Pionierarbeit in Memmingen: SepaPlast – Kunststoffe aus Verbundfolien

22. März 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Seit 2016 betreibt die SepaPlast GmbH in Memmingen eine innovative Trenntechnikanlage, die bundesweit erstmalig im industriellen Maßstab Verbundfolienabfälle in sortenreine Kunststoffe trennen kann. Unterstützung für die Investition erhielt das innovative Unternehmen von seiner Hausbank und der LfA Förderbank Bayern. Bayerns Wirtschaftsstaatssekretär Franz Josef Pschierer und LfA-Vorstandschef Dr. Otto Beierl machten sich ein Bild von der innovativen Anlage.

Im Zeitalter der großen Wenden in vielen Bereichen sei eine wichtige davon die Rohstoffwende, klärt Bayerns Wirtschaftsstaatssekretär und stellvertretender Verwaltungsratsvorsitzender der LfA Franz Josef Pschierer auf. Bei Recyclingquoten von rund 50 % bei Metall und rund 75 % bei Papier liegt die Rcyclingquote im Bereich Verbundfolien bisher gerade einmal bei 4 %. „Wir brauchen klevere technische Lösungen in diesem Bereich“, daher freue es ihn besonders, dass das Unternehmen SepaPlast hier einen entscheidenden Schritt gemacht habe.

Betriebsbesichtigung SepaPlast und Besuch von Bayerns Wirtschaftsstaatssekretär Franz Josef Pschierer, Memmingen, 20.03.2017

„Frische Ideen und innovative Technologien sind der Motor der bayerischen Wirtschaft. Projekte wie diese revolutionäre Trennanlage im Allgäu können nur mit unternehmerischen Mut, Anstrengung und verlässlichen Partnern verwirklicht werden. Hier profitiert der Mittelstand vom attraktiven Förderangebot der LfA. So können Hidden Champions wachsen und ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken“, betonte Franz Josef Pschierer.

„Den günstigen Förderkredit der LfA hat uns unsere Hausbank verschafft“, so Dr. Richard Sizmann, einer der beiden Geschäftsführer von SepaPlast. „Durch dieses unkomplizierte Zusammenspiel ist es gelungen, diese bundesweit einzigartige Anlage am Standort Memmingen zu verwirklichen. Mit der Wiederaufbereitung von Kunststoffabfällen entlasten wir die Umwelt nachhaltig. Unser Projekt hat noch viel Potential und wir planen bereits weitere Anlagen“.

LfA-Vorstandschef Dr. Beierl erläuterte dazu, SepaPlast leiste hier im Allgäu Pionierarbeit: Die ökonomisch und ökologisch sinnvolle Rückgewinnung von Rohstoffen mit dieser zukunftsweisenden Anlage sei beeindruckend. „Gerade bei innovativen Ideen bestehen oft Hürden, wenn es um die passende Finanzierung geht. Um diese Nachteile auszugleichen, hilft die LfA mit dem passenden Förderangebot. Bei nicht ausreichenden Sicherheiten können wir der Hausbank zudem einen Teil des Kreditrisikos abnehmen. In den letzten drei Jahren haben wir am Wirtschaftsstandort Bayern rund 180 innovative Vorhaben mit fast 60 Millionen Euro gefördert.“

Betriebsbesichtigung SepaPlast und Besuch von Bayerns Wirtschaftsstaatssekretär Franz Josef Pschierer, Memmingen, 20.03.2017

Über SepaPlast

Dr. Richard Sizmann, einer der beiden Geschäftsführer von SepaPlast, erklärte den anwesenden Gästen vor dem Firmenrundgang grob die Zusammenhänge: Verbundfolienabfälle der Lebensmittelverpackungsindustrie, d.h. Folien, die aus den zwei Bestandteilen Polyethylen (PE) und Polyamid (PA) bestehen und fest durch einen Kleber miteinander verbunden sind, werden hier getrennt und als sortenreine Kunststoffe wieder dem Wirtschaftskreislauf zurückgeführt.

Die beiden wertvollen Kunststoffe werden so ökologisch und ökonomisch genutzt und in industriellem Maßstab gewonnen, womit das Unternehmen einen wichtigen Beitrag zur Rohstoffwende leiste.

Viel Zeit, Geld und Durchhaltevermögen habe es gekostet, durch jahrelange Vorarbeit eine effiziente Anlage zu entwickeln. Als Beispiel nennt er die Granulieranlage, die nun effizient und wirtschaftlich arbeite. Die gesamte Anlage wurde skalierbar konzipiert, sodass das Produktionsvolumen sich problemlos nach oben steigern kann.

Betriebsbesichtigung SepaPlast und Besuch von Bayerns Wirtschaftsstaatssekretär Franz Josef Pschierer, Memmingen, 20.03.2017

Firmenrundgang

Beim anschließenden Firmenrundgang klärte indes der zweite Geschäftsführer von SepaPlast Wolfgang Zacherle auf, wie es zum Unternehmen SepaPlast kam und wie die Idee für die Trennung von Verbundfolienabfällen und die Gewinnung sortenreiner Kunststoffe in industriellem Maßstab entstand.

SepaPlast entstand aus der benachbarten Firma Neidhardt GmbH Kunststoffrecycling. Geschäftsführer Wolfgang Zacherle las eines Tages eine Veröffentlichung vom Frauenhoferinstitut über genau dieses Thema. Daraufhin vereinbarte er einen Termin und sprach mit einem Vertreter des Frauenhofer Institutes.

