Betriebsbesichtigung von GEFRO

26. Januar 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Bei einer äußerst kurzweiligen Betriebsbesichtigung des Memminger Unternehmens GEFRO am vergangenen Montag, lernen die zahlreichen interessierten Teilnehmer nicht nur einiges über das Unternehmen, sondern auch viele interessante, ernährungstechnische Zusammenhänge.

Die vom Jungen Block (JB), der Nachwuchsorganisation des CRB (Christlicher Rathausblock Memmingen), organisierte Betriebsbesichtigung wurde geleitet von Prokurist und Dipl. Ing. agr. Bernhard Fischer, der bei kleinen Kostproben heißer GEFRO-Suppen zunächst einen kurzen Abriss über die Firmengeschichte gibt und das reichhaltige Produktsortiment vorstellt.

Betriebsbesichtigung GEFRO, Memmingen, 23.01.2017

Gründungsgeschichte

Die beiden Memminger Bauernbuben und Brüder Josef und Ignaz Frommlet gründeten 1924 die offene Handelsgesellschaft Gebr. Frommlet, woraus sich heute der Name GEFRO ableitet. Ihre damaligen Produkte: Huf-Fett, Schuhcreme, Schmierseife und ähnliche Produkte, die vor allem in der Landwirtschaft Anwendung fanden.

In den 1960er Jahren wurde die zweite Generation in der Geschichte der Handelgesellschaft vor eine richtungsweisende Entscheidung gestellt: Mittlerweile deckten die Raiffeisengenossenschaften einen großen Teil des Produktbedarfes ab und so wurde eine Umorientierung notwendig.

Die Idee der heutigen Produktausrichtung entstand auch durch die Auseinandersetzung mit Fetten, vor allem aber durch eine Beobachtung: Den damaligen Geschäftsführer störte seit langem der tranige Geschmack der damaligen Suppen und die schnelle Bildung traniger Fettaugen, sobald die Suppen etwas abkühlten.

In den 70er Jahren, als Vegetarier noch Exoten waren, spezialisierten sich die Gebrüder Frommlet auf pflanzliche Kost und schufen als erstes eine Suppe, die so war, wie sie sich eine Suppe immer gewünscht hatten.

Die vegetarische Gemüsebrühe – Die Basis der Klassiklinie

Das erste Grundrezept für ihre rein vegetarische Gemüsebrühe war geboren und noch heute bildet sie die Basis für die GEFRO-Klassiklinie, durch die GEFRO heute, laut einer Umfrage der Forsa-Marktforschung, jedem zweiten Bürger in der Bundesrepublik ein Begriff ist.

Seit Jahrzehnten nun ist die Rezeptur der Gemüsebrühe von GEFRO unverändert, behauptete sich gegen die vielen misslungenen Versuche, sie zu kopieren und überstand alle Lebensmitteldiskussionen der letzten Jahrzehnte.

Hinzu kamen die verschiedenen Soßen für die schnelle Küche oder zur quantitativen Ergänzung von Resten des Vortages, die zusammen mit einigen Cremesuppen die GEFRO-Klassiklinie bilden.

Die Bio-Linie

Vor etwa 10 – 15 Jahren kam dann eine zweite Linie dazu, die bereits Bernhard Fischer begleitete und ihn sehr viel Kraft kostete, wie er erzählt. Der Bio-Boom war fast vorbei, dennoch wurde eine kleine Bio-Linie bei GEFRO geschaffen, die heute einen Umsatzanteil von etwa 8 – 9 % ausmacht, etwa genauso hoch wie der Prozentsatz von Bioprodukten in der gesamten BRD.

Und dort, wo bei ihnen Bio draufsteht, ist auch Bio drin, betont Herr Fischer nicht ohne Stolz, denn alle Produkte aus dieser Linie sind zubereitet mit frischem Gemüse aus ökologischem Landbau, sind ohne Zusatzstoffe und bescheinigt mit der Bio-Bescheinigung gem. Art. 29. Abs. 1 der Verordnung (EG) Nr. 834/2007. Bis auf wenige Ausnahmen sind ihre Bio-Produkte zudem vegan, glutenfrei und lactosefrei.

