Frühsommerhoch auf dem Arbeitsmarkt

1. Juni 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Der Arbeitsmarkt im Mai : Arbeitslosenquote geht auf 2,6 Prozent zurück – 9.567 Menschen arbeitslos – niedrigster Maiwert seit zehn Jahren – Ausbildungsmarkt zeigt zwei Gesichter. Der Arbeitsmarkt im Allgäu hat sich im Mai weiter positiv entwickelt.

Erneut waren weniger Menschen arbeitslos gemeldet und die Nachfrage nach Arbeitskräften blieb anhaltend hoch. Die Arbeitslosenquote sank mit 2,6 Prozent auf den niedrigsten Maiwert der letzten zehn Jahre.

Grafik 1, Arbeitsmarkt im Mai, Bereich Memmingen-Kempten, 01.06.2017

Angebotene Beschäftigungsmöglichkeiten:

Etwas mehr als 7.200 Beschäftigungsmöglichkeiten boten Arbeitgeber zur Besetzung an, kaum weniger als im Monat zuvor.

Insgesamt arbeitslos gemeldet:

9.567 Frauen und Männer waren im Mai bei den Vermittlern der Agentur für Arbeit und in den sieben Jobcentern arbeitslos gemeldet, d.h. 600 weniger als im April.

„Die gute Entwicklung des Arbeitsmarktes setzte sich auch im Mai fort. Neben jahreszeitlichen Gründen hat auch der anhaltend hohe Bedarf an Arbeitskräften quer durch viele Branchen im Allgäu für weitere Beschäftigung gesorgt“, sagt Maria Amtmann, Leiterin der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen. „Um Fachkräfte zu gewinnen, setzen Arbeitgeber weiterhin auf eine qualifizierte Ausbildung im eigenen Betrieb.“

Die derzeit günstige Entwicklung des Arbeitsmarktes verdeutlicht der mehrjährige Vergleich:

Grafik 2, Arbeitsmarkt im Mai, Bereich Memmingen-Kempten, 01.06.2017

Arbeitskräfte weiter gefragt

Neu zur Besetzung gemeldete Arbeitsplätze:

1.800 Stellen meldeten Betriebe dem Arbeitgeberservice neu zur Besetzung. Insgesamt standen mehr als 7.200 Beschäftigungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Branchen-Schwergewicht im Arbeitsplatzangebot

  • Fahrzeug- und Maschinenbau: Mehr als 170 neue Stellen wurden für Tätigkeiten rund um den Werkstoff Metall ausgeschrieben
  • Metallbau und Metallbearbeitung: über 160 Jobs galt es hier neu zu besetzen.
  • Tourismus: Gut 110 neue Offerten für Köche, Küchenhilfen und Personal im Service kamen insbesondere in den Tourismusregionen entlang der Berge.
  • Warenumschlag und –transport: Annähernd 160 weitere Lagerfachkräfte und Kraftfahrer wurden von Unternehmen gesucht.
  • Energie- und Elektrotechnik: Mehr als 100 neue Jobangebote gab es in diesem Bereich.
  • Personaldienstleister: Für Tätigkeiten in unterschiedlichen Branchen waren Beschäftigungsmöglichkeiten verfügbar.
  • Verkauf: Mehr als 80 zusätzliche Jobs gab es im Verkauf von Gütern aller Art galt es zu besetzen. In diesem Segment standen auch annähernd 850 arbeitslose Kräfte für Vermittlungsbemühungen zur Verfügung.

Arbeitslose Menschen

Auf Seiten der arbeitslosen Menschen gab es auch im Mai wieder rege Aktivitäten.

Beschäftigungsaufnmahmen: Gut 1.770 Kräfte nahmen eine neue Beschäftigung auf und konnten dadurch ihre Arbeitslosigkeit wieder beenden.

Branchenschwerpunkte bei den Beschäftigungsaufnahmen:

  • Baugewerbe oder als Garten- und Landschaftsbauer,
  • Industriebetriebe,
  • Logistiksektor,
  • Tourismusbereich,
  • Lebensmittelherstellung,
  • Elektrotechnik.

