Zweite Runde beim Städtbauförderprogramm Soziale Stadt Ost

13. Januar 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Im Herbst 2015 fiel der Startschuss für die Voruntersuchungen zur Aufnahme in das Städtebauförderprogramm „Soziale Stadt“ für den Memminger Osten. Am vergangenen Mittwoch fand nun ein Stadtteilarbeitskreis – Soziale Stadt Memmingen Ost statt, in dem nach der Auswertung der Standortanalyse nun in der zweiten Phase des Projektes die Priorisierung der wichtigsten Punkte, sowie die Entwicklung der Leitziele und Strategien eingeleitet wurden.

Der Arbeitskreis, der Bürgerbeteiligung mit einbezog, war geprägt von interessierten Diskussionen und vielen konstruktiven Vorschlägen seitens der etwa 30 Teilnehmer. Die Themen reichten dabei von Bildung und Kinderbetreuung, Beseitigung von Gefahrenstellen und Angsträumen über lokale Ökonomie, Grünplanung und Parken bis hin zur Verbesserung der Fußgängerüberwege, Wohnqualität, Waldfriedhof und planerische Gestaltung der Gegend um das Ziegeltörle.

Soziale Stadt - Memmingen Ost, 2. Runde, 12.01.2017

Ziel des Arbeitskreises

Bevor es jedoch in die Details ging, fasste Sozialreferatsleiter Manfred Mäuerle nochmals zusammen, wo die erste Phase ansetzte und wo nun fortgesetzt wird. Auch lädt er schon einmal ein zur offenen Bürgerwerkstatt am 11. Februar um 13 Uhr im Gemeindezentrum Mariä Himmelfahrt ein (Das Programm der offenen Bürgerwerkstatt finden Sie am Ende des Berichtes).

Jan Weber-Ebnet (Urbanes Wohnen München und Projektteammitglied) fasste das Ziel dieses Arbeitskreises zusammen: In den Bereichen Wohnen, Wirtschaft, Mobilität, Identität, Grün- und Freiraumplanung wolle man nach diesem Arbeitskreis und dem darauffolgenden Offenen Workshop in der Lage sein, über Maßnahmen zu urteilen.

Die teilnehmenden Bürger_Innen konnten sich anhand von Thementableaus nochmals die wichtigsten, bis dahin herausgearbeiteten Defizite, Wünsche und Vorschläge ansehen und sich durch Fragen und weitere Anregungen einbringen. Zum Ende der Veranstaltung waren dann alle eingeladen, die für sie 10 wichtigsten Punkte daraus zu kennzeichnen.

Dies soll dem Projektteam helfen zu verstehen, welches den Bürger_Innen die wichtigsten Anliegen sind und mit welchen Maßnahmen begonnen werden könnte. Alle weiteren Anregungen werden zunächst gesammelt, sie gehen also nicht verloren. Die endgültigen Entscheidungen über die Umsetzung fällt letztlich der Memminger Stadtrat.

Soziale Stadt - Memmingen Ost, 2. Runde, 12.01.2017

Wahrnehmung und Wirklichkeit

Annegret Michler (Leuninger & Michler – Stadtentwicklung, Stadtplanung) wies darauf hin, dass das Gebiet des Memminger Ostens deutlich größer ist als das des Memminger Westen, welches innerhalb des Städtebauförderprogrammes Soziale Stadt Memmingen West vor einigen Jahren aufgewertet wurde.

Dass Wahrnehmung und Wirklichkeit sich oft nicht decken, fiel Stefan Leuninger (Leuninger & Michler – Stadtentwicklung, Stadtplanung) auf. Denn seit Herbst fanden – auch auf Grund der Hinweise der Bürgerschaft – eingehende Analysen statt, die genannte Defizite bestätigen oder verwerfen sollten.

So stellte sich beispielsweise heraus, dass die Nahversorgung, die Ökonomie und der Handel eigentlich gut und ausreichend vorhanden sind, deren Qualität jedoch verbessert werden müsste und deren Angebotsstrukturen modernisierungsbedürftig sind. Strategische Standorte und Knotenpunkte müssten dabei herausgearbeitet werden.

Auch Grünflächen seien ausreichend vorhanden, das Problem daran sei, dass diese nicht nutzbar oder nicht begehbar seien. Dies gelte es zu ändern und auch für Freizeit und Erholung nutzbar zu machen.

Ebenso stellte sich bei einer durchgeführten Verkehrszählung heraus, dass für das Viertel genügend Parkmöglichkeiten vorhanden seien, da diese zeitlich versetzt genutzt würden.

Auch bezahlrarer Wohnraum stelle in diesem Teil der Stadt kein Problem dar, vielmehr biete der Memminger Osten noch Gebiete, die zusätzlich erschlossen werden könnten.

Die Sozialraumanalyse habe hingegen ergeben, dass soziale Einrichtungen vorhanden seien, jedoch alle in ihrer Position zur Altstadt orientiert seien.

Soziale Stadt - Memmingen Ost, 2. Runde, 12.01.2017

Des einen Freud ist des anderen Leid

In der Standortanalyse der ersten Projektphase seien einige Themen auch sehr kontrovers ausgefallen. Der gewachsene und fast gleichrangige Wohn- und Gewerbestandort Memmingen Ost ist für die einen ein Dorn im Auge, andere befürworten eine gesunde Mischung aus Wohn- und Gewerbegebiet und kurze Arbeitswege, denn ein reines Wohngebiet veröde diesen Stadtteil noch zunehmend. Hier gelte es abzuwägen, ob ein lebendiges Viertel mit Gewerbe und dafür etwas mehr Verkehr nicht viel erstrebenswerter ist, als ein ruhiges, aber totes Viertel.

