Politik lässt Türkeigeschäfte schwäbischer Firmen stottern

19. April 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Rund 300 schwäbische Firmen unterhalten regelmäßige und meist bereits langjährige Geschäftsbeziehungen in die Türkei, über 60 davon mit eigener Präsenz vor Ort. Doch die politischen Veränderungen am Bosporus haben Spuren hinterlassen.

Zwar war das Land 2016 mit einem Exportvolumen von 3,3 Mrd. Euro der fünftwichtigste Absatzmarkt außerhalb der EU für Produkte „Made in Bavaria“, allerdings befinden sich dort Kaufkraftentwicklung und Marktbedingungen seit dem Putschversuch letzten Jahres auf Talfahrt.

Die jüngste konfrontative Rhetorik Ankaras verstärkte dies. Zum Referendum Erdogans zur Einführung eines Präsidialsystems hat die IHK Schwaben in einer Blitzbefragung betroffene schwäbische Unternehmen um Einschätzung und Ausblick gebeten.

Festes Beziehungsfundament trotz politischer Krise

Die breite Mehrheit von zwei Drittel der Firmen gaben an, ihr Türkeigeschäft in 2016 konstant gehalten oder sogar ausgebaut zu haben, wohingegen ein Viertel einen Rückgang des Volumens meldete, knapp zehn Prozent aber auch die Einstellung ihrer Marktaktivitäten betrieben.

Als wichtigster Negativfaktor wurde in diesem Zusammenhang die zunehmende Schwäche der türkischen Lira genannt, gefolgt von der Verschlechterung der politischen Beziehungen, sowie der Sicherheits- und der Rechtslage vor Ort.

In der aktuellen politischen Entwicklung zwischen Brüssel und Berlin einerseits und Ankara andererseits sehen 43 Prozent der Befragten unmittelbare Auswirkungen auf ihre derzeitigen Geschäfte in Form von Umsatzrückgang und erschwerter Zollabwicklung.

Trotzdem will die deutliche Mehrheit von 72 Prozent unverändert an ihrem Türkeiengagement festhalten. Nur eine Minderheit von 12 Prozent gab an, geplante Investitionen oder Markterschließungen auf Eis zu legen.

Stockende Geschäftsbeziehungen zwischen schwäbischen Firmen und der Türkei, 19.04.2017

Ausblick mit Sorgenfalten

Gefragt nach den Umsatzerwartungen 2017 prognostizieren 47 Prozent der befragten Unternehmen gleichbleibende Zahlen wie letztes Jahr oder sogar einen Anstieg (13 Prozent), allerdings stellen sich 40 Prozent auf Umsatzrückgänge ein.

Über zwei Drittel beurteilen das Ergebnis des Verfassungsreferendums zwar für die eigenen Geschäfte als ohne Auswirkung, stehen aber den Folgen eines Systemwechsels sehr skeptisch gegenüber:

55 Prozent der Unternehmer rechnen mit negativen Folgen für die türkische Wirtschaft insgesamt, 70 Prozent befürchten politische und sogar 94 Prozent gesellschaftliche Negativentwicklungen im Nachgang.

Als Hauptfaktoren werden rechtliche Unsicherheit, Währungsverfall, Preisanstieg, Rezession und neue Handelshemmnisse genannt.

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