Der Arbeitsmarkt im Juni – Arbeitsmarkt im Aufwind

4. Juli 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Rückgang der Arbeitslosenquote auf 2,5 Prozent – 209 Menschen arbeitslos – niedrigster Juniwert der letzten zehn Jahre – Flüchtlinge vermehrt in Arbeit integriert: Im bayerischen Teil des Allgäus stand die Ampel für den Arbeitsmarkt im Juni auf grün. Betriebe suchten intensiv nach zusätzlichen Arbeitskräften und infolge dessen sank die Arbeitslosenquote aktuell auf den niedrigsten Wert der letzten zehn Jahre in einem Juni, konkret auf 2,5 Prozent.

Grafik 1 - Arbeitsmarktbericht Memmingen-Kempten, Juni 2017

Arbeitslos gemeldet

9.200 Frauen und Männer waren bei den Vermittlern der Agentur für Arbeit und in den sieben Jobcentern waren arbeitslos gemeldet, gut 350 weniger als im Monat zuvor. Der Vergleich mit dem Juni des Vorjahres zeigt einen Rückgang um mehr als 1.100 arbeitslose Menschen.

Arbeitskräftenachfrage

Knapp 7.300 Beschäftigungsmöglichