Offene Bürgerwerkstatt Soziale Stadt Memmingen Ost stößt auf großes Interesse

13. Februar 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Zahlreiche interessierte Bürgerinnen und Bürger, diesmal auch vermehrt junge Eltern, nahmen sehr aktiv an der Offenen Bürgerwerkstatt des Städtebau-Förderprogrammes Soziale Stadt Memmingen Ost am vergangenen Samstag teil und brachten sich mit vielen konstruktiven Beiträgen ein.

In Anwesenheit von Bürgermeisterin Margareta Böckh, Bürgermeister Werner Häring, den beiden OB-Kandidaten Dr. Friedrich Zeller (SPD) und Manfred Schilder (CSU), sowie zahlreichen Stadträten erfahren

wir von Jan Weber-Ebnet (Urbanes Wohnen München), zunächst die Inhalte dieser Veranstaltung.

Unter Miteinbeziehung von aktiven Beiträgen der teilnehmenden Bürger_Innen sollte diese Bürgerwerkstatt dazu dienen, die bis hierhin gesammelten Analysen von Stärken und Schwächen, zusammen mit den bisher geleisteten Vorschlägen der Bürger_Innen, Leitziele für die Planung zur Verbesserung dieses Stadtteiles formulieren zu können.

Mit Hilfe von einem begehbaren Stadtteilplan und zahlreichen Infosäulen, die mit Fotos bestückt einen Überblick gaben über die bisher gesammelten Erkenntnisse, brachten die Teilnehmer sehr anschaulich auf den aktuellen Stand der Dinge.

Offene Bürgerwerkstatt Soziale Stadt Ost, 11.02.2017

Denn konkrete Maßnahmen, die als nächster Arbeitsschritt anstehen, können nur dann entwickelt werden, wenn kurz- mittel- und nur langfristig zu erreichende Ziele vorher definiert wurden, erklärt uns Jan Weber Ebnet. An dieser Stelle seien die Bürger_Innen die Fachleute, denn wer wisse besser als die Bewohner eines Viertes, was dort dringend oder weniger dringend gebraucht oder verändert werden müsse, zudem seien manche Maßnahmen auch aus Kostengründen nur längerfristig umsetzbar, all dies gelte es nun zu priorisieren.

Stadtplanerin Annegret Michler (Leuninger & Michler – Stadtentwicklung, Stadtplanung) begründete die Notwenigkeit dieser Vorgehensweise als studierte Regierungsbaumeisterin auch damit, dass diese Projekte zur Verschönerung von Stadtvierteln nur dann vom Bund gefördert werden, wenn sie nicht in Einzelaktionen stattfinden, sondern innerhalb eines schlüssig ausgearbeiteten Konzeptes vorgelegt werden.

Offene Bürgerwerkstatt Soziale Stadt Ost, 11.02.2017

Jan Weber-Ebnet, Spezialist in Sachen Quartiersmanagement, zeigte sich auch sehr erfreut über die rege Teilnahme an einem erst vor kurzem ins Leben gerufenen Arbeitskreises, in dem geschichtlich relevante Gebäude und Orte im Memminger Osten benannt wurden, die schützens- und erhaltenswert sind. Denn diese Orte und Gebäude verleihen einem Viertel Identität und sollen mit Hilfe dieses speziellen Arbeitskreises gesichert werden.

Bürgermeisterin Margareta Böckh wies in ihrer Begrüßung auf die Erfolgsgeschichte im Memminger Westen hin, in dem das Förderprojekt Soziale Stadt viele Verbesserungen für die Anwohner schuf und im Moment ein eigener Verein im Aufbau sei.

Sie zeigte sich zuversichtlich, dass das Projekt Soziale Stadt Ost nun auch hier dazu beitrage, ein lebendiges und lebenswertes Stadtviertel im östlichen Teil der Stadt zu schaffen, auch für junge Familien. Und während sie und ihr nachfolgender Redner sprachen, bauten die anwesenden Kinder aus den Sitzwürfeln, auf denen sich die Besucher niederlassen konnten, ihre eigene kleine Stadt.

Offene Bürgerwerkstatt Soziale Stadt Ost, 11.02.2017

Ist-Situation des Memminger Osten

Bevor wir uns zum Stadtteilspaziergang aufmachen, führen uns die anwesenden Projekt-Teammitglieder nochmals durch einige im Vorfeld ermittelte Fakten:

Von Dr. Stefan Leuninger (Leuninger & Michler – Stadtentwicklung, Stadtplanung) lernen wir, dass der Memminger Osten mit 6.200 Einwohnern ein stärkeres Bevölkerungswachstum als die Stadtmitte hat, eine gute lokale Ökonomie mit Arbeits- und Ausbildungsplätzen, wie auch viel Wohnfläche biete, und zudem ein grüner Stadtteil ist.

