Der Arbeitsmarkt im April weiter im Aufwind

4. Mai 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Arbeitslosenquote sinkt weiter, aktueller Wert 2,8 Prozent – 10.182 Menschen arbeitslos, niedrigste Zahl im April seit zehn Jahren – Anhaltend starke Nachfrage nach Arbeitskräfte – Berufliche Qualifizierung von Beschäftigten bringt weiter. Erfahren Sie alles über den aktuellen Arbeitsmarkt in unserer Region.

Arbeitsmarktbericht Memmingen-Kempten, April 2017, 04.05.2017

Im April setzte sich die dynamische Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt im bayerischen Teil des Allgäus, dem Bezirk Memmingen-Kempten, fort: Ein deutlicher Rückgang bei arbeitslosen Menschen sowie einen anhaltend starken Bedarf an weiteren Arbeitskräften ist zu verzeichnen.

Die Arbeitslosenquote: lag aktuell bei 2,8 Prozent und damit um 0,2 Prozentpunkte besser als im März. Auch im Vergleich mit dem Vorjahr zeigt sich die gute Entwicklung: 2016 lag die Arbeitslosenquote im April bei 3,2 Prozent.

Insgesamt arbeitslos gemeldet: 10.182 Frauen und Männer waren im April bei den Vermittlern der Agentur für Arbeit und in den Jobcentern arbeitslos gemeldet, 800 weniger als im Monat zuvor und gleichzeitig war dies die niedrigste Zahl der letzten zehn Jahre in einem April.

Beschäftigungsangebote: Insgesamt knapp 7.300 Beschäftigungsmöglichkeiten boten Arbeitgeber zur Besetzung an.

„Gerade zu Monatsbeginn haben relativ milde Temperaturen zu weiteren Rückrufen von ehemals Beschäftigten im Baugewerbe und in anderen Außenberufen gesorgt“, erklärt Maria Amtmann, Leiterin der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen die Entwicklung.

„Erfreulich ist der anhaltende Bedarf an Arbeitskräften. In einigen Branchen dauert es länger, bis die gemeldeten Stellen besetzt sind. Ergänzend bieten wir Betrieben alternative Lösungen an. In vielen Betrieben gibt es Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die bereits mehrere Jahre dort tätig sind, jedoch bisher über keinen Berufsabschluss verfügen. Die Qualifizierung dieser Beschäftigten können wir gemeinsam mit dem Betrieb fördern.“

Am mehrjährigen Vergleich lässt sich die insgesamt robuste Entwicklung des Arbeitsmarktes gut erkennen:

Grafik 2-Arbeitsmarktbericht Memmingen-Kempten, April 2017, 04.05.2017

Beschäftigungsboom im Allgäu

Das Allgäu bietet ausgezeichnete Chancen auf eine Beschäftigung. Ende Sept. 2016 – das sind die aktuellsten Daten für die Region – übten mehr als 262.000 Menschen eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aus, ein neues „Allzeithoch“.

Beschäftigungen mit und ohne Berufsabschluss

Der weit überwiegende Teil der Arbeitnehmer verfügt über eine abgeschlossene Berufsausbildung oder einen Studienabschluss. Aber auch im Allgäu sind noch viele Menschen ohne Berufsabschluss bei Unternehmen beschäftigt. Ende September des letzten Jahres waren 43.000 Mitarbeiter als Helfer eingesetzt. Für diese gut 16 Prozent aller Beschäftigten ist das Risiko arbeitslos zu werden deutlich höher.

Das zeigt die Vermittlungsarbeit in der Agentur für Arbeit und in den Jobcentern jeden Tag aufs Neue, denn Menschen ohne Berufsabschluss werden häufiger und schneller wieder arbeitslos als solche mit beruflicher Qualifikation.

