Superstar im Kroko-Look

11. April 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Wir sprechen von DER Echse. Der Echse, die nie ohne Michael Hatzius unterwegs ist. Doch Echse ist nicht einfach nur eine… Puppe. Echse ist ein Star. Ein zigarrenrauchender Superstar, mit der Gelassenheit einer Kreatur, die Jahrmillionen überlebt hat und der man nichts mehr vormachen kann.

Deshalb ist DIE Echse natürlich männlich. Super-männlich sogar. Weiß alles, ist mit allen Wassern gewaschen, kann alles tiefenentspannt erklären und das mit einer hypnotischen Stimme, die mich an eine Artverwandte erinnert: an die Schlange Ka.

Memminger Kabaretttage-Michael Hatzius "Echstasy", Memmingen, 07.04.2017

Michael Hatzius machte mit seiner Show „Echstasy“ und seinem Star „Echse“ den Abschluss der 10. Memminger Kabaretttage. Als bester Act der insgesamt 14 Vorstellungen wurde von der Jury Mathias Tretter und sein Programm „Selfie“ gekürt und mit einer Skulptur von der Memminger Künstlerin Cornelia Brader ausgezeichnet. Der Preis wurde wie auch in den Vorjahren von der Sparkasse MM-LI-MN gestiftet.

In einer kurzen Laudatio erklärte Wolfgang Frey als Mitglied der Jury, die sich neben ihm aus Peter Javurek (Mitglied der Memminger Mäuler), Julia Mayer (Stadt Memmingen), Barbara Hefele-Beitlich (Memminger Zeitung) zusammensetzt, das hohe Niveau von Mathias Tretter habe in seinem gut durchdachten Programm „Selfie“ sprachlich, wie auch inhaltlich die Jury vorbehaltlos überzeugt.

Durch Überhöhung der kollektiven, hemmungslosen, virtuellen „Selbstoptimierung“ habe er die Zuschauer mit den narzistischen Abgründen unserer Gesellschaft treffend konfrontiert. Witzige wie absurde Momente und Charaktere seien dabei dargestellt worden ohne bloßzustellen, sondern vor allem durch geschliffene Sprache und gewandten Wortwitz. Mathias Tretter verliere nie sein hohes Format und ziehe, so das Fazit der Jury, sein Publikum eben damit bis zum Schluss in seinen Bann.

Memminger Kabaretttage-Michael Hatzius "Echstasy", Memmingen, 07.04.2017

Doch zurück zu Echse.

Echse hat in 250 Millionen Jahren alles gesehen. Echse hat sich mit „Konfi“ (Konfuzius) über Augengläser unterhalten, „Marti“ (Martin Luther) erklärt, warum sie nicht Papst werden will, und erzählte uns, wie sie alle ihre Freunde – damals an jenem Mittwoch – rechtzeitig vor dem Meteoriten gewarnt hatte, doch vor allem seine „vegetarischen Freunde“ waren alle zu groß, um sich rechtzeitig zu verstecken. So überlebte Echse sie alle und teilt noch heute mit uns ihre unendliche Weisheit.

Memminger Kabaretttage-Michael Hatzius "Echstasy", Memmingen, 07.04.2017

Echse bewegt sich wie ein Star, spricht wie ein Star, lümmelt gelassen auf seinem Stuhl wie ein Star, zieht gelegentlich genüsslich an der Zigarre, während sie weltgewandte Weisheiten von sich gibt. Wenn man sich lange genug auf dieses schlaue Gesicht mit den abschätzenden Augen konzentriert, tendiert man dazu, nicht Michael Hatzius, sondern Echse zuzuhören. Und die macht sich gerade über Dialekte lustig, nachdem sie selbst natürlich lupenreines Hochdeutsch spricht.