Betriebsbesichtigung GEFRO, Memmingen, 23.01.2017

Die „Balance“ – Linie

Ihre dritte Linie „Balance“ entstand aus medizinischen Hintergründen: GEFRO wollte einen weitergehenden Beitrag leisten zur Gesundheit ihrer Kunden, dennoch sollten ihre Produkte keine Arzneimittel sein, sondern Nahrungsmittel.

In einer 3-4-jährigen Vorarbeit mit viel Auseinandersetzung mit dem menschlichen Stoffwechsel entstand die erste Low-Carb Lebensmittel-Linie ohne Haushaltszucker und ohne Mehl und Stärke.

Zu Beginn war die große Herausforderung, wie man dennoch davon satt werden könne, wenn man gänzlich auf Bindemittel verzichtet. Die Lösung versprach eine andere Art von Zucker, der langsamer verstoffwechselt wird, also nicht wie der Haushaltszucker sog. Zuckerspitzen erzeugt, die genauso steil nach oben, wie auch wieder nach unten schnellen.

Es sollte einen längeren Sättigungsgrad mit einer sanfteren Stoffwechselkurve erzeugen, ohne auf Bindemittel zurückgreifen zu müssen. Isomaltose versprach genau dies, verlängert die Blutzuckerspitze und hat zudem den Vorteil, nicht Karies zu erzeugen.

Teil dieser Linie sind auch die „Suppenpausen“, kleine Portionsbeutel für einen Teller Suppe in sieben verschiedenen Geschmacksrichtungen, die im Wohnmobil ebenso nützlich sein können wie als schnelle Mahlzeit am Arbeitsplatz.

Für den Sommer bietet diese Linie auch Salatdressings, die neben Kräutern bereits Säuerungsmittel enthalten und nur mit einem Schuss Wasser und Öl je nach Bevorzugung schnell angemacht werden können. Das Extra in ihrer Rezeptur: Eine Körnermischung aus verschiedenen Kernen und Samen rundet ihre Mischung ab, trägt ebenfalls zum Sättigungsgrad bei, vor allem aber deckt sie den täglichen Bedarf an Omega-3 Fettsäuren ab.

GEFRO-Öle

Einen großen Anteil im Vertrieb machen auch die Öle von GEFRO. Ihr Omega-3-Öl (Rapsöl) ist das umsatzstärkste ihrer Öle, gefolgt von Olivenöl, das sie nach vielen Versuchen in verschiedenen Ländern aus Griechenland beziehen.

Auch Distelöl und Brat- und Frittieröl bietet GEFRO an und bekam für ihr Dosenformat „Shake“ den Österreichischen Verpackungspreis.

Hier lernen wir auch, dass das GEFRO Brat- und Frittieröl ein Raffinat ist, das in Reinigungsprozessen von Geschmacks- und Eiweißstoffen befreit wurde und bis 210 Grad erhitzt werden kann.

Ihr Olivenöl, das nach der Ernte innerhalb von 24 Stunden gepresst und verarbeitet wurde, um Oxidation zu verhindern, soll hingegen auf höchstens 190 Grad, und Omega-3-Öl auf maximal 180 Grad erhitzt werden und eignet sich daher auch besonders zum Dünsten von Fisch oder Gemüse.

Wer kennt nicht in Öl eingelegte Kräuter? Doch dass diese im Fachjargon Mazenate heißen, war zumindest mir neu, ebenso, dass eingelegte Kräuter nach einer gewissen Zeit auch wieder herausgenommen werden müssen. Warum? „Wir wollen das Aroma der Kräuter einfangen, und das geschieht innerhalb einer gewissen Zeit. Danach bilden sich Bitterstoffe, und die wollen wir nicht“, erklärt Bernhard Fischer seinen aufmerksamen Zuhörerinnen und Zuhörern.

Betriebsbesichtigung GEFRO, Memmingen, 23.01.2017

GEFRO-Balastsoffnudeln

Trotz erbittertem Kampf wurden die anfänglich angebotenen Vollkornnudeln von den wenigsten Kunden angenommen. Was tun? Einerseits wollte man den Anspruch der Kunden auf helle Nudeln befriedigen, aus gesundheitlichen Erwägungen wollten sie bei GEFRO jedoch nicht auf die pflanzlichen Ballaststoffe verzichten.

