Abschied von Bürgermeister Werner Häring

13. Mai 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Da lag er nun, begraben unter einem Meer von Blumen. Wie schön, dachte ich mir, von so vielen Menschen aufrichtig geliebt, geachtet, geschätzt, gerngehabt und gewürdigt zu werden. Schade, dass er selbst das nicht mehr sehen konnte. Doch in seiner liebenswürdigen Bescheidenheit hätte er sicher nur abgewinkt.

Mehrere hundert Menschen verabschiedeten sich gestern von Werner Häring, der für viele mehr war als der Dritte Bürgermeister Memmingens.

Sicher nicht nur für mich war er so etwas wie „der gute Großvater Memmingens“.

Für viele war er ein loyaler, jahrzehntelanger Weggefährte, für andere ein verlässlicher Freund, ein Vorbild, ein wichtiger Vertreter des Memminger Stadtrates, ein Vermittler, der auch harte Fronten zusammenbrachte, Brücken schlug und für alle vertretbare Lösungen fand. Wieder andere fanden in ihm einen treuen Parteigenossen, einen guten Christ, einen geliebten Ehemann, Vater und Großvater, ein engagiertes, motivierendes Vereinsmitglied… die Liste an aufrichtigen Würdigungen ist lang.

Doch spätestens während der Andacht und später bei der Beerdigung wurde vor allem eines deutlich: Noch vor allen seinen wichtigen Rollen, die er im öffentlichen wie auch in seinem privaten Leben vorbildlich ausfüllte, war Werner Häring allem voran ein guter Mensch.

Ein Mensch, der von sehr vielen sehr unterschiedlichen Mitmenschen aufrichtig geschätzt, gemocht und geachtet wurde und das erreicht man nicht, indem man „nur“ eine gute Rolle spielt – auch wenn dies schon schwer genug ist und zudem auf so vielen Fronten – sondern wenn hinter all dem ein wertvoller, authentischer, guter Mensch steht.

Abschied von Werner Häring, Memmingen, 12.05.2017

„Er wird uns und unserer Stadt sehr fehlen“

Dies sei ein Satz, der in den vergangenen Tagen seit Werner Härings Tod oft zu hören und zu lesen gewesen sei, begann Dekan Christoph Schieder die Traueransprache in der Memminger Frauenkirche vor hunderten Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Memminger Vereinen, wie auch privaten Mitmenschen.

Dekan Schieder hob dabei die Tapferkeit Werner Härings hervor, die er seit der Diagnose seiner schweren Krankheit im Herbst lebte, ohne darüber bitter zu werden und würdigte den Positivismus, mit dem Werner Häring und seine Frau Rita dennoch gemeinsam versucht haben, die verbleibende Zeit bewusst zu gestalten.

Ein Mensch mit dem Herz am rechten Fleck

„Werner Häring wird uns fehlen als Mensch, der das Herz am rechten Fleck hatte und mit seiner Gelassenheit und Zufriedenheit ein Vorbild für viele gewesen ist“, so Dekan Schieder weiter, der sich an ein Gespräch mit ihm erinnerte, das er nach der Diagnose seiner Krankheit mit ihm führte. Werner Häring sagte dabei: „Ich schaue zurück auf ein erfülltes Leben, in dem mir vieles geschenkt wurde. Wenn ich jetzt diesen Weg gehen muss, dann will ich das annehmen.“

Die Liebe zu seiner zweiten Frau Rita, die er 2004 heiratete, sei eine wichtige Kraftquelle für Werner Häring gewesen, neben seinem christlichen Glauben, aus der sich seine Menschenliebe gespeist habe. So haben ihn die Worte des Glaubens geprägt, wie auch sein Konfirmationsspruch seine Person aus der Sicht von Dekan Schieder sehr treffend wiedergespiegelt habe: „Es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade.“

Memmingen verliert einen tatkräftigen und beliebten Bürgermeister

Oberbürgermeister Manfred Schilder drückte Rita Häring und der Familie Häring sein tiefes Mitgefühl aus und betonte: „Memmingen verliert einen erfahrenen Kommunalpolitiker und Sozialdemokraten, einen verantwortungsvollen und engagierten Bürger und einen tatkräftigen und beliebten Bürgermeister.“

Bis zuletzt habe er sein Amt als Bürgermeister ambitioniert und vorbildlich ausgefüllt, auch, als er von seiner schweren Krankheit bereits gezeichnet war. Dabei sei ihm weniger das Amt als solches wichtig gewesen, sondern sich für das Gemeinwohl einzusetzen.

Als eine „beeindruckend lange Zeit“ bezeichnete Oberbürgermeister Manfred Schilder die 33-jährige Mitgliedschaft Werner Härings im 1. Senat des Stadtrates – dem Finanz- und Wirtschaftsausschuss – aus dem er 2014 zum Dritten Bürgermeister gewählt wurde.

Der Rathauschef erinnert Werner Häring als einen außergewöhnlich freundlichen und wohlmeinenden Menschen, der konsequent zu seinen politischen Überzeugungen stand und davon überzeugt war, dass Lösungen immer gerecht sein und für beide Seiten einen Ausgleich bringen müssten, auch dann, wenn dies einen langen Atem erfordere.