Weitere Vorteile dieses Viertels seien die Nähe zum Bahnhof, sowie zur Innenstadt, eine Nahversorgung (Supermärkte und Lebensmittelgeschäfte), die mit dem Fahrrad erreichbar sei, nur etwas angepasst werden müsse, und zusammen genommen im Vergleich zu anderen aus diesem Standort eine „besondere Perle“ mache.

Die Strukturanalysen haben ergeben, so Annegret Michler, dass 24 % der Gebäude im Memminger Osten keinen Renovierungsbedarf haben, wohingegen 47 % Renovierungsbedarf haben, was sicher angegangen werden müsse, jedoch als „nicht gravierend“ eingestuft werden könne.

Der „Konflikt“ zwischen Gewerbe –  und Wohnflächen, eine Mischung, die natürlich gewachsen ist, müsse nach Ansicht des Planungsteams eher als ein Vorteil betrachtet werden, da dies ein Viertel lebhaft gestalte und es nicht zum reinen und oft toten Schlafviertel reduziere. Daher solle diese Mischung bestehen bleiben, allenfalls durch Verschönerungen oder Anpassungen ans Gesamtbild optimiert werden.

Ein direktes Zentrum gebe es in diesem Stadtteil nicht, hingegen mehrere Knotenpunkte, die besser ausgearbeitet und eventuell verknüpft werden könnten. Was hingegen fehle, seien Zusammenkunftsräume, vor allem solche, neutraler Natur (d.h. nicht kirchliche Versammlungs- oder Veranstaltungsräume).

Die Analysen ergaben grundsätzlich eine gute soziale Infrastruktur (Kindergärten, Pflege- und Seniorenheime…), einziges Defizit: allesamt sind sie in Richtung Zentrum positioniert, nach außen hin verdünnen sie sich.

Bei der historischen Keimzelle Ziegeltörle gebe es nach wie vor zwei extreme Lager, bei denen das eine für den Erhalt plädiert, das andere dafür, es durch neue Gebäude zu ersetzen.

Für sie sei es schwer verständlich, dass der Memminger Osten ein eher negatives Image habe, der Hauptgrund sei wohl vor allem der, dass sich bestimmte Bevölkerungsgruppen hier zusammenballen. Zu beantworten sei die Frage, ob und wie man hier eingreifen könne, um zukünftig eine „Ghettoisierung“ zu vermeiden und eine gesündere Mischung zu erzielen.

Offene Bürgerwerkstatt Soziale Stadt Ost, 11.02.2017

Grünflächen und Freiräume

Zahlreiche Freiräume, wie beispielsweise angrenzend an Wohnblocks, die momentan vor allem parkenden Autos und Mülltonnen dienen, gelte es, angenehmer zu gestalten und für die Anwohner besser nutzbar zu machen, um so zu ermöglichen, dass sich in diesen Freiräumen auch eine Aufhaltequalität entwickelt.

Markus Weinig des Büro Keller_Damm_Roser klärt die Anwesenden zunächst über die Bedeutung von Grünflächen auf: Grünflächen bieten öffentlichen Raum, Orte, an denen Menschen unterschiedlicher Altersgruppen sich treffen, ins Gespräch kommen, oder sich entspannen und zerstreuen können.

Die Aufgaben von öffentlichem Raum sind jedoch je nach Altersgruppe so verschieden wie die Ansprüche an sie. Fragen, die sich daher an die Bürger richten seien, welche Orte welche Ansprüche am besten erfüllen können, wie die Begehbarkeit ist, wie diese Räume miteinander verbunden sind, ob es durchgängige Rad- und Fußwege gibt, wo Gefahrenpunkte sind, wo man sich wohl- oder unwohl fühlt und was diese Räume für junge Menschen und Kinder, wie auch für die Senioren bieten können.

Stadtteilspaziergang

Mit diesen Fakten und Fragen im Hinterkopf machte sich die Gruppe nun auf, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Geplant waren dafür sechs Punkte: Der Alte Friedhof, die angrenzende Aussegnungshalle, das Dreieck zwischen Schießstattstraße und Benninger Straße, der Schießstattplatz und das äußere Ende der Augsburger Straße.

Durch die räumliche Nähe war der Alte Friedhof und die Aussegnungshalle die erste Etappe. Hier wurde deutlich, dass diese Grünfläche auch aus Pietätsgründen ein Ort der Stille und des Gedenkens ist, und die Teilnehmer waren sich einig, dass dies auch ein stiller Ort bleiben solle.

