Meisterhaftes Konzert meisterlicher Schüler

6. März 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Das Abschlusskonzert der 17 Teilnehmer aus aller Welt am 1. Meisterkurs für Klavier „Klangperspektiven Allgäu“ in Memmingen wurde mit Standing Ovations und nicht enden wollendem Applaus der Zuhörer eines prall gefüllten Kassettendeckensaales der Sing- und Musikschule Memmingen gewürdigt.

„Unter ´Schüler´ stellt man sich etwas anderes vor“, hörte ich eine Dame sagen, die hinter mir saß und sicher würden ihr alle Zuhörer dieses meisterhaften Konzertes Recht geben. Denn was die 15 von insgesamt 17 Meisterschülern vortrugen, die vom renommierten Klavierprofessor Roland Krüger der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover einen weiteren Feinschliff erhielten, war atemberaubend.

Anschlusskonzert Meisterkurs für Klavier, Memmingen, 04.03.2017

Neben Begabung, jahrelanger Arbeit und technischer Klasse war es jedoch vor allem das „wie“ die Teilnehmer ihr Erlerntes in der Lage waren den Zuhörern zu transportieren. Auf einem Niveau, das Professor Roland Krüger selbst als „das höchste, das er je unterrichtet hat“ bezeichnete, sah er es vor allem als seine Aufgabe, das „menschliche“ am Musizieren zu formen, die Emotion, die hinter einem Stück steht und die Gefühlswelt des Menschen, der das Stück geschaffen hat.

In seiner Begrüßung sagte ein berührend bescheiden wirkender Professor Roland Krüger, die „beglückende und arbeitsintensive Woche“ dieses Meisterkurses sei wie das Memminger Nummernschild von zwei „M“s geprägt worden: Musik und Menschen. Das eine hängt unabdingbar mit dem anderen zusammen, so Professor Krüger. Die Menschen seien die, die in der Lage sind, Musik und deren emotionalen Inhalt nachzuempfinden und zu transportieren.

Die vielen Besucher, die die Woche über den öffentlichen Proben beiwohnten, vor allem aber das große Publikum bei den Konzerten haben den Kurs noch aufgewertet, so Professor Krüger und fügte hinzu: „Es war der schönste Kurs, den ich je geben durfte.“

Über 50 Stunden habe Professor Krüger unterrichtet und dreimal mussten sie den Flügel stimmen lassen, berichtete Musikschulleiter Ottfried Richter bei seiner Begrüßung, der laut Aussagen der beiden Organisatorinnen und künstlerischer Leiterinnen Julia Rinderle und Anastassia Tkachenko die ganze Woche über unterstützend zur Stelle war. Die beiden Organisatorinnen dankten auch den vielen Gastfamilien, bei denen sich die internationalen Künstler heimisch und eingebunden fühlen durften.

Anschlusskonzert Meisterkurs für Klavier, Memmingen, 04.03.2017

Gänsehaut und Tränen

Von Gänsehaut über Raunen, ausgiebigem Applaus bis hin zu Tränen waren die Reaktionen der zahlreichen Zuhörer dieses festlichen Abschlusskonzertes mit 15 von insgesamt 17 hochbegabten Teilnehmern, auch wenn ich bei Gänsehaut und Tränen nur von mir selbst sprechen kann, jedoch sicher bin, nicht die einzige gewesen zu sein, bei der die Klasse der vorgetragenen Stücke diese Resonanzen erzeugte.

Die Stücke, an denen zwei der Teilnehmer mit Professor Roland Krüger arbeiteten, waren nach Angaben von Musikschulleiter Ottfried Richter zu lang und hätten den ohnehin geballten Rahmen des Abends gesprengt, daher blieben es 15 musikalische Vorträge, die der Abend bereithielt.

