Stadtteilgespräch Amendingen mit OB-Kandidat Dr. Friedrich Zeller (SPD)

10. Februar 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Auch das zweite Stadtteilgespräch mit dem OB-Kandidat der SPD Dr. Friedrich Zeller, diesmal im Stadtteil Amendingen, stieß auf großes Interesse und behandelte neben stadtteilspezifischen Problematiken auch die großen anstehenden Themen der Stadt Memmingen.

Nach einem Kurzdurchlauf durch die Vita Dr. Zellers, über die wir bereits im Anschluss an die Pressekonferenz am 20. Januar ausführlich berichteten und den Sie jederzeit auf seiner Webseite www.friedrich-zeller.de einsehen können, stellte Dr. Zeller einige grundsätzliche Punkte vor, wie es seiner Ansicht nach in Memmingen weitergehen könnte und wo es anzusetzen gelte.

Die Basis Memmingens, von der er – im Falle seiner Wahl – ausginge, sei exzellent und aus vielen weiteren Fakten sei abzuleiten, wie gut die Stadt in den letzten 40 Jahren regiert und verwaltet wurde, dennoch möchte Dr. Zeller die Aufbruchsstimmung, die Markus Kennerknecht initiierte, mitnehmen und weiterführen.

ÖPNV

Der öffentliche Nahverkehr laufe derzeit auf „Schmalspur“, sei in erster Linie auf Schüler angepasst, und müsse zukünftig zu einem schlüssig integrierten Verkehrssystem ausgebaut werden.

Investitionen in Bildungseinrichtungen

Zwar wurden zwei schöne neue Realschulen erst vor kurzem in Betrieb genommen, doch dürfe die Sanierung bestehender Schulgebäude wie etwa die der Edith-Stein-Schule, des Bernhard Strigel Gymnasiums und auch des Berufsbildungszentrums (BBZ) nicht vernachlässigt werden.

Soziale Zusammenarbeit

Sozialen Zusammenhalt bezeichnete Dr. Zeller als einen sehr wichtigen Faktor für das Wohlergehen der Bürger einer Stadt und ein konstruktives Miteinander. Auf diesem Gebiet müsse alles getan werden, um den sozialen Zusammenhalt zu erhalten und zu fördern.

Gut durchdachte Wohnungswirtschaftskonzepte gehörten hier ebenso dazu wie kluge Raumpolitik und eine gute Sozialstruktur. Nachdem ein großes Angebot an Arbeitsplätzen in Memmingen vorhanden sei und auch Verbände, wie etwa der Arbeiterwohlfahrtsverband, gute Arbeit leisten, sei es wichtig, verschiedene kulturelle Gruppen nicht auseinander zu dividieren. Wer nach Memmingen komme, solle eingebunden werden, denn „wenn, dann zusammen“.

Nachdem sicher auch in den Fragen der Anwesenden die großen Themen Memmingens zur Sprache kämen, so Dr. Zeller, regte er nun die anwesenden Gäste zu Fragen an.

Stadtteilgespräch Amendingen, OB-Kandidat Memmingen Dr. Friedrich Zeller, 09.02.2017

Bäderfrage

Die erste Frage aus dem Zuschauerraum sollte auch gleich eines dieser Themen beinhalten: Die Bäderfrage. Ob aus dem Hallenbad, wie anderorts, ein Freizeitbad entstehen solle, beantwortete Dr. Zeller sensibilisierend, eine gesamtheitlich vernünftige Bäderkonzeption für Memmingen müsse hier ins Auge gefasst werden.

In 20-25 Minuten seien mindestens drei Freizeitbäder der Umgebung zu erreichen, die Frage sei also, ob sich die enorme Investition in dieser Richtung tragen würde. Nachdem gerade erst in zwei neue Realschulen in großem Maßstab investiert wurde, gelte es seiner Ansicht nach die bestehenden Bäder so lange betriebsfähig zu halten, bis nicht ein zementierendes, in die Zukunft gerichtetes und gesamtheitlich sinnvolles Projekt finanziert werden könne.

