ROMEO UND JULIA – Ein emotionsgeladener Klassiker explodiert ins Heute

13. Februar 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Mit dem Klassiker ROMEO UND JULIA von William Shakespeare feierte das Landestheater Schwaben am vergangenen Freitag die Premiere einer von Regisseur Robert Teufel perfekt und progressiv in die Gegenwart übersetzten Tragödie um die wohl mächtigsten Gefühle der Menschheit: Verzehrende, aufopfernde Liebe und abgrundtiefer, vernichtender Hass.

Doch nicht nur die Inszenierung war es, die die Höhen, wie auch die Abgründe dieser großen Gefühle äußerst gelungen in Szene setzten. Das puristische, doch ausdrucksstarke Bühnenbild von Rebekka Zimlich in der gebrochenen Farbe von Altgold, einer in Szene setzend angehobenen Bodenfläche, die in eine gleichfarbige Rückwand mit nur einer Tür überging, schien jede Aktion, jede Bewegung zu akzentuieren, zu multiplizieren, zu erheben.

Auch sprachlich vermählten sich hier schlüsselhafte Textpassagen aus der klassischen Tragödie mit provokativ modernem Dialog: Verzweiflung, Hingabe, Verachtung, Liebe und Hass werden hier durch sprachliche Intensität, wie auch durch musikalische Donnerschläge überdeutlich in Szene gesetzt, um die Wucht dieser großen Gefühle der wahrscheinlich aufregendsten und schönsten Liebesgeschichte aller Zeiten ins gleißende Rampenlicht zu rücken.

Romeo und Julia, Landestheater Schwaben, 11.02.2017

Ebenso gewaltig erleben wir hier die Dimension von Hass, der Kriege erzeugt, Generationen prägen kann und unendlich viel Leid nach sich zieht. Von Eltern, die ihre Kinder nicht verstehen wollen, weil sie ihre eigenen Pläne haben, „nur das Beste“ für sie wollen und die, die sie lieben dabei manchmal zerstören…

In der Inszenierung von Regisseur Robert Teufel wird vor allem eines klar: Shakespeares ROMEO UND JULIA ist heute so aktuell wie zu seiner Entstehungszeit. Liebe ist und bleibt eine enorme Kraft, ein machtvolles Schwungrad, die ewige Sehnsucht, doch oft auch Projektion oder reizvolle Utopie.

Romeo und Julia, Landestheater Schwaben, 11.02.2017

Und Hass, wie der Hass der beiden verfeindeten Familien der beiden Liebenden Romeo und Julia im alten Verona, hat noch heute die gleiche Reichweite, die gleiche Zerstörungskraft, die alles zu verschlingen scheint und nur Leid, Rache und noch mehr Hass erzeugt.

In der Inszenierung von Robert Teufel werden wir in ein Wechselbad dieser beiden extremen Gefühlswelten katapultiert, die sich gegenseitig auszuschließen scheinen, und doch oft so eng miteinander verknüpft sind.

Romeo und Julia, Landestheater Schwaben, 11.02.2017

Gerade vor dem Hintergrund von Hass erringt die Liebe der beiden Menschen aus verfeindeten Häusern eine besondere Bedeutung und gerade, weil die Liebe der beiden jungen Menschen unerfüllt blieb, wurde ihre Liebe zum unsterblichen Ideal und die größte Liebesgeschichte aller Zeiten: Eine furiose, herzzerreißende Betrachtung des kompliziertesten aller Gefühle.

Erst im Tod vereint, nach nur einer einzigen gemeinsamen Nacht, in der sie sich heimlich vermählen und sich ewige Liebe schwören, erst über dem Grab Romeos und Julias, versöhnen sich die verhassten Familien und es kehrt Frieden ein.

Romeo und Julia, Landestheater Schwaben, 11.02.2017

Tut er das? Und wenn ja, wie lange? „LABERST DU MICH BLÖD AN, DU WICHSER? BIST DU NICHT DER, DER MICH BLÖD ANGEQUATSCHT HAT, DER MICH BELEIDIGT HAT DU SCHEISSKERL, ICH MACH DICH PLATT…DU…ICH…“ waren (in etwa) die ersten und sind auch die letzten uns ins Gesicht geschrienen Worte, die wir hören, bevor das Bühnenlicht erlöscht.

Haben wir Menschen wirklich etwas gelernt? Sind wir reifer, mündiger geworden? Warum erlauben wir es, dass noch heute Hass und Feindseligkeit Menschen, Familien, ethnische Gruppen aueinanderdividiert? – Und: Darf ein Klassiker so progressiv in die Moderne übersetzt werden? Muss er nicht so dargestellt werden, wie er konzipiert wurde und wie ein Bild in einem Rahmen verstauben und verbleichen oder rettet ihn gerade die Übersetzung ins Moderne vor dem sicheren Tod?

Diese und viele andere Fragen warf die überwältigende Inszenierung von Robert Teufel am Landestheater Schwaben auf und waren Anlass für viele interessante Diskussionen zwischen den Theaterbesuchern im Anschluss an die Premiere.

Genau so muss doch modernes Theater sein! Oder… nicht? – Machen Sie sich Ihr eigenes Bild, denn es gibt noch viele weitere Vorstellungen von ROMEO UND JULIA am LTS, alle Termine finden Sie auf www.landestheater-schwaben.de/spielplan.

Alle Vorstellungen werden auch in unserem Veranstaltungskalender regelmäßig angekündigt.

Inszenierung: Robert Teufel – Bühne und Kostüme: Rebekka Zimlich – Dramaturgie: Miriam Grossmann
Besetzung: Anke Fonferek – Claudia Frost – Jan Arne Looss – Christian Bojidar Müller – Rudy Orlovius – Jens Schnarre – Sandro Šutalo – Fridtjof Stolzenwald – André Stuchlik – Regina Vogel.

Fotos:
Fotocredit: © Forster.

Ein paar mehr Fotos aus unserer Facebookseite.

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