Die Künstler

So durften wir folgenden Meisterschülern und deren vorgetragenen, allesamt hochkomplexen Stücken lauschen:

Victoria Audrey Sarashvati (Indonesien) machte den Anfang mit Johann Sebastian Bachs „Präludium und Fuge in a-Moll“ aus dem Wohltemperierten Klavier II,

gefolgt von Tsuzumi Namikawa (Japan), die ebenfalls Johann Sebastian Bach wählte und „Präludium und Fuge in H-Dur“ aus dem Wohltemperierten Klavier I vortrug.

Xinlai Liu (China) präsentierte uns wiederum Johann Sebastian Bach mit dem „Präludium und Fuge in g-Moll“ aus dem Wohltemperierten Klavier II,

während Natalia Quach (Polen) aus „Sonate in D-Dur, KV 311, I Allergro con spirito“ von Wolfgang Amadeus Mozart ganz hervorragend wiedergab.

Anschlusskonzert Meisterkurs für Klavier, Memmingen, 04.03.2017

Auch Daniel Bucurescu (Deutschland) erzeugte ein Raunen bei seiner Präsentation eines Stückes von Wolfgang Amadeus Mozart, aus „Sonate in C-Dur, KV 330, I Allergro moderato“,

während Alexander Altmeyer (Deutschland) sicher nicht nur bei mir eine großflächige Gänsehaut hervorrief und mit Alexander Scrjabins „Etüde op. 8, Nr. 12 in Dis-Moll“ auch ein außergewöhnliches Stück eines außergewöhnlichen Komponisten wählte.

Catherine Ma (Kanada) präsentierte hingegen zwei Stücke: zunächst Frédéric Chopins „Mazurka op. 7, Nr. 2 in a-Moll, besonders gefiel sie jedoch bei Sergei Rachmaninovs „Étude-Tableau op. 33 Nr. 5 in d-Moll.

Tutku Sahinalp (Türkei) spielte für uns sehr charakteristisch Claude Debussys „Étude N. 11 Pour les arpège composés“,

und Hikaru Kanki (Japan) schloss den ersten Teil wunderbar ab mit zwei Stücken von Frédéric Chopin, der Etüde op. 10 Nr 7 in C-Dur und der Etüde op. 10 Nr. 8 in F-Dur.

Michela Sara de Nuccio (Italien) machte den Start nach einer Verschnaufpause mit einem Stück der Extreme von von Frédéric Chopin, dem „Scherzo ( = Scherz) op. 20 Nr. 1 in h-Moll, in dem von extrem weichem bis kontrastierend hartem Anschlag und getragenem Tempo bis rasend schnellen Tempi eine enorme Flexibilität abverlangt wurde.

Momoko Watabe (Japan) präsentierte uns aus der „Sonate Nr. 3 in f-Moll V Finale. Allegro moderato ma rubato“ von Johannes Brahms, auch hier viel Kontrast zwischen extrem weichem und sehr hartem Anschlag, was Momoko ganz wunderbar wiedergab.

Josefa Schmidt (Deutschland) wählte ein sehr kurzes Stück von Maurice Ravel aus „Miroirs“: Nr. 2, Oiseaux tristes (= traurige Vögel)“, das im Vergleich zu vielen der vorhergegangenen Stücke ein sehr getragenes ist, doch auch das muss gekonnt sein.

Rebecca Irion (Deutschland) spielte für uns ein Stück freudvoller Passion von Claude Debussy, „L´isle joyeuse“ (= die freudvolle Insel), von dem der Komponist selbst sagte, wie schwer das zu spielen sei.

Anschlusskonzert Meisterkurs für Klavier, Memmingen, 04.03.2017

Andreas Eggertsberger (Österreich) wurde mehr noch und besonders für das zweite von ihm vorgetragene Stück gewürdigt, nämlich aus „Six grandes étude de Paganini“ Nr. 3 „La campanella“ (= das Glöckchen) von Franz Liszt, das er im Anschluss an Frédéric Chopins „Mazurka op. 17 Nr. 4 in a-Moll“ vortrug.

