Zwischen mulmig und mutig

27. Dezember 2016 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Zwischen mulmig und mutig strömten die Menschen am Heiligen Abend von allen Seiten zum Weihnachtsgottesdienst auf den Memminger Marktplatz, der bereits im Lichterglanz der Weihnachtsdekoration erstrahlte unter einem Nachtblauen Himmel.

Nur der Mond versteckte sich in diesem Jahr, und die mit Straßensperrungen und schweren Fahrzeugen des Bauhofs gesicherten Zufahrtstraßen zum Marktplatz erinnerten daran,

dass Frieden und Freude ein schützenswertes Gut sind.

Weihnachten auf dem Memminger Marktplatz, 24.12.2016

Raum

Dekan Christoph Schieder nahm die zu tausenden gekommenen Zuhörer in seiner Predigt mitten in die Weihnachtsgeschichte mit und stellte sich mit ihnen die Frage, wohin, wenn es keinen Raum gibt – die gleiche Frage, der sich Josef in der Weihnachtsgeschichte stellen musste.

Instinktiv suche man sich einen Ort, an dem man sich sicher fühlen kann. Keinen sicheren Platz zu haben sei ein Lebensgefühl, das Enge vermittelt, Unsicherheit und Angst, aus der sich Wut entwickeln kann, sich Raum zu schaffen. Gott sei durch die Geburt seines Sohnes in genau diese Enge geboren worden, mitten in diese Gefühle, mitten in die Angst, mitten in die Enge unseres Lebens, wie ein Licht als Zeichen des Friedens, das Helligkeit und Hoffnung in Enge und Dunkelheit bringe.

Weihnachten auf dem Memminger Marktplatz, 24.12.2016

Auch die Kirchengemeinde St. Martin habe auch in diesem Jahr keinen Raum gehabt und so dankte Dekan Christoph Schieder den zahlreichen Sicherheitskräften, den Feuerwehren, der Polizei und den vielen Helfern, die dazu beigetragen haben, sich unter freiem Himmel auf unserem Marktplatz sicher zu fühlen.

Die Weihnachtsnachricht – ein Kontrastprogramm

Dekan Schieder stellte sich, wie sicher viele andere in diesem Jahr, auch der Frage, ob man sich eigentlich „fröhliche Weihnachten“ wünschen dürfe vor dem Hintergrund von Aleppo, Nizza, Paris, Berlin und einer krisengeschüttelten Welt. Seine Antwort darauf ist, sich ganz bewusst fröhliche Weihnachten zu wünschen, doch nicht im Sinne von Partystimmung, sondern weil Weihnachten es Wert sei, gefeiert zu werden.

Mit Licht und Hoffnung stehe die Weihnachtsnachricht wie ein Kontrastprogramm zu Dunkelheit und Hoffnungslosigkeit, Liebe und Versöhnung stellen den Kontrast zu Angst und Gewalt, in einer Welt des Wohlstandes stehen arme Hirten und ein Paar, das den Heiland in einem Stall gebärt im Mittelpunkt.

Hier Elend, dort Trost, hier Dunkelheit, dort Licht – ein fröhlicher Heilig Abend stelle dem Unheil bewusst etwas entgegen.

Weihnachten auf dem Memminger Marktplatz, 24.12.2016

Keine Angst

Die eigentliche Weihnachtsnachricht beginne mit den Worten „Fürchtet Euch nicht“, erinnerte Dekan Schieder die vielen mutigen Menschen, die mittlerweile den Marktplatz mit ihren entzündeten Kerzen noch ein Stück mehr erleuchteten, als verbreite sich die Weihnachtsnachricht sichtbar vor unseren Augen.

„Furcht ist ein schlechter Ratgeber, Furcht nimmt uns den aufrechten Gang, macht uns kleine Augen und ein enges Herz: Man beäugt sich misstrauisch und mit einem engen Herz geht uns schnell die Kraft aus“, betonte Dekan Schieder. Wo Angst geschürt werde, würden natürliche Reaktionen missbraucht, um persönliche Macht zu erlangen. Das Ergebnis sei das Gegenteil einer menschenfreundlichen Gesellschaft.

Die Aufforderung „Fürchtet Euch nicht“ solle uns heute bewusstmachen, von welchem Grundgefühl wir bestimmt werden und uns dazu einladen, die Angst Angst sein zu lassen und Frieden zu finden, uns von der Angst frei zu machen, zu kurz zu kommen und uns auf die eigentliche Aussage dieses Weihnachtsfestes zu besinnen.

Weihnachten auf dem Memminger Marktplatz, 24.12.2016

Weihnachtsstimmung

Bei dieser Weihnachtspredigt stand ich ganz weit im Hintergrund, fast mit dem Rücken zum Zunfthaus, vor mir ein Mann, der sich ständig nervös und ängstlich umdrehte, obwohl zwei Sicherheitskräfte lange praktisch neben ihm standen. Ich nahm ihn wahr, nahm seine Angst wahr, doch als ich die vielen tausend Menschen betrachtete, die sich nicht umdrehten, sondern mit leuchtenden Augen nach vorn blickten oder sangen und der Predigt lauschten, empfand ich etwas wie… Zuversicht.

Als Dekan Schieder dann allen ein frohes Weihnachten wünschte, und sich diese vielen Menschen umdrehten und sich lächelnd gegenseitig in die Arme nahmen, um sich ebenfalls frohe Weihnachten zu wünschen, und viele hundert flackernde Kerzen sich vom Marktplatz in alle Himmelsrichtungen in den Straßen verteilten, war es mir, als sehe ich die Weihnachtsnachricht vor meinen Augen geschehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Kostenlosen Newsletter abonnieren!

Verpassen Sie keine neuen Termine, Stellenangebote und Kleinanzeigen mehr. Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter-Service noch heute!

Ihre E-Mail-Adresse (Pflichtfeld)

Bitte beachten Sie die Datenschutzbestimmungen. Sie können den Newsletter in der Newsletter E-Mail abbestellen.