Die 1. Lange Nacht der Kultur in Memmingen erwies sich als ein Riesenerfolg

3. Juli 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Die erste „Lange Nacht der Kultur“ in Memmingen wurde begeistert aufgenommen und füllte alle beteiligten Kulturstätten mit hunderten von interessierten Besuchern. Vielfältige Aktionen wie handwerkliche Vorführungen, Musik, Shows, Lesungen und kleine Vorführungen schafften es, unerwartet viele Menschen für einen langen Abend der Kultur in die Stadt zu locken, die es bis in die späten Stunden genossen.

So manche Kulturstätte wie die Kulturwerkstatt am Schweizerberg platzte gar aus den Nähten, im Treppenhaus des Antonitermuseum fühlte man sich an den regen Besuch auf dem schiefen Turm von Pisa erinnert und andere Kulturstätten wie die MEWO Kunsthalle und vor allem das Landestheater Schwaben mussten und konnten durch ihr räumliches Angebot flexibel mit dem Ansturm umgehen.

Meine Kulturreise begann im Stadtmuseum Memmingen, in dem Gitta Straucher bereits alles vorbereitet hatte, um eine Töpfereivorführung zu machen. Mit Steingut-Ton und ihrer elektrischen Drehscheibe erklärte sie den Interessierten, worauf es bei den ersten Schritten ankommt und ließ die Besucher auch ausprobieren, um ein Gefühl dafür zu entwickeln.

Lange Nacht der Kultur, Memmingen, 01.07.2017

Währenddessen führte die Leiterin des Stadtmuseums Ute Perlitz im Nebenraum bereits erste Interessierte durch die Geschichte der Künersberger Fayancen und die vier Musiker Adrian und Patrick Hörnle sowie Silke und Tobias Mrzyk bereiteten sich in der Eingangshalle auf ihren musikalischen Auftritt vor.

Neben Töpfereivorführungen wurde im Stadtmuseum auch Stoffdruck mit historischen Modeln mit Claudia Berg angeboten, neben freien Führungen und abschließend einer Gruselführung unter dem Titel „Schandeisen und Daumenschrauben“ mit Sabine Rogg.

Im Laufschritt im Antoniter- und Strigelmuseum angelangt, kam ich gerade rechtzeitig für die erste musikalische Vorführung des Jörg-Wier-Consorts an. Im engen Treppenhaus, das sich nach oben windet, war reger Verkehr und der Empfangsbereich war schon gefüllt mit Besuchern.

Auf raren, antiken Instrumenten spielten die Musiker Elisabeth Diefenthaler (Gambe), Herbert Diefenthaler (Laute), Anne Fischer-Kautzsch (Blockflöte, Harfe), Brigitte Müller (Blockflöte, Krummhorn), Frank Humbert (Gesang, Blockflöte) gerade ein Stück von Hans Leo Haßler aus dem 16. Jahrhundert.

Im Laufe des Abends jedoch machten sie eine musikalische Reise durch drei Jahrhunderte, daneben gab es Führungen durch das Museum mit Kulturamtsleiter hans-Wolfgang Bayer und Kunsthistorikerin Andrea Himmelsbach.

Lange Nacht der Kultur, Memmingen, 01.07.2017

In die Kulturwerkstatt kam ich erst gar nicht hinein, so voll war sie vom Treppenhaus hinauf bis in den Saal, in dem das Ensemble der Gesangs- und Bühnenschule Joy of Voice beim ersten Teil in den Salon von Elisabeth einluden mit Stücken aus dem gleichnamigen Musical.

Beim zweiten Teil des Abends erwartete die Besucher dort hingegen Graf Dracula, der sie mit in sein Schloss nahm und mit Ausschnitten aus dem Musical Dracula und weiteren Stücken aus gruselig-schönen Musicals den Abend gestalteten. Sicher ein Erlebnis und ich freue mich schon auf den diesjährigen Sommernachtszauber.

Nachdem es dort für mich kein Durchkommen gab, flitzte ich mit meinem Roller zur MEWO Kunsthalle. Stefan Porkert von den Printpiloten und Mitarbeiter demonstrierten hier gerade Siebdruck und eine Besucherin hatte gleich mehrere T-Shirst dabei, die alle ein neues Gesicht bekamen. Zudem konnte man gegen eine Spende eine naturfarbene Stofftasche erwerben und sich diese bedrucken lassen. Der Renner des Abends: Die mit einem grafisch aufgearbeiteten Schriftzug MEWO KUNSTHALLE beschrifteten Stofftaschen, die nun durch die große Nachfrage gleich in Druck gehen werden und zukünftig in der MEWO Kunsthalle erworben werden können.

Lange Nacht der Kultur, Memmingen, 01.07.2017

In der Halle im Erdgeschoß angelangt, stieß ich zu einer Führung durch die Ausstellung „NEVER ENOUGH: Monika Sprüth und die Kunst“ der in Memmingen geborenen Top-Galeristin Monika Sprüth. Leiter der Kunsthalle Axel Lapp musste laut sprechen, denn auch hier war die Halle voller interessierter Kultur-Reisenden, die im Anschluss in die oberen Ausstellungsräume wanderten, um mehr über die Ausstellung zu erfahren. Mit „Musik zur Kunst“ durch Annette Weber (Akkordeon) und Gregor Lang-Wojtasik (Klarinette) gab es in der MEWO Kunsthalle auch einen musikalischen Leckerbissen.