Ideal wäre seiner Ansicht nach langfristig ein örtlich zusammengeführtes Frei- und Hallenbad, doch solch ein Projekt beeinflusse den Finanzhaushalt der Stadt für die nächsten ca. 30 Jahre. Pflichtaufgabe sei daher zunächst, den Schulsport zu ermöglichen und funktionsfähige Bäder zu gewährleisten. Zu klären sei auch, ob anstelle eines Freizeitbadkonzeptes – wie in erreichbarer Nähe mehrfach angeboten – nicht vielleicht ein Schul- und Sportorientiertes Bad ein sinnvolleres Ziel wäre.

IKEA

Nach seiner Positionierung in Sachen IKEA-Ansiedlung gefragt, bezieht Dr. Zeller eine eindeutig favorisierende Position und schloss dabei die Fachmarktzentren mit ein. Jedoch, so Dr. Zeller, in einer Art und Weise, die für die Innenstadt „so verträglich wie möglich ist“. Ausgesprochene Fachmärkte seien in Memmingen außerdem kaum vorhanden und das Konzept sehe auch keine überdachte „Shopping Mall“ vor.

Zudem sei es für Memmingen besser, anstelle in Sachen günstige Möbel und Fachmärkte zwischen Ulm und Kempten „eingeklemmt“ zu werden, Memmingen selbst zu einem idealen Standort zu machen, sich selbst die Wege zu verkürzen und darüber hinaus viele auswärtige Kunden dieser Bereiche nach Memmingen zu ziehen.

A96 – schon heute ein Problem

Auf das verkehrstechnische Problem mit der A96 im Zusammenhang mit IKEA angesprochen, erläuterte Dr. Zeller, dass bereits unter Dr. Holzinger der Ausbau der A96 zu einer dreispurigen Fahrbahn bereits als „vordringlicher Bedarf“ vom Verkehrsministerium eingeordnet wurde.

(Allerdings finde ich in der von der BMVI veröffentlichten Liste nur die A7 zwischen Illertissen und Memmingen Süd, eingeordnet jedoch unter „Neue Vorhaben – Weiterer Bedarf mit Planungsrecht“, und nicht unter „Neue Vorhaben – Vordringlicher Bedarf“, und die A96 Teilbereich Memmingen taucht nirgendwo auf, nur der Teilbereich der A96 zwischen Wörthersee und Oberpfaffenhofen, was unser Memminger Problem wohl kaum lösen wird – (Siehe Bundesverkehrswegeplan 2030, „Anlage 1 – Projektlisten Straße“, Seite 77, das Bundesland Bayern beginnt auf Seite 85: www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Anlage. Siehe dazu auch die Veröffentlichung auf der Webseite der Stadt Memmingen).

Parkplätze am Memminger Klinikum

Ein anwesender Gast beklagte, dass vor allem in den Vormittagsstunden es fast unmöglich sei, einen Parkplatz im Parkhaus des Memminger Klinikums zu finden und um das Klinikum herum gebe es kaum Parkmöglichkeiten. Seine Frage an Dr. Zeller war, wie dieses Problem gelöst werden könnte. Dr. Zeller bekannte offen, dass er hierzu im Moment keine Antwort habe, es seien mehrere Dinge im Gespräch, konkrete Lösungen jedoch schwierig.

Krankenhaus Fusion – ja oder nein?

Auf diese Frage erklärte Dr. Zeller, man müsse hier genau beleuchten, wo man stehe. Das bestehende Angebot von 500 Betten und einem breiten Spektrum an Behandlungsmöglichkeiten müsse zumindest bestehen bleiben, besser noch, entsprechend einer zukunftsorientierten Entwicklung wachsen.

Ein Klinikum mit einer Versorgungsstufe 3 sei enorm wichtig für ein Oberzentrum, zweitrangig sei dabei, welche Rechtsform die Institution habe.

