haben – „Menschen mit multiplen Vermittlungshemmnissen“, wie sie von Arbeitsvermittlern genannt werden.

Vortrag Kleidung mit gutem gewissen von Sina Trinkwalder, Rapunzel, Legau, 09.12.2016

Im Jahr 2009, mitten in der Weltwirtschaftskrise, klapperte sie Banken ab, um für ein „in Deutschland ausgestorbene Branche“, wie die Banken die deutsche Textilbranche bezeichneten, nach Krediten zu fragen. Die Türen blieben allesamt verschlossen. Sie versuchte es über die Politik, bekam viele gute Wünsche mit auf den Weg, doch auch hier ohne verwertbare Konsequenzen.

Am Ende blieb ihr nichts anderes übrig, als das Geld für eine Firmengründung privat zusammen zu kratzen, sogar eine Anleihe auf Ihre Wohnung nahm sie in Kauf, mit dem Einverständnis ihres Ehemannes, der an sie glaubte. Sie suchte sich Kooperationspartner und begann somit ohne einen Cent von der Bank und ohne politische Unterstützung zunächst mit Taschen.

Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten und der nächste Schritt in der Entwicklung stand an, doch auch dieser konnte ohne zusätzliche Finanzierung nicht gemacht werden. Sie wandte sich an die Kooperationspartner und fragte nach finanziellen Mitteln, wenn diese weiterhin ihre Produkte beziehen wollen. Innerhalb eines Monats hatte sie die nötigen Mittel für ihre „Wachstumsinvestition“ zusammen und es ging weiter.

Seit drei Jahren produziert ist Manomama auch Kleidung und ist DER ökologischste Textilbetrieb, den es weltweit gibt. Und das nicht wegen Zertifizierungen, sondern vor allem auf Grund der Tatsache, dass sie (fast) all ihre Güter zur Herstellung ihrer Produkte von regionalen Anbietern beziehen.

Sogar Jeans stellen sie her, ein Produkt, dessen Stoff meist in Land 1 hergestellt wird, in Land 2 gewaschen und in Land 3 genäht wird, dessen Reißverschlüsse aus Land 4 kommen, um letztlich in Land 5 auf den Markt zu kommen.

Nur die Baumwolle beziehen sie aus immer derselben Kooperative in Tansania, deren 200.000 Kleinbauern nicht mit genmanipuliertem Saatgut und unter ethisch-moralisch vertretbaren Verhältnissen, mit reiner Regenbewässerung und Langzeit-Kooperationsverträgen Bio-Baumwolle herstellen.

Vortrag Kleidung mit gutem gewissen von Sina Trinkwalder, Rapunzel, Legau, 09.12.2016

Neben Jeans, T-Shirts und Sweatshirts stellen sie mittlerweile auch Wintermäntel aus Wolle her und verwenden dafür Wolle von regionalen Schafen. Nur für das Weben müssen sie über die Landesgrenzen Bayerns hinausgehen, denn in Bayern gebe es keine einzige Weberei mehr, allenfalls Tuchmacher.

Der Zusammenhalt in ihrem Unternehmen sei großartig und das nicht nur, weil sie „schwer vermittelbare“ Mitarbeiter beschäftigt, sondern weil sie ihnen darüber hinaus das Recht ginbt, akriv bei der Gestaltung mitzuwirken. So wurden Gehaltsgespräche gemeinschaftlich diskutiert und der Wert jedes Einzelnen unterstrichen. Sie selbst als Geschäftsführerin rutschte dabei ohne zu murren in eine Gehaltsschiene ab, die nur knapp über den durchschnittlichen Gehältern ihres Betriebes liegt.

Und auch wenn die ehemalige Marketing-Fachfrau nun selbst Kleidung herstellt, appelliert sie an die Menschen einer verbrauchsorientierten Gesellschaft: „Tragt Eure Kleidung, bis sie auseinanderfällt“, denn das sei die weit ökologischere Lösung, als noch verwertbare Kleidung in eine Altkleidersammlung zu geben, deren Kleidungsstücke in einem anderen Land für mehr Geld wiederverkauft werden, als neue Kleidung in dem entsprechenden Land kostet – ein häufig beobachtetes Phänomen.

Auch warnt die junge Unternehmerin vor dem verallgemeinerten Begriff des „Fairen Handels“, solange es keine eindeutige Definition dafür gebe. „Ich ziehe Pfefferminze, die hier überall wächst, sicher einem Pfefferminztee aus fairem Handel aus Ägypten vor,“ gibt die studierte Betriebswirtschaftlerin zu bedenken.

Zu beziehen ist ihre Kleidung online, doch für die, die das Material gerne vorher in den Händen gehabt haben wollen, hat sie sich eine besondere Form der Verkaufsberatung einfallen lassen: Lokale Berater, die Musterteile vorrätig haben, können kontaktiert werden, um sich so vorab von Griff und Passform zu überzeugen.

Ein wirklich tolles Konzept. Wir wünschen Sina Trinkwalder weiterhin viel Erfolg!

Mehr Infos über Manomama auf www.manomama.de.

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