Die Welt auf Schwäbisch

3. Mai 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

stellte Dominik Kuhn alias DODOKAY am vergangenen Freitag im Rahmen seines Showprogrammes „Schwaben Menschen Abenteuer“ im Memminger Kaminwerk vor. Sich über die Eigenheiten von uns Schwaben lustig machen darf natürlich nur ungestraft, wer selbst Schwabe ist. So ließen über 350 Zuschauer den gebürtigen Reutlinger nicht nur gewähren, sondern vergossen so manche Lachträne in amüsierter Selbsterkenntnis.

Alles hatte damit begonnen, dass der einstige Veranstaltungstechniker, später Toningenieur, noch später Eventmarketing-Jobber und nochmals später Regisseur, vor 11 Jahren damit begann, Filme zu synchronisieren.

Einige kennen ihn sicher auch in seiner Gastrolle in der Dialektserie „Laible und Frisch“, oder an der Seite von Natalia Wörner im Spielfilm „Die Kirche bleibt im Dorf“, der 2012 in die Kinos kam. Denn der spätere Regisseur stellte sich auch selbst vor die Linse, als er zu Anfang seiner Filmerkarriere keine Schauspieler zahlen konnte und aus der Not eine Tugend machte.

Heute kennt man Dominik Kuhn als schwäbischen Synchro-Comedian „Dodokay“. Als solcher begann er 2006 Filmschnipsel auf lustig-schwäbisch nach zu synchronisieren und auf YouTube hochzuladen, woraus ein wahrer Klick-Hit wurde.

Dodokay-Schwaben, Menschen, Abenteuer, im Kaminwerk Memmingen, 28.04.2017

Anfang 2009 bekamen seine Filme sogar ein eigenes Format im SWR Fernsehen, was bis heute als die Sendung „Die Welt auf Schwäbisch“ in verschiedenen Ausprägungsformen unregelmäßig ausgestrahlt wird. Irgendwann kam das ZDF auf ihn zu und beauftragte ihn mit einer schwäbischen Diskussion zwischen Barack Obama und Mitt Romey, die bis heute einer der meistgeschauten Clips in der ZDF-Mediathek ist.

Mittlerweile gibt es auch zwei schwäbische Comic-Co-Produktionen von ihm: Das Buch „Scheißdregg bassiert halt“ und eine schwäbische Version von den Simpsons (Panini-Verlag), zudem ist er mit „Die Welt auf Schwäbisch“ auch in Form einer Live-Comedy-Show auf diversen Bühnen unterwegs. So auch auf der Bühne des Memminger Kaminwerks am vergangenen Freitag.

Selbst gebürtiger Schwabe aus Reutlingen setzt sich Dodokay in seiner Show mit viel Selbstironie mit den Eigenheiten der Schwaben auseinander, wenn er nicht gerade Parts aus von ihm synchronisierten Filmen einspielt, die von alten Schwarz-Weiß-Filmen über James Bond-Filme und Selfie-Filmchen von Arnold Schwarzenegger bis zu Bundestagsdebatten und Reden von Präsidenten und Kanzlerinnen reichen: Wie bereits erwähnt, ist eine seiner berühmtesten Synchros eine von Barack Obama und auch Angela Merkel ist natürlich ein beliebtes Ziel.

Dodokay-Schwaben, Menschen, Abenteuer, im Kaminwerk Memmingen, 28.04.2017

Auch die synchronisierten Filme leben natürlich von seinen Erkenntnissen aus den Beobachtungen von schwäbischen Sprachgewohnheiten und Eigenarten im Alltag.  So ist er der Meinung, dass ein Schwabe grundsätzlich nicht fähig ist, Dinge von Weltbedeutung mitzuteilen. Die synchronisierten Dialoge von Persönlichkeiten aus Politik und Filmgeschichte sind entsprechend gehaltvoll:

Barack Obama spricht in der „Eigentümervollversammlung der Eigentümergemeinschaft Wilhelmstraße 41“ über das unkorrekte Abstellen der Fahrräder im Hausgang, Angela Merkel spricht in einer Fernsehübertragung über den Unterschied zwischen „Kiegala“, „Kugla“ und „Bolla“, Bruce Willis droht auf Schwäbisch nicht mit der Pistole, sondern mit einer schlechten Bewertung, Kätherose Derr beklagt sich bei James Bond, dass er „scho wida da gelba sack net nausgschtellt hot“ und in einer politischen Fernsehdebatte wird heftig debattiert, wer den Schlüssel zum Vereinsheim verloren hat, wer daran Schuld sei und warum es dafür keine Lösung gibt – außer einer furchtbar einfachen.

