IKEAs überarbeitetes Konzept für Memmingen

14. Dezember 2016 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Bei der öffentlichen Info-Veranstaltung gestern in der Memminger Stadthalle stellten Projektleiterin Maja Terney Hansen, Expansions-Manager Andreas Glötzl Dinauer und Projekt Manager Norbert Kopczynski von IKEA das neu erarbeitete Konzept für die IKEA-Ansiedlung in Memmingen vor.

Berücksichtigt wurden dabei vor allem die Einwände aus der Öffentlichkeit bezüglich der Größe der Fachmärkte, dem geplanten Produktsortiment,

sowie der Verkehrsführung und der Innenstadtverträglichkeit.

Das überarbeitete und angepasste Konzept, das von Mai 2016 bis Oktober 2016 ausgearbeitet wurde, kann als „Bürgerinfo“ in einer detaillierten PDF-Version hier eingesehen werden:

Bürgerinfo – Präsentation IKEA (neu)

Oberbürgermeister Markus Kennerknecht wies in seiner kurzen Ansprache vor allem auf die öffentliche Auslegung des Bebauungsplanes hin, in der die Stadt und ihre Bürger, sowie Träger öffentlicher Belange nun erneut Möglichkeit haben, Einsicht zu nehmen und sich zu äußern.

Vom 28.11.2016 bis 05.01.2017 legt die Stadt Memmingen das angepasste Konzept öffentlich aus, in dessen vorhabenbezogenem Bebauungsplanverfahren und der damit verbundenen Änderung des Flächennutzungsplans, die Stadt unter Beteiligung der Bürger_Innen den nächsten Schritt in Sachen IKEA-Ansiedlung geht.

Info-Veranstaltung IKEA Memmingen, 13.12.2016

Leiter des Stadtplanungsamtes Memmingen Uwe Weißfloch gab eine Übersicht über die verschiedenen Verfahren und Verfahrensschritte, sowie der Möglichkeit der öffentlichen Beteiligung an den Verfahren.

Auch klärte er darüber auf, wer bei welchen Verfahren entscheidet. So entscheidet etwa die Regierung von Schwaben über das Raumordnungsverfahren, während allein die Stadt Memmingen über das Bebauungsplanverfahren entscheiden darf. Bei Änderungen im Flächennutzungsplan hingegen kann die Stadt entscheiden, muss es jedoch von der Regierung von Schwaben genehmigen lassen.

Nachdem IKEA bei der Regierung von Schwaben die Durchführung eines Raumordnungsverfahrens beantragte, prüfte die Landesregierung unter Berücksichtigung folgender Kriterien:

Die Lage im Oberzentrum Memmingen, die Lage in der Gemeinde als integrierter Standort, sowie auf Grund der Größe der Verkaufsflächen, dem Verkehr und dem möglichen Lärmaufkommen.

Info-Veranstaltung IKEA Memmingen, 13.12.2016

Raumordnungsverfahren erfolgreich abgeschlossen

Die Regierung von Schwaben hat das Raumordnungsverfahren zum Projekt IKEA abgeschlossen. Die Landesplanerische Beurteilung kam zu dem Ergebnis, dass das im Verfahrensverlauf reduzierte Konzept den Erfordernissen der Raumordnung entspricht, wenn der Projektstandort mit einer zusätzlichen Haltestelle an den ÖPNV angeschlossen wird.

Die Regierung begründet das positive Ergebnis unter anderem dadurch, dass das geplante Einkaufszentrum weder die Funktionsfähigkeit bestehender Geschäftszentren im näheren und weiteren Umkreis noch die verbrauchernahe Versorgung der Bevölkerung wesentlich beeinträchtigt. Das geplante Einzelhandelsprojekt fügt sich somit in das zentralörtliche System ein und bewirkt nur eine unwesentliche Änderung der bestehenden Marktverhältnisse.

Die einzelnen Prüfungen, Analysen, Berichte, landesplanerischen Beurteilungen, etc. können Sie übrigens jederzeit auf www.memmingen.de einsehen.

Info-Veranstaltung IKEA Memmingen, 13.12.2016

Was wurde geändert am ursprünglichen Konzept?

Projektleiterin Maja Terney Hansen führte uns durch die Veränderungen und Anpassungen, die IKEA auf Grund der öffentlichen Einwände durchgeführt hat, was wir hier in Stichpunkten wiedergeben werden und Sie im PDF „Bürgerinfo“ übersichtlich wiederfinden werden:

  • Der Fachmarktbereich wurde verkleinert von ursprünglich geplanten 31.120 m2 auf eine Verkaufsfläche von 22.200 m2 (Reduzierung von 8.920 m2 Verkaufsfläche).
  • Die Anzahl der Fachmärkte wurde von 16 auf max. 12 Fachmärkte reduziert.
  • Die Sortimentbereiche TEXTIL und SPORT wurden deutlich reduziert, wie auch
  • Die Bereiche LEBENSMITTEL und GASTRONOMIE reduziert wurden.
  • Der zusätzliche Möbelfachmarkt, das Polstermöbelfachgeschäft, das Teppich-/ Heimtex-Fachgeschäft, sowie die Weinhandlung wurden gestrichen.
  • Der Zoofachmarkt, der Sportfachmarkt und die Textilfachmärkte wurden in den Flächen reduziert.

