EISENWERK – drei Bildhauer – ein Material

13. April 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Eine sehr sehenswerte Ausstellung von Skulpturen aus verschiedenen Metallen wurde in der Kartause in Buxheim am vergangenen Sonntag eröffnet. Die drei Künstler Horst Wendland, Remo Leghissa und Ulrich Schweiger zeigen dabei Ausschnitte ihres Schaffens, das das schwere Material auf ganz verschiedene Weise mit Leben erfüllt.

„Eisen ist ein schweres Material, ein vergängliches Material. Es oxidiert und zerfällt am Ende. Früher wurden daraus Waffen und Rüstungen hergestellt oder auch feiner, zierlicher Schmuck. Was die drei Künstler dieser Ausstellung vereint ist, dass den massiven, statischen Eigenschaften dieses Materials Leben eingehaucht wird und gleichzeitig die Vergänglichkeit bewusstmacht,“ erklärte Vorstand des Heimatdienstes Buxheim Johannes Haugg in seiner kurzen Ansprache. Die spirituelle Grundstimmung des Klosters ginge hier eine perfekte Symbiose mit den modernen Kunstwerken ein.

„Was macht uns alle drei aus?“ fragt Remo Leghissa, der einleitend für alle drei Künstler spricht. „Unsere Pinsel sind das Schweißgerät, die Flex und die Feilen, die Poesie ist, was uns verbindet. Alle drei bringen wir Leben in das Material, jeder auf seine Weise und schaffen daraus Wesen, die leben.“

Die Ausstellung ist noch bis zum 14. Mai 2017 in der Kartause Buxheim täglich von 10 bis 17.00 Uhr zu besichtigen.

Horst Wendland
Horst Wendland

Horst Wendland

Der gebürtige Münchner Horst Wendland ist freischaffend als Karikaturist, Bildhauer und Dozent tätig. Er bringt eiserne, industrielle Überreste menschlichen Fortschrittes in einen neuen Kontext: Mit Witz, gewürzt mit einem kräftigen Schuss Ironie lässt er daraus originelle und einmalige Figuren entstehen.

Die meist mythologischen Gestalten aus Eisen, Stahl und Bronze wirken dennoch filigran in der endgültigen Form, lassen das Licht durchscheinen und wirken transparent. Er verwendet Reststücke, Recycling Material, neue, bereits geformte Gegenstände aus Eisen oder anderen Metallen und Schrott.

„In meinem Atelier in Frickenhausen im Unterallgäu entstehen monumentale und doch leicht und transparent wirkende Plastiken aus Eisen, verschiedenen Metallen und nicht zuletzt aus – Schrott. Aus der Metamorphose von Metall, Feuer und eisernem Willen geboren und dem Zahn der Zeit erneut überlassen,“ erklärt er bezugnehmend auf die Verarbeitung und die natürliche Oxidation, der das Material unterworfen ist.

Remo Leghissa
Remo Leghissa

Remo Leghissa

Seine Hände sind das Werkzeug, die darin geübt sind, Leben in das harte Material zu schweißen, zu schleifen und zu biegen. Der ebenfalls in München geborene Remo Leghissa arbeitet mit Flächen, die er durch Schweißen zusammenfügt, um die daraus entstehenden Objekte dennoch leicht zu halten.

Mit unendlich viel schleifen und feilen schafft er Bögen im Raum, die sich zu Kreisen schließen, Spiralen oder Knoten brechen aus diesen wieder aus „um die Weite zu suchen,“ Feuerzungenartige Gebilde schlängeln sich in die Höhe. Neben abstrakten Formen sind für Remo Leghissa auch Vögel ein beliebtes Motiv: Ein Vogel im Abflug, ein Vogel, der gerade einen Ruf ausstößt.

Seine Materialien sind Edelstahl und Messing, sein Denken und Fühlen der Motor.

„Ich arbeite in meinen Werken mit Bewegung. Durch das Material und die Verarbeitung wirkt die Bewegung wie geronnen.“ Auf die Frage nach den verschlungenen Formen, die sich meist an einem Punkt wieder vereinen, sagt er, es reflektiere die Lebenswege von Menschen, die verschlungen wirken und sich doch schließen, denn „Anfang und Ende sind Eins.“

Was er in dieser Gemeinschaftsausstellung zeigt ist jedoch nur ein kleiner Ausschnitt seines Schaffens und zeigt vor allem Skulpturen, die aufgrund ihrer Größe und manchmal auch aufgrund der gewählten Materialien für Innenbereiche geeignet sind.

Daneben schafft er Skulpturen, „die größer sind und sich im Freien wohl fühlen“ für Garten, Park, oder den Eingangsbereich eines Unternehmens, wie auch platzierte Werke im öffentlichen Raum.

Ulrich Schweiger
Ulrich Schweiger

Ulrich Schweiger

Ulrich Schweigers bewegte Figuren entstehen aus Zeichnungen: Umrisszeichnungen werden aus Metallplatten gesägt und erhalten durch falten und biegen eine dritte Dimension. Er selbst kennt die zu entstehenden Figuren noch nicht, sie entwickeln sich während des Schaffens durch falten und biegen, erklärt der gebürtige Münchner Künstler.

