Das-gehört-sich-nicht?

20. Dezember 2016 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Was hat der innere Kritiker mit unserem Verhandlungsgeschick zu tun? Wie Glaubenssätze unsere Vorstellungskraft und damit unser Verhandlungsgeschick beeinträchtigen und wie wir dem begegnen können, darüber referierte Ronja Hartmann am vergangenen Donnerstag im ehemaligen Union-Kino, als Teil des Begleitprogrammes zur Ausstellung „He, Fräulein!“

Ronja Hartmann ist 45 Jahre alt, konnte in mehreren Berufen und Branchen Erfahrungen sammeln und seit 1998 ist ihr Aktionsschwerpunkt die Öffentlichkeitsarbeit. Sie bietet Trainings in strategischer Kommunikation, Positionierung, der Entwicklung von Content-Strategien und vieles mehr, was grundsätzlich mit Kommunikation zusammenhängt.

Als Beitrag zum Begleitprogramm der Ausstellung „He, Fräulein“, als eines von 12 Teilprojekten des Projektes „Zeitmaschine Freiheit“ des Stadtmuseum Memmingen, referierte die Messaging- und PR-Spezialistin in ihrem ersten Vortrag unter dem Titel „dasgehörtsichnicht“.

Vortrag dasgehörtsichnicht-Ronja Hartmann, im Rahmen von Zeitmaschine Freiheit, 15.12.2016

Der innere Kritiker, der sich von gesellschaftlich geprägten Verhaltensmustern und Erwartungen nährt, spiele grade bei Frauen auch heute noch eine viel größere Rolle, als wir annehmen, so Ronja Hartmann. Genau der ist auch dafür verantwortlich, ob sich eine Frau das Recht herausnimmt, selbstbewusst aufzutreten, oder aber sich zurück zu nehmen, sich zu entfalten, oder sich zu beugen.

„Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden“ zitierte sie einleitend Rosa Luxenburg.

Dass stereotype Geschlechterrollen auch heute noch eine nicht zu verachtende Rolle spielen und Frauen mehr davon betroffen sind, zeigt unter anderem eine Aussage von Sheryl Sandberg, Geschäftsführerin (COO) von Facebook: „Das nächste Mal, wenn Du dabei bist, Deine Tochter als rechthaberisch zu bezeichnen, hole tief Luft und sage: meine Tochter hat Führungsqualitäten.“

Vortrag dasgehörtsichnicht-Ronja Hartmann, im Rahmen von Zeitmaschine Freiheit, 15.12.2016

William Pollack (Harvard University) erklärte das Phänomen folgendermaßen: „Die Mechanismen sind subtil und setzen gleich nach der Geburt ein. Weibliche Babys haben im Durchschnitt einen Reifungsvorsprung und sind kräftiger als ihre männlichen Pendants. Fragt man aber Väter, wer ihrer Meinung nach kräftiger sei, so antworten die allermeisten: Die Jungen. Und das, weil sie es einfach von ihnen erwarten.“

Eine Studie über Beliebtheit sage aus, dass Frauen vor allem dann als „gut“ eingestuft werden, wenn sie freundlich und warm sind. Männer hingegen werden dann als „gut“ eingestuft, wenn sie kompetent sind.

Eine weitere Studie führte zutage, dass Männer sich für einen Job bewerben, wenn sie 40% der Voraussetzungen erfüllen, Frauen bewerben sich erst, wenn sie 120% der Voraussetzungen erfüllen, was nichts anderes bedeutet, als dass sich viele Frauen weit unter ihrem Wert verkaufen.

Wie also kann man sich erfolgreich durchsetzen, vor allem als Frau? Wichtig seien laut Ronja Hartmann hierbei zunächst zwei Fragen, die man sich selbst beantworten sollte: Wie sichtbar ist es, dass ich das kann? Und: Wie gut kann ich andocken?

Die Frage nach der Sichtbarkeit beinhalte unter anderem, ob ich meine Qualitäten unter den Tisch kehre, oder sie selbstbewusst präsentiere. Die Frage nach dem Andocken beinhalte hingegen nicht, wie gut ich im Manipulieren bin, sondern wie gut ich andere mitnehmen kann, erklärte Ronja Hartmann weiter.

