Ein kleiner Fuchs sorgt für Aufsehen und gewann schon viele Freunde

16. Juni 2017 von Christine Hassler - 5 Comments

In Bad Grönenbach sorgt seit einiger Zeit ein kleiner Fuchs für Aufsehen: Nachdem er sich mittlerweile sehr nahe an Wohnbereiche der Menschen wagt, wird vermutet, dass er im Wald die Mäuler von Nachwuchs stopfen muss. Einer Bürgeraktion ist es zu verdanken, dass die Abschussgenehmigung durch den verantwortlichen Jagdpächter vorerst zurückgezogen wurde.

Es begann am 4. Juni mit einem liebevoll geschriebenen Aufruf von Nathalie Mahle aus Bad Grönenbach, der von Ihrer Mutter Sabine Mahle auf Facebook gepostet wurde. In einer öffentlich einsehbaren Gruppe mit dem Namen „Grönenbacher helfen Grönenbachern“ erklärte die junge Frau den Menschen, dass aufgrund vieler Beschwerden ein zahmer Fuchs geschossen werden soll und sie für das Leben dieses Tieres kämpfen möchte.

Fuchs in Bad Grönenbach, Memmingen, 16.06.2017

Originaltext des Beitrags:

„Seit ein paar Wochen bekommen viele von Euch Besuch von diesem süßen kleinen Fuchs. Die meisten regen sich auf und manche, so wie ich, freuen sich zu sehen, dass Gottseidank viele Tiere noch nicht das Vertrauen in den Menschen verloren haben.

Doch leider schimpfen so viele von euch über ihn, so dass der Jäger ihn im Juli erschießen will (muss)

Das Tier muss für sein Vertrauen in den Menschen büßen…..

Ich habe persönlich mit dem betreuenden Förster gesprochen, der Fuchs ist GESUND, hat keine Tollwut oder ist in irgendeiner Form eine Gefahr für Mensch und Kind….

Denn das ist die größte Angst vieler. Aktuell hat er irgendwo Babys und geht deshalb oft auf Nahrungssuche ABER er tut euch doch nix!

Ich bin dafür, dass der kleine, wenn seine Babys groß sind, irgendwohin umgesiedelt wird und nicht sterben muss… Ich würde mich freuen wenn ein paar von Euch auch dieser Meinung wären! Liebe Grüße Nathalie Mahle“ (Link in die Gruppe: https://www.facebook.com/groups/333806060134478/)

Große Resonanz von Fuchsverteidigern

Nach kurzer Zeit wurde dieser Beitrag von über 300 Einwohnern „geliked“, 60 Mal kommentiert und 280 Mal geteilt. Es schalteten sich viele Unterstützer ein, die fachliches Wissen zu Krankheiten, Verbreitung, Jagd oder tierärztlicher Sicht beisteuerten. Ein Bürger schrieb z.B. dass er dem Fuchs bereits Entwurmungsmittel über die Nahrung verabreichte.

Viele posteten kurz und knapp „Leben lassen!!!“

Es wurde auf die Gefahr des Fuchsbandwurmes hingewiesen und ein anderer schrieb, dass man laut Statistik eher von einem Jäger versehentlich erschossen wird, als am Fuchsbandwurm zu erkranken.

Das Telefon des zuständigen Jagdpächters stand ab diesem Zeitpunkt nicht mehr still, der Bürgermeister wurde eingeschaltet und es gab Telefonate mit der Jagdbehörde und dem zuständigen Veterinäramt.

Wie gehen wir in Zukunft mit unseren Wildtieren um?

Den Tierschützern geht es dabei nicht allein um das Leben dieses einzelnen Fuchses, sondern um eine grundsätzliche Diskussion über das zukünftige Zusammenleben von Mensch und Tier, ausgehend von dieser Geschichte eines kleinen Ortes im Unterallgäu.

Sollen Wildtiere wegen einer verschwindend kleinen Gefahr der Ansteckung verschwinden?

Soll ein Tier abgeschossen werden, weil es möglicherweise den Fuchsbandwurm übertragen könnte, obwohl es nur etwa 40 Erkrankungsfälle pro Jahr in ganz Deutschland in diesem Zusammenhang gibt?

