Das Glenn Miller Orchestra lässt die Stadthalle swingen

13. Januar 2017 von Christine Hassler - 2 Comments

Bis heute sind Glenn Miller und sein besonderer Swing rund um den Globus bekannt und beliebt. Nach dem frühen Tod Glenn Millers führte sein Orchester die Auftritte zunächst ohne einen Dirigenten weiter. Heute wird das Glenn Miller Orchestra geleitet von Wil Salden, der die Orchesterleitung 1990 übernahm und das berühmte Orchester noch heute durch bis zu 140 Konzerttermine pro Jahr führt, von West- über Osteuropa bis nach Israel und Sibirien.

In einer klassischen Big Band ist ein musikalischer Leiter, der die Musiker zu Höchstleistungen anspornt und die Qualität eines Orchesters trägt, ein absolutes Muss.

In der Nachfolge Glenn Millers übernahm zunächst der langjährige Band-Saxophonist und -Sänger Tex Beneke, später eine Reihe anderer Orchesterchefs die Leitung der Big Band. 1990 übertrug der Präsident der Glenn Miller Productions Inc., Mr. David Mackay Jr., Wil Salden die Leitung des Glenn Miller Orchestras für Europa, der das Orchester noch heute erfolgreich leitet.

Glenn Miller Orchestra, Memmingen, 11.01.2017

Der ist es auch, der uns an diesem Abend in der Stadthalle begrüßt, uns durch den Abend führt, Songs ankündigt und gelegentlich interessante Details über Glenn Millers Musik einfließen lässt, wenn er nicht gerade dirigiert, Piano spielt oder selbst singt.

Swing, eine Stilrichtung des Jazz der 1920er- bis 1930er-Jahre erreichte ihre große Popularität aus der Tanzbarkeit und ihrem vollen Klang. Die Verbreitung des Swing ist untrennbar mit der Entstehung der Big Band bzw. des Jazzorchesters verbunden. Die Big Band, damals ein absolutes Novum, brachte auf Grund ihrer Größe große Veränderungen in der Art des Musizierens, aber auch eine breite Palette an neuen musikalischen Möglichkeiten mit sich.

Der für Glenn Miller typische Sound basiert darauf, dass die Klarinette den Saxophonsatz führt. Wil Salden: „Bei uns spielt wie bei Glenn Miller die Klarinette die erste Stimme und wird von vier Saxophonen begleitet“: zwei Altsaxophonen und zwei Tenorsaxophonen.

Glenn Miller Orchestra, Memmingen, 11.01.2017

Man spürt, dass Wil Salden hohe Ansprüche an jedes einzelne Mitglied seines Orchesters stellt, denn jeder Ton, jede Bewegung sitzt. Die Big Band wurde behutsam aufgebaut und ist durch ihre vielen Tourneen sowie Rundfunk- und Fernsehauftritte eines der weltweit gefragtesten Ensembles.

Natürlich hören wir an diesem Abend Glenn Millers berühmteste Songs: Seine ersten Nummer-eins-Hits „Stairway to the Stars“ und „Moon Love“, sowie seine Eigenkomposition „Moonlight Serenade“, Millers drittem Nummer-1-Hit.

Weitere Songs, die Glenn Miller berühmt machten wie „Chattanooga Choo Choo“, und weitere berühmte Songs, die er vertonte wie „A String of Pearls“, „That Old Black Magic“, „Blueberry Hill“, „Georgia on My Mind“, „I Got Rhythm“, „Little Brown Jug“, „Somewhere Over the Rainbow“, „Rhapsody in Blue“, „The Woodpecker Song“ und „When Johnny Comes Marching Home“ durften natürlich nicht fehlen und geben nur einen Durchschnitt des breiten Repertoires des Orchesters wieder.

Die weiblichen Gesangparts übernahm Ellen Bliek und etwas Humor durfte an diesem Abend auch nicht fehlen: Zunächst erwuchsen aus dem Orchester wundervolle Soloparts von abwechselnd Posaune, Saxophon und natürlich Klarinette, die sich über das Orchester erhoben. Bis dann vier Posaunisten in den Vordergrund traten, die begannen Wil Salden spielend zu necken und mit den historisch anmutenden Dämpfern zu spielten, die am Ende auf ihren Köpfen landeten.

Glenn Miller Orchestra, Memmingen, 11.01.2017

Glenn Miller

Im Jahr 1926, nach einem Studienaufenthalt an der Universität von Colorado, trat Glenn Miller, Jazz-Posaunist, später Bandleader, Komponist und Arrangeur, der „Ben Pollack Band“ bei, die er zwei Jahre später wieder verließ. Von 1929 bis 1937 spielte er als unabhängiger Posaunist bei Red Nichols, Benny Goodman, Ray Nobles American Band und den Dorsey Brothers.