So entstand die Idee für die praktische Umsetzung aus einer wissenschaftlichen Abhandlung und aus einer Versuchsanlage entwickelte sich evolutionär die Anlage und das Unternehmen SepaPlast. Wo heute 10 Tonnen pro Tag verarbeitet werden können, können in naher Zukunft problemlos 50 Tonnen pro Tag verarbeitet werden durch die skalierbare Konzeption der Anlage.

Die „Rohstoffe“, d.h. in diesem Fall Verbundfolienabfälle aus der Lebensmittelverpackungsindustrie, beziehen sie bisher von 4 großen Verpackungsmittelherstellern aus der Region. In einem zweiten Schritt könnte auch die Verarbeitung von Verbraucherabfällen dazu genommen werden.

Mit Hilfe eines Lösungsmittels werden die beiden Bestandteile PE und PA getrennt, wobei das Lösungsmittel komplett zurückgewonnen und dem Kreislauf wieder zugeführt wird.

Durch mechanische und thermische Prozesse werden so die beiden Grundstoffe PE und PA sortenrein gewonnen und liefern wiederum die Rohstoffe beispielsweise für die Herstellung von Adhesiven.

Mit etwa 20 Mitarbeitern stemmen sie das momentane Volumen von 10 Tonnen pro Tag im Schichtbetrieb, jedoch noch nicht durchgehend, sondern an 5 Wochentagen. Die Berufsbilder ihrer Mitarbeiter sind zwar nicht namentlich definiert, sind jedoch ingenieursnahe Berufsbilder, die direkt bei ihnen geschult und ausgebildet werden. AZUBIS können sie jedoch eine kaufmännische Ausbildung bei SepaPlast anbieten.

Betriebsbesichtigung SepaPlast und Besuch von Bayerns Wirtschaftsstaatssekretär Franz Josef Pschierer, Memmingen, 20.03.2017

Stichwort „Rohstoffwende Bayern – Projektverbund ForCYCLE“

Das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz hat mit der Universität Augsburg Anfang 2014 den Projektverbund „ForCYCLE – Rohstoffwende Bayern“ gestartet. In verschiedenen Projekten werden zukunftsweisende Verfahren und Strategien für das Recycling von Metallen, Kompositwerkstoffen, Baustoffen sowie Verfahren mit biogenen Wertstoffen entwickelt. Durch eine enge Zusammenarbeit mit Wirtschaftsunternehmen wird die praxisnahe Umsetzung der Projekte intensiv unterstützt.

Die Trendumkehr – weg vom Einsatz fabrikneuer Rohstoffe und hin zum Recycling gebrauchter Materialien mit anschließender Rückführung in den Produktionsprozess – markiert ein grundlegendes Umdenken im Umgang mit natürlichen Ressourcen und ist der Grundstein für eine Rohstoffwende in Bayern.

Über die LfA Förderbank Bayern

Die LfA ist seit 1951 die staatliche Spezialbank zur Förderung des Mittelstands in Bayern. Die Förderkredite werden grundsätzlich bei den Hausbanken der Unternehmen beantragt und über diese ausgereicht. Um den Wirtschaftsstandort Bayern zu stärken, unterstützt die LfA auch Infrastrukturvorhaben.

Das Unternehmen SepaPlast wurde über den Universalkredit Innovativ mit 70-prozentiger Haftungsfreistellung gefördert. Die Finanzierung wird von der InnovFin KMU-Kredit-Garantiefazilität des Horizon 2020-Programms der Europäischen Union (Rahmenprogramm für Forschung und Innovation) und dem unter der Investitionsoffensive für Europa errichteten Europäischen Fonds für strategische Investitionen („EFSI“) ermöglicht.

Zweck des EFSI ist es, die Finanzierung und Durchführung produktiver Investitionen in der Europäischen Union zu fördern sowie einen verbesserten Zugang zu Finanzierungen sicherzustellen.

Weitere Infos zu den Finanzierungsmöglichkeiten bietet die LfA-Förderberatung unter Tel. 0800 – 21 24 24 0 (kostenfrei). Weitere Infos über die LfA Förderbank Bayern finden Sie auch auf www.lfa.de.

Weitere Infos über SepaPlast finden Sie auf www.sepaplast.com.

Fotos:
Foto 1: Wirtschaftsstaatssekretär Franz Josef Pschierer (re.) überreicht SepaPlast-Geschäftsführer Dr. Richard Sizmann (li.) erhält ein Geschenk. Foto aus eigener Quelle.
Foto 2: Im Zentrum li.: LfA-Vorstandschef Dr. Otto Beierl, rechts neben ihm Bayerns Wirtschaftsstaatssekretär Franz Josef Pschierer. Foto aus eigener Quelle.
Foto 3 und Titelbild (v.l.n.r.): SepaPlast-Geschäftsführer Dr. Richard Sizmann, Wirtschaftsstaatssekretär Franz Josef Pschierer und LfA-Vorstandschef Dr. Otto Beierl beim Besuch der SepaPlast GmbH. Fotoquelle: Anita Dehne, Pressesprecherin LfA München.
Foto 4: Ein Einblick in die Industrieanlage der SepaPlast GmbH. Fotoquelle: SepaPlast/Pirpamer.

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