Wie geht man dann in Zukunft mit Katzen und Hunden als mögliche Überträger um?

Die Gemeinde Bad Grönenbach verfügt auch über einen Waldkindergarten und nach der Argumentation von Fuchsgegnern müsste der betroffene Wald von diesem Tier „gesäubert“ werden, obgleich die Ansteckungsgefahr verschwindend klein ist und sogar die Ansteckungsgefahr durch Essen von ungewaschenen Waldbeeren nicht eindeutig nachgewiesen wurde (Siehe Quellennachweis dazu).

Fuchs in Bad Grönenbach, Memmingen, 16.06.2017

Auch andere Themen wie Tollwut, Staupe und Räude kommen auf den Tisch. Die Tierschützer kontern mit der erfolgreichen Bekämpfung von Tollwut im gesamten Bundesgebiet und der möglichen Impfung bei Staupe- oder Räudeverdacht.

Tatsache ist, dass die Lebensräume von Wildtieren zusehends von der Erdoberfläche verschwinden. Viele der verbliebenen Wildtiere sind in Europa vom Aussterben bedroht, und werden zu oft aufgrund unbegründeter Ängste Einzelner dezimiert.

Die Diskussion von Bad Grönenbach ist daher relevant für alle Orte/Städte in Deutschland und wirft Fragen auf wie: Wie schützen wir unseren Wildtierbestand? Welche Maßnahmen wären anzustreben, um ein friedliches Nebeneinander zwischen Mensch und Tier zu gewährleisten? Müsste vielleicht mehr Aufklärungsarbeit geleistet werden? Und: Greift man noch immer zu leicht zum Gewehr, obgleich wir in einem Land leben, in dem es außer ein paar sehr seltener giftiger Schlangen keine wirklich gefährlichen Tiere gibt? Und man sich eigentlich freuen sollte, wenn man überhaupt noch Wildtiere sieht?

(Quelle der Daten bezüglich des Fuchsbandwurmes:

www.internisten-im-netz.de — https://www.internisten-im-netz.de/de_fuchsbandwurm-vorkommen-verbreitung_1425.html.)

Kommentar auf Facebook eines unbeteiligten Jägers, der für die Erhaltung ist

„…Ich bin selber in einer Jägerfamilie aufgewachsen und erhielt mit 16 Jahren den ersten eigenen Jagdschein. Das Thema sprach mich daher an und ich habe mich auch mit einem Kommentar an der Diskussion beteiligt.

Ebenfalls nahm ich Kontakt mit dem zuständigen Jagdpächter auf und befragte unseren 1. Bürgermeister. Wie Sie sich vorstellen können, bekamen die Genannten in letzter Zeit viele Anrufe, aber anscheinend nur von „Tötet-den-Fuchs-Menschen“.

Mir war es daher ein Bedürfnis, auf die hohe Zahl von „Pro-Fuchs-Bürger/innen“ hinzuweisen. Das Ergebnis ist nicht überraschend, denn wenn in Deutschland niemand weiterweiß, bildet man einen Arbeitskreis oder verweist auf eine andere zuständige Behörde. Diese Behörde wird meiner Meinung nach in nächster Zeit die Tötung von Reineke anordnen.

Ich könnte jetzt ein Buch über fundamentlose Argumente bezüglich Fuchsbandwurm oder Tollwut schreiben. Auch sind viele Menschen immer noch erstaunt, wenn ein Raubtier den Lieblingshasen verspeist. Diese Auseinandersetzungen sind in meinen Augen allerdings sinnlos und ich verschwende keine Energie damit. Mehr Sinn sehe ich in der Aufklärung im Umgang mit Wildtieren, um in Zukunft solche Situationen zu vermeiden.

Ohne auf „Spezialfälle“ einzugehen, sei an erster Stelle ein Fütterungsverbot genannt. Das Wildtier verliert dadurch seine natürliche Scheu und wird wie wir sehen als Bedrohung empfunden (ob es eine reale Bedrohung ist, spielt keine Rolle).

