„What the hell was I thinking? – Ein Blick ins Atelier“

21. März 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Die MEWO Kunsthalle eröffnete mit Florian Bielefeldts „What the hell was I thinking? – Ein Blick ins Atelier“ eine Ausstellung, die in eine cartoonartige Welt entführt, den Besucher jedoch nicht als passiven Betrachter außen vor stehenlässt, sondern ihm erlaubt, ins Bild einzutreten.

„Hups“, dachte ich mir, als ich den Ausstellungsraum betrat, denn zusammen mit den zahlreichen Besucherinnen und Besuchern der Vernissage fand ich mich plötzlich inmitten eines großen Cartoons wieder. Eine Cartoon-Feuerkanone ist auf mich gerichtet, die gerade einen Schuss abgefeuert hat und noch Funken sprüht, auf der rechten Seite hängen Keulenartige Dinge im Raum, die man sich näher ansehen möchte und wird damit selbst sofort Teil der Szenerie, die sich ständig zu verändern scheint.

Ausstellung Florian Bielefeldts „What the hell was I thinking? - Ein Blick ins Atelier“, Mewo Kunsthalle Memmingen, 20.03.2017

„Es passiert etwas“, erklärt der Künstler, der zur Vernissage anwesend ist. „Wenn Sie genau hinsehen, sind all das hier Situationen, in denen man ahnt, dass gleich etwas passieren wird, oder gerade etwas passiert ist“, erklärt der Künstler weiter, der mit einer Schildmütze vor einem seiner Bilder steht, in dem ein Cartoon-Akteur mit einer ähnlichen Schildmütze, gerade einen sprechenden Besen anfunkelt, der ihn bedrohlich ansieht.

Aus Wut auf die Zweidimensionalität beim Malen und bereits seit seinem Grafikstudium auf die Linienführung von Comiczeichungen spezialisiert, wollte Florian Bielefeld Räumlichkeit erschaffen. Dazu nahm er Elemente aus seinen Zeichnungen heraus und installierte sie im Raum, schuf begehbare Welten und bezieht den Betrachter auch durch Schrift und Nachrichten in seine Werke mit ein.

Ausstellung Florian Bielefeldts „What the hell was I thinking? - Ein Blick ins Atelier“, Mewo Kunsthalle Memmingen, 20.03.2017

Dabei geht es ihm weniger um inhaltliche Aussagen, vielmehr wollte er Techniken so einsetzen, dass der Unterhaltungswert zur Kunst kontrastiert. „Auch der Betrachter soll seinen Spaß dabei haben“, findet Florian Bielefeld.

Aus technischer Sicht beobachtete er bei Cartoons vor allem die Bildreihenfolgen bei Aktionen: „Es gibt immer ein Bild bevor und ein Bild nachdem etwas passiert, wenn man das mittlere Bild herausnimmt, und sich darauf konzentriert, bilden sich Assoziationsketten. Genau damit arbeite ich.“

Ausstellung Florian Bielefeldts „What the hell was I thinking? - Ein Blick ins Atelier“, Mewo Kunsthalle Memmingen, 20.03.2017

Dabei inspiriert ihn Funny van Dannen ebenso wie Tom und Jerry oder Szenen aus gruseligen Spatterfilmen. Grusel, Reiz, witzige Momente, bedrohliche Momente und Fiktion aus der Cartoonwelt sind dabei ästhetische Mittel. Die Farbgebung entwickelte sich aus der Drucktechnik der Cartoons: klare Farben oder grafisches Schwarz-Weiss mit einer Kontrastfarbe dominieren.

Nach der Wahl der Sprache Englisch gefragt in grafischen Bildern mit Sprechblasen oder Textausschnitten, sagt der Künstler, sie helfen ihm, eine Distanz zum Bild aufzubauen. Wie ein Künstler sich beim Schaffen zurücklehnt, um eine Distanz zu erzeugen, hilft ihm die fremde Sprachwahl.

Die Ausstellung Florian Bielefeldt: „What the hell was I thinking? – Ein Blick ins Atelier“ ist übrigens noch bis zum 1. Mai 2017 in der MEWO Kunsthalle zu besichtigen. Florian Bielefeld wünscht allen dabei „Viel Spaß!“

Ausstellung Florian Bielefeldts „What the hell was I thinking? - Ein Blick ins Atelier“, Mewo Kunsthalle Memmingen, 20.03.2017

Über Florian Bielefeld

Florian Bielefeldt absolvierte ein Studium der Grafik, welches er mit einem einjährigen Aufenthalt am Edinburgh College of Art anreicherte, unter der Anleitung Thomas Rugs an der Burg Giebichenstein in Halle an der Saale.

Wie so viele Künstler verschlug es den gebürtigen Frankfurter nach dem Studium – auf der Flucht vor Armut und Hunger – ins Herz der Republik nach Berlin, wo er sich in einer Kunstszene wiederfand, die weder Furcht noch Feinde kannte.

Im Stahlbad aus Vernissagen, Projekten und Jobcenterbesuchen wünschte er bisweilen, den Verstand zu verlieren, wie bereits viele seiner Mitstreiter vor ihm, die in Projekten zu Goldstaub zerfallen waren, auf Gallery Weekends verdampften oder einfach vom Mahlstrom des Erfolgs hinweggesogen wurden.

Dieses Sehnen indes erfüllte sich nicht. Zähneknirschend krempelte er die Ärmel hoch und begann, sein eigenes Ding zu machen. Seitdem erhielt er verschiedene Stipendien, arbeitet als Künstler und Illustrator, sowie als Mitglied der Künstlergruppe ›die Fortunisten‹ in einer Ateliergemeinschaft in Kreuzberg, während er in Neukölln lebt.

Sich von den traditionellen Druckgrafiken lösend, orientierte er sich bald an der Linienführung von Comiczeichungen und ihrem Hang zur figürlichen Darstellung, entwickelte Räumlichkeit und seine charakteristische Farbgebung.

Ein paar mehr Bilder zum Einstimmen auf die Ausstellung auf unserer Facebookseite.

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