Der Arbeitsmarkt im Januar

1. Februar 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Winterlicher Arbeitsmarkt: Leicht erhöhte Arbeitslosenquote von 3,2 ProzentKnapp 11.900 Menschen arbeitslos, jedoch 850 weniger als im Januar 2016Saison-Kurzarbeitergeld wirkte entlastend

Zum Jahresauftakt waren deutlich weniger Menschen arbeitslos gemeldet als im Januar des Vorjahres. Die anhaltend kalten Temperaturen sorgten jedoch aktuell für eine Zunahme bei arbeitslosen Menschen gegenüber dem Vormonat.

Arbeitsmarktbericht Memmingen-Kempten, Januar 2017

„Im Januar führten Schnee und Eis zu deutlichen Einschränkungen für Baubetriebe, zahlreiche Arbeiten im Freien wurden unterbrochen. Mitarbeiter aus Außenberufen meldeten sich vorübergehend arbeitslos. Die meisten der Betroffenen haben bereits die Zusage in der Tasche, dass sie mit steigenden Temperaturen wieder beschäftigt werden“, beschreibt Maria Amtmann, die neue Leiterin der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen die Situation.

„In zahlreichen Fällen nutzen Baubetreibe das Saison-Kurzarbeitergeld als gute Möglichkeit um witterungsbedingte Arbeitspausen zu überbrücken.“

Die Arbeitslosenquote im Allgäu im Januar

Im Januar lag sie bei 3,2 %, somit um 0,2 Prozentpunkte über dem Wert des Vormonats.

Eine Zunahme der Arbeitslosigkeit ist für den Januar nicht ungewöhnlich. Dennoch hat sich der Arbeitsmarkt insgesamt weiter robust gezeigt. Das wird deutlich, wenn man die Daten aus dem Januar des vergangenen Jahres betrachtet:

Aktuell waren 850 Menschen weniger arbeitslos gemeldet als im Januar 2016. Die Arbeitslosenquote Im Januar 2016 lag beim höheren Wert von 3,5 Prozent. Dies ist umso bemerkenswerter als seinerzeit bei weitem geringere winterliche Belastungen spürbar waren. Die Temperaturen lagen nicht so tief, Eis und Schnee gab es deutlich weniger.

Arbeitslos gemeldete Menschen insgesamt
Aktuell waren knapp 11.900 Frauen und Männer bei den Vermittlern der Arbeitsagentur und in den sieben Jobcentern gemeldet, 982 mehr als im Dezember.

Branchenschwerpunkte bei den arbeitslos gemeldeten Menschen

  • Hoch- und Tiefbauberufe, sowie Kräfte im Ausbaugewerbe bildeten mit 380 neuen Arbeitslosmeldungen ein Schwergewicht.
  • An Kraftfahrern und Führern von Transportgeräten kamen 200 hinzu,
  • der Landschafts- und Gartenbau entließ aufgrund der Witterung 100 Mitarbeiter.

Neue Beschäftigungsaufnahmen

1.700 Frauen und Männer starteten in eine neue Beschäftigung und konnten dadurch ihre Arbeitslosigkeit wieder beendeten, die höchste Zahl der letzten Monate.

Neben weiteren Kräften starteten Lagerfachkräfte, Kassenmitarbeiter, Pflegepersonal und auch ein Bootsbauer in eine neue Tätigkeit.

Der Arbeitsmarkt entwickelt sich weiter günstig, was sich auch am mehrjährigen Vergleich erkennen lässt:

Arbeitsmarktbericht Memmingen-Kempten, Januar 2017

Die Arbeitsmarktstatistik informiert zusätzlich über weitere Personen, die bei den Vermittlern gemeldet sind. Es handelt sich um Menschen, die sich beispielsweise in Weiterbildungen befinden und die daher nicht als arbeitslos gelten.
So haben im Januar 770 Personen mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres einen Sprachkurs besucht. Für eine erfolgversprechende Integration auf dem Arbeitsmarkt sind deutsche Sprachkenntnisse für geflüchtete Menschen eine grundlegende Voraussetzung.

