„Unparteiische“ Willkür gegen den FC Memmingen

26. April 2017 von Christine Hassler - 1 Kommentar

Mit 2:3 (1:2) scheiterten die Memminger Jungs des FC Memmingen unter strömendem Regen im gestrigen Halbfinale des BFV-Toto-Pokals am Regionalliga-Kontrahenten FC Schweinfurt 05. Doch nicht allein am Gegner. „Gegen 12 Mann kannst Du nicht gewinnen“, brachte es Kapitän Dennis Hoffmann auf den Punkt. Denn eine nicht enden wollende Serie von äußerst umstrittenen Entscheidungen des „Unparteiischen“ beeinflusste das Ergebnis maßgeblich.

Memmingen (ass/ch). Es war ein rassiges, hochemotionales Pokalspiel, das für den neutralen Zuschauer höchsten Unterhaltungswert bot. Wer aber mit dem FC Memmingen mitlitt, für den war es eine Tortur. FCM-Trainer Cheftrainer Stefan Anderl wollte sich auch eine halbe Stunde nach dem Abpfiff nicht beruhigen.

Kapitän Dennis Hoffmann stand nach seiner Verletzungspause nicht im Pokal-Aufgebot, verfolgte das Spiel aber einigermaßen fassungslos von der Tribüne aus. Sein Trainer, der sich in der Beurteilung von Schiedsrichterleistungen in dieser Saison bislang merklich zurückgehalten hatte, explodierte förmlich. Einiges nicht Druckreifes war dabei, „arrogant, selbstherrlich, parteinehmend“, waren die salonfähigen Worte, die Anderl für den Zweitliga-Referee Florian Badstübner (Windsbach) fand.

FC Memmingen im Pokalspiel gegen den FC Schweinfurt vom Schiedsrichter mit Willkür verschaukelt, 26.04.2017

Nicht enden wollende Serie von äußerst umstrittenen Entscheidungen des „Unparteiischen“

Er habe die Partie „entscheidend beeinflusst“ und seine „Spieler erniedrigt“. „Die Herren haben keine Ahnung, wie viel Arbeit dahintersteckt und was sie kaputtmachen“, kriegte sich der Memminger Chefanweiser nicht mehr ein.

Anderls Schweinfurter Kollege Gerd Klaus erschien nicht zur Pressekonferenz. Bisher war er ein „Trainerfreund“, dem er aber diese Freundschaft an diesem Abend aufgekündigt hat. Der Grund lag in der 69. Minute:

Branko Nikolic hatte genau vor der Schweinfurter Bank ein taktisches Foul begangen. Gelb-würdig, ja. Aber Nikolic flog vom Platz, weil Schweinfurts Trainer Klaus auf den Platz stürmte und heftig die Rote Karte forderte. „Das war unsportlich hoch Zehn“, wetterte Anderl. Badstübner wollte nämlich schon Gelb aus der Brusttasche zücken, ließ sich beeinflussen und die Hand an die Gesäßtasche zur Roten Karte wandern. Dass Christopher Kracun in dieser Situation aus dem eigenen Strafraum angestürmt kam und Nikolic mit voller Wucht umstieß, blieb ungeahndet. 700 Zuschauer an diesem nasskalten Abend skandierten lautstark „Schiri raus“. Badstübner quittierte es mit Lachen…

Provokant war auch sein Verhalten Ende der ersten Halbzeit. Die Stadionuhr zeigte 44 Minuten und 57 Sekunden, als der Unparteiische vorzeitig zur Pause pfiff, als Memmingen aus seiner Sicht einen Eckball nicht schnell genug ausführte. Es war die Summe der Ereignisse, die die FCM-Verantwortlichen auf die Palme brachten und die gesamte Mannschaft zum Spielball von Willkür machte.

In der ersten Halbzeit sah Stefan Schimmer wegen angeblicher Schwalbe Gelb. Sein Gegenspieler Marco Haller war auf dem tiefen Gegenboden in ihn reingerutscht, der Torjäger fiel – für so etwas gab es auch schon einen Elfmeterpfiff. Strafstoßwürdig war auch eine Szene kurz darauf. Der schon erwähnte Kracun, klatschte Muriz Salemovic ab, als der den Rückpass des Schweinfurters zu seinem Torhüter erlaufen wollte.

