Christbaumloben

20. Dezember 2016 von Christine Hassler - Keine Kommentare

„Das ist aber ein wirklich schöner Baum“ ist einer der Sätze, der in der Weihnachtszeit in Teilen Bayerns und Baden-Württembergs, vor allem in unserem schönen Bayrisch Schwaben, oft, jedoch in den seltensten Fällen ohne Erwartungshaltung ausgesprochen wird. Erwartet wird eine kleine Belohnung, denn das Christbaumloben hat hier Tradition.

Auch in diesem Jahr fand im Memminger Rathaus das traditionelle Christbaumloben statt mit rund zwanzig ganz unterschiedlich geschmückten Christbäumen, die von Memminger Firmen gespendet und von öffentlicher Hand geschmückt wurden.

Christbaumloben, Memmingen, Dezember 2016

Neben einigen traditionellen Bäumen mit glänzend roten Glaskugeln, Schleifen und roten Kerzen gab es einen Baum in den Memminger Farben, geschmückt mit gestrickten Wollbällchen in weiß und rot, einen „Hundebaum“ mit Hundeknochen und Hundetrockenfutterringen und ähnlichem, einen Baum mit einer Eskimo-Krippe, und einen weiteren mit ägyptischen Figuren.

Besonders schön fanden wir auch zwei Krippen unter den dazugehörigen Bäumen: Unter einem Baum, der mit bunten Vögeln aus Holz geschmückt war und die Nahrung für die Vögel in Form von Vogelfutterringen und -bällchen gleich mitgelieferte, befand sich eine stimmungsvolle Krippe aus Tieren in Holzrelieff.

Ein weiterer Baum, der mit Strohsternen, Nüssen und Kugeln verziert war, barg unter ihm die familiäre Szene einer Krippe vor einem Hüttchen, mit liebevoll gekleideten Figuren und sehr freundlichen, ausdrucksstarken Gesichtern.

Christbaumloben, Memmingen, Dezember 2016

Das Besondere in diesem Jahr

In diesem Jahr ging es offenbar weniger um reine Dekoration, sondern spiegelte vielmehr ein großes Thema unserer Zeit wieder: Nämlich wie und wie problemlos sich Tradition in eine bunte, internationale Welt einreihen und positionieren kann. Wie auch die Notwendigkeit, als Menschen allen Wesen den gleichen Respekt zu schenken, so auch der Tierwelt.

Aus eben diesem Grund war unser persönlicher Favorit der „Weltwunschbaum“ mit vielen, auf Papierstreifen bunt geschriebenen Worten von Engagement über Güte und Freundlichkeit, Respekt, Stille und Toleranz bis Verständnis und Zusammenhalt, verziert mit handbemalten Papiersternen.

Christbaumloben, Memmingen, Dezember 2016

Die Wahl des schönsten Baumes

Veranstaltet wurde das Christbaumloben vom Verein Soziale Bürger Memmingens, allen voran das Ehepaar Bretzel, die am Ende auch, zusammen mit Oberbürgermeister Markus Kennerknecht, die Siegerehrung abhielten.

Zum schönsten Baum gewählt wurde der Baum von Else Frasch (Memmingen), weitere Preise erhielten Anja Hoch (Ottobeuren), Dietmar Weirather, Elvira Böhm, Herbert Mück und Berta Huber, alle letzteren aus Memmingen.

Geschichte

Seit der weitflächigen Verbreitung des Nadelbaums als Weihnachtsdekoration in deutschen Haushalten im späten 19. Jahrhundert ist das Loben des Baumes wohl auch Gesprächsthema. Indem man Freunden und Verwandten zu Weihnachten einen Besuch abstattete, wurden Freundschaften gepflegt und der Zusammenhalt in ländlichen Regionen gestärkt.

Im Gegensatz zu heute wurde dabei auch an die Türen von Leuten geklopft, mit denen man sonst nicht näher zu tun hatte, die aber in der Nachbarschaft oder im Dorf wohnten. So kam man in Kontakt miteinander und die Dorfgemeinschaft blieb intakt.

Verbreitung

Bekannt ist das Christbaumloben ausschließlich in Bayern und in Teilen Baden-Württembergs. Der Brauch wird vor allem auf dem Land ausgeübt und ist heute in größeren Städten wie München oder Augsburg so gut wie nicht zu finden. Doch auch innerhalb Bayerns ist das Christbaumloben nur in bestimmten Regionen verbreitet, vorwiegend im Allgäu und in Schwaben. In Teilen Frankens und der Oberpfalz kennt man diesen Brauch unter dem Namen „Christbaumschauen“.

Christbaumloben, Memmingen, Dezember 2016

Ein paar fotografische Eindrücke vom Christbaumloben im Memminger Rathaus für die, die es nicht geschafft haben vorbeizugehen, finden Sie hier und auf unserer Facebookseite.

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