Eine Reihe Älterer und längere Zeit arbeitslos gemeldeter Menschen konnte ebenfalls in eine neue Beschäftigung starten. So nahm ein 60-Jähriger eine Tätigkeit als Auslieferungsfahrer auf. Ein 62-jähriger Industrieelektroniker erhielt ebenso einen neuen Arbeitsvertrag wie eine Altenpflegerin und eine Kraft, die im Alter von 59 Jahren in einem Hotel eine neue Beschäftigung aufnahm.

Neu arbeitslos gemeldet:

Nach einer vorherigen Berufstätigkeit meldeten sich im Mai 1.555 Frauen und Männer neu arbeitslos, 70 weniger als noch im April.

Regionale Entwicklungen im Jahresvergleich

Aktuell waren im Bezirk der Agentur für Arbeit knapp 1.200 Frauen und Männer weniger arbeitslos als im Mai 2016. Die Arbeitslosenquote erreichte aktuell den Wert von 2,6 Prozent und lag um 0,3 Prozentpunkte niedriger als im Mai des Vorjahres.

Diese Entwicklung setzte sich in allen Regionen des Agenturbezirks fort. Die meisten Regionen des Agenturbezirks konnten bei der Arbeitslosenquote im Mai eine Zwei vor dem Komma vorweisen.

Vornedran lagen die Wirtschaftsräume Mindelheim, Lindau und Memmingen mit Quoten von 2,0 bzw. 2,2 Prozent, dicht gefolgt von Marktoberdorf und Füssen.

Den stärksten Rückgang im Jahresvergleich erzielte die Region Kaufbeuren mit einem Rückgang von 0,6 Prozentpunkten.

Die Wirtschaftsräume Memmingen und Füssen verbesserten sich im Jahresvergleich um jeweils 0,5 Prozentpunkte.

Grafik 3-Arbeitsmarkt im Mai, Bereich Memmingen-Kempten, 01.06.2017

Arbeitslosenversicherung und soziale Grundsicherung

Seit Einführung der sozialen Grundsicherung werden arbeitslose Menschen von der Agentur für Arbeit und in den Jobcentern betreut. In beiden Bereichen waren weniger Menschen ohne Beschäftigung als im Jahr zuvor.

Die Arbeitsagentur betreute aktuell 5.485 Kräfte, 157 weniger als im Mai 2016.

Die sieben Jobcenter waren im Bereich der sozialen Grundsicherung für 4.082 arbeitslose Frauen und Männer zuständig. Im Vergleich zum Mai des Vorjahres bedeutete das einen starken Rückgang um mehr als 1.000 Personen.

Der unterschiedlich starke Rückgang hat auch damit zu tun, dass seit diesem Jahr sogenannte Aufstocker nicht mehr von den Jobcentern, sondern von der Agentur für Arbeit betreut werden. Als Aufstocker werden Menschen geführt, die ihr Arbeitslosengeld I mit Hartz IV-Leistungen aufstocken.

Darüber hinaus besuchten im Mai knapp 1.400 geflüchtete Menschen einen Sprachkurs des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Das waren 640 mehr als im Mai des vergangenen Jahres. Sie zählen nach gesetzlichen Vorgaben während der Zeit des Kursbesuchs nicht als arbeitslos.

Weiterhin gilt es zu berücksichtigen, dass ein erheblicher Teil der Bezieher von „Hartz IV“-Leistungen  nicht arbeitslos ist. Diese Menschen betreuen kleine Kinder, pflegen Angehörige oder befinden sich in einer Ausbildung.

-Arbeitsmarkt im Mai, Bereich Memmingen-Kempten, 01.06.2017

Ausblick

Die weiter hohe Nachfrage nach Arbeitskräften lässt für die nächsten Wochen eine anhaltende Stabilität des Arbeitsmarktes im bayerischen Teil des Allgäus erwarten. Danach ist in den Sommermonaten Juli und August für wenige Wochen mit einer vorübergehenden Zunahme der Arbeitslosigkeit zu rechnen, wenn zahlreiche schulische und betriebliche Ausbildungen enden und generell einige Kräfte entlassen werden.