Lebensmittel und Futter darf für Wildtiere nicht zugänglich sein und das gilt auch für den Kompost/Biomüll. Die Tierliebe führt im Ergebnis zur Tötung des Lieblings und ein schlechteres Ergebnis gibt es nicht. Tierschutz heißt, im Sinne des Tieres zu handeln und nicht was uns als Mensch am besten gefällt…“ (Beitrag von Philipp Hörmann).

Fuchs in Bad Grönenbach, Memmingen, 16.06.2017

Positives Zwischenergebnis und Hoffnung für „Reineke Fuchs“

Nachdem der betreuende Förster bestätigt hat, dass der betreffende Fuchs in Bad Grönenbach gesund ist, keine Tollwut hat und keine Gefahr für Mensch und Kind darstellt und sich beeindruckt zeigte von der großen Resonanz zum Schutz des Fuchses, gibt es vorläufig eine positive Zwischenbilanz.

Zum aktuellen Zeitpunkt können die engagierten Fuchsschützer von Bad Grönenbach aufatmen, denn die beantragte Abschussgenehmigung durch den verantwortlichen Jagdpächter wurde vorläufig zurückgezogen.

Monika Kittsteiner als Ansprechpartnerin für die „Pro-Fuchs-Redaktion“ hat mit dem zuständigen Bürgermeister telefoniert und auch von Seiten der Gemeinde hört man versöhnliche Worte: „man wolle die Situation erst einmal weiter beobachten…“.

Info-Links:

www.herbalista.eu/keine-angst-vor-dem-fuchsbandwurm-2

http://www.fuechse.info/index.php?navTarget=artikel_texte/stadtfuechse.html

http://www.wir-fuechse.de/ueber_fuechse/ueber_fuechse.htm

https://www.internisten-im-netz.de/de_fuchsbandwurm-vorkommen-verbreitung_1425.html

Fotos:
Fotos des Fuchses in Bad Grönenbach, der sich unerschrocken sehr nah an Wohnegebiete wagt, jedoch gesund ist und keine Gefahr darstellt.
Fotoquelle: Monika Kittsteiner.

5 Antworten zu “Ein kleiner Fuchs sorgt für Aufsehen und gewann schon viele Freunde”

  1. Ich finde es super wie diese Diskussion zum Nachdenken anregt und freue mich, dass wir unsere begrenzte Vielfalt in deutschen Wäldern erhalten wollen. Weiter so!

  2. Ich freue mich über das umdenken, denn diese Tiere haben das selbe Recht zu existieren , wie wir Menschen. Die Menschheit nimmt immer mehr Raum für sich ein und vermehrt sich unkontrolliert weiter, zerstört Leben und Umwelt. Wir müssen lernen uns zurück zu nehmen und andere Lebewesen zu respektieren und mit Ihnen zu leben. Töten ist niemals eine gute Option. Töten ist und bleibt in meinen Augen ein Verbrechen.

  3. Danke liebe Nathalie Mahle für Ihr Engagement um das Leben des Fuchses zu retten! Endlich wurde mal (noch) nicht mit der Flinte geregelt sondern mit gesundem Menschenverstand und Respekt vor dem kleinen Beutegreifer 👍
    Alle Rechtfertigungen der Jägerschaft für die massenhaften Tötungen von Füchsen sind wissenschaftlich widerlegt und ich hoffe sehr, dass die Füchsin, wenn wieder Ruhe eingekehrt ist nicht doch samt ihrem Nachwuchs erschossen wird !!!!!!

  4. Wir hatten ihn auch: einen zahmen Fuchs, der wahrscheinlich von Hand aufgezogen wurde. Diese Tiere tun den Menschen absolut NICHTS. Sie sind leider nur futterabhängig, wenn es keine Mäuse und Ratten, da vergiftet, mehr gibt. „unser“ Fuchs, hat jeden Abend, pünktlich seine Mahlzeit abgeholt. Dafür hat man ihn abgeschossen. Sein zerfetzter Körper lag 3 m neben unserem Grundstück.

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