Wo nei? – D´Bach nei!

16. Januar 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Etwa drei Stunden lang zogen rund 90 Fasnachtsvereine am vergangenen Samstag durch die Memminger Altstadt und verbreiteten Faschingsstimmung. Gruselige Hexen und wolfsartige Fratzen lösten sich ab mit Guggamusikkapellen und feschen Garden, die durch die Straßen marschierten und tanzten.

Ich weiß nicht, ob ich jemals so viele Hexen gesehen habe wie an diesem Tag, von furchtbar gruselig bis freundlich grinsend

formten sich aus ihnen in regelmäßigen Abständen bis zu vierstöckige Hexentürme, wenn sie nicht Kinder reich mit Bon-Bons und Süßigkeiten beschenkten.

Nachtumzug Memminger Fastnacht, 14.01.2017

Doch auch dämonische Hunde und Wölfe mit leuchtenden Augen, gehörnte Tiere mit Glocken, bärenartige Gesellen und spitzohrige Zottelfabelwesen mit Rasseln waren hier zu sehen, wie es sich eben für die schwäbisch-alemannische Fastnacht gehört. Denn die traditionellen Figuren der schwäbisch-alemannische Fastnacht sind Hexen, Teufelsgestalten, Wilde Leute, Maschker, Narren, Sagengestalten und Tierfiguren.

Bis ins 20. Jahrhundert war Fastnacht eine rein lokale Angelegenheit, die ausschließlich im eigenen Wohnort gefeiert wurde. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts begannen die Narrenzünfte, sich in Narrenvereinigungen zu organisieren.

Nachtumzug Memminger Fastnacht, 14.01.2017

Der Regionalverband des Bayerisch-Schwäbischen Fastnachtsverein ist erst 1980 in Lauingen gegründet worden. Ziele und Aufgaben dieses Verbandes sind die Pflege und Förderung fastnachtlichem Brauchtums im Regierungsbezirk Schwaben.

Charakteristisch für die schwäbisch-alemannische Fastnacht ist die Verkleidung der Teilnehmer mit Holzmasken und auch an diesem Nachtumzug, den die Memminger Stadtbachhexen organisiert haben, sieht man unendlich viele, sorgsam angefertigte und ausdrucksstarke Holzmasken durch die Straßen ziehen.

Nachtumzug Memminger Fastnacht, 14.01.2017

Die Hästräger wechseln ihre Verkleidung nicht von Jahr zu Jahr, sondern behalten sie immer bei. In manchen Gegenden ist es sogar üblich, sie über Generationen zu vererben.

Die schwäbisch-alemannische Fastnacht wurde übrigens 2014 in das Bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes im Sinne des „Übereinkommens zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes“ der UNESCO aufgenommen.

Und natürlich hat jeder Narrenverein einen eigenen Narrenruf. Die Narrenrufe der schwäbisch-alemannischen Fastnacht sind allesamt jüngeren Datums und parallel zu den traditionellen Schlachtrufen (Alaaf, Helau…) der Karnevalsmetropolen entstanden.

Nachtumzug Memminger Fastnacht, 14.01.2017

Angekündigt wurden die verschiedenen Fasnachtsgruppen und Narrenvereine an verschiedenen Stationen der Stadt, am Marktplatz wurden sie dann vom Zunftmeister der Memminger Stadtbachhexen Rainer Betz und Zunftmeister Robert Scheerer der Narrenzunft Wuchzenhofen mit den jeweiligen Narrenrufen begrüßt. Von ihnen ermuntert, riefen die Zuschauer kräftig mit, auch dann, wenn sie keine Druckvorlage mehr erhaschen konnten, oder die Narrenrufe nicht kannten oder nicht verstanden, wie ein kleines Mädchen neben mir, das lauthals und enthusiastisch in erfundener Lautsprache mitrief.

Was traditionell eigentlich in der Lichtmess (2. Februar) üblich ist, ist das „Aufsagen“ bemerkenswerter Ereignisse des vergangenen Jahres oder nennenswerte Taten der Mitbürger. Die „Aufsager“ greifen diese Dinge auf und bieten sie den Zuschauern in unterhaltsamen Reimen dar. Mittlerweile ist es oftmals Bestandteil auch der Fastnachtsumzüge geworden, so erfährt man gleich ein wenig über die verschiedenen Narrenzünfte oder die Orte ihres Ursprunges.

Nachtumzug Memminger Fastnacht, 14.01.2017

Gegenüber den Zuschauern haben die Narren jedoch einen enormen Vorteil: Dadurch, dass sie ständig in Bewegung sind, Klamauk machen, Musik machen, Garde tanzen, oder herumrennen und Hexentürme bauen, wird es ihnen weniger kalt wie den Zuschauern, die meist an einer Stelle stehen. Wohl mit ein Grund, warum sich nach zweieinhalb Stunden die Zuschauerreihen etwas lichteten.

Fotos: aus eigener Quelle.

Viel mehr Fotos vom Nachtumzug auf unserer Facebookseite.

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