Arbeitsmarkt: Bilanz 2016

3. Januar 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

2016 – ein erfolgreiches Jahr für Beschäftigung: Arbeitslosenquote im Jahr 2016 bei 3,1 Prozent – 11.200 Menschen arbeitslos – Starke Nachfrage nach Fachkräften – Allzeithoch bei sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen.

Insgesamt lassen sich die Ergebnisse des Arbeitsmarktes im zurückliegenden Jahr 2016 am besten mit dem Wort Stabilität beschreiben.

Im Jahresdurchschnitt lag die Zahl der im Allgäu bei den Vermittlern der Agentur für Arbeit und den Jobcentern arbeitslos gemeldeten Menschen auf dem niedrigsten Wert der letzten vier Jahre.

Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies einen Rückgang um knapp 100 arbeitslose Frauen und Männer bei insgesamt 11.200 arbeitslos gemeldeten Menschen im Jahresdurchschnitt im Allgäu. Die Arbeitslosenquote erreichte mit 3,1 % denselben Wert wie bereits 2015.

Maria Amtmann, neue Leiterin der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen zieht ein erfreuliches Fazit: „Der Arbeitsmarkt im Allgäu gehörte auch 2016 zu den besten in ganz Deutschland. Das beweist auch die günstige Arbeitslosenquote von 3,1 Prozent. Unter diesen guten Voraussetzungen freue ich mich besonders auf meine neue Aufgabe als Leiterin der Agentur für Arbeit. Die hohe Zahl an Stellenangeboten werden wir in den nächsten Wochen und Monaten intensiv nutzen um auch Menschen, die es auf dem Arbeitsmarkt schwerer haben, neue berufliche Chancen zu eröffnen.“

Grafik 1-Arbeitsmarkt Bilanz Raum KE-MM, 2016

2016 in der detaillierteren Betrachtung

Das tägliche Geschehen auf dem Arbeitsmarkt wird mit dem günstigen Gesamtergebnis nur teilweise abgebildet. Im Verlauf des Jahres kamen annähernd 45.000 Menschen zu den Mitarbeitern bei der Agentur für Arbeit und in den Jobcentern. Doch ähnlich viele Personen meldeten sich während des Jahres wieder ab.

Gleich in den ersten beiden Monaten des Jahres 2016 wurde der Höchststand bei den arbeitslos gemeldeten Menschen erreicht, auch wenn der Winter Anfang 2016 nur ein kurzes Intermezzo gab. Viele Kräfte aus Außenberufen meldeten sich vorübergehend neu arbeitslos, von insgesamt etwa 12.700 Menschen im gesamten Raum Kempten-Memmingen.

Grafik 2-Arbeitsmarkt Bilanz Raum KE-MM, 2016

Die monatlichen Ergebnisse auf dem Arbeitsmarkt in den Jahren 2015 und 2016 blieben ähnlich günstig, wie die Grafik zeigt. 2016 zeigte die Arbeitslosenquote an insgesamt fünf Monaten eine Zwei vor dem Komma. Der niedrigste Wert wurde im Oktober mit 2,7 % erreicht.

Insbesondere im Schlussquartal wirkte sich die anhaltend gute Witterung positiv aus, denn das Ende der Herbstsaison verzögerte sich im Tourismusgewerbe um einige Wochen. Entlassungen wurden daher später als in früheren Jahren vorgenommen.

Entwicklung in den Wirtschaftsräumen

Das robuste Gesamtergebnis spiegelt sich auch in vielen Teilregionen des Agenturbezirks wieder. Die Arbeitslosenquote verbesserte sich in den Wirtschaftsräumen Kempten, Lindau und im südlichen Oberallgäu. Die Region Kaufbeuren wies ebenfalls mit einer Quote von 3,9 % einen niedrigeren Wert auf als in den Vorjahren.

Im Agenturbezirk führend war der Wirtschaftsraum Mindelheim mit einer Arbeitslosenquote von 2,4 %. Im Jahresverlauf ergaben sich insbesondere in Regionen mit saisonalen Einflüssen stärkere Verschiebungen. Beispielhaft ist dabei das Tourismusgewerbe, das im südlichen Oberallgäu, am Bodensee und im Raum Füssen die Entwicklung im Jahresverlauf stärker beeinflusste.

Und so sahen die Ergebnisse der einzelnen Wirtschaftsräume im Jahresvergleich aus:

Grafik 3-Arbeitsmarkt Bilanz Raum KE-MM, 2016

Jüngere unter 25 Jahren

Junge Menschen, vor allem die, die über einen Berufsabschluss verfügen, waren 2016 deutlich geringer von Arbeitslosigkeit betroffen als andere Personengruppen und finden oft auch rascher wieder eine neue Beschäftigung.

