„Die Spanische Gräfin“ und das Königlich Bayerische Landsgericht

25. Januar 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Als Spanische Gräfin strahlt Christine Neubauer in der amüsanten Komödie von Jörg Herwegh am Königlich Bayrischen Amtsgericht im Königreich Bayern anno 1910, in der Prinzregent Luitpold die Regierungsgeschäfte führt.

Eigentlich ist es nicht sie, die auf der Anklagebank sitzt, sondern ihre kurzsichtige Halb-Schwester Rosanna (Karin Killy), der sie den spanischen Tanz beigebracht hat, und eigentlich ist die spanische Gräfin auch keine spanische Gräfin.

In einer Zeit, in der sich das deutsche Kaiserreich im Frieden befindet, aber wachsende politische und soziale Unzufriedenheit wächst, das aufstrebende liberale Bürgertum mehr politische Freiheit verlangt und in der Residenzstadt München die Satirezeitschrift „Simpliccissimus“ mit seinem bekannten Volksschriftsteller Ludwig Thoma der Regierung und der Kirche mächtig einheizt, tanzt Rosanna leicht bekleidet spanische Tänze im lokalen Post-Saal des agrarwirtschaftlich geprägten Städtchens Kraglfing.

Königlich Bayerisches Landsgericht, Memmingen, 22.01.2017

Während sich der sittenstrenge Kapellenverein, angeführt von der Realitätenbesitzerswitwe Reischl (Constanze Bruschke) empört und die Tänzerin wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses zur Anzeige bringt, üben sich die Männer um den Postwirt und Bürgermeister Machl in Nachsicht.

Als sich der Obergerichtsrat Sterzinger vom Justizministerium zur Verhandlung ansagt und eine Eilverhandlung unter Ausschluss der Öffentlichkeit wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses durchsetzt, wittert Amtsrichter Zwicknagl weiteres Unheil.

Königlich Bayerisches Landsgericht, Memmingen, 22.01.2017

Er sollte Recht behalten, denn Verstrickungen gibt es viele und ebenso viele Interessen in beiden Lagern: Ein Bauer und Vermieter der Tänzerin, der als Verteidiger auftritt, ein Obergerichtsrat, der eigentlich die spanische Gräfin dingfest machen will und eine sittenstrenge Witwe, die am Ende die Anzeige zurückziehen will, weil sie mit der spanischen Gräfin in Sachen Emanzipation eine Verbündete gefunden hat.

Doch die Anzeige zurücknehmen konnte Amtsrichter Zwicknagl nicht vertreten, so wurde der Obergerichtsrat ruhiggestellt und Ludwig Thoma höchstpersönlich in den Zeugenstand gerufen, um kurz darauf als verkleideter Gerichtsdiener und Justizwachtmeister Wiggerl entlarvt zu werden. „Jo, des is doch a schauspielender Politiker, a politischer Schauspieler, jo Du Hochtsapler Du lausiger…“

Königlich Bayerisches Landsgericht, Memmingen, 22.01.2017

Nachdem am Ende jeder jeden unter Druck setzte, da jeder vom anderen etwas wusste, was dieser gerne verheimlichen würde und andere nicht wissen sollten, führte Amtsrichter Zwicknagl das Anklagengewirr am Ende geschickt zum Freispruch und die Gemüter zur Ruhe.

Nachdem sich die beiden anfänglichen Feindinnen, die spanische Gräfin und die Realitätenbesitzerswitwe Reischl, zu Gleichgesinnten entwickelt, angefreundet haben und zusammen Aktionspläne schmiedeten auf dem Weg zur Emanzipation der Frau, hatte Witwe Reischl eine Idee: „Jo, wea weiß, vielleicht homma jo eines Tages sogoar a KanzlerIN!!!“ Worauf die Spanische Witwe antwortet: „Jo, die Rolle tät ma g´falln!“

Und damit fiel der Vorhang.

Königlich Bayerisches Landsgericht, Memmingen, 22.01.2017

Weiterer Vorstellungstermin: Das Stück wird in Memmingen übrigens nochmals am kommenden Sonntag um 18 Uhr in der Stadthalle aufgeführt, die Ankündigung finden Sie auch in unserem Veranstaltungskalender. Organisiert wurde die Vorstellung von der Kleinkunstbühne Memmingen.

Mehr Fotos vom Stück auf unserer Facebookseite.

Christine Neubauer

Die gebürtige Münchnerin ist seit der legendären TV-Serie „Die Löwengrube“ (1987) aus der deutschen TV- und Filmlandschaft nicht mehr wegzudenken. Viele Jahre war sie die meistbeschäftigte deutsche Schauspielerin. Im letzten Jahr machte sie nicht nur beruflich einen großen Schnitt. Die vielseitige Künstlerin dosiert ihre Fernsehauftritte und achtet auf Drehbücher, die sie schauspielerisch fordern. Zudem nimmt sie sich Zeit für ihre anderen künstlerischen Vorlieben: dem Theater, wo ihre Karriere Anfang der 1980er Jahre begann, und der Malerei (jüngst hatte sie in München eine erfolgreiche Vernissage).

Die privat bescheidene Schauspielerin gehört zu den wenigen wirklichen Stars des deutschen Fernsehens.

Bairische Komödie Wasserburg

Das 2014 von dem Wasserburger Regisseur und Schauspieler Jörg Herwegh gegründete Ensemble, ist ein freies, professionelles Theater mit wechselnden Schauspielern. Mit „Die Spanische Gräfin“ und Christine Neubauer war die Bairische Komödie 2015/2016 schon auf Bayern-Tournee.

Wegen des großen Erfolgs gibt es im Januar 2017 einen Nachschlag.

Die BAIRISCHE KOMÖDIE WASSERBURG hat sich nicht nur dem bodenständigen Volkstheater jenseits verlogener Seppl-Romantik verschrieben, sondern pflegt auch eine freche Form der Boulevard-Komödie.

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