„Hysterie, Panik, Machtmissbrauch“ – JungesTheater am Vöhlin Gymnasium

9. Mai 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Grandiose Inszenierung von Arthur Millers Hexenjagd durch das Junge Theater Vöhlin: Mit Arthur Millers Hexenjagd entführte das Junge Theater Vöhlin seine Zuschauer an zwei Abenden in eine Welt aus Aberglaube, Angst und Leichtgläubigkeit, aber auch aus Machtgier und Egoismus.

Eine Stimme aus dem Off ertönte. Sie verkündete, dass Hysterie, Panik und Machtmissbrauch um sich griffen. Ein durchdringender Ton. Dunkle Trommelklänge. Tanzende Frauen. So die ersten Eindrücke auf der Bühne.

Die Handlung spielt in Salem, einem Ort in Neu England, dessen Bewohner Nachfahren der „Pilgrim Fathers“ sind. Ihrem Glauben nach ist das Leben harte Arbeit, weshalb auch jedwede Vergnügungen verboten sind. Doch nicht alle Bewohner halten sich an diese strikte Lebensweise. Eine Gruppe junger Mädchen bricht mit den Regeln und tanzt, teilweise nackt, im Wald.

Da ihnen bewusst ist, dass ihr Handeln harte Strafen nach sich ziehen kann, täuschen sie satanische Anfälle und Krankheit vor. Dies wiederum führt dazu, dass das Gerücht von Hexerei aufkommt, denn Ärzte können die vermeintlichen Krankheiten nicht erklären. Ein daraufhin geführter Gerichtsprozess wird zu einer regelrechten Hexenjagd. Verschiedene Parteien innerhalb des Ortes nutzen aber diesen Prozess, um mehr Einfluss zu gewinnen und Eigeninteressen durchzusetzen, und klagen, auch um selbst der Strafe zu entgehen, immer mehr Einwohner an.

Junges_Theater_Vöhlin_Gymnasium Memmingen, 09.05.17

Mit Brillanz und enormem Talent verkörperten die jungen Schauspieler die verschiedenen Charaktere: u.a. wild kreischende, vom Teufel besessene Mädchen; einen lediglich seinen Ruf im Blick habenden puritanischen Pastor oder dessen weitaus kritischeren Pastorenkollegen John Hale sowie einen für die Wahrheit kämpfenden, aber daran zerbrechenden Bauern. Sie alle ließen die Zuschauer in die Abgründe des menschlichen Wesens blicken.

Hierin zeigt sich auch die Zeitlosigkeit des Stücks. Es offenbart, wie schnell Menschen bereit sind, gegen die eigene Vernunft zu handeln, aus Angst, aus Machtgier, aus Egoismus. Ebenso wird veranschaulicht, wie schwer es ist, in einer Gesellschaft, die kollektiv den Errungenschaften der Aufklärung abschwört, als aufrechter Mensch zu bestehen. In einer Zeit von Fake News, Populismus und neuen „starken Männern“ ein wieder aktuelles Thema, welches das Junge Theater Vöhlin beeindruckend umsetzte.

Foto:
(Hinten v. li.): Constanze Nagler, Leonie Teßner, Felix Schachenmayr, Elias Kohler, (vorne v.li.).: Alina Haupt, Sulamith Esser, Elisabeth Frasch.
Fotoquelle: Bernd Scheiter

Text: Johanna Hörmann, StRin.

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