„Gankino Circus“ – schräg, anarchisch, skurril

30. Juni 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Skurril ist wohl das Wort, das die Formation „Gankino Circus am besten umschreibt. Im Rahmen der Memminger Meile amüsierten sie ihr Publikum im Antoniersaal, brüskierten vielleicht den ein- oder anderen mit derbem fränkischen Humor, über eines waren sich jedoch sicher die meisten einig: Ihre Musik reißt mit.

Wenn man das Wort Cirkus hört, drängt sich eine bestimmte Vorstellung des üblichen Circuses auf. Hier jedoch haben wir es mit vier hochkarätigen Multi-Instrumentalisten zu tun, die Rhythmen des bulgarischen Nationaltanz Gankino Horo“ mit heimischer Volksmusik aus dem Frankenland kombinieren. Den „Circus“ machen die vier Musiker Maximilian Eder, Simon Schorndanner, Johannes Sens und Ralf Wieland aus Dietenhofen.

Gankino Circus, Memmingen, 27.06.2017

Titel ihrer Lieder heißen dann entsprechend Des Gerchla oder Sexy Kerwa (= Kirmes), Sel Seppl, Spotzerfrack, Unsre Alte Kath oder Heut danz mer unsren Betzn raus. Ebenso skurril sind die Geschichten aus ihrem Leben in Dietenhofen, die die Musiker zwischen den Liedern einleitend erzählen und den Titel ihres Konzertkabaretts „Irrsinn und Idyll“ passend umreißen.

Da ist der hauptsächliche Erzähler und Gitarrist Ralf Wieland, der aussieht wie eine Mischung aus Albert Einstein und einem Clown, der davon erzählt, wie der größte und gefährlichste Räuber aus Dietenhofen schlussendlich doch erster Bürgermeister geworden ist, oder ein besoffener Werwolf von der gesamten Dorfgemeinde die Dietenhöfner Ehrenbürgerschaft erhielt.

Dann ist da Simon Schorndanner, Sohn des Arztes aus Dietenhofen und freier Berater des Dietenhöfner Bürgermeisters, der an eine Mischung aus einem Graf aus dem 17. Jahrhundert und einem Sexualverbrecher erinnert, vor allem, als er in Angedenken an eine Ex-Frau auf Anraten des Dorfpfarrers / Dorfpsychologen auf die Triangel eindrischt bis sie von der Bühne fällt.

Gankino Circus, Memmingen, 27.06.2017

Neben ihm Maximilian Eder, der eine Landwirtschaft betreibt mit 70 Rindern, an einen älter gewordenen Geißenpeter erinnert und angeblich seinen Kühen jeden Tag finnische Volksweisen singt, sodass sie mehr Milch geben, seitdem die Milchpreise so stark gesunken sind.

Und zuletzt (auf der Bühne von links nach rechts vorgestellt) ist da Johannes Sens, Sohn des Bäckermeisters, der laut der Erzählung von Ralf Wieland „zu blöd für Brezenschleifen“ war, aber gut trommeln kann.

Musikalisch wechselt die Klarinette fliegend mit Saxophon und Bassklarinette, die Gitarre wird auch einmal durch ein Glockenspiel oder ein Akkordeon ersetzt, der Schlagzeuger spielt auch Ukulele und der Akkordeonspieler beherrscht zudem Xylophon und Schlagzeug.

Gankino Circus, Memmingen, 27.06.2017

So wild es manchmal wird beim beschleunigten 11/8-el Takt wurde, so meditativ fiel das Schlagzeugsolo von Maximilian Eder (Akkordeon, Xylophon…) aus, bei dem man getrost bis 10 zählen konnte, bis der nächste meditative Schlag mehr oder weniger hörbar auf der Trommelhaut auftraf, während er auf einem Bein in Chi Kung Stellung verharrte.

Besonders wild wurde es dann beim Schlagzeugsolo des eigentlichen Schlagzeugers, der sich während rasend wilden Schlagwirbeln umzog, um dann im Trikot seines Lieblingsfußballvereins im breitesten je gesehenen Grinsen voller Stolz die Zuschauer anzustrahlen.

Wenn man nicht genau wüsste, dass die vier Konzertkabarettisten sind, würde man ihnen eine Gruppentherapie empfehlen – aber was sage ich – Gankino Circus ist Gruppentherapie! Anarchisch, verrückt und sehr schräg – daran besteht kein Zweifel.

Der sonst verrückte Abend endete mit einer sehr beschaulichen Volksweise, das die vier zauberhaft und hingebungsvoll auf der Bühne sitzend den Zuschauern mit auf den Heimweg gaben, bevor sie mit langem und intensivem Applaus belohnt wurden.

Der sonst verrückte Abend endete mit einer sehr beschaulichen Volksweise, das die vier zauberhaft und hingebungsvoll auf der Bühne sitzend den Zuschauern mit auf den Heimweg gaben, bevor sie mit langem und intensivem Applaus belohnt wurden.

Fotos: aus eigener Quelle.

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