Onutė Gražinytė (Litauen) machte den Abschluss dieses meisterlichen und hoch-emotiven Abends, die mir bereits beim ersten Konzertabend am Mittwoch die Tränen in die Augen trieb und sie mir diesmal förmlich unkontrollierbar kullern ließ mit ihrem Spiel von Stück Nr. 4 aus der Dornröschen-Paraphrase von Peter Ijitsch Tschaikowski / Arr. Paul Pabst / Stephen Hough.

Vielfache Preisträger

Größtenteils brachten die hochkarätigen Künstler, dennoch zumeist Musikstudenten im Alter zwischen 17 und 36 Jahren, bereits Konzertmaterial zu diesem Meisterkurs mit, um daran stilistisch mit Professor Krüger zu arbeiten oder arbeiteten mit ihm an neuem Material.

Die allermeisten von ihnen sind bereits mehrfache Preisträger nationaler und internationaler Klavierwettbewerbe, alle hier zu benennen, würde den Rahmen sprengen.

Anschlusskonzert Meisterkurs für Klavier, Memmingen, 04.03.2017

Professor Roland Krüger

Professor Roland Krüger wurde von Lehrern wie Oleg Maisenberg, Krystian Zimerman und Karl-Heinz Kämmerling in seiner musikalischen Entwicklung wegweisend beeinflusst. Er entwickelte seine künstlerische Persönlichkeit selbst auf vielen Meisterkursen weiter, unter anderem bei Lazar Berman, John O’Conor und John Perry.

2001 sorgte er für weltweite Aufmerksamkeit, als er den 1. Preis des großen Genfer Musikwettbewerbes in der Kategorie Klavier gewann, nachdem in dieser Kategorie neun bzw. 11 Jahre lang* kein erster Preis vergeben worden war. (* Leider geben hier 2 Quellen zwei verschiedene Infos).

Seit 2007 Professor für Klavier an der Hochschule für Musik, Theater und Medien (HMTM) Hannover entwickelte sich Professor Roland Krüger zu einem äußerst gefragten Pädagogen, dessen Studierende, wie auch Frühstudierende zahlreiche Preise und Auszeichnungen gewannen und immer wieder in Konzerten künstlerisch auf sich aufmerksam machen.

Daneben unterrichtete er in Kursen in Deutschland, Österreich, Liechtenstein, China, Korea, Japan, an der Sibelius-Akademie Helsinki (Finnland), sowie an der Musikakademie in Vilnius (Litauen) und wirkt immer wieder als Juror bei nationalen und internationalen Klavierwettbewerben mit.

Roland Krügers künstlerische Arbeit wurde in einer Reihe von CD-Einspielungen dokumentiert und ist in zahlreichen Konzertmitschnitten für Rundfunk und Fernsehen festgehalten worden. Er veröffentlichte u.a. die 12 Etüden von Debussy (Ars Musici), Solowerke von Schubert, Janacek und Bartòk, sowie Kammermusik mit dem Klarinettisten Dimitri Ashkenazy (paladino music). Anfang 2013 erschienen Werke von Joseph Merk (Naxos), die er zusammen mit dem Cellisten Martin Rummel eingespielt hat.

Aktuell unterrichtet Professor Roland Krüger 16 Studierende aus 10 Nationen.

Fotos:
Bild 1 & 2: Alle 17 Teilnehmer werden von den beiden Organisatorinnen und künstlerischer Leiterinnen Julia Rinderle und Anastassia Tkachenko, zusammen mit Musikschulleiter Ottfried Richter geehrt.
Bild 3: (v. li.): Hikaru Kanki, Alexander Altmeyer, Rebecca Irion, Momoko Watabe.
Bild 4: (v. li.): Michela Sara de Nuccio, Andreas Eggertsberger, Onutė Gražinytė.
Bild 5: Ein kleines „Danke schön“ geht an Musikschulleiter Ottfried Richter (li. Foto ganz re.), besonderen Dank erhält Professor Roland Krüger bei der Begrüßung.

Fotoquelle: aus eigener Quelle.

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