Wir schreiben das Jahr 2017 und „Memmingen blüht“ nur noch symbolisch

15. Mai 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Die Blumen und Pflanzen, die einmal das waren, worum es sich bei Memmingen blüht drehte, wurden gestutzt und von der Zivilisation verdrängt. Die Pflanzen mussten sich auf der Länge von einem Häuserblock drängen und werden heute anstatt dessen symbolisch auf Ziergegenständen abgebildet. Was ist von Memmingen blüht übriggeblieben?

Die Veranstaltung Memmingen blüht wurde vor 17 Jahren als eine tolle Idee aus dem Erfolg der Landesgartenschau geboren und sollte als solches eine feste Institution in der Stadt werden.

Was hervorragend gelungen ist: Tausende von Besuchern und mehr denn je wurden durch Memmingen blüht auch in diesem Jahr in unsere Stadt gelockt.

Memmingen blüht 2017, 15.05.2017

Ein umfassendes Showprogramm auf vier Showbühnen bot den Besuchern aus nah und fern viel Unterhaltung von Tanzgruppen und Vereinen der Stadt, Kunsthandwerk und Dekoratives für den Garten oder die Fensterbank durchzog die Stadt, es gab Autoschaus und musikalische Unterhaltung.

Begleitet vom Fanfarenzug Aitrach lernen wir bei der Begrüßung durch Oberbürgermeister Manfred Schilder, Claudia Fleming, der „Mutter von Memmingen blüht“ und dem 1. Vorsitzenden des Stadtmarketing Memmingen Hermann Oßwald, die neue Blumenkönigin kennen: Marina I, die Orchidee. Diese sei ihre Lieblingsblume erfahren wir und sie freue sich, die nächsten Jahre Memmingen repräsentieren zu dürfen.

Tänzerinnen der Dancing-School Tosca, dem TVM, sowie des Tanztheaters Orchidee und der Ballettschule Uschi Buhmann waren abwechselnd auf allen Bühnen mit schönen Tänzen zu bestaunen, neben Gruppen der Elsbethen- und der Lindenschule. Der Elferrat des TVM sorgte nicht nur ebenfalls tänzerisch für Unterhaltung, sondern sorgte auch für die Verköstigung am Westertorplatz, während die Stadtbachhexen am Hallhof für das leibliche Wohl sorgten.

Musikalisch unterhielten unter anderem die BigBand des Bernhard-Strigel-Gymnasiums, die Highroad Pipes and Drums, Musical Moments um Melanie Warsitzka und vor allem im Fuggergärtle luden Gesangs- und Musikschüler der toneart Musikvilla zum Verweilen in der kleinen, grünen Oase ein.

Memmingen blüht 2017, 15.05.2017

Mit tollen Einzelaktionen wartete auch der Memminger Einzelhandel auf, der sich von Rabatten und Blumengrüßen über Erdbeerbowle oder einem Glas Sekt bis hin zum Glücksrad und einem Tigerenten-Rodeo eine Menge einfallen ließ. Für die beste Schaufenster-Deko zu Memmingen blüht wurde Leder Kraus am Theaterplatz honoriert mit einer speziell dafür angefertigten Trophäe.

Zum Thema Blumen und Pflanzen passend gab es viel Kunsthandwerk zu sehen, mit Dekorativem für den Garten oder die Fensterbank aus wohl allen erdenklichen Materialien gefertigt von Holz über Wolle bis zu Keramik.

Besonders passend zu Memmingen blüht war sicher auch der Bio-, Bauern- und Handwerkermarkt auf dem Schrannenplatz, bei dem Stadträtin Petra Beer vieles mobilisiert hatte und die Bühne moderierte. Hier wurden landwirtschaftliche Produkte angeboten, über relevante Themen informiert und sogar ein paar „Zaupelschafe“ vom Bauernhofmuseum Illerbeuren fanden den Weg in die Stadt.

Memmingen blüht 2017, 15.05.2017

Nur die Blumen und Pflanzen – das, was einst der eigentliche Inhalt der Veranstaltung war, wurden auf den kleinst möglichen Raum zurückgedrängt.

Und den Krönungstanz der Blumenkönigin, die schönen Blumen, die in bezaubernden Kleidern wundervolle Tänze auf der Bühne am Hallhof zeigen, grazile Tänzerinnen, die sich seit Monaten unter ihrer Leiterin Tosca Strasser darauf vorbereitet hatten, sieht leider niemand mehr.

Außer einer Hand voll rücksichtsloser Menschen, die sich direkt vor der Bühne drängen, denen es einerlei ist, ob irgendjemand hinter ihnen noch etwas sieht, und den wundervollen Tanz ebenso unachtsam konsumieren, wie das Eis in ihrer Hand, das gerade auf meine Schuhe tropft.

Es muss doch möglich sein – wie es bei Rock-Konzerten beispielsweise üblich ist – mit einer Absperrung einen Raum zu schaffen zwischen der Bühne und den Zuschauern, der auch denen ermöglicht, den Tanz zu genießen, die seit Stunden einen Platz auf einer Bank am Hallhof besetzen, konsumieren und sich auf den Krönungstanz gefreut haben.

Memmingen blüht 2017, 15.05.2017

Fotografen wichen mit Teleskopstangen nach oben aus oder direkt auf die Bühne, oder versuchten – wie ich – irgendwo seitlich ein Loch zu erhaschen, ohne anderen die Sicht zu nehmen. Wie wird es im nächsten Jahr aussehen? Stellen wir uns dann alle auf die Bühne, sodass nicht einmal mehr die Tänzerinnen den nötigen Platz haben, sich zu drehen? Oder kommen wir dann alle mit einem Wald von Teleskopstangen mit Fotoapparaten obendrauf, sodass all die, die seit Stunden einen Sitzplatz besetzt hielten, um den Tanz zu sehen, nur noch Rücken von Egoisten und Teleskopstangen verzweifelter Fotografen sehen?

Und der Umzug, dem Geleit der Blumenkönigin? Mit diesen unkoordinierten Menschenmassen ist es fast unmöglich ihn noch zu sehen, weil auch hier nicht einmal für eine halbe Stunde eine räumliche Abgrenzung geschaffen wird und die Straßen unkoordiniert überquert werden. Beim Fischertag oder beim Kinderfest funktioniert es doch auch!

Zum wirtschaftlichen Erfolg der Veranstaltung kann man den Organisatoren nur gratulieren und sich über den Zulauf im Einzelhandel und den angrenzenden Gastronomen freuen, wie auch der Plattform, die dem Kunsthandwerk hier geboten wird. Doch würden wir uns wünschen, dass die Blumen und Pflanzen zu „Memmingen blüht“ zurückkehren, anstatt zu einem reinen Dekorationsgegenstand oder Symbol zu verkommen und vielleicht könnte man organisatorisch das ein oder andere von existierenden Memminger Vereinen lernen, wie etwa dem Fischertagsverein.

Memmingen blüht 2017, 15.05.2017

Von all dem, was Memmingen blüht im Kern noch ausmacht und vor allem vom Krönungstanz, den nur wenige wirklich mitverfolgen konnten, haben wir auf unserer Facebookseite ein paar schöne Fotos bereitgestellt.

(Fotos aus eigener Quelle.)

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