Nach einigen Versuchen kam die Lösung wieder aus der Pflanzenwelt: Durch Verwendung von Ballaststoffen aus der Chicoree-Wurzel wurde eine Nudel kreiert, die zwar hell ist, jedoch den gleichen Ballaststoffgehalt einer Vollkornnudel beinhaltet. Zusätzlicher Vorteil: Eine kurze Garzeit von 3-5 Minuten, sodass Suppe und Nudeln zeitgleich fertig sind.

Die Produktion

Die Produktion der GEFRO-Produkte ist regional und findet zu 100 % in Bad Grönenbach statt, in einer Firma, die ausschließlich für GEFRO produziert, GEFRO zu einem Drittel als Teilhaber hat und die Ware direkt zu ihrem Vertrieb in der Memminger Rudolf-Diesel Straße liefert.

Für die Mischung wird getrocknetes Pflanzenpulver verwendet, kleine Stückchen sind gefriergetrocknet. Die Rohstoffe bezieht GEFRO aus der ganzen Welt, im Winter vor allem bei Großmärkten.

Alle Produkte sind frei von Cholesterin und tierischen Fetten, enthalten keinerlei Konservierungsstoffe, keine künstlichen Farbstoffe und keine künstlichen Aromen.

Auf eine Frage nach Glutamat lernen wir, dass Glutaminsäure ein Eiweißbaustein ist und die Geschmacksnerven sensibilisiert, d.h. den Geschmackssinn verstärkt. Dies jedoch in beiden Richtungen: Ob etwas gut schmeckt wird ebenso verstärkt, wie das, was nicht gut schmeckt, was bedeutet, dass es keine Illusion erzeugt, sondern den tatsächlich vorhandenen Geschmack lediglich verstärkt.

Betriebsbesichtigung GEFRO, Memmingen, 23.01.2017

Der Vertrieb

Mit allen anwesenden Teilnehmern wandern wir nun ins Lager, dem die Verpackungsabteilung angeschlossen ist.

Dort erfahren wir, dass GEFRO das Hauptgeschäft über den Versandhandel abwickelt, Mindestbestellsumme ist 10 Euro, nur ein geringer Teil wird durch den Direktverkauf im integrierten Shop abgewickelt.

Pro Tag gehen von ihrem Lager durchschnittlich 5 – 6.000 Pakete mit Hilfe von DHL auf den Weg zu ihren Kunden und ein Raunen geht durch die Menge der anwesenden Teilnehmer, als wir erfahren, dass sich das gesamte Lager von GEFRO alle 1-2 Wochen einmal dreht.

120 Mitarbeiter in Memmingen, darunter 32 Damen (in Teilzeit) allein im Telefonservice, und 65 – 70 Mitarbeiter in Bad Grönenbach sind täglich für einen reibungslosen Ablauf beschäftigt, der ihnen ermöglicht, innerhalb von 48 Stunden nach Bestellung bundesweit zu liefern.

„Wir haben eine gute Beziehung zu unseren Mitarbeitern und halten Betriebsfeiern und Geburtstage hoch, kommen mit einer einzigen Schicht aus und legen Wert auf sichere und mitarbeiterfreundliche Arbeitsplätze“, erklärt Bernhard Fischer.

Auf eine Frage nach Lieferung in andere EU-Länder erfahren wir, dass GEFRO in Österreich und Tschechien mit Vertriebspartnern arbeitet, ihre Produkte – zu 100% GEFRO-Produkte – dort jedoch unter einem anderen Namen gehandelt werden.

Weiteres Wachstum

Doch all dies ist noch lange nicht das Ende der Geschichte, denn GEFRO hat weitere Wachstumspläne: In Memmingen, hinter dem Gebäude von MC Donalds, nahe dem Vertriebsgebäude von GEFRO, soll schon bald eine zusätzliche Lagerhalle mit 25.000 Quadratmetern entstehen mit einer Lagerkapazität von 5 – 6.000 Palletten. Denn das Ansinnen neuer Produkte in der bewährten GEFRO-Tradition ist weiterhin anhaltend.

Weitere Infos zum Unternehmen GEFRO unter www.gefro.de.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Kostenlosen Newsletter abonnieren!

Verpassen Sie keine neuen Termine, Stellenangebote und Kleinanzeigen mehr. Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter-Service noch heute!

Ihre E-Mail-Adresse (Pflichtfeld)

Bitte beachten Sie die Datenschutzbestimmungen. Sie können den Newsletter in der Newsletter E-Mail abbestellen.