Grafik 3- Arbeitsmarktbericht Memmingen-Kempten, April 2017, 04.05.2017

Fachkräftebedarf

Betriebe unserer Region sind ständig auf der Suche nach qualifizierten Fachkräften. Im Jahresdurchschnitt 2016 stellten Arbeitgeber annähernd 5.700 SV-pflichtigen Stellenangebote zur Verfügung.

7.000 entsprechende Beschäftigungsmöglichkeiten wurden aktuell im April angeboten. Vorrangig wurden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit beruflicher Qualifikation gesucht. Lediglich etwas mehr als 1.100 Stellenangebote richteten sich an Hilfskräfte.

Grafik 4- Arbeitsmarktbericht Memmingen-Kempten, April 2017, 04.05.2017

Unterstützende Maßnahmen der Agentur für Arbeit

Um das Risiko der Arbeitslosigkeit kleiner zu halten unterstützt die Agentur für Arbeit nicht nur Menschen in Arbeitslosigkeit, sondern kann prophylaktisch einwirken. Arbeitnehmer ohne Berufsabschluss können beispielsweise während der Beschäftigung Leistungen erhalten, wenn sie durch eine Qualifizierung einen anerkannten Berufsabschluss erwerben. Erstattet werden Lehrgangskosten sowie übrige Aufwendungen wie z.B. Fahrkosten. Für die ausgefallene Arbeitszeit kann der Betrieb einen Zuschuss zum Arbeitsentgelt bekommen.

Um Motivation und Durchhaltevermögen eines Kursteilnehmers zu erhöhen, gibt es seit August 2016 zusätzlich für Beschäftigte ohne Berufsabschluss eine Weiterbildungsprämie in Höhe von bis zu 2.500 Euro bei erfolgreicher Beendigung des Kurses.

Die Förderung ist vorteilhaft für alle Beteiligten: Der Arbeitnehmer hat mit seinem neu erworbenen Berufsabschluss eine gefestigte Position auf dem Arbeitsmarkt. Der Arbeitgeber profitiert ebenfalls, denn je besser Mitarbeiter qualifiziert sind, desto wettbewerbsfähiger bleibt die Firma. Die investierten Beiträge zur Arbeitslosenversicherung sind gut angelegt, weil qualifizierte Kräfte in vielen Fällen deutlich weniger arbeitslos sind. Zudem führt der demografische Wandel tendenziell zu einem Rückgang des qualifizierten Arbeitskräftepotenzials, der auf diesem Weg teilweise gemildert werden kann.

Daneben können klein- und mittelständische Unternehmen (unter 250 Beschäftigte) für die berufliche Weiterbildung von Mitarbeitern einen Teil der Lehrgangskosten erhalten. Förderfähig sind in diesem Zusammenhang auch Mitarbeiter, die bereits über einen Berufsabschluss verfügen. Die erworbenen Kenntnisse müssen allgemein auf dem Arbeitsmarkt verwertbar sein, für rein arbeitsplatzbezogene Kurse oder gesetzlich vorgegebene Qualifizierungen sind keine Fördermittel möglich.

Die unterstützenden Maßnahmen in der Anwendung

200 Qualifizierungen unterstützt die Agentur für Arbeit aktuell mit einem Arbeitsentgeltzuschuss sowie Lehrgangsgebühren und ergänzenden Leistungen. Die Qualifizierung zum Altenpfleger, Maschinen-/Anlagenführer, Betonbauer, Raumausstatter und Koch sind nur einige Beispiele.

Im vergangenen Jahr hatte die Agentur für Arbeit 3,1 Mio. Euro an Beitragsmitteln für die Qualifizierung von Beschäftigten eingesetzt. Im laufenden Jahr werden 3,2 Mio. Euro investiert.

Dazu beraten Mitarbeiter im Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit Betriebe über gezielte Fördermöglichkeiten (Tel. 0800 4 5555 20 oder Kempten-Memmingen.Wegebau@arbeitsagentur.de). An Qualifizierung interessierte Beschäftigte wenden sich direkt an ihren Betrieb.

