Malerei und Plasitiken von Ursula Zuchtriegel

22. April 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Einen Querschnitt ihrer Werke von Bildern und Plastiken stellt die Künstlerin Ursula Zuchtriegel aktuell im Memminger Antoniersaal aus. Die freischaffende Künstlerin aus Ottobeuren zeigt dabei abstrakt gehaltene Malerei in ihrem unverkennbaren Stil und dekorative Plastiken aus mehrfarbigem Ton, deren Oberflächen stark von Textur leben. Die Ausstellung wurde gestern Abend feierlich eröffnet und ist noch bis zum 30.April im Antoniersaal zu besichtigen.

Die gelernte Bauzeichnerin Ursula Zuchtriegel begann 1975 ihre Leidenschaft für Plasiken aus Ton zu entdecken und erweiterte ihr Wirkungsfeld bald mit Skulpturen in Speckstein, schuf Aluobjekte in Kunstgießerei und entwickelte erst 1999 ihre Liebe zu Farben und Malerei und begann, sich autodidaktisch mit Ölmalerei zu beschäftigen.

Seit 2002 ist sie freischaffende Künstlerin, mietete ihre erste Werkstatt und seither ist die bescheiden wirkende Künstlerin nicht mehr zu stoppen. Die Intensität in ihrem künstlerischen Schaffen beeindruckt mich jedes Mal aufs Neue und auch ihr zweites, größeres Atelier in Ottobeuren scheint aus den Nähten zu platzen, so unerschöpflich ist ihre Kreativität.

Ausstellung Ursula Zuchtriegel, Memmingen, 22.04.2017

Erst als sie ihre erste Werkstatt 2004 verlassen musste, wurde ihr klar, wie wichtig für sie das kreative Schaffen ist und führte sie dazu, sich allmählich zu ihrem Künstlersein zu bekennen.

Dabei entwickelte sie einen Stil, der Wiedererkennungswert besitzt, obgleich die Künstlerin ebenso intensive wie unterschiedliche Phasen in ihrem Schaffen durchläuft. Es gibt Zeiten, so erzählt die Künstlerin, in der sie vor allem Plastiken schuf, dann kamen Phasen, in der sie sich intensiv der Malerei widmete und auch hier sind serielle Episoden erkennbar.

Über ihre neueren Werke erzählt sie, dass sie dabei mit sehr viel Dynamik in der Strichführung oder mit dem Spachtel arbeite, doch arbeitet sie ebenso ruhige, meist weiße Flächen zum „Ausruhen“ mit ein. Überhaupt hinterlassen ihre Arbeiten etwas sehr Lebendiges, sie scheinen ein Eigenleben zu entwickeln und spiegeln dennoch sehr einfühlsam viele Fassetten der menschlichen Natur wieder, ohne gegenständlich zu werden.

Ausstellung Ursula Zuchtriegel, Memmingen, 22.04.2017

Es sind mehr die menschlichen Bedürfnisse, die sich in ihren Werken wieder zu spiegeln scheinen. Die vielen verschiedenen Schichten unseres Menschseins reflektieren in mehreren Ebenen, die sich vor dem Auge des Betrachters offenbaren und ein Resultat zu sein scheinen einer ehrlichen Auseinandersetzung mit den verschiedenen Dimensionen des menschlichen Wesens.

Ebenso einfühlsam ist die Künstlerin, wenn es um Auftragsarbeiten geht. „Ich versuche, die Menschen zu verstehen, sehe mir ihre Umgebung an und allmählich entwickelt sich ein Bild.“ Doch nicht nur die Auftragsarbeiten finden ein großes Echo, es kam sogar vor, erzählt die Künstlerin, dass Kunstinteressenten sich in ein Bild verliebten, das für sie selbst noch gar nicht fertig war.

Denn manche Werke entstehen in Jahren, erklärt Ursula Zuchtriegel. Sie beginnt ein Werk und das Werk selbst entwickelt eine Eigendynamik. Ein Strich, eine Farbe führt zum nächsten, doch manchmal stoppt sie und stellt das Bild beiseite. „Da kann es passieren, dass ich es nach drei Jahren wiederfinde und plötzlich weiß, wie es weitergeht.“

Ausstellung Ursula Zuchtriegel, Memmingen, 22.04.2017

Andere Werke, wie einige grafischen Werke neueren Datums, entstehen dagegen aus einer einzigen nicht unterbrochenen Bewegung. „Viele wissen das nicht, aber in diesen Fällen klappt das entweder auf Anhieb, oder man kann es vergessen. Denn genau diese Bewegung muss dann stimmen. Ansonsten muss man noch einmal von vorn anfangen.“

Über ihre Tonfiguren erfahre ich von der Künstlerin, dass es eine lange Phase gab, in der sie nur gemalt hat. Erst seit der von ihr bewunderte Kabarettist Dieter Hildebrandt starb, begann sie wieder zu töpfern, diesmal karikaturistische Köpfe und Hände.

Die Ausstellung zeigt einen Kopf aus dieser Serie, die meisten anderen Plastiken sind sehr dekorative Tonfiguren, die sie heute nicht mehr glasiert, sondern mit unterschiedlichen Tonfarben erarbeitet: weißer Ton und brauner Ton, der sich zum Teil auch in einer Plastik verbindet, ohne sich wirklich zu vermischen.

Anstatt die Oberflächen mit einer Glasur zu glätten, arbeitet sie im Gegenteil mit Textur, oder belässt bewusst Spuren in den Oberflächen. Zudem empfindet sie die Arbeit ohne Glasur als umweltfreundlicher.

Ausstellung Ursula Zuchtriegel, Memmingen, 22.04.2017

Manche ihrer Werke beruhigen, andere sind äußerst dynamisch, wieder andere sind – wie sie selbst sagt – witzig, manche verbinden all das in einem. Und auch als Betrachter hat man bei ihren Werken das Gefühl, man darf Mensch sein, es ist in Ordnung Schwächen, Stärken und Vorlieben zu haben und sie – ganz entspannt – zum Ausdruck zu bringen, ohne sie auf- oder abzuwerten.

Sicher hat Ursula Zuchtriegel die Malerei nicht revolutioniert und auch die Welt der Tonplastiken nicht neu erfunden, aber bei der Betrachtung ihrer Werke wird verständlich, warum sie dennoch äußerst beliebt ist: Man fühlt sich als Betrachter, als Mensch warm durch ihre Werke umarmt. Ihre Kunst transportiert Empathie.

Die Ausstellung der Künstlerin Ursula Zuchtriegel ist von Samstag, 22.April bis Sonntag, 30.April, jeweils 15 – 19 Uhr im Antoniersaal in Memmingen zu besichtigen, die Vernissage findet heute (Freitag) Abend um 19 Uhr statt, mit musikalischer Umrahmung von Annette Weber am Akkordeon und Konstanze Kraus an der Harfe.

Weiter Infos über die Künstlerin auf www.uz-art.de.

Ein paar mehr Fotos der Ausstellung zum Einstimmen auf unserer Facebookseite.

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