Abschied von Werner Häring, Memmingen, 12.05.2017

Ein begeisterter Memminger

Als Klinikumsreferent bildete er seit 2002 die Brücke zwischen Stadtrat und Klinikum, engagierte sich als Verwaltungsrat der Sparkasse MM-LI-MN und als Aufsichtsrat der Memminger Wohnungsbaugesellschaft, erinnerte Manfred Schilder weiter.

Für seinen besonderen Einsatz in der kommunalen Selbstverwaltung wurde Werner Häring deshalb 2003 mit der Kommunalen Dankurkunde und 2014 mit der Kommunalen Verdienstmedaille in Bronze ausgezeichnet.

Während seiner 60-jährigen Mitgliedschaft beim FC Memmingen habe sich Werner Häring für den Sport stark gemacht und bis zuletzt kein Heimspiel auf der Zuschauerbank verpasst, engagierte sich bei den Wallensteinspielen, beim Historischen Verein und der Deutsch-Israelischen Gesellschaft.

„Er war ein begeisterter Memminger“ und ein „hervorragender Repräsentant der Stadt“, würdigte der Oberbürgermeister den Verstorbenen. Memmingen nehme mit großer Dankbarkeit Abschied von Bürgermeister Werner Häring.

„Wir vermissen Dich“

Besonders rührten mich die Worte von Dr. Hans-Martin Steiger, Stadtrat und Vorsitzender der SPD-Fraktion im Stadtrat: „War es nicht erst gestern, als wir miteinander redeten. Dein Lachen hörten. Wir vermissen Deinen Humor, Dein Temperament, wenn Du auf dem Fußballplatz den Schiedsrichter kommentierst, der wieder ein Foul gegen Deinen geliebten FCM übersehen hat. Wir vermissen Deinen Rat, Dein Urteil, Deine Gastfreundschaft, wir vermissen Deine Freundschaft. Wir vermissen Dich.“

„Wenn wir heute von Dir Abschied nehmen, dann verabschieden wir Dich nicht aus unserem Leben. In unseren Gedanken lebst Du weiter, bist gegenwärtig. Die Spuren, die Du hinterlassen hast, werden bleiben, die Spuren in unseren Herzen und die sichtbaren Spuren in unserer, in Deiner Stadt.“

„Wir nehmen Abschied von Werner Häring, unserem Bürgermeister, Stadtrats- und Fraktionskollegen und von unserem guten Freund. Ja das war er. Ein Guter. Einer der ganz Guten. – Einer, auf den man sich verlassen konnte, auch wenn man sich verlassen fühlte. Einer, dem man vertrauen konnte, weil Vertraulichkeit für ihn kein leeres Wort war. Einer, mit dem man streiten konnte, ohne zerstritten zu sein. Einer, der zuhören konnte, ohne was zu sagen, einer, der was zu sagen hatte. Einer, der sich einreihen konnte, um anderen den Vortritt zu lassen, der aber auch vorangehen konnte, ohne die hinter ihm abzuhängen. Einer, der nicht immer gleich den Weg, aber die Richtung wusste.“

Auch die Memminger SPD habe Werner Häring viel zu verdanken, in der er seine politische Heimat fand und den kleinen Sorgen der Bürger ebenso offen entgegenging, wie den großen Weichenstellungen der Stadt.

Abschied von Werner Häring, Memmingen, 12.05.2017

„Wir verneigen uns vor Dir“

Offen, gewinnend, liebenswert und humorvoll habe er auch schwierige Situationen zu meistern gewusst und seine innere Größe spätestens seit dem Wissen um seine unheilbare Krankheit offenbart:

„Zu wissen um den Verlauf der Erkrankung und dennoch so viel Lebensmut auszustrahlen, so viel Haltung zu wahren, ist nur wenigen Menschen gegeben. Aus dem tiefen Tal der Gewissheit immer wieder herauszufinden, um andere aufzurichten, wo man doch ihn aufrichten wollte, um andere zu trösten, wo man doch selbst Trost zusprechen wollte.“

Selbst als Oberbürgermeister Markus Kennerknecht starb, und Werner Häring sich bereits seines eigenen Schicksals bewusst war, sei er der Familie Kennerknecht – noch bis zuletzt – eine Stütze gewesen. So, wie Werner Härings Frau Rita ihm in diesen letzten Monaten die entscheidende Stütze gewesen sei, betonte Dr. Steiger.

„Lieber Werner, wir verneigen uns vor Dir, Du hast uns so viel gegeben, Dir hat die Stadt so viel zu verdanken. Du warst Wegbegleiter und Wegbereiter. Du fehlst uns. Wir werden Dich nicht vergessen. Und in Deinem Sinne weitermachen.“

Werner Härings letzte Ruhestätte

Als Werner Häring dann, von hunderten von Menschen begleitet, in seine letzte Ruhestätte am Waldfriedhof gebettet wurde, versank er nach und nach in einem Meer von weißen Rosen.

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