Saison-Kurzarbeitergeld hilft Betrieben und Beschäftigten

Die Zahlung des Saison-Kurzarbeitergeldes hat zum Ziel, Arbeitnehmer bei saisonalen Arbeitsausfällen in der Schlechtwetterzeit im Betrieb zu halten. Beschäftigungsverhältnisse werden dadurch stabilisiert, Arbeitslosigkeit vermieden. Der Arbeitnehmer bleibt weiterhin in der betrieblichen Organisation integriert und steht ohne zeitliche Verzögerung für Arbeitseinsätze zur Verfügung. Vorteilhaft ist dies auch für Betriebe, die Saison-Kurzarbeitergeld in Anspruch nehmen.

Diese Leistung können Betriebe des Baugewerbes, des Dachdeckerhandwerks und des Garten-/Landschaftsbaus erhalten. Der Arbeitsausfall muss vorübergehend und nicht vermeidbar sein. Als Schlechtwetterzeit gelten dabei die Monate Dezember bis März. Die Zahlung des Saison-Kurzarbeitergeldes erfolgt in vergleichbarer Höhe wie das Arbeitslosengeld.

Bereits in den letzten Jahren nutzten im Allgäu bis zu 335 Betriebe diese Leistung für ihre Mitarbeiter. In der Spitze erhielten im Februar 2016 mehr als 3.100 Beschäftigte Saison-Kurzarbeitergeld.

Arbeitsmarktbericht Memmingen-Kempten, Januar 2017

Inklusiv der erstatteten Sozialversicherungsbeiträge wurden dafür im Jahr 2016 insgesamt 9,7 Mio. Euro aufgewendet. Eine genaue Quantifizierung des Entlastungseffekts auf den Arbeitsmarkt lässt sich nicht im Detail feststellen, da das Saison-Kurzarbeitergeld für Ausfallstunden gezahlt wird.

Betriebe haben mehrere Wochen Zeit ihre Abrechnungen einzureichen. Daher sind aktuelle Daten für den Zeitraum seit Dezember 2016 erst mit zeitlicher Verzögerung verfügbar. Anhand der zurückliegenden Zeiträume ist jedoch erkennbar, dass zuletzt mehr Betriebe für eine größere Zahl von Mitarbeitern das Saison-Kurzarbeitergeld genutzt haben.

Arbeitsmarktbericht Memmingen-Kempten, Januar 2017

Weitere Erleichterung für Unternehmen

Der Gesetzgeber hat 2016 für Unternehmen, die Saison-Kurzarbeitergeld in Anspruch nehmen, eine weitere Erleichterung geschaffen: Bislang mussten Betriebe die Agentur für Arbeit über einen wirtschaftlich bedingten Arbeitsausfall per Anzeige informieren. Beruhte der Ausfall auf reinen Witterungsgründen, war dies nicht notwendig. Mit der gesetzlichen Neuregelung ist die Anzeigepflicht vollständig entfallen.

Stellenangebot weiter auf hohem Niveau

Der Jahresauftakt zählt meist zu den Zeiträumen, in denen Arbeitgeber einen niedrigeren Bedarf an Arbeitskräften äußern.

Neue Stellenangebote im Januar
1.080 Stellenangebote wurden von Betrieben im Januar neu zur Verfügung gestellt, knapp 400 weniger als im Monat zuvor.
6.100 Arbeitsstellen wurden insgesamt im Januar von Arbeitgebern zur Verfügung gestellt.

Schwerpunkte bei den neuen Stellenangeboten

  • Der Fahrzeug- und Maschinenbau, sowie in der Metallbearbeitung wurden 180 Stellen neu angeboten.
  • Der Logistiksektor suchte mehr als 60 weitere Lagerfachkräfte sowie 20 Kraftfahrer für den Warentransport.
  • Im Tourismus waren 150 zusätzliche Kräfte gefragt, sei es als Koch oder im Gästeservice.
  • Der Pflegesektor bot zahlreiche Chancen auf einen neuen Arbeitsplatz sowohl für Kranken- wie Altenpfleger oder Physiotherapeuten.
  • Erzieherinnen und Heilerziehungspfleger blieben 26 neuen Arbeitsplätzen ebenfalls weiter gefragt.