„Bewegung ist Leben. Alles uns Bekannte ist beweglich und veränderlich,“ erläutert er. „Wir sind voller Möglichkeiten und finden in diesen selbst als Möglichkeit statt. Wir bewegen uns im Jetzt aus der Vergangenheit in die Zukunft. Wir sind da! – Als Bildhauer habe ich die Möglichkeit, diesem Umstand eine in Zeit und Raum erlebbare Gestalt zu verleihen. Ein selbständiger Kosmos aus verschiedenen Richtungen, der selbstverständlicher Teil des umgebenden Raumes ist. Der Freiheitstanz des Individuums ist umso gelungener, wenn er mit Leichtigkeit und Humor gelingt.“

Gegenstand seiner Arbeit ist „nicht der anatomische Mensch sondern sein Wissen.“ Dabei arbeitet Ulrich Schweiger mit Stahlplatten, die er aussägt, biegt, schmiedet und faltet, um sie so räumlich zu werden zu lassen und Bewegung einzufangen. Dennoch sollen seine Flächen flächig bleiben, deshalb oxidiert er viele seiner Skulpturen gezielt, um Streifen oder unkontrollierte Oxidation zu vermeiden.

So entsteht aus Fläche Bewegung und Raum. Die innere und äußere Bewegung ist die Grundlage seiner Entdeckungsreise „Mensch“. Die Leichtigkeit und die Zartheit der Zeichnung wird zum Ausgangspunkt für handfeste Unternehmungen im Werkstoff Eisen.

(v.li.): Ulrich Schweiger, Remo Leghissa, Horst Wendland.
(v.li.): Ulrich Schweiger, Remo Leghissa, Horst Wendland.

Über die Künstler Künstler

Vita Horst Wendland

1964 geboren in München. Erste Jahre in Münsing am Starnberger See.
1980 Umzug ins Allgäu.
1982 erste Ausstellung in Irsee.
Ab 1995 freischaffend als Karikaturist und Bildhauer tätig. Karikaturen erscheinen seit 1994 in zahlreichen Zeitungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Skulpturen Ausstellungen im In- und Ausland.
Seit 2011 Wohnung und Atelier in Frickenhausen bei Memmingen.
2005 Sonderpreis Deutscher Lokaljournalistenpreis der Konrad Adenauerstiftung.  Mitglied in der Künstlervereinigung Allotria im Münchner Künstlerhaus.

Ausstellungen: Zahlreiche… im In- und Ausland.

Dozententätigkeit:
VHS Buchloe – Schule der Phantasie Wolfratshausen – Kunstschule Allgäu – Dozent Zeichenlehrer an der Mittelschule Mindelheim.

Weitere Infos über den Künstler auf www.wendlandkunst.de.

Vita Remo Leghissa

1963 geboren in München
1989 Studium der Forstwirtschaft und Ausbildung zum Übersetzer
1989 erstes Atelier und autodidaktische Annäherung
1991 Bildhauerei hauptberuflich mit Ausstellungen im In- und Ausland
1996 Fertigstellung Haus und Atelier in Wölflau/Vilsbiburg
1999 Herausgabe eines großen 144-seitigen Bildbandes
2004 Eröffnung des „Leghissa-Skulpturenparks“
2005 Erster Öffentlicher Auftrag (Haarbacher Dorfbrunnen)
2006-2009 Weitere öffentliche Aufträge (Internationaler AUDI-Designerworkshop in Wölflau, Skulptur für Rathausfoyer Gangkofen, Trinkbrunnen Vilsbiburg, Brainball I, für die Bayerische Lohnsteuerhilfe e.V. München…)
2013 Eröffnung der Galerie „senza limiti“ in Landshut
2016 Eröffnung der neuen Kunstwerkhalle in Wölflau

Ausstellungen: zahlreiche… im In- und Ausland.

Weitere Infos über den Künstler auf www.leghissa.de.

Vita Ulrich Schweiger

1970 geboren in München
1989-1992 Studium der Philosophie an der LMU München
1992- 1996 Holzbildhauerlehre an der Fachschule Garmisch-Partenkirchen bei Baldur Geipel, Schüler und Mitarbeiter des Bildhauers Helmut Ammann.
Seit 1996 hauptberuflich als Freier Bildhauer tätig.
2003 Kulturförderpreis des Landkreises Starnberg, Arbeiten im öffentlichen Raum, Mitglied im BBK München/Oberbayern.
Seit 2009 Mitglied im sculpture network.
2012 Günther-Klinge-Kulturpreis der Gemeinde Gauting.

Weitere Infos über den Künstler auf www.ulrich-schweiger.de.

Gästeführung in der Kartause Buxheim

Vom 1. April – 1. November wird jeden Sonntag um 14:00 Uhr eine Gästeführung angeboten.
Voranmeldung ist nicht erforderlich. Treffpunkt: Kasse Brunohaus (Parkplatz Rathaus). Eintritt inclusive Führung: 7,00 Euro pro Person.

Weitere Infos über das Kulturprogramm in der Kartause Buxheim finden Sie auf www.kartause-buxheim.de.

Fotos: aus eigener Quelle.

Mehr Fotos zum Einstimmen auf die Ausstellung auf unserer Facebookseite.

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