Er findet jedoch eine sinnvolle Zusammenarbeit zwischen den Kliniken Memmingen, Mindelheim und Ottobeuren erstrebenswert, um sich so optimal zu organisieren und das Angebot im Gesamten für die ganze Region zu verbessern.

Bahnhofsareal

Die Stadt Memmingen habe hier schon eine gute Arbeit im Vorfeld geleistet, um das Areal sinnvoll nutzen zu können – „bitte kein zweites Maxi-Center“, warf darauf eine Anwesende ein, doch da konnte sie Dr. Zeller beruhigen, denn der Plan sei, eine gute Mischung aus öffentlichen Flächen und Wohnen zu schaffen.

Dafür werde es einen Investorenwettbewerb geben, für den sich bereits drei Bewerber gemeldet haben.

Fachhochschule in Memmingen?

Diese Frage stellte nicht wie erwartet ein junger Teilnehmer, sondern ein Teilnehmer fortgeschrittenen Alters, vor dem Hintergrund der Attraktivität Memmingens für junge Menschen und der Tatsache, dass auch Städte wie Ravensburg, Biberach oder Schwäbisch-Gmünd Hochschulen haben, Memmingen jedoch nicht.

Dr. Zeller ist der Ansicht, dass der Gedanke an eine Hochschule in Memmingen auf jeden Fall nicht verworfen werden sollte. Um es erfolgsversprechend zu gestalten, gelte es jedoch, Nischenbereiche zu finden, mit denen sich Memmingen langfristig positionieren kann.

Dabei äußerte Dr. Zeller eine vielleicht interessante Idee: Nachdem die Rinderbesamungsgenossenschaft sich durch die IKEA-Ansiedlung in Volkratshofen ganz neu einrichten wird, könne hier an eine Synergie gedacht werden und ein wissenschaftliches Institut wie beispielsweise ein angegliedertes Life-Science-, Biotechnologie- und/oder Gentechnikinstitut angedacht werden.

Eine weitere Nische sieht er in neuen Studien- und Berufszweigen, die durch die Digitalisierung entstehen werden. In jedem Falle zeigte sich Dr. Zeller offen für die Möglichkeit einer Fachhochschule und zeigte auch, dass er offen für Neues ist und eigene Ideen dazu entwickelt.

Verkehrsführung Weinmarkt

„Es ist gut, einmal etwas auszuprobieren“, sagte Dr. Zeller dazu und sprach sich für eine probeweise Schließung am Wochenende (Samstag und Sonntag) über einen gewissen Zeitraum hinweg aus. Das Parken im Bereich des Weinmarktes müsse in jedem Falle schärfer überwacht werden, da bereits das unrechtmäßige Parken eines einzigen Autos ausreiche, die Straße zu blockieren, vor allem auch deshalb, weil Busse diese Strecke abfahren.

Stadtteilgespräch Amendingen, OB-Kandidat Memmingen Dr. Friedrich Zeller, 09.02.2017

Persönliche Fragen

Verbale Entgleisung

Ein Teilnehmer erzählte, er sei schockiert gewesen, als er den Artikel las über Dr. Zellers verbale Entgleisung, fragte, warum das wohl geschrieben wurde und bat, dazu Stellung zu nehmen.

Dr. Zeller bedankte sich für die freundliche Formulierung und stellte offen klar, dass diese verbale Entgleisung tatsächlich vor fünf Jahren stattgefunden habe, was ihm jedoch sehr leidtat und wofür er sich damals förmlich und mehrfach entschuldigt hatte.

„Warum haben Sie sich entschieden, sich als OB-Kandidat zu bewerben?“

war eine weitere Frage aus dem Publikum.