FC Memmingen im Pokalspiel gegen den FC Schweinfurt vom Schiedsrichter mit Willkür verschaukelt, 26.04.2017

Umstritten war auch der Elfmeterpfiff in der 81. Minute für die Gäste. Dass Torhüter Martin Gruber gegen Haller und auch den Nachschuss von Herbert Paul parierte, beruhigte die Gemüter nur kurzzeitig.

Den Schweinfurter Siegtorschützen Philip Messingschlager (85.) wähnten beim 2:3 viele im Abseits und trotz vieler Unterbrechungen durch Auswechslungen, Elfmeter, Rudelbildung und Verletzungsbehandlungen gab es nur drei Minuten Nachspielzeit. Badstübner ließ in der Nachspielzeit zudem noch drei Schweinfurter Wechsel zu, ohne zeitlich noch etwas draufzusetzen.

Dass die Schweinfurter Delegation mit ihrem Präsidenten Wolf den Unparteiischen schon im Vorfeld sehr vertraut begrüßte, bekam im Nachhinein durch das Geschehen eine besondere Note.

Die Torfolge

Doch hier noch der Vollständigkeit halber die vorherige Torfolge: Überraschend war der FCS nach einem schnellen Konter durch Adam Jabiri in Führung gegangen (10.). Schimmer glich nach einer Nikolic-Ecke volley zum 1:1 aus (22.). Vor der Pause war es Haller, der zum 1:2 (40.) erhöhte, kurz nach der Pause traf Sebastian Schmeiser per Kopfball nach einer weiteren Nikolic-Ecke (47.) zum 2:2.

Die bittere Konsequenz

Der FC Memmingen hat mit der Niederlage den erstmaligen Einzug ins bayerische Pokalfinale verpasst. Schweinfurt darf dagegen weiter von der DFB-Pokal-Hauptrunde träumen. Dazu ist ein weiterer Sieg im BFV-Toto-Pokal-Endspiel am 25. Mai beim SV Wacker Burghausen nötig.

Weil es der Spielplan so will, sehen sich Schweinfurt und Memmingen schon am kommenden Freitag im Punktspiel wieder. Dazwischen liegen nur vier Tage, um die Gemüter wieder zu beruhigen.

Aufstellung FC Memmingen: Gruber- Zweckbronner (89. Schad), Schmeiser, Anzenhofer, Lutz – Eisenmann (74. Kircicek), Heger (51. Buchmann), Krogler – Salemovic, Schimmer.
Aufstellung FC Schweinfurt: Paulus – Schneider, Paul, Messingschlager, Fery (90. + 3 M. Müller), Krautschneider, (90. + 2 Bauer), Willsch, (90. + 1 Janz), Billick, Kracun, Haller, Jabiri.

Tore: 0:1 (10.) Jabiri, 1:1 (22.) Schimmer, 1:2 (40.) Haller, 2:2 (47.) Schmeiser, 2:3 (85.) Messingschlager. – Schiedsrichter: Badstübner (Windsbach). – Gelbe Karten: Schimmer, Salemovic, Buchmann / Kracun, Jelsic, Jabir. – Gelb-Rot: – / Jelisic (68./wiederholtes Foulspiel). Rot: – / Nikolic (69./Foulspiel). – Besonderes Vorkommnis FCM-Torhüter Gruber pariert Strafstoß gegen Haller (82).

Fotos:
Fotocredit: (C) Ingo Jensen / Jensen-Media

Eine Antwort zu “„Unparteiische“ Willkür gegen den FC Memmingen”

  1. Unabhängig von der Schiedsrichter“leistung“ kann man dem BFV den Vorwurf der mangelnden Sensibilität bei der Schiedsrichtereinteilung nicht ersparen. Wir haben in Bayern die 3 „Stammesregionen“ Altbayern, Schwaben und Franken – wobei die Oberpfalz am ehesten Altbayern zuzuordnen ist. Um den Vorwurf der Befangenheit bzw. Parteilichkeit von vorneherein zu vermeiden, kann man den Schiedsrichter also immer aus einer am Spiel unbeteiligten Region wählen.
    Dieser „Fehler“ ist vermutlich auch der Grund, warum Dr. Rainer Koch es vorgezogen hat, bei der Pressekonferenz erst gar nicht zu erscheinen.

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