Auch beim Thema ethnischer Trennungen gehen die Geister auseinander: einige Bürger schlagen vor, eine deutlichere Trennung zu vollziehen, die anderen sehen darin die Gefahr einer Ghettoisierung und in einer offenen Mischung die Chance für Toleranz und Integration. So werden beispielsweise auch Veranstaltungsräume gefordert, die neutral sind und Raum bieten für ethnisch unabhängige Veranstaltungen.

Beim Thema historische Identität müsse zudem abgewogen werden, was von geschichtlicher Bedeutung und erhaltenswert ist in diesem Teil der Stadt und was Neuem Raum bieten sollte. Hierzu wird nach dem Offenen Workshop am 11. Februar ein zusätzlicher Arbeitskreis abgehalten werden, denn dies sei auch eine wichtige Schnittstelle für ein zukünftiges Quartiersmanagement, wie Jan Weber-Ebnet betonte.

Akute Problempunkte

Als ein akutes Problem wird das Fehlen eines Quartierszentrums, bzw. eines zentralen Punktes angesehen, an dem Bürger sich alltäglich begegnen können.

Ebenso werden in Punkto Sicherheit akute Forderungen gestellt: Von mangelnder Beleuchtung an manchen Stellen bis hin zu Angst-Räumen, wie der Zugang zum Waldfriedhof oder die Fuß- und Radwege bei der Lindenschule.

Städtebaulich wird der Eingang zum Freibad kritisiert, ein Pendlerparkplatz am Bahnhof gefordert, Fahrrad- und Gehwege sollten verknüpft und verbessert werden, die Christuskirche sei wie viele andere Gebäude sanierungsbedürftig und das Stadtbild, vor allem an den Stadtkanten sollte städtebaulich umformuliert werden.

In diesem Zusammenhang wurde auch die Arbeitersiedlung der 60er Jahre im Bereich des Kalkerfeld genannt, wie auch insgesamt eine Wohnumfeldverbesserung im gesamten Viertel gefordert wird, sodass sich Mieter auch außerhalb ihrer Wohnungen aufhalten können. Aktuell seien alle Freiräume um Wohngebäude herum parkenden Autos oder Mülltonnen vorbehalten.

Es fehle an vielen Stellen an (überdachten) Bushaltestellen, wie etwa am Freibad und im Bereich Augsburger / Schweitzer Straße. Die unzureichende öffentliche Verkehrsanbindung, die vor allem für ältere Menschen ein Problem darstellt, sei jedoch nur in einer ganzheitlichen ÖPNV Planung zu lösen.

Soziale Stadt - Memmingen Ost, 2. Runde, 12.01.2017

Interessante Vorschläge

In Sachen Freizeit und Grünflächen wurde vorgeschlagen, eine Art Rundweg zu schaffen mit einem kombinierten Rad- und Fußweg, der ebenso von Joggern, Spaziergängern, MTB-Fahrern oder Inline-Skatern genutzt werden kann. Für die Senioren wurde vorgeschlagen, einen kleinen Spazierrundweg im Gelände des Waldfriedhofes anzulegen, der ihnen erlauben würde, täglich ein paar Schritte an der frischen Luft zu tun.

Die Münchner Straße könnte durch Anpflanzung optisch verengt werden, der Parkplatz am Freibad könne hingegen vergrößert werden. Die Aussegnungshalle könnte für andere Nutzungen aktiviert werden und auch eine zusätzliche Bahnunterführung wurde vorgeschlagen.

Dem Parkdruck in der Dunantstraße könne durch ein einseitiges Parkverbot Einhalt geboten werden und die Frequenz auch für die Gastronomen im Viertel durch regelmäßige Auftritte von Dixie-Bands oder ähnlichem gesteigert werden.

Durch Vernetzung, auch räumlicher Art, könne zwischen Vorschuleinrichtungen und Grundschulen eine Vertrauensbeziehung geschaffen werden und Integrationsmaßnahmen unterstützt. Unter Berücksichtigung des Spracherwerbes wurde zudem eine Bücherei im Viertel vorgeschlagen.

Programm Offene Bürgerwerkstatt, 11. Februar, ab 13 Uhr

13 – 19:00 Uhr Ausstellung – Konzepte für Memmingen Ost, Infos und Gespräche am Plan – Ihre Meinung ist jetzt gefragt!, Cafébar – entspannte Gespräche an der Cafébar
14:00 Uhr Kurzvortrag des Planungsteams
14:30 Uhr Stadtteilspaziergang 1 – Thema: Familien, Kinder, Spielen / Freizeit
15:00 Uhr Treffpunkt Senioren – Info und Gespräche
16:00 Uhr Kurzvortrag des Planungsteams
16:30 Uhr Stadtteilspaziergang 2 – Thema: Stadtteilgeschichte, Historische Orte.

Alle weiteren Infos zum Thema finden Sie auf sso.memmingen.de.

Fotos:
Fotos 1 – 4 (und Titelbild): beim Stadtteilarbeitskreis – Soziale Stadt Memmingen Ost am 11.01.2017.

Fotoquelle: aus eigener Quelle.

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