Die zwei Gesichter des Ausbildungsmarktes

Aus Sicht eines jungen Menschen, der eine Ausbildungsstelle sucht, war die Situation auf dem Ausbildungsmarkt im Mai recht günstig.

Anders der betriebliche Blick: Vor allem für kleine Betriebe war die Suche nach geeigneten Azubis schwieriger, denn deutlich mehr Ausbildungsplätze als Bewerber waren bei der Arbeitsagentur  gemeldet.

Zur Verfügung stehende Lehrstellen:

mehr als 5.600 Lehrstellen stellten Unternehmen seit dem Start des Beratungsjahres zur Verfügung, ebenso viele wie im vergangenen Jahr. Bereits seit mehreren Jahren lag das Angebot an betrieblichen Ausbildungsplätzen im Mai über der Marke von 5.000 Ausbildungsplätzen.

Gleichzeitig nahm in den letzten fünf Jahren das Interesse junger Menschen an einem Beratungstermin zu.

Anfragen nach Lehrstellen:

Etwas mehr als 4.000 junge Menschen sprachen im Mai mit den Berufsberatern, weil sie sich für eine Lehrstelle interessierten.

Wie in den Vorjahren herrschte damit rein rechnerisch ein starkes Übergewicht an gemeldeten Ausbildungsplätzen. Bis zum Mai waren noch 2.444 Ausbildungsplätze nicht vergeben, etwas mehr als 1.700 junge Menschen hatten sich bisher noch nicht für einen Ausbildungsplatz entschieden.

Grafik 5-Arbeitsmarkt im Mai, Bereich Memmingen-Kempten, 01.06.2017

Schwerpunkte beim Angebot an Ausbildungsplätzen:

  • Hotellerie und Gastronomie: Gerade im südlichen Oberallgäu als ausgeprägter Tourismusregion waren im Mai  Ausbildungsstellen als Hotelfachfrau oder Restaurantfachmann zu haben. Dasselbe gilt für eine Ausbildung zum Koch.
  • Handel und Handwerk: Das Handwerk bot Ausbildungsplätze als Anlagenmechaniker Heizung/Sanitär/Klimatechnik, als Elektroniker oder als Maurer zur Besetzung an.
  • Einzelhandel: 181 Ausbildungsplätze als Kauffrau/-mann waren aktuell im Einzelhandel noch vakant. Ebenso suchten 112 junge Menschen eine derartige Ausbildungsstelle. Regionale Distanzen, Schulnoten, fehlende Verkehrsverbindungen und ähnliches sind mögliche Ursachen, dass Angebot und Nachfrage nicht zueinander passen.

Gleichzeitig suchten im Mai zahlreiche junge Menschen den für sie „richtigen“ Ausbildungsplatz. Eine rein rechnerische Gegenüberstellung wird den persönlichen Interessen und Wünschen nicht gerecht.

Nach mehr als der Hälfte des Beratungsjahres der Berufsberatung handelt es sich lediglich um einen Zwischenstand, denn bis zum Start des neuen Ausbildungsjahres im September ist mit weiteren Veränderungen auf dem Ausbildungsmarkt zu rechnen.

Unbesetzte Ausbildungsstellen

Grafik 6-Arbeitsmarkt im Mai, Bereich Memmingen-Kempten, 01.06.2017

Jugendliche Bewerber ohne angestrebten Ausbildungsplatz

Grafik 7-Arbeitsmarkt im Mai, Bereich Memmingen-Kempten, 01.06.2017

Darstellung nach Wirtschaftsräumen/Regionen

Grafik 8-Arbeitsmarkt im Mai, Bereich Memmingen-Kempten, 01.06.2017

Darstellung nach kommunalen Strukturen

Grafik 9-Arbeitsmarkt im Mai, Bereich Memmingen-Kempten, 01.06.2017

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