Memmingerberg und seine Menschen, Häuser und Geschichte(n) – eine Chronik über Memmingerberg

17. Dezember 2016 von Christine Hassler - 1 Kommentar

Was als Fotoausstellung begann, wurde nun zu einem Buch über Memmingerberg: Die Memmingerberger Chronik.

Im Herbst 2010 veranstalteten Gabi Wassermann, Günter Halbig und Ursula Stetter im evangelischen Gemeindehaus in Memmingerberg eine Fotoausstellung mit dem Titel „Woisch no – eine Reise durch den Alltag vergangener Zeit“, die begeistert aufgenommen wurde. Als Folge wurde Ursula Stetter von Bürgermeister Alwin Lichtensteiger angesprochen,

und gefragt, ob das Dreier-Team nicht, basierend auf der Ausstellung, weiter recherchieren und ein ganzes Heimatbuch gestalten könnte. Ohne zu wissen, was auf sie zukam, sagten sie zu.

„Ich hätte niemals gedacht, dass sich so viele interessante Fakten und Begebenheiten über Memmingerberg herausfinden lassen“, erzählt Ursula Stetter, „und so füllte sich Seite um Seite, mal schneller, mal mühsamer, und die Jahre vergingen.“

Memmingerberger Chronik, 17.12.2016

Die Entstehung des Buches

Archive in Memmingen, Augsburg und Memmingerberg wurden zu ihrer „zweiten Heimat“ und das Wohnzimmer zu ihrem Büro. Telefondrähte liefen heiß, (Ex-) Memmingerberger wurden in ganz Deutschland angerufen, sogar das Verteidigungsministerium in den USA bekam eine E-Mail.

Zu ehemaligen Kriegsgefangenen in Italien und den Vereinigten Staaten wurden ebenso Kontakte geknüpft, wie zu Nachkommen ausgewanderter Memmingerberger. Tausende Fotoaufnahmen von Quellen und Literatur wurden gemacht, in der Gemeinde ausgedruckt und abends oder nachts im heimischen Büro studiert und ausgewertet.

„Ohne Gabi Wassermann, die alle Bilder einscannte und den ganzen Text am PC schrieb, wäre das Projekt nicht zu verwirklichen gewesen“, würdigt Ursula Stetter die Arbeit ihrer Mitstreiterin. Günter Halbig hingegen fotografierte und zeichnete für das Buch Karikaturen. Rudolf Mayer ergänzte das Team und  „übersetzte“ viele Quellen aus der (Alt-) Deutschen Schrift in die Lateinische, eine Menge, so Ursula Stetter, die sie allein nie geschafft hätte.

Memmingerberger Chronik, 17.12.2016

Zudem hätte das Buch ohne die vielen (Ex-) Memmingerberger nicht entstehen können, die bereitwillig ihre Erinnerungen mit Ursula Stetter teilten, Rundrufe starteten und ihre Fotoalben öffneten, wie sie begeistert anmerkte.

„Tief berührt haben mich die verschiedenen Lebenserinnerungen und die hohe Kindersterblichkeit, die anhand der Eintragungen in den Kirchenbüchern deutlich wurde. Der häufig verwendete Begriff „gute alte Zeit“ erscheint dadurch in einem anderen Licht und die Dankbarkeit in Frieden und Freiheit leben zu dürfen erhält eine andere Dimension.“

Für all die, die sich über die vielen Farbaufnahmen aus dem Jahr 1938 wundern, gibt Ursula Stetter gleich vorab die Erklärung: Der begeisterte Hobbyfotograf Otto Hell arbeitete damals im Fliegerhorst und nahm mit den erst seit den Olympischen Spielen 1936 erhältlichen Farbdiafilmen, viele Alltagsszenen und Dorfleute auf. Als er versetzt wurde, hinterließ er diesen Schatz im Amtszimmer des damaligen Bürgermeisters, wo er lange Zeit im Verborgenen blieb.

Memmingerberger Chronik, 17.12.2016

Die Aufteilung des Buches

Es besteht eigentlich aus zwei Büchern, einmal „Geschichte und Geschichten“, zum zweiten aus der „Haus- und Hofgeschichte“, die sich auch optisch voneinander unterscheiden.

„Geschichte und Geschichten“ spricht zunächst über die Entstehung Memmingerbergs und später über „Memmingerberg als reichsstädtisches Dorf“: Mit der Besetzung Memmingens 1802 durch die Franzosen wurde Memmingerberg bayerisch und eine selbständige Gemeinde.

Mit dem Beginn der NS-Zeit kam für Memmingerberg ein Umbruch, denn der Fliegerhorst veränderte die Gemeinde. Des weiteren werden die Kirchen St. Gordian und Epimachus und St. Ambrosius vorgestellt, sowie die Schule, die Soziale Fürsorge mit Armen- und Krankenwesen und der Versorgung der Kleinsten.

Die Landwirtschaft im Raum Memmingerberg wird beschrieben, neben „Handel, Gewerbe und Industrie im Wandel der Zeit“, die Vereine und „Die drei fliegerischen Zeitphasen in Memmingerberg“.

Bei der „Haus- und Hofgeschichte“ werden zunächst die Memmingerberger Häuser, Höfe und Denkmäler vorgestellt, später Künersberg. Alt und Neu werden gegenübergestellt, denn nur wenige wären in der Lage, die alten Bilder zuzuordnen.

Memmingerberger Chronik, 17.12.2016

Diverse Anhänge, zusätzliche Informationen, Geschichten und Lebensbilder, sowie ein Personenregister runden das Buch ab.

Besonders interessant und verblüffend war für Ursula Stetter während ihrer Recherchen, welch große Auswirkungen die „große Weltpolitik“ auf den Alltag eines kleinen Dorfes hatte.

Das Buch mit knapp 600 Seiten ist für 29 Euro im Memmingerberger Rathaus und in den örtlichen Banken erhältlich.

Wir wünschen viel Spaß beim Lesen!

Eine Antwort zu “Memmingerberg und seine Menschen, Häuser und Geschichte(n) – eine Chronik über Memmingerberg”

  1. Ich habe heute erstmalig einen Blick in diese tolle, interessante Memmingerberger Chronik getan und bin ganz ehrlich fasziniert von dieser Vielfalt an Informationen in Wort und Bild. Dieses Werk gibt viele, viele Antworten auf Fragen, die im Alltag oft zufällig auftauchen. Ob es jetzt um Hausnamen, um geschichtliche Jahreszahlen, um Handwerk, Handel, Landwirtschaft, Kindergarten, Schule, Kirchen, Vereine usw. usw. handelt, ich finde auf alle Fragen eine Antwort.
    Und wenn ich mir dann vorstelle, dass Ursula Stetter mit ihrem Helferteam dieses umfangreiche Daten- und Bildmaterial zusammengetragen und zu Papier gebracht hat, alle Achtung!
    Ich kann das Autorenteam, sowie die Gemeinde Memmingerberg zu diesem Werk nur beglückwünschen.
    Ich bin der Meinung, dass diese Chronik eine Kostbarkeit für alle Memmingerberger Bürger darstellt.

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