Regionale Entwicklungen im Jahresvergleich

Das Gesamtergebnis des Agenturbezirks setzte sich im Januar auch in den einzelnen Wirtschaftsräumen fort. Der Jahresvergleich zeigt, dass die Arbeitslosenquote in nahezu allen Regionen zurückging.

Bemerkenswert sind die Ergebnisse in Mindelheim, Memmingen und Marktoberdorf, in denen die Quote trotz winterlicher Mehrbelastung weiter eine Zwei vor dem Komma anzeigte.

Besonders günstig entwickelten sich die Regionen Memmingen und Füssen: Im Vergleich zum Vorjahr ergab sich hier ein Rückgang bei arbeitslosen Menschen um 10 (Memmingen) bzw. 13 % (Füssen).

In den Wirtschaftsräumen Kempten, Kaufbeuren und Lindau waren ebenfalls weniger Menschen ohne Beschäftigung als im Januar des vergangenen Jahres.
Stabilität signalisierte das Ergebnis aus dem südlichen Oberallgäu mit einer Arbeitslosenquote von 3,5 % im Januarvergleich.

Arbeitsmarktbericht Memmingen-Kempten, Januar 2017

Entwicklung in der Arbeitslosenversicherung und in der sozialen Grundsicherung

Arbeitslose Menschen werden seit Einführung der sozialen Grundsicherung von der Arbeitsagentur und in den Jobcentern betreut.

Die Grafik zeigt, dass der Arbeitsmarkt im Bereich der Arbeitslosenversicherung stark von jahreszeitlichen Komponenten beeinflusst ist. In den Wintermonaten werden Menschen, die in witterungsabhängigen Berufen tätig sind, für kurze Zeit arbeitslos. In dieser Zeit erhalten sie Arbeitslosengeld als Versicherungsleistung. In den Jobcentern sind demgegenüber kaum saisonalen Abhängigkeiten festzustellen.

Die Arbeitsagentur betreute aktuell 7.386 Menschen, gut 1.000 mehr als im Dezember.

Die sieben Jobcenter waren im Bereich der sozialen Grundsicherung für 4.510 arbeitslose Frauen und Männer zuständig, knapp 100 weniger als im Monat zuvor.

Arbeitsmarktbericht Memmingen-Kempten, Januar 2017

In diesem Zusammenhang gilt es zu berücksichtigen, dass ein erheblicher Teil der Bezieher von „Hartz IV“- Leistungen nicht arbeitslos ist. Diese Menschen betreuen kleine Kinder, pflegen Angehörige, befinden sich in einer Ausbildung oder sind mindestens 15 Wochenstunden erwerbstätig.

Ausblick

Die Entwicklung des Arbeitsmarktes hängt in den nächsten Wochen stark von Witterungseinflüssen ab. In den vergangenen Jahren waren die ersten beiden Monate des Jahres meist mit mehr arbeitslosen Menschen verbunden. Vor allem tiefere Temperaturen verhinderten eine uneingeschränkte Fortsetzung von Arbeiten im Freien.

Im Baugewerbe und Garten-/Landschaftsbau wurden Menschen meist vorübergehend für wenige Wochen entlassen. Mit steigenden Temperaturen konnten zahlreiche Betroffene dann wieder mit einer Anstellung beim früheren Arbeitgeber rechnen und an ihren zuletzt besetzten Arbeitsplatz zurückkehren.

Darstellung nach Wirtschaftsräumen/Regionen

Arbeitsmarktbericht Memmingen-Kempten, Januar 2017

Darstellung nach kommunalen Strukturen

Arbeitsmarktbericht Memmingen-Kempten, Januar 2017

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