Während OB-Kandidat Dr. Zeller entlang der gesamten Veranstaltung eine eher beobachtende und aufnehmende Position einnahm, schlug OB-Kandidat Manfred Schilder hier vor, die Grünfläche des Alten Friedhofes für alle, also auch für Familien und Kinder nutzbar zu machen.

Der Großteil der Teilnehmer teilte diese Idee nicht, sondern war der Ansicht, dass dieser stille Ort sich vor allem für Senioren anbiete, durch einen zusätzlichen Rundweg noch optimiert, und beispielsweise durch ein Boden-Schachspiel, Bänke verschiedener Höhen und zusätzlicher Beleuchtung für die Abendstunden bereichert werden könne, um ihn so zu einer angenehmen Begegnungsstätte für Senioren werden zu lassen, so die Vorschläge der Bürger_Innen.

Zur besseren Nutzung der Aussegnungshalle wurden Ideen geäußert wie Ausstellungen oder die Nutzung in Form eines Bürgerbüros, eine Nutzung als Caffee wurde von einigen bejaht, von anderen abgelehnt.

Offene Bürgerwerkstatt Soziale Stadt Ost, 11.02.2017

Am bisher von Straßen umfahrenen und daher einem Inselcharakter anhaftenden Dreieck zwischen Schießstattstraße und Benninger Straße machte OB-Kandidat Manfred Schilder den Vorschlag, dass dieser einem Parkplatz weichen könne. Dieser Vorschlag stieß jedoch bei den Anwesenden auf Abwehr, da hier einmal ein Parkplatz nicht notwendig sei, zudem das grüne Dreieck mit seinen alten Bäumen eine optische Bereicherung für die angrenzenden Wohnblöcke sei und außerdem von den Anwohnern besser genutzt werden könne.

Ein teilnehmender Bürger machte den Vorschlag, aus der hinteren Straße lediglich einen schmalen Fuß- und Radweg zu machen, da einmal diese Straße für die Autos nicht unbedingt notwendig sei, zudem der Inselcharakter verschwinden würde und es dadurch besser nutz- und begehbar wäre, was von den Anwesenden, wie auch von den Planern sehr positiv aufgenommen wurde.

An der Kreuzung Bergermühlstraße – Benninger Straße meldeten sich die jungen Mütter zu Wort, denn die Straße, die zum Sportgelände führt, solle ihrer Ansicht nach für Autos geschlossen werden und einem reinen Rad- und Gehweg weichen, da hier durch die Nähe des Kindergartens viele Kinder auf diese Straße rennen würden und sie dadurch gefährlich sei.

Das Planer-Team zeigte sich nach dem Stadtteilspaziergang ebenso zufrieden mit all den konstruktiven Vorschlägen der Bürger_Innen wie diese selbst, die hier endlich zu Wort kommen dürfen und ihr Viertel aktiv mitgestalten können.

Das Thema Verkehr möchte ich in diesem Bericht ausklammern, da es bereits bis hierhin sehr umfassend geworden ist und bereits sichtbar wurde, wie vielschichtig eine solche Ortsteil-Verbesserungsplanung ist, und wie viel die zahlreichen konstruktiven Beiträge von Bürger_Innen zu einer sinnvollen Planung beifügen können. Denn das Ziel dieser städtebaulichen Maßnahmen ist klar: Es soll die Lebensqualität des Stadtviertels aufwerten und jeder kann dazu beitragen.

Weitere Infos über das Projekt Soziale Stadt Ost finden Sie auf sso.memmingen.de.

Weitere Arbeitskreise und geplante Bürgerbeteiligungen werden wir natürlich auch wieder ankündigen.

Fotos:
bei der Offenen Bürgerwerkstatt am Samstag, 11.02.2017:
Foto 1: Der begehbare Stadtplan
Foto 2: Mitglieder das Planungsteams, (v.li.): Jan Weber-Ebnet (Urbanes Wohnen München), Annegret Michler (Leuninger & Michler – Stadtentwicklung, Stadtplanung), Markus Weinig (Büro Keller_Damm_Roser) und Dr. Stefan Leuninger (Leuninger & Michler – Stadtentwicklung, Stadtplanung).
Foto 3: (v.re.): Bürgermeisterin Margareta Böckh, Referatsleiter Jugend & Soziales der Stadt Memmingen Manfred Mäuerle, Bürgermeister Werner Häring, OB-Kandidat Manfred Schilder, Dr. Stefan Leuninger.
Foto 4: Die Infosäulen
Foto 5: Beim Stadtteilspaziergang, im Vordergrund links: Markus Weinig (Büro Keller_Damm_Roser), der Dritte zu seiner rechten: OB-Kandidat Dr. Friedrich Zeller.

Fotoquelle: aus eigener Quelle

Mehr Fotos über die spannende Offene Bürgerwerkstatt auf unserer Facebookseite.

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