Im Jahr 1937 machte Glenn Miller mit seiner ersten eigenen Band einige Aufnahmen für Columbia, unter anderem „Solo Hop“, Millers erster Hit, der Rang 7 erreichte.

Seine ersten Nummer-eins-Hits waren „Stairway to the Stars“ und „Moon Love“, die Eigenkomposition „Moonlight Serenade“ wurde Millers dritter Nummer-1-Hit.

Seine erste Schallplatte wurde kaum verkauft, da er dort dieselben Musikstücke aufgenommen hatte wie Swing-König Benny Goodman.

1942 gewann Glenn Miller die erste goldene Schallplatte der Musikgeschichte für das Lied „Chattanooga Choo Choo“, das er mit seinem Orchester auch in dem Spielfilm Adoptiertes Glück spielte.

Glenn Miller war ein Perfektionist in Bezug auf Arrangements, die er selbst schrieb oder mitschrieb und zudem ein begnadeter Geschäftsmann. Seine Band war eine Musikkapelle, die durchorganisiert war wie eine Firma: Seine Musiker waren versichert, die Bühnenarbeiter angestellt und es gab eine PR-Abteilung. All dies wurde in seiner sozialverträglichen Art und Weise ein Vorbild für viele spätere Bands.

1944 starb Glenn Miller unter bis heute nicht festgestellten Umständen. Es wird vermutet, dass das Flugzeug, mit dem er nach Frankreich unterwegs war, über dem Ärmelkanal wegen dichten Nebels von Bomben britischer Flugzeuge getroffen wurde.

Glenn Miller Orchestra, Memmingen, 11.01.2017

Orchesterleiter Wil Salden

Wil Salden wurde 1950 in den Niederlanden geboren und studierte an der Musikhochschule in Maastricht. Während seines Studiums trat er immer wieder mit kleineren Musikgruppen auf und gründete bald seine eigene Band.

1978 begann der Arrangeur und Orchesterleiter mit seinen Glenn-Miller-Studien. Auf seinen Konzertreisen hatte er immer wieder erlebt, wie die authentische Musik Glenn Millers nach wie vor die Konzert- und Ballbesucher begeistert.

Wil Salden zog die Konsequenz daraus und baute sein Repertoire nach und nach um. Perfektionist, der er ist, befasste er sich mit den Quellen der Geschichte Glenn Millers. Es gelang ihm, das Original-Notenmaterial aufzuspüren, und so konnte er die eigenen Arrangements von Glenn Miller übernehmen und aufführen.

Weitere Infos über das Glenn Miller Orchestra auf www.glenn-miller-orchestra.de.

Mehr Fotos vom Konzert auf unserer Facebookseite.

2 Antworten zu “Das Glenn Miller Orchestra lässt die Stadthalle swingen”

  1. Wo, liebe Frau Hassler, bekommt man sonst einen solchen umfassenden Artikel zu einer Musikveranstaltung geliefert als von Ihnen? Ein wunderbarer Text, der nicht nur auf das Konzert eingeht, sondern Hintergründe beleuchtet, Grundzüge der Historie aufzeigt und phantastisch informativ ist. Gäbe es Artikel dieser Art schon im Vorfeld einer solchen Veranstaltung zu lesen, würden sie bestimmt sehr werbewirksam wirken und mehr Interessierte motivieren, das Konzert zu besuchen. Allerbesten Dank!

    • Hallo Horst, vielen Dank! 🙂 Sehr freundlich von Dir und ich erwiedere das Kompliment, auch Deinen Bericht finde ich sehr gut. 🙂 Allerdings dachte ich mir das gleiche: Oftmals wäre ein informativer Vorbericht wirksamer als ein informativer Nachbericht. Denn wer hat heute schon Zeit, sich im Vorfeld über die Künstler / Inhalte all der Veranstaltungen zu informieren, die hier angeboten werden? Meist besuchen in der Konsequenz dann nur die die Veranstaltungten, die die Künstler / Inhalte bereits kennen. Doch oftmals wird man überrascht von interessanten Menschen / Inhalten / Darbietungen, etc., die man bisher nicht auf dem Radar hatte, jedoch sehr bereichernd sein können. Du bestärkst mich nochmals darin, Vorberichte informativer zu gestalten. Vielen Dank dafür!

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