Vortrag dasgehörtsichnicht-Ronja Hartmann, im Rahmen von Zeitmaschine Freiheit, 15.12.2016

Folge ich den stereotypen Erwartungen anderer, bedeute dies, dass ich mich beuge und unter den Scheffel stelle. Beuge ich mich diesen Erwartungen nicht, eröffne sich die Möglichkeit, eigene Ziele zu formulieren und zu verfolgen.

Interessant auch folgende Beobachtung: Entscheidungen kosten Willensstärke und damit Energie. Nachdem man nicht unendlich davon pro Tag erübrigen könne, solle man sich also genau überlegen, welche Entscheidungen wichtig seien und welche zweitrangig. Wenn also eine Frau, noch bevor sie aus dem Haus geht, sich den Kopf zermartert, was sie anziehen soll, was nicht, welche Schuhe, welche nicht, was essen, was nicht, ob Tee oder Kaffee trinken, usw. hat sie damit bereits eine Menge Energie für den Rest des Tages verschwendet.

Genau aus diesem Grunde würden sich zum Beispiel Ex-US Präsident Barak Obama genau wie Mark Zuckerberg (Gründer und Vorstandsvorsitzender von Facebook) ihre Garderobe sehr einfach gestalten: Ein paar Sets blauer Anzüge, ein paar Sets grauer Anzüge (grauer Pullis, blauer Pullis…), um so für diese Art von Entscheidungen weder Zeit noch Energie zu verschwenden.

Vortrag dasgehörtsichnicht-Ronja Hartmann, im Rahmen von Zeitmaschine Freiheit, 15.12.2016

Amy Cuddy, eine US-amerikanische Sozialpsychologin untersuchte hingegen, wie die Körpersprache beeinflusst, wer wir sind. Nicht nur, wie wir auf andere wirken, sondern auch, wie wir selbst von unserer nonverbalen Kommunikation beeinflusst werden. Interessant dabei ist, dass es in beide Richtungen geht: Wenn man sich mächtig fühlt, macht man etwa weite Armbewegungen. Macht man weite Armbewegungen, fühlt man sich machtvoller.

Unterlegt werden diese Aussagen von messbaren Werten: Misst man bei diesen Versuchen die Hormonspiegel, wird man feststellen, dass Menschen mit einem machtvollen, bestimmenden, selbstbewussten, optimistischen Auftreten und einer dementsprechenden Körperhaltung einen großen Testosteron-Spiegel haben, dagegen einen niedrigen Cortisol-Spiegel (Stress-Hormon). Sie fühlen sich also machtvoll und entspannt.

Getestet wurde nun, ob umgedreht eine bewusst eingenommene Körperhaltung wie die „High-Power-Pose“, die Haltung eines selbstbewussten, machtvollen Menschen, auch andersherum den Menschen positiv beeinflussen kann.

Das Ergebnis: Nach nur 2 Minuten in der High-Power-Pose (breitbeinig, Arme aufgestützt) ergaben sich in der Speichelprobe eine Steigerung des Testosterons von 20%, während die Low-Power-Pose (klein machen, Beine überkreuzt, Arme verschränkt) einen zusätzlichen Abfall des Testosterons von 10% ergab.

Das Stresshormon Cortisol hingegen fiel um 25% ab nach 2 Minuten High-Power-Pose, und stieg um 15% nach zweiminütiger Einnahme der Low-Power-Pose.

Die High-Power-Pose kann also bei Stresssituationen, sowie vor Bewerbungsgesprächen, vor öffentlichen Auftritten, vor Vorträgen, etc. eine sehr nützliche Praxis sein, um uns bewusst selbst zu stärken, Angst abzulegen und Mut zu machen, unsere Stärken besser zu präsentieren. Und: Wir können davon ausgehen, dass dies auch von unserem Gegenüber so empfunden wird. Denn im Experiment wollten im Bewerbungsgespräch alle die Menschen einstellen, die sich selbstbewusster und entspannter präsentierten.

Vortrag dasgehörtsichnicht-Ronja Hartmann, im Rahmen von Zeitmaschine Freiheit, 15.12.2016

Der Rest dieses interessanten Abends klang aus mit dem Austausch an persönlichen Erfahrungen der teilnehmenden Besucher.

Mehr Infos über das Teilprojekt (Ausstellung) He, Fräulein auf  der entsprechenden Webseite, hier verlinkt.

Mehr Infos über das Projekt Zeitmaschine Freiheit auf www.zeitmaschine-stadtmuseum-mm.de.

Mehr Infos über Ronja Hartmann finden Sie auf ihrer Webseite.

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