Meine nächste Station war das Landestheater Schwaben, wo förmlich der Bär brummte, denn das Programm war mehr als vielfältig und die Räumlichkeiten viele, jedoch musste auch hier flexibel auf den Ansturm reagiert werden. Den Start machten mit ABGETAUCHT und # MEIN NIMMERLAND zwei Stücke der Bürgerbühne Schwaben, gefolgt von Songs aus OUT OF ALLGÄU auf der Foyerbühne, gesungen von Claudia Frost, Elisabeth Hütter und Regina Vogel.

Gespannt war ich auch auf POP UP STORIES, was sich präsentierte als eine fantasievolle Verbindung von amüsant gewählten und platzierten Pop-Songs inmitten einer märchenhaften Erzählung, in diesem Falle von Rumpelstilzchen. Kurzweilig und amüsant und definitiv nicht nur für Kinder.

Das MASSEN ACTIVITY SPIEL, Heimat der Träume habe ich leider verpasst, dafür schaffte ich es zu einer Lesung in der Garage mit „AUSSTEIGER, INDIVIDUALISTEN & FREIE RADIKALE, Weltliteratur im Viertelstundentakt und erwischte einen ebenso amüsanten wie tiefgründigen Ausschnitt aus „Der Idiot“ von Dostojewski.

Dann hatte ich die Wahl: Marionettentheater oder PiK, denn für beides würde es nicht reichen. Ich wählte das Marionettentheater, weil das Parterretheater im Künerhaus offiziell in Sommerferien ist und zwar dennoch eine Jazz Session anbot, doch nachdem die Jazz Session jeden 1. Mittwoch im Monat angeboten wird und ich das Marionettentheater noch nicht kannte, entschied ich mich für letzteres.

Lange Nacht der Kultur, Memmingen, 01.07.2017

Das Memminger Marionettentheater bot in ihrer Werkstatt in der Kalchstraße 22 kleine Vorführungen und einen Blick hinter die Kulissen an. Gerade rechtzeitig schaffte ich die letzte Vorstellung von „Hänsel und Gretel“ vor einer zauberhaften Kulisse und mit ausdrucksvollen Marionetten, die genau das machten, was Fadenzieher Marc Wiche wollte.

Zusammen mit Emil, Elvis, Silvia, Julia, Claudia und Marion ist Marc Wiche so etwas wie der kreative Leiter des Memminger Marionettentheaters und bemerkenswert ist, dass sie all das praktisch ehrenamtlich machen: Mit enorm viel Arbeit, Kreativität und Liebe für dieses Kunsthandwerk haben sie bereits ein Repertoire an Marionetten und kunstvoll gearbeiteten Kulissen erstellt und bieten all ihre Vorführungen gratis an.

Dennoch haben sie ein Problem, wie ich erfahre: Nachdem die „Kulisse“ eine ausgeklügelte Bühne einer bestimmten Dimension ist, die es erlaubt, als Marionettenspieler fast unbemerkt zu bleiben, benötigen sie einen Spielort, an dem sie ihr Equipment deponieren können. Früher ging das in der Stadthalle, in der sie regelmäßig im kleinen Saal Vorführungen machten, dann wurde es nicht mehr erlaubt, das Equipment dort zu deponieren. Deren Transport für jede Aufführung ist zu teuer und zahlen müssen sie das so wie so aus eigener Tasche. Der neue Spielort Bürgermeister Terminal hat sich nicht bewährt und nun sind sie auf der Suche nach einem geeigneten Ort, oder Unterstützung für den Transport. (Weitere Infos auf http://www.memminger-marionettentheater.de/).

Im Laufschritt zurück im Landestheater Schwaben erfahre ich, dass die LATE NIGHT wegen Ansturm ins Große Haus verlegt wurde und reihe mich in die lange Schlange ein. INTERGALACTIC DRAG SWAG, Episode 1. „Der Incrediball“ mit zwei „intergalaktischen Dragqueens“ erwartet uns dort.

Lange Nacht der Kultur, Memmingen, 01.07.2017

Mit viel Rauch und Getöse landeten die beiden Drag Queens alias Sandro Šutalo und Christian Bojidar Müller von einem anderen Planeten kommend in Memmingen und schenkten den Besuchern zusammen mit Miriam Haltmeier, die sich als Mann präsentierte, einen schrillen und amüsanten Abschluss der Kulturnacht mit einer Menge Songs, Travestie und dem Ruf nach grenzenloser Offenheit und dem Mut zu sein, was wir eben sind.

Doch halt! Das war noch nicht der Abschluss. Denn das Kaminwerk lud die, die noch Lust zu tanzen hatten, auf einen Absacker oder ein paar Runden auf der Tanzfläche ein.

Ein wahrhaft gelungener Abend für Kulturreisende und wir hoffen sehr, dass es zu einer jährlichen, festen Instanz wird.

Viel mehr Bilder von der 1. Langen Nacht der Kultur in Memmingen auf unserer Facebookseite.

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