Max Uthoff – politisches Kabarett vom Feinsten

18. März 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Mit gründlich recherchierten Fakten, politischen Verstrickungen und ebenso irre witzigen wie irrwitzigen Bezügen ließ Max Uthoff mit seinem politischen Kabarett und seinem neuen Programm „Gegendarstellung“ den Zuschauern nur eine sehr kurze Verschnaufpause: in der Halbzeitpause.

Der Gast bei den 10. Memminger Kabaretttagen Max Uthoff tut sich nicht schwer, eine Memminger Stadthalle zu füllen, ist er doch bereits aus mehreren Fernsehshows und Radiosendungen bekannt.

„Wer immer wieder dasselbe sagt, hat Recht“, sagt ein wie ein Bankkaufmann gekleideter Max Uthoff in gelassenem Ton durch ein Megafon, als er den Saal der Memminger Stadthalle von hinten betritt und weitersprechend den Gang entlang zur Bühne schreitet.

Max Uthoff, Memmingen, 16.03.2017

„Der soziale Friede ist ein hohes Gut. Gerecht ist es, wenn extremer Reichtum und extreme Armut in gleichem Maße ansteigen. – Wer immer wieder dasselbe sagt, hat Recht. – Umverteilung ist Sozialismus. Uli Hoeneß ist kein Sozialismus…“ Doch das ist nur ein kleiner Anfang von einem Abend, an dem weder auch nur eine politische Partei unseres Landes ungeschoren davonkommt, noch ein einziger Politiker, der Rang und Namen hat, noch die Wirtschaft, und am allerwenigsten wir selbst: Die graue Mittelschicht, die auf Kultur trifft, die Statisten in einem großen Dilemma, von dem man nicht weiß, ob man drüber lachen oder weinen sollte.

Da kommt es doch gelegen, wenn auch einmal Politiker anderer Länder mit Max Uthoffs grellem Rampenlicht beleuchtet werden. Der neue Präsident der Vereinigten Staaten zum Beispiel: Wenn man Weltoffenheit mit Günther Oettinger kombiniere, erhielte man einen fremdenfeindlichen Schürzenjäger. „Manche wählen solch einen Menschen sogar zum Präsidenten der Vereinigten Staaten.“

Natürlich musste besonders Angela Merkel mehrfach herhalten, denn unsere Demokratie, „die heute vor allem zur Legitimierung für Profitmaximierung“ als „Stiftung unserer Wirtschaft“ existiere, habe doch etwas an seinem Glanz eingebüßt, doch Angela Merkel mache das souverän nach dem Prinzip „Wenn man die Vergangenheit so lange anhält, bis die Gegenwart vorbei ist, muss ich mir schon über die Zukunft keine Gedanken machen.“

Max Uthoff, Memmingen, 16.03.2017

Das „Traumpaar Horst und Angela“ habe einen ähnlichen Unterhaltungswert wie „Good Cop, bad Cop“, und Gesetze, die Alexander Dobrindt „zusammendüble“ „halten zwar nicht“, doch umso größer sei auch hier der Unterhaltungswert.

Doch wer dachte, dass es bei Max Uthoff bei diesen fast schon harmlosen humoresken Darstellungen bleibt, der hatte sich geirrt, denn langsam erweiterte Max Uthoff seine Kreise, legte fein recherchierte Zusammenhänge offen, über die man nur deshalb lachen konnte, wie Max Uthoff selbst den Humor dabei nicht verliert. Die Waffenindustrie zum Beispiel, der Umgang mit Flüchtlingen, unsere Rolle beim Ruin Griechenlands… die Themen waren – leider – vielfältig.

Dass die Welt rund ist, erklärt er gelassen sarkastisch an dem Beispiel, dass der Emir von Katar ein gern gesehener Gast in Deutschland sei, nachdem er mittlerweile 16 % Anteile an VW besitze, gleichzeitig im Verdacht stehe, die Hamas mitzufinanzieren, die mit dem gleichen Geld Lenkraketen kaufen würden, um diese auf Israel zu richten – Dabei stellt sich Max Uthoff die Frage, ob man diese Lenkraketen dann vielleicht als VW-Nutzfahrzeuge bei der Hug-Coburg Vollkasko versichern könne?

Und nur ab und zu, zwischendurch, gönnt uns Max Uthoff, über harmlose Dinge zu lachen wie: „Frankreich kaufte Opel. Das ist wohl das Häßlichste, was ein Franzose je gekauft hat.“ Wir sollten dann auch die Redewendung umschreiben auf „Leben wie Gott in Frankfurt“.

Oder: „Die Aussage, man sieht nur mit dem Herzen gut, der Rest ist für die Augen unsichtbar ist nicht Teil der deutschen Straßenverkehrsordnung.“

Dass die „Welt“, d.h. die von Axel Springer, ihn dabei einmal als „geschniegelten Brettl-Stalinisten“ beschimpfte, darf man also getrost als Kompliment werten.

Max Uthoff, Memmingen, 16.03.2017

Über Max Uthoff

Das politische Kabarett wurde Max Uthoff schon in die Wiege gelegt: Sein Vater Reiner, Kabarettist und Volkswirt, war 1965 Mitbegründer des Rationaltheaters in München. Zusammen mit Mutter Sylvia leitete er die Kleinkunstbühne 30 Jahre lang. Max stand schon mit elf an der Garderobe, später an der Technik, mit 17 erstmals auf der Bühne.

Widerwillig beißt er sich durch ein Jura-Studium und arbeitet einige Jahre als Anwalt in einer Baurechtskanzlei. Erst 2006 kehrt er zum Kabarett zurück, präsentiert zusammen mit seinem Vater den satirischen Jahresrückblick „Republic Viewing“. Seitdem geht es steil bergauf: Drei Soloprogramme, zahlreiche Kabarettpreise, Moderation der neuen ZDF-„Anstalt“.

Das weitere Programm der 10. Memminger Kabaretttage finden Sie auf www.mm-kabarett-tage.de.

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