Timo Wobb „Moral“ – dynamisches Kabarett mit Gefühlsdusche

20. März 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Kabarettist Timo Wobb stellt in unserer postfaktischen Welt alles auf den Kopf: Glaube, moralische Vorstellungen, Normalität – bei Timo Wobb wird Fluchen zur Therapie für Stressabbau, Kinderliteratur zum Gesellschaftsmanipulator, zu viel Wissen eine Behinderung – und ein Veganer tolerant.

Am vergangenen Samstag warf Timo Wobb die zahlreichen Zuhörer im Antoniersaal in ein Wechselbad der Gefühle: Von sich nachdenklich an die eigene Nase fassen über Tränen lachen ging das Spektrum der Gefühlsdusche bis hin zum Staunen, wenn Timo Wobb buchstäblich mit Vorstellungs- und realen Welten jongliert.

Denn Timo Wobb beherrscht nicht nur meisterhaft verbale Gedankenakrobatik, sondern auch physische, wenn er beim „BOXING“ mit Schachteln, oder mit Billardkugeln jonglierend gleichzeitig  seine Gedankengebilde förmlich greifbar macht und all die Lügen straft, die behaupten, Männer seien nicht multitaskingfähig.

Timo Wobb "Moral", Memmingen, 18.03.2017

In einer komischen Welt wie der unseren ist es eines der schwierigsten Dinge, Normalität zu finden, findet Timo. Es finge doch schon alles damit an, dass wir von Kinderliteratur manipuliert würden – man denke nur an „Bobo Siebenschläfer“… Dabei achtet er auf die Reaktion im Publikum und findet sofort heraus, dass einige junge Eltern im Publikum sitzen. Und WOBB – da dreht sich der Spiegel um und die jungen Eltern schauen hinein, die Kinder bei einem Kindergeburtstag betreuen sollen, ihnen anstatt dessen Madagaskar 1-3 als Zauberkiste verkaufen, um sich zu verkrümeln und sie manipulieren mit „Aber das ist ein Geheimnis, verstehst Du? – wenn Du das Deiner Mama erzählst, stirbt sie.“

Dabei überzieht Timo Wobb mit solch grotesk-sarkastische Spitzen, dass man nicht umhinkann, als darüber zu lauthals zu lachen. Wenn Eltern ihr vierjähriges Kind beim Kindermarathonlauf über die Ziellinie ziehen zum Beispiel. „Stellen Sie sich das vor! Ein Kind mit vier Jahren! – Das kann man doch noch über die Ziellinie werfen!“

Timo Wobb "Moral", Memmingen, 18.03.2017

Und später? „Als Mensch gingen wir in die Schule, um als eine Zahl wieder herauszukommen.“ Alles werde bewertet, bewertet und kommentiert – heute vor allem auf den sozialen Medien, wie auf Facebook. Nichts ginge ohne Bewertung durch… Timo Wobb sieht ins Publikum, „naja, sie sind ein etwas älteres Publikum, also: Stellen Sie sich nur vor, wenn beispielsweise der Tatort am Sonntagnachmittag schlecht ist – da ist doch der Tag gelaufen, oder?!“

Bei Mangel an Sex nach dem ersten Kind empfiehlt er, Puff-Gutscheine anzubieten auf www.windel.de, wo die armen jungen Männer ihre Windelpakete online bestellen, weil die Frau mit ihrer Karriere beschäftigt ist und sich dann beschweren, dass der Sex nicht mehr gut ist. Er habe darüber recherchiert: Der deutsche Bundesbürger habe 2,6 Mal Sex die Woche „da kommt man doch nicht zum Üben!“

Doch: „Recherche ist der Feind der Meinung“, findet Timo und „zu viel Wissen ist auch eine Behinderung“, wo doch das eigentliche Problem nicht die Meinungsfreiheit, sondern die „Mitteilungsinkontinenz“ sei.

Timo Wobb "Moral", Memmingen, 18.03.2017

Von Klischees „Ich meine, entweder ein Typ ist cool, oder er fährt Liegefahrrad“ spannt Timo einen Bogen über Glauben „Ich glaube auch daran, dass ich meine Kinder liebe um 4:30 Uhr in der Früh“, den wirtschaftlichen Markt „Wenn mich meine Frau fragt, warum ich den Müll vom Balkon in den Hof werfe, sage ich „Das reguliert der Markt“, Alfred Nobel, den Erfinder des Dynamits, nach dem der Friedensnobelpreis benannt wurde „wie passend!“ bis zur Politik:

Während, oder besser anhand des „BOXING“ mit drei Schachteln erklärt uns Timo das politische Wechselspiel von rechts, Mitte, links – hopp-hopp-hopp, wie es wechselt von rechts-konservativ über populistisch zu links-alternativ, sich auf den Kopf stellt und sich erneut dreht, bis man nicht mehr weiß, wo oben und unten, rechts oder links nochmal war?

Die Eurokrise erklärt uns Timo Wopp, während er mit Billardkugeln jongliert, „um unserer eigenen Orientierungslosigkeit ein Gesicht zu geben“ und schlägt vor, unsere Einwanderer vor allem vor unserem komplizierten System zu warnen, was vielleicht die einfachste Lösung sei für zu viel Zuwanderung.

Am Ende findet Timo Wobb, man sollte das, was moralisch nicht gefällt, einfach „weeeeiterwinken“…

Timo Wobb "Moral", Memmingen, 18.03.2017

Das weitere Programm der 10. Memminger Kabaretttage

Dienstag, 21.03.2017, 20 Uhr – Andreas M. Hofmeir „Kein Aufwand! Teil 2“, in der Dampfsäg

Mittwoch, 22.03.2017, 20 Uhr – René Sydow „Warnung vor dem Munde“, im PiK – AUSVERKAUFT

Freitag, 24.03.2017, 20 Uhr – Lisa Eckhart „Als ob Sie Besseres zu tun hätten“, im PiK – AUSVERKAUFT

Samstag, 25.03.2017, 20 Uhr – Mathias Tretter „Selfie“, im Antonierhaus – AUSVERKAUFT

Donnerstag, 30.03.2017, 20 Uhr – Franziska Wanninger „AHOIbe – Guad is guad gnua“, im PiK – AUSVERKAUFT

Freitag, 31.03.2017, 20 Uhr – HG Butzko „Menschliche Intelligenz“, im Antonierhaus – AUSVERKAUFT

Samstag, 01.04.2017, 20 Uhr – Gunkl „So Sachen – Ein Stapel Anmerkungen“, im Antonierhaus

Dienstag, 04.04.2017, 20 Uhr – Lars Reichow „Freiheit!“, in der Vöhlin-Aula

Mittwoch, 05.04.2017, 20 Uhr – Andreas Rebers „Amen“, im Antonierhaus – AUSVERKAUFT

Freitag, 07.04.2017, 20 Uhr – Hatzius „Echstasy“ – Michael Hatzius zweite Comedysoloshow, im LTS

Mehr Infos über die 10. Memminger Kabaretttage auf www.mm-kabarett-tage.de.

Fotos: aus eigener Quelle.

Die Fotos noch einmal in größer auf unserer Facebookseite.

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