Zum Vergleich: Memmingen hat bisher eine Verkaufsfläche von 176.000 m2, davon rund 50.000 in der Innenstadt.

Was beinhaltet das neue Konzept hingegen?

IKEA Einrichtungshaus:     25.500 m2 (unverändert)
IKEA-Fachmarktzentrum: 22.200 m2 (um knapp ein Drittel reduziert).

Das Fachmarktzentrum soll nun beinhalten:

  • Bau- und Gartenmarkt
  • Zoofachgeschäft
  • Heimtextilien-Bettwarenfachmarkt
  • Lebensmitteldiscountmarkt
  • Drogeriemarkt
  • Babyfachgeschäft
  • Elektrofachmarkt
  • Fachmarkt für Sport- und Campingartikel, Fahrräder und Boote
  • Textilfachmärkte (max. 2 Einheiten)
  • Schuhfachmarkt
  • Sonderpostenmarkt

Ergänzung der bestehenden Angebotssegmente

Expansions-Manager Andreas Glötzl Dinauer betonte, IKEA wolle bestehende Segmente der Stadt Memmingen ergänzen, nicht duplizieren. Gleichzeitig soll der Standort IKEA für die Kunden jedoch attraktiv bleiben. Er ist sich sicher, dass dieses Konzept sich nun deutlich einfacher präsentiere.

Eine Passantenbefragung habe zudem einen „Koppelungseffekt“ bestätigt: 16 % derer, die heute im Gewerbegebiet Nord einkaufen, fahren danach noch in die Innenstadt. Es gebe also keinen Grund, warum dies bei einem Besuch bei IKEA anders sein solle.

Ziel sei es in jedem Falle, eine nachbarschaftliche Kooperation mit der Innenstadt anzustreben, was zum einen die angeführten Veränderungen bereits wiederspiegeln, zahlreiche aktive Kollaborationsmodelle beinhalte und auch durch geplante Verbindungen des öffentlichen Nahverkehrs unterstützt werden soll.

Info-Veranstaltung IKEA Memmingen, 13.12.2016

Neue Arbeitsplätze, gute Nachbarschaft und soziales Engagement

Projekt Manager Norbert Kopczynski hob nochmals hervor, dass IKEA dem lokalen Arbeitsmarkt etwa 300 neue Arbeitsplätze und natürlich auch zusätzliche Ausbildungsplätze bereitstellen werde.

Im Bereich Bau, Handwerk und Dienstleistung will IKEA lokale Anbieter vorziehen und lädt schon heute dazu ein, sich an Ausschreibungen zu beteiligen, oder sich zu bewerben.

Auch hiesige Vereine und Kindereinrichtungen sollen unterstützt werden und mit dem Stadt-Marketing, dem lokalen Einzelhandel und der lokalen Politik werde ein gemeinsames Engagement angestrebt.

Gutachten bezüglich der IKEA-Ansiedlung

Vier Gutachter stellten im Anschluss ihre Gutachten im Zusammenhang mit dem Raumordnungsverfahren in den folgenden vier Bereichen vor:

  • Verträglichkeit (Markt- und Absatzforschung), Fr. Kollmar, GMA.
  • Artenschutz, Hr Liebert, Fa. Liebert.
  • Lärmschutz, Hr. Tüllmann, Kurz und Fischer.
  • Verkehr, Hr. Wenzel, Brenner & Hr. Rieder, Autobahndirektion Südbayern.

„Verträglichkeit“ bezieht sich dabei auf die wirtschaftliche Verträglichkeit innerhalb des Standortes Memmingen als Oberzentrum innerhalb der Region. Geprüft wurde hierbei die Angebots- und Nachfragesituation innerhalb des Einzugsgebietes, die projektrelevante Kaufkraft und die Wettbewerbssituation. Bewertet wurde die Umsatzerwartung, die Kaufkraftbewegung, die Umsatzverteilung und städtebauliche, sowie versorgungsstrukturelle Auswirkungen.

Das Thema Artenschutz beschäftigte sich mit den am geplanten Baustandort angesiedelten Tierarten und die zu treffenden Maßnahmen, um deren Fortbestand zu gewährleisten.

Der Lärmschutz setzte sich auseinander mit „Anlagenlärm“ und den „schalltechnischen Auswirkungen im öffentlichen Straßenraum“. Anlagenlärm sind etwa Verladegeräusche oder andere Geräusche, die während der Geschäftszeiten auf dem Betriebsgrundstück entstehen. Die Schallemissionsprognose geht von einer Pegeldifferenz von < 1 Dezibel aus, was als Unterschied gerade noch wahrnehmbar sei.

An verkehrstechnischen Maßnahmen im Zusammenhang mit der IKEA-Ansiedlung sind der Ausbau des Kontenpunktes Europastraße / Rampe A 96 Süd / IKEA geplant, wie auch eine bauliche Anpassung am Knoten Europastraße / Rampe A 96 Nord, eine „Ertüchtigung“ des Kreisverkehrs Buxheimer Straße und eine grundlegende Überarbeitung aller drei Lichtsignalanlagen im Zuge der Europastraße.