Die österreichische Sprachfärbung schneidet bei Echse am schlechtesten ab, knapp gefolgt von der schwäbischen, denn die Schwaben haben ihrer Ansicht nach eine massive Störung im „Konsonanten-Sprachzentrum.“ – „Eine Frage an die Damen hier im Raum: geht bei einer Frau noch irgendwas, wenn er sagt, dass er ´Luscht´ hat?“

Überhaupt sei Bayerisch-Schwaben eine nicht zu übertreffende Steigerung: „Wie ein Krebspatient mit Aids.“ – Wir können auch darüber lachen liebe Echse, jedoch nur, weil wir uns wohlwollend bemühen und in Memmingen respektvoll mit Einwanderern aus östlichen und sonstigen Ländern umzugehen pflegen – außer, wenn sie uns beleidigen, denn wie man in den Wald ruft…

Um zu beweisen, dass Echse alle Dialekte, so auch Schwäbisch versteht, ermutigt sie das Publikum, ihr Wörter in unserem Allgäuer Dialekt zu sagen, die sie noch nicht kennt. So erklärt sie uns äußerst farbig die Bedeutung von „Vahockata Bodagrott“, ohne zu ahnen, dass dies womöglich als eine Retourkutsche galt und ihn auf gut Schwäbisch recht treffend beschrieb, neben weiteren schwäbsichen Begriffen wie „Bodabira“, die sie auffängt und deren Bedeutung schillernd und mit blühender Fantasie interpretiert.

Memminger Kabaretttage-Michael Hatzius "Echstasy", Memmingen, 07.04.2017

Doch hinter der Echse steckt tatsächlich Michael Hatzius wie ein zweites Ich. Und den reizt am meisten der direkte Kontakt mit dem Publikum, wie er über sich selbst sagt und genau darin liegt tatsächlich eine seiner größten Stärken.

Aus dem Moment zieht er häufig Inspiration, neue, kleine Geschichten entstehen durch Improvisation und freie Assoziation, die gespeist werden durch Mitwirken der Zuschauer. So geht er mit Echse gelegentlich durch die Reihen, stellt Zuschauern Fragen, kommentiert und merkt sich alles, um es in einem zweiten Moment fast unbemerkt in die Show mit einfließen zu lassen.

Oder er sucht mit Hilfe seines „Freiwilligendetektors“ einen „Freiwilligen, der nur zu schüchtern ist, es offen zuzugeben“ und bindet ihn bei seiner „Entenastrologie“ mit ein. Das, nachdem sich in seiner verspielt wirkenden, doch im Unterton äußerst sarkastischen Gummientchen-Einlage so ziemlich alle Repräsentanten unserer Gesellschaft begegnen, vom Punk-Gummientchen „Kotz – kotz“, über die Polizei-Ente, die Pfarrer-Ente, die Krankenschwester-Ente, die Zuwanderer-Ente, bis hin zur Batman-Ente, der Kanzlerinnen-Ente und der Sensenmann-Ente, die bei den Aufeinandertreffen aller anderer Enten mächtig aussiebt.

Memminger Kabaretttage-Michael Hatzius "Echstasy", Memmingen, 07.04.2017

An anderer Stelle bringt sie eine alte Ziehharmonika mit, um uns mit einem Lied zu beglücken. Jedoch „hatte ich nicht die Zeit, einen Text zu schreiben“ und bindet uns ein in „diese uuuuuralte, ausgelutschte Impro-Nummer: Ihr gebt mir drei Worte vor, ich mach daraus einen Liedtext.“

Was ihm natürlich ohne zu zögern, lückenlos und in Reimform gelingt. Selbst aus den drei Worten „Brandenburg“, „Elch“ und „Schnecke“. Nachdem es – auch in Memmingen – Internet gibt, müssen wohl ein paar (Bayerisch-Schwäbische) Zuschauer recherchiert haben, dass Michael Hatzius in Berlin (Ost) geboren ist…

Seine Show präsentiert sich ebenso wechselblütig wie sein schuppiger Star: Untermalt durch Videoeinspielungen bewegt sich seine Show zwischen grotesker Surrealität, gekonnter Improvisation und inspirierender Interaktion mit dem Publikum über leicht verdaulichen Wortwitz bis hin zur ästhetischen Grenzwertigkeit.

Dabei präsentierte er uns nicht nur den schuppigen Superstar, sondern auch einen Riesennager mit sprechender Karotte, eine sprechende Zecke, die aus ihrem schweren Leben erzählt, ein Huhn, das ein Problem mit dem pünktlichen Eierlegen hat und zu guter Letzt einen Erzengel mit Violine, der uns „Morgen früh, wenn Gott will…“ zum Abschied spielte.

Mehr Fotos von der Show auf unserer Facebookseite.

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