Arbeitslose Menschen

Markant war im April der Rückgang insbesondere bei Männern, denn hier waren im Vergleich zum Vormonat 669 Kräfte weniger arbeitslos. Demgegenüber fiel der Rückgang bei Frauen mit gut 130 Kräften moderat aus.

Deutlich größer war der Abstand zum April des vergangenen Jahres: 2016 waren gut 1.400 Menschen mehr bei den Vermittlern der Agentur für Arbeit und in den Jobcentern arbeitslos gemeldet.

Arbeitsaufnahmen

Mehr als 2.100 Kräfte nahmen eine neue Erwerbstätigkeit auf und beendeten dadurch ihre Arbeitslosigkeit, die höchste Zahl der letzten Monate.

Sektoren der Arbeitsaufnahmen

  • Im Baugewerbe und im Garten- und Landschaftsbau starteten vor allem Männer wieder in eine Beschäftigung.
  • in Industriebetrieben erfolgten Arbeitsaufnahmen in größerer Zahl,
  • im Logistiksektor, sowie
  • im Verkauf.
  • In Hotellerie und Gastronomie konnte vor den Osterfeiertagen eine ganze Reihe von Menschen in den Tourismusregionen entlang der Berge und am Bodensee eine Tätigkeit aufnehmen.
  • Im Bereich Büro und Sekretariat ergaben sich weitere Beschäftigungen. Jedoch waren insbesondere für Tätigkeiten im Büro noch immer mehr als 700 Menschen weiter auf Jobsuche.

Neu arbeitslos gemeldet:

1.626 Frauen und Männer meldeten sich im April nach einer vorherigen Berufstätigkeit neu arbeitslos, 135 mehr als im März.

Kräftebedarf der Wirtschaft hält an

Stellenangebote: Insgesamt 7.282 Stellenangebote gaben Betriebe dem Arbeitgeberservice zur Besetzung herein, so viele wie schon seit Jahren nicht mehr.

Neu zur Verfügung gestellte Beschäftigungsmöglichkeiten: Knapp 2.000 neue Beschäftigungsmöglichkeiten kamen im April dazu.

Schwerpunkte bei den Beschäftigungsangeboten:

  • In Metallbearbeitung und Maschinenbau waren es allein 220 neuen Stellenangebote. Maschinen-/Anlagenführer, Industriemechatroniker, Konstruktionsmechaniker und ähnliche Berufe waren gefragt.
  • In der Energie- und Elektrotechnik galt es 165 zusätzliche Arbeitsplätze zu besetzen.
  • Im Baugewerbe führte die Jahreszeit zu einem erhöhten Bedarf an Fachkräften. Maurer sowie Bau- und Transportgeräteführer konnten unter einer ganzen Reihe von Angeboten wählen.
  • In der Gastronomie suchten Arbeitgeber zum Saisonstart im gesamten Agenturbezirk 130 weitere Arbeitskräfte.
  • Weiteres: Daneben gab es auch Angebote für eine Beschäftigung als Staplerfahrer, Anlagenmechaniker oder als Fliesenleger.

Regionale Entwicklungen im Jahresvergleich

Aktuell waren im Bezirk der Agentur für Arbeit über 1.400 Frauen und Männer weniger arbeitslos als im April des vergangenen Jahres. Die Arbeitslosenquote von aktuell 2,8 Prozent unterschritt die Marke des Vorjahres um 0,4 Prozentpunkte.

Diese Entwicklung setzte sich auch in allen Regionen des Agenturbezirks fort. Der überwiegende Teil der Regionen verzeichnete im April bei der Arbeitslosenquote eine Zwei vor dem Komma.

Besonders gute Ergebnisse gibt es für die Wirtschaftsräume Mindelheim und Memmingen zu berichten. Hier lag die Quote bei 2,2 bzw. 2,4 Prozent. Den stärksten Rückgang im Jahresvergleich erzielte das südliche Oberallgäu mit 0,7 und die Region Kaufbeuren mit einem Minus von 0,6 Prozentpunkten.

