Das Entscheidungstor fiel in der Nachspielzeit

24. April 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Kampflos hat der FC Memmingen zwar nicht das Feld geräumt, musste sich aber im Regionalligaspiel bei der SpVgg Unterhaching am Ende mit 1:2 (1:0) geschlagen geben. Der entscheidende Treffer, der den Münchner Vorstädtern vorzeitig den Meistertitel bescherte, fiel erst in der Nachspielzeit. Durchaus verdient, für die Memminger natürlich sehr unglücklich, auch deshalb, weil mit ersatzgeschwächtem Team alles versucht wurde, ein Unentschieden zu halten.

Memmingen (ass/ch). Furkan Kircicek hatte das erste Ausrufezeichen an einem kalten Nachmittag gesetzt, als er schon nach sechs Minuten aus 15 Metern nach Vorarbeit von Muriz Salemovic die FCM-Führung erzielte. Nur wenig später vergab Eddy Weiler eine Kopfballchance (11.)

Obwohl stark ersatzgeschwächt, hatte Trainer Stefan Anderl dazu angehalten, alles zu versuchen, um gegen den zuhause noch ungeschlagenen Tabellenführer für eine Überraschung zu sorgen. Eine halbe Stunde verging, bis Haching ins Spiel kam, doch dann entschieden. Martin Gruber, der als einziger der vielen angeschlagenen Memminger in dieser Partie zurückgekehrt war, hielt bis zur 51 Minute seinen Kasten sauber und zeigte einige tolle Reflexe, bis Stephan Hain per Foulelfmeter den Ausgleichtreffer erzielte, und damit seinen 29. Saisontreffer.

Zuvor hatte Sebastian Schmeiser genau an der Strafraumgrenze ein Foulspiel begangen, der für Schiedsrichter Florian Kornblum innerhalb der Linie lag. Stefan Schimmer (22 Tore) wurde nach einer Stunde ausgewechselt, da Trainer Anderl mit den Kräften haushalten und eigentlich noch mehr Stammspieler schonen wollte, was jedoch angesichts der personellen Unterbesetzung nicht möglich war.

Torschütze Kircicek, mit Magen-Darm-Problemen ins Spiel gegangen, musste schließlich kurz nach der Halbzeit aufgeben und Nicolai Brugger (20), gelernter Verteidiger, gab im Mittelfeld sein Regionalliga-Debüt.

Unterhaching-FC Memmingen, 22.04.2017

Die Hachinger zeigten laut ihrem Coach Claus Schromm ihre beste Leistung nach der Winterpause. Memminger Entlastungsangriffe kamen kaum noch zu Stande. Auf der Gegenseite traf Alexander Piller den Pfosten (72.), Hain wurde bei einem Treffer wegen Abseits zurückgepfiffen (80.). Was sich hier abzeichnete, sollte spät auch noch passieren.

1.500 Zuschauer peitschten in der Schlussphase im Alpenbauer-Sportpark ihre Mannschaft nach vorne, als sie von unerwarteter Schützenhilfe erfahren hatten: Der Zweitplatzierte TSV 1860 München verlor völlig überraschend gegen Schlusslicht Bayern Hof und somit konnte der Titel mit einem Sieg schon vorzeitig eingefahren werden. Der Funke von außen sprang auf den Platz über und zündete in Form des eingewechselten Vitalj Lux mit dem 2:1 (90. + 4). Vor dem langen Pass auf den kirgisischen Nationalstürmer hätte Schiri Kornblum allerdings auch auf Foulspiel gegen die Gastgeber entscheiden können, was jedoch ausblieb.

Anderl blieb hinterher nur die Rolle des Gratulanten zur Meisterschaft: „Zum Schluss hinaus hat Haching ein Feuerwerk abgebrannt und dann verdient gewonnen, auch wenn es in der Nachspielzeit bitter für uns war.“ Seine ganze Konzentration gilt nun dem bayerischen Pokal-Halbfinale am Dienstag (19 Uhr) gegen den FC Schweinfurt 05. Ein Erfolgserlebnis in Form eines Punktes in Unterhaching wäre dafür gut für das Selbstvertrauen gewesen. Der große Aufwand, sich gegen ein Spitzenteam zu behaupten, wurde aus Trainersicht einmal mehr (wie schon gegen 1860 II oder Bayern II) nicht belohnt.

Auch Schweinfurt ist voll auf den Pokal fokussiert. Beim Punktspiel in Nürnberg wurde nur eine B-Elf aufgeboten – und mit 0:5 verloren. Noch ist offen, wer aus dem Memminger Lazarett in dieser wichtigen Partie zurückkehren kann. In Unterhaching saß Kapitän Dennis Hoffmann erstmals nach seiner Verletzung zumindest zur moralischen Unterstützung auf der Bank.

Aufstellung SpVgg Unterhaching: Marinovic – Dombrowka, Taffertshofer, Nicu, Greger – Kiomourtzoglou (82. Lux) – Piller (82. Reisner), Einsiedler (64. J.P. Müller) – Hain, Stahl, Bigalke.
Aufstellung FC Memmingen: Gruber – Buchmann, Weiler, Schmeiser, Lutz – Nikolic, Schad (77. Hayse) – Krogler, Kircicek (50. Boyer) – Salemovic, Schimmer (61. Brugger).

Tore: 0:1 (6.) Kircicek, 1:1 (51.) Hain (Foulelfmeter), 2:1 (94.) Lux. – Schiedsrichter: Kornblum (Chieming). – Gelbe Karten: – / Buchmann, Lutz. – Zuschauer: 1.500.

Foto: Archiblid vom Hinspiel im Juli 2016 aus eigener Quelle.

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