Eine „Ertüchtigung“ des Kreisverkehrs bedeutet dabei, dass der Kreisverkehr praktisch zweispurig wird, mit einer inneren und einer äußeren Spirale, um den Verkehrsfluss zu gewährleisten.

Auf Grund dieser Gutachten wurde das Raumordnungsverfahren erfolgreich, d.h. positiv abgeschlossen, wie oben bereits erwähnt: Die Wettbewerbssituation im Einzugsgebiet stellt sich mit IKEA verträglich dar, die Maßnahmen zum Artenschutz einiger weniger tierischer Bewohner des Geländes werden entsprechend den Vorgaben umgesetzt, das zusätzliche Lärmaufkommen von prognostizierten < 1 Dezibel erfordert keine zusätzlichen, baulichen Maßnahmen und die verkehrstechnischen Anforderungen und Veränderungen wurden definiert und werden zukünftig umgesetzt.

Info-Veranstaltung IKEA Memmingen, 13.12.2016

Fragen der anwesenden Zuhörer

Die Frage, die Ihnen sicher gleich in den Sinn kommt ist, wer vor allem die verkehrstechnischen Maßnahmen wohl finanzieren wird, denn dies war eine der zahlreichen Fragen, die im Anschluss an die Vorträge gestellt wurden.

Klare Antwort seitens IKEA: Wir tragen alle Kosten, bis auf die, die den Ausbau des Kreisverkehrs Buxheimer Straße angehen. Diese Kosten werden mit der Stadt geteilt.

Eine weitere Frage war, welche Anbieter denn nun genau in die Fachmärkte kämen.

Antwort IKEA: Sie können natürlich keinen Kunden dazu verpflichten, in einen ihrer Fachmärkte zu gehen. Sie sprechen daher in allen Bereichen mit mehreren Anbietern, einer davon wird übrigbleiben. Wer das sein wird, sei zu diesem Zeitpunkt nicht absehbar.

Warum denn eigentlich überhaupt Fachmarktzentren notwendig seien am Standort Memmingen, war eine weitere Frage aus dem Publikum. Der IKEA-Vertreter begründete die Planung damit, dass einmal je nach Standort und Bedarfen vielen IKEA-Häusern zusätzliche Angebote wie ein Shopping-Zentrum, Fachmarkt, oder zusätzliche Ansiedlungen angegliedert werde und speziell der Standort Memmingen mit 45.000 Einwohnern als solches zu klein wäre, um die enorme Investition zu tragen. Um jedoch Memmingen als Oberzentrum mit einem bisherigen Einzugsbereich von ca. 260.000 Einwohnern zu bedienen und einen möglichen, erweiterten Einzugsbereich in Betracht zu ziehen, wurden in dieser betrachteten Region Bedarfe aufgedeckt, die mit den Fachmärkten abgedeckt werden können und so den Einzugsbereich und damit die Kaufkraft vergrößern sollen.

Zudem wurden Unzulänglichkeiten auf der Autobahn A7 und der Wochenendverkehr angesprochen, was jedoch eher als ein nicht-IKEA-relevantes Thema eingeordnet werden muss, sondern als ein seit langem bestehender Mangel, der unabhängig von IKEA nach Lösungen verlangt.

Die Frage nach einer eventuellen Zufahrt von der Buxheimer Straße wurde klar verneint, die Zufahrt wird ausschließlich von der Europastraße kommen und wird sich auch im Nachhinein nicht ändern.

Ob ein Anstieg im Verkehrsaufkommen im Industriegebiet Nord und der Europastraße in den Planungen bereits berücksichtigt wurde, fragte ein weiterer Teilnehmer. Seine Frage wurde mit einem klaren Ja beantwortet. Die Prognosen bis zum Jahr 2025 seien in den Verkehrsmaßnahmen berücksichtigt.

Auch die Regio-S-Bahn (Illertalbahn) wurde angesprochen zur Verkehrsentlastung, wozu sich Oberbürgermeister Markus Kennerknecht zu Wort meldete: Wie vor Kurzem in den Medien berichtet, besuchte er unlängst mit MdL Klaus Holetschek Bayerns Verkehrsminister Joachim Herrmann (wir berichteten am 01.12.2016), der sich für die Memminger Halte in Pless, Fellheim, Heimertingen, Amendingen, am Berufsbildungszentrum (BBZ) in Memmingen und in Buxheim ausgesprochen hatte und sie als festen Bestandteil seiner Agenda betrachte.

Auf die Frage, ob denn auch der Fahrradverkehr zwischen Amendingen und Buxheim (Marianum) miteinbezogen wurde, antwortete ein IKEA-Vertreter positiv: Der bestehende Fahrradweg bliebe bestehen und würde weiter ausgebaut.

Alle weiteren Infos, die die Stadt Memmingen betreffend der IKEA-Ansiedlung bereitstellt, finden Sie hier.

Und wer das IKEA Bürgerforum noch nicht kennt, hier der Link auch dazu.

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