Grafik 5-Arbeitsmarktbericht Memmingen-Kempten, April 2017, 04.05.2017

Arbeitslosenversicherung und soziale Grundsicherung

Seit Einführung der sozialen Grundsicherung werden arbeitslose Menschen von der Agentur für Arbeit und in den Jobcentern betreut. In beiden Bereichen waren weniger Menschen ohne Beschäftigung als im Monat zuvor.

Die Arbeitsagentur betreute aktuell 5.959 Kräfte, 748 weniger als im März.

Die sieben Jobcenter waren im Bereich der sozialen Grundsicherung für 4.223 arbeitslose Frauen und Männer zuständig, 52 Personen weniger als im Vormonat.

Der unterschiedlich starke Rückgang hat damit zu tun, dass die Agentur für Arbeit auch Menschen betreut, die nach einer beitragspflichtigen Beschäftigung für kurze Zeit arbeitslos werden. Im Frühjahr nehmen nach einer witterungsbedingten Unterbrechung wieder viele Menschen eine Arbeit in Außenberufen auf. Sie kehren vielfach zum bisherigen Arbeitgeber zurück.

Für den Personenkreis der in den Jobcentern betreut wird, gilt es zu berücksichtigen, dass ein erheblicher Teil der Bezieher von „Hartz IV“-Leistungen nicht arbeitslos ist. Diese Menschen betreuen kleine Kinder, pflegen Angehörige oder befinden sich in einer Ausbildung, insbesondere auch in einer sprachlichen Qualifizierung.

Grafik 6- Arbeitsmarktbericht Memmingen-Kempten, April 2017, 04.05.2017Ausbildungsmarkt – weiter gute Chancen für junge Menschen

Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt blieb auch im April günstig für junge Menschen, die eine Lehrstelle suchten. Vor allem für kleine Betriebe gestaltet sich die Suche nach geeigneten Azubis weiterhin schwierig, denn deutlich mehr Ausbildungsplätze als Bewerber waren bei den Beratern gemeldet.

Lehrstellen Angebote: Mehr als 5.140 Lehrstellen stellten Betriebe seit dem Start des Beratungsjahres zur Verfügung, 300 weniger als im vergangenen Jahr.

Lehrstellen Suchende: Knapp 3.900 junge Menschen sprachen gleichzeitig mit den Berufsberatern, weil sie sich für eine Lehrstelle interessierten.

Wie in den Vorjahren herrschte damit rein rechnerisch erneut ein starkes Übergewicht an gemeldeten Ausbildungsplätzen. Bis zum April waren noch gut 2.700 Ausbildungsplätze nicht vergeben, mehr als 1.800 junge Menschen hatten sich bisher noch nicht für einen Ausbildungsplatz entschieden.

Nach gut der Hälfte des Beratungsjahres der Berufsberatung ist dies jedoch lediglich ein Zwischenergebnis, denn bis zum Start des neuen Ausbildungsjahres im September ist mit weiteren Veränderungen auf dem Ausbildungsmarkt zu rechnen.

Grafik 7- Arbeitsmarktbericht Memmingen-Kempten, April 2017, 04.05.2017

Ausblick

Alle Anzeichen stehen auf Stabilität für den Arbeitsmarkt im bayerischen Teil des Allgäus. Viele Unternehmen in Handwerk, Industrie und Dienstleistung sind derzeit gut ausgelastet. Nicht zuletzt aufgrund der zahlreichen Stellenangebote ist in den nächsten Wochen nochmals mit einem leichten Rückgang der Arbeitslosigkeit zu rechnen.

Darstellung nach Wirtschaftsräumen/Regionen

Grafik 8- Arbeitsmarktbericht Memmingen-Kempten, April 2017, 04.05.2017

Darstellung nach kommunalen Strukturen

Grafik 9- Arbeitsmarktbericht Memmingen-Kempten, April 2017, 04.05.2017

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