Nach dem plötzlichen Ableben Markus Kennerknechts und der dadurch entstandenen Notwendigkeit einer kurzfristigen Nachfolge, kam die Memminger SPD auf ihn zu. So sei es ihm „eine besondere Ehre, die Möglichkeit zu haben, meine Heimatstadt regieren zu dürfen – im Falle ich werde gewählt.“ Seine Erfahrungen als Stadtrat, später Bürgermeister, dann Landrat bieten neben vielen weiteren verantwortungsvollen Ämtern seiner Ansicht nach eine solide Grundlage, dieses Amt des Oberbürgermeisters der Stadt Memmingen kompetent auszuführen.

Stadtteilspezifische Probleme Amendingens

Die stadtteilspezifischen Fragen aus dem Amendinger Publikum beinhalteten vor allem verkehrstechnische Belange und reichten von mangelnden Fußwegen an der Grünenfurter Straße, dem Anliegen, die Bahnschranke in derselben Straße zu schließen, mangelnden 30er-Zonen im gesamten Amendinger Gebiet – trotz Anwesenheit zahlreicher Familien mit Kindern, der Problemkreuzung Siechenreuterweg-Klaussiedlung, der Problemstraße Obere Straße, bis hin zum Durchfahrtsproblem in der Schlachthofstraße durch parkende Autos aufgrund der Schulen.

Baugebiet „Neue Priel“

Interessant wurde es dann noch einmal, als es um das umstrittene Baugebiet „Neue Priel“ ging. Vor 30 Jahren seien sie auf die besonderen Bodenverhältnisse hingewiesen worden, die den Bau unmöglich mache, erzählte ein anwesender Gast. In den letzten paar Jahren kamen dennoch Anfragen eines Investors, der Pläne für sechs mehrstöckige Blocks vorlegte.

Im Untergrund dieses Gebietes ist Grundwasser in eine Torfschicht eingespannt, wird diese verletzt, senke sich der Grundwasserspiegel ab. Eine von vielen Folgen wären langfristig schwere Schäden für die bereits bestehenden, angrenzenden Altbaubestände.

Zudem seien damals Unterlagen des Landesamtes für Umwelt (Augsburg) und eine Stellungnahme des Wasserwirtschaftsamtes Kempten zurückgehalten worden, Fristen für beendet erklärt worden und insgesamt alles andere als transparent vorgegangen worden sein.

Die neuen Pläne sehen vor, erzählt der Teilnehmer weiter, nicht-unterkellerte Häuser in Holzbauweise auf dem Grundstück im Einödweg entstehen zu lassen. Doch die Interessengemeinschaft Amendingen Nord wies darauf hin, dass auch die veränderten Pläne die Gefahren nicht beseitigen, sondern im Gegenteil, möglicherweise noch verschärfen. Die Frage des anwesenden Gastes war nun, wie es hier weitergehen wird.

Dr. Zeller erklärte, er habe sich mit diesem Thema bisher nicht detailliert genug befasst, doch sei er grundsätzlich der Ansicht, Auenlandschaften, wie auch natürliche Senken sollten aus Umweltgründen vom Bau ausgespart werden.

Infos

Dr. Zeller wies im Anschluss noch auf die Podiumsdiskussion der beiden OB-Kandidaten mit dem Vorsitzenden des Bürgerausschusses des Stadtteil Amendingen Stefan Döring hin, welche für den 16.02. um 19:30 Uhr angesetzt ist.

Des weiteren wird die MZ am 06.03. eine Podiumsdiskussion in der Memminger Stadthalle abhalten.

„Werktags um vier“

Unter diesem Titel sind alle Bürgerinnen und Bürger eingeladen zu zwanglosen, offenen Gesprächen mit OB-Kandidat Dr. Friedrich Zeller unter freiem Himmel, jeden Werktag (Mo-Fr) um 16:00 Uhr beim Brunnen auf dem Marktplatz.

Weitere Infos vorab über Dr. Zeller finden Sie auf www.friedrich-zeller.de.

Briefwahl

Die Briefwahlunterlagen können bereits ab Montag, 13.02. angefordert werden.

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