Zwischen den Filmeinspielungen teilt Dodokay seine Beobachtungen mit dem Publikum. Die Schwaben bringen es einfach auf den Punkt meint Dodokay, sie sprechen ohne Umschweife. Bewusst wurde ihm das, als er den Auftrag bekam, Werbeslogans auf Schwäbisch zu verfassen. „Das beste Sanitärangebot finden Sie bei Mayer Sanitär, denn mit Mayer Sanitär lebst Du gut und sorgenfrei“, würde auf Schwäbisch etwa heißen: „Mit ara Kloschissla vom Mayer ka dia alls scheiß egal sei.“

Eine weitere Angewohnheit der Schwaben sei das unwiderstehliche Bedürfnis, das Offensichtliche zu kommentieren. Wenn ein Schwabe beispielsweise den Hans Huber am Eingang der Kirche trifft, wird er sagen „So Hannes, geht mer ind Kirch.“ Oder wenn das Auto eines Bekannten eine Beule an der Motorhaube hat wird er sagen „So, hat mers it verbremst.“

So, wie es den Schwaben auch egal ist, ob ihnen beim Kommentieren jemand zuhöre, wie etwa die Schwäbin, die zu ihrem Rührkuchen sagt „So, etz werma glei sche schaumig.“

Beobachtet habe er auch, dass ein Schwabe nicht sagen kann „Ich liebe Dich“. Er würde eher sagen „Du bisch scho reacht“, oder „I mag di scho ganz gera.“ Viel einfacher sei es für einen Schwaben zu sagen „Bisch Du a Seckl!“.

Überhaupt hielte sich Begeisterung bei uns Schwaben in deutlichen Grenzen. Wenn es jemandem besonders gut gehe, klinge das etwas so: „So kammas aushalta“, oder „S´isch scho reacht so“, oder „Wir sind zfrieda“.

Auch mit der Direktheit habe der Schwabe so seine Probleme. Bei der direkten Anrede weicht er deshalb gerne entweder auf eine dritte Person aus „Wieviel Schrauba braucht ´r denn?“, oder ins Plural „Wieviel brauchata denn?“, oder in die Wir-Form „So, simma no do?“, oder verwendet das unpersönliche „Man“ „So, hammers bald?“, oder gar ein undefiniertes Neutrum „Goht jetz mol ois in dr Keller und holt an Schprudl rauf?“

Dodokay-Schwaben, Menschen, Abenteuer, im Kaminwerk Memmingen, 28.04.2017

Ein weiteres schwäbisches Phänomen sei, dass sich das Benehmen und die Haltung in bestimmten Situationen schlagartig verändere, wie etwa, wenn ein Schwabe vor eine Kamera tritt, um ein offizielles Statement abzugeben und sich mit hölzerner Haltung bemüht, hochdeutsch zu sprechen.

Oder, wenn ein Schwabe meint im Recht zu sein oder sich verbessert fühlt „I hätt gern oi Tschabata.“ – „Ja, hier hat er seine Ziabata, gell!“ Oder wenn plötzlich jemand in die Praxis schneit und es ganz eilig hat und sich die nette, warme, freundliche Arzthelferin zu einem biestigen Bremsklotz verwandelt „Wie isch denn ihr Name bitte? – Kennat se den buchschtabiera? – Ham se überhaupt des Kärtle dabei?“

Woran sich nach Dodokays Beobachtung die Schwaben auch gerne bedienen seien eine Menge sinnloser Redewendungen wie „Mia sin ja do“, oder „es goht mir no aus“ oder „grad gschwind“: „Jetz nehmat se erscht grad gschwind im Wartezimmer Platz und i sag dann dem Doktor grad gschnwind Bscheid.“

Und: im Schwäbischen „dürfe“ man viele Sachen, die man gar nicht will: „Se dürfet dann amol in des Becherle neipinkla“, oder „Se dürftet dann scho mol s´Fidla freimacha“…

Die besten Inspirationsquellen für schwäbische Redewendungen und Angewohnheiten seien dabei Grillfeste, Wartezimmer, Gespräche im Supermarkt und seine Nachbarin Frau Metzger, meint Dodokay, der überzeugt ist, dass „längscht verschollanes Wissa übers schwäbische Kulturerbe jetzt endlich der Welt zugänglich gmacht wird.“

2011 bekam Dominik Kuhn dafür übrigens von der Mundartgesellschaft Baden-Württemberg e.V. die Friedrich-E.-Vogt-Medaille für Verdienste um die schwäbische Mundart verliehen.

Auf YouTube gibt es eine Menge sehr lustiger Kurzfilme von Dodokay, in die es sich lohnt, einmal reinzuhören. Obwohl er das, wie die meisten Dinge in seiner Laufbahn, nur nebenbei betreibt.

Weitere Infos über ihn auf www.dodokay.com, oder auf seiner Firmenwebseite.

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