Zu Jahresbeginn waren insgesamt 1.400 Menschen unter 25 Jahren ohne Beschäftigung, ähnlich viele wie im Jahr zuvor. In den Folgemonaten endete für zahlreiche Personen in dieser Altersgruppe die Zeit ohne Beschäftigung. Im Juni 2016 wurde mit 1.146 jungen arbeitslosen Menschen der niedrigste Stand erreicht.

Grafik 4-Arbeitsmarkt Bilanz Raum KE-MM, 2016

In den Sommermonaten ging die Arbeitslosigkeit junger Menschen vorübergehend steil nach oben. Nach Abschluss ihrer betrieblichen oder schulischen Ausbildung wurden diese nicht übernommen oder sie hatten selbst neue Pläne wie Studium oder den Besuch einer weiterführenden Schule. Aufgrund von Arbeitsaufnahmen und anderen beruflichen Aktivitäten waren im letzten Quartal deutlich weniger Menschen in dieser Gruppe arbeitslos, zuletzt im Dezember noch 1.049 Kräfte.

Ältere (50 Jahre +)

Schwieriger gestaltete sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt für Menschen im Alter

von 50 Jahren und mehr: Annähernd 40 % aller arbeitslosen Menschen befinden sich mittlerweile in dieser Altersgruppe.

Mit knapp 4.300 Menschen jahresdurchschnittlich waren ähnlich viele aus dieser Altersgruppe bei den Vermittlern gemeldet als im Jahr zuvor – wie auch die Grafik verdeutlicht. Gerade in diesem Bereich gibt es zahlreiche Menschen, die mit ihrer Berufserfahrung, ihrer Qualifikation und ihrem beruflichen Engagement angesichts des Fachkräftemangels eine sinnvolle Alternative für die Besetzung vakanter Stellen sein kann.

Grafik 5-Arbeitsmarkt Bilanz Raum KE-MM, 2016

Geflüchtete Menschen

Eine nachhaltige Integration von Flüchtlingen bildete auch im zu Ende gegangenen Jahr 2016 eines der zentralen Themen für den Arbeitsmarkt im Allgäu. Zuletzt waren im Allgäu 550 Flüchtlinge aus den acht stärksten nichteuropäischen Zugangsländern arbeitslos gemeldet (Syrien, Irak, Iran, Eritrea, Somalia, Nigeria, Afghanistan, Pakistan). Ihre Zahl hat sich innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt. Das hat auch mit der gestiegenen Zahl von Entscheidungen zu Asylverfahren durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zu tun.

Deutschkenntnisse und ein Berufsabschluss sind zur Ausübung einer qualifizierten Tätigkeit eine unabdingbare Voraussetzung. Viele Flüchtlinge können die für eine qualifizierte Tätigkeit in Betrieben geforderten Nachweise nicht vorlegen, weil sie ihre Unterlagen nicht mitnehmen konnten oder es im Heimatland kein Ausbildungssystem gibt, das dem in Deutschland entspricht.

Daher üben diese Menschen zumeist Helfertätigkeiten, z.B. in der Gastronomie oder im Baugewerbe aus. Im März 2016 – das sind die aktuellsten Daten – arbeiteten insgesamt 655 Flüchtlinge aus den genannten acht Ländern sozialversicherungspflichtig.

Bei Asylbewerbern und Geduldeten prüfte die Agentur für Arbeit bis zum Inkrafttreten des neuen Integrationsgesetzes Anfang August 2016, ob es für die Tätigkeit auf einem Arbeitsplatz Deutsche oder EU-Staatsangehörige gibt, die vorrangig beschäftigt werden müssen. Daneben war zu klären, ob Arbeitsbedingungen wie Lohn und Arbeitszeit den tariflichen oder ortsüblichen Anforderungen entsprechen.

Diese Prüfung der Arbeitsbedingungen bleibt auch nach der Neuregelung weiterbestehen, während die so genannte Vorrangprüfung in den meisten Bezirken der Arbeitsagenturen (auch im Allgäu) entfallen ist. Auswirkung für die Praxis ist eine deutliche Zeitersparnis und damit zügige Möglichkeit zur Arbeitsaufnahme.

Für eine nachhaltige Integration auf dem Arbeitsmarkt sind qualifizierte berufliche Kenntnisse notwendig. Obwohl viele Flüchtlinge aus persönlichen Gründen bevorzugt eine schnelle Beschäftigung als Helfer anstreben, sorgt eine Berufsausbildung für eine höhere Stabilität und mehr Sicherheit auf dem Arbeitsmarkt.

Gerade Jüngere können über eine Einstiegsqualifizierung als eine Art „Langzeitpraktikum“ zu einer Ausbildung hingeführt werden. Im Betrieb lernen sie Ausbildungsinhalte kennen und können ihre Deutschkenntnisse verbessern. Die Chancen auf eine erfolgreiche Ausbildung im Betrieb erhöhen sich, denn eine bessere Kenntnis der deutschen Sprache erleichtert den Besuch der Berufsschule und damit den erfolgreichen Abschluss der Ausbildung.

Eine Reihe von Betrieben beschäftigt Flüchtlinge auf diesem Weg, um beispielsweise eine Ausbildung zum Elektriker, Frisör oder Straßenbauer anzubahnen. Einzelne Unternehmen beginnen bei vorliegenden guten Sprachkenntnissen im Herbst direkt mit einer betrieblichen Ausbildung. Ausbildungen zur Fachkraft Lager/Logistik, zum Maurer oder Kfz-Mechatroniker sind hierfür beispielhaft.

Im Jahresergebnis haben Flüchtlinge für den Arbeitsmarkt 2016 noch keine markanten Spuren hinterlassen. Um bei der Integration erfolgreich zu sein, benötigen alle Beteiligten einen langen Atem. Der Arbeitsmarkt im Allgäu bietet jenen Menschen gute Perspektiven, die eine hohe Bleibeperspektive haben und engagiert ihre eigene Zukunft durch Ausbildung und Arbeit sichern möchten.

Boom bei der Kräftenachfrage

Die anhaltende Nachfrage nach Arbeitskräften bot ein starkes Indiz für den kräftigen Arbeitsmarkt. Die intensive Suche in Betrieben äußerte sich 2016 in einer kontinuierlich stärkeren Nachfrage als in den Jahren 2015 und auch 2014.

Mehr als 5.900 Stellenangebote standen im Jahresdurchschnitt für Vermittlungsaktivitäten zur Verfügung, 15 % mehr als im Jahr zuvor.

Von gut 5.000 Beschäftigungsangeboten im Januar ging es kontinuierlich nach oben bis zum Höchststand im Oktober mit knapp 6.500 Jobofferten.

Schwerpunkte bei der Kräftenachfrage

Die detaillierte Betrachtung zeigt einen Schwerpunkt auf Seiten der industriell-gewerblichen Produktion, insbesondere rund um Metall:

Metallbearbeitung sowie Maschinen- und Fahrzeugbau hatten ein deutliches Gewicht.

Mechatroniker, Schlosser und Industriemechaniker blieben während des gesamten Jahres gesuchte Fachkräfte.

Für Qualifiziertes Lagerfachpersonal, ebenso für Berufskraftfahrer boten sich zudem zahlreiche berufliche Chancen.

Der Tourismus bildete in den Regionen entlang der Berge und am Bodensee ein weiteres starkes Standbein für den Arbeitsmarkt. Hotellerie, Gastronomie und Service boten viele unterschiedliche Tätigkeiten zur Besetzung an.

Auch Handwerk und der Dienstleistungssektor wirkte beschäftigungsfördernd.

Im Baugewerbe gab es insbesondere viele qualifizierte Jobs zu besetzen.

Fachkräfte und Pflegepersonal für Altenheime und Krankenhäuser wurden während des gesamten Jahres zudem kontinuierlich gesucht.

Personaldienstleister hatten ebenfalls viele Beschäftigungsmöglichkeiten anzubieten.

Grafik 5-Arbeitsmarkt Bilanz Raum KE-MM, 2016

Arbeitslosenversicherung und soziale Grundsicherung

Seit Einführung der sozialen Grundsicherung werden arbeitslose Menschen von der Agentur für Arbeit und in den Jobcentern betreut.

Beide Bereiche entwickelten sich im Jahresverlauf unterschiedlich:

Im Bereich der Arbeitslosenversicherung war im Jahresdurchschnitt ein Rückgang um mehr als 400 Frauen und Männer festzustellen. Insgesamt betreute die Arbeitsagentur im zurückliegenden Jahr 6.200 Menschen.

Entgegengesetzt entwickelte sich der Bereich der sozialen Grundsicherung: Die Mitarbeiter in den sieben Jobcentern des Agenturbezirks waren jahresdurchschnittlich für 324 arbeitslose Personen mehr zuständig als im Jahr zuvor. Insbesondere die Zahl der beschäftigungslosen Ausländer nahm in diesem Bereich merklich zu. Insgesamt waren die Jobcenter für knapp 5.000 arbeitslose Menschen zuständig.

Grafik 7-Arbeitsmarkt Bilanz Raum KE-MM, 2016

Ein erheblicher Teil der Bezieher von „Hartz IV“-Leistungen ist übrigens nicht arbeitslos, da sie kleine Kinder betreuen, Angehörige pflegen, sich in einer Ausbildung befinden oder mindestens 15 Wochenstunden erwerbstätig sind.

Beschäftigung auf Rekordstand

Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung legte im Allgäu auch im Jahr 2016 weiter zu: Nach den aktuellsten Daten vom Juni übten zu diesem Zeitpunkt mehr als 257.000 Frauen und Männer eine entsprechende Beschäftigung aus. Im Jahresvergleich bedeutete das einen Zuwachs um annähernd 5.800 Arbeitsverhältnisse.

Schwerpunkte in der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung

Das verarbeitende Gewerbe verzeichnete mit einem Plus von 1.820 neuen Mitarbeitern den stärksten Anstieg. Allein in der Metall-, Elektro- und Stahlbranche ergab sich innerhalb eines Jahres ein Plus von gut 1.400 Kräften.

Der Bereich Heime und Sozialwesen verzeichnete einen Mitarbeiterzuwachs um 535 Frauen und Männer,

das Gesundheitswesen steuerte 480 weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei.

Im Baugewerbe arbeiteten 410 Mitarbeiter mehr,

im Gastgewerbe nahm das Personal um mehr als 310 Kräfte zu.

Teilzeitbeschäftigungen

Insgesamt ergab sich eine deutlichere Veränderung im Bereich der Teilzeitbeschäftigungen. Hier lag das Plus bei knapp 5 % (+3.080 Beschäftigungen). Die Zahl der Tätigkeiten in Vollzeit erhöhte sich um 1,5 % (+2.730 Beschäftigungen).

Der Ausbildungsmarkt 2015/2016

Im zurückliegenden Ausbildungsmarktjahr (Zeitraum: 01.10.15 bis 30.09.16) setzte sich die für junge Menschen günstige Entwicklung aus den Vorjahren weiter fort, denn wieder standen mehr betriebliche Ausbildungsstellen zur Verfügung als jugendliche Bewerber um einen Ausbildungsplatz.

Zur Verfügung gestellte Ausbildungsplätze: Mehr als 6.200 Ausbildungsplätze stellten Betriebe insgesamt dem Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur zur Verfügung, so viele wie in keinem Jahr zuvor.

Bewerber um Ausbildungsplätze: 4.615 junge Menschen, die eine betriebliche Ausbildung anstrebten meldeten sich bei den Berufsberatern, 85 Jugendliche weniger im Vergleich zum Vorjahr.

Aus Sicht jugendlicher Ausbildungsbewerber hat sich der Ausbildungsmarkt damit stark verbessert. Die betriebliche Betrachtung sieht anders aus, denn vor allem kleine Betriebe haben es zunehmend schwerer, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen. So waren Ende September mehr als 670 Ausbildungsstellen frei. Vor allem in der Hotellerie und Gastronomie sowie im Verkauf blieben viele Stellen vakant. Aber auch in Büro und Sekretariat, wie auch im Handwerk gab es noch freie Plätze.

Grafik 8-Arbeitsmarkt Bilanz Raum KE-MM, 2016

Für junge Menschen spielt bei der Berufswahl eine früher einsetzende berufliche Orientierung in den Schulen und die damit verbundene stärkere Eigeninitiative bei Bewerbungen eine zunehmende Rolle. Daneben unterstützen Online-Aktivitäten die jungen Menschen interaktiv bei ihrer Berufswahl (z.B. www.dasbringtmichweiter.de oder www.planet-beruf.de).

Ein erfreuliches Bild zeigte sich auch in den einzelnen Wirtschaftsräumen. In allen Regionen stellten Betriebe mehr Ausbildungsstellen zur Verfügung als sich junge Menschen bei den Berufsberatern meldeten.

Besonders hoch war das Übergewicht auf Ausbildungsstellenseite in den Wirtschaftsräumen Memmingen und im südlichen Oberallgäu. Zusätzliche Ausbildungschancen eröffneten sich, wenn man sich als junger Menschen offen für berufliche Alternativen zeigte.

Grafik 9-Arbeitsmarkt Bilanz Raum KE-MM, 2016

Grafik 10-Arbeitsmarkt Bilanz Raum KE-MM, 2016

Ein positiver Rückblick also auf einen robusten Arbeitsmarkt im Jahr 2016 und damit ein positiver Ausblick auf dieses neue Jahr 2017 in unserem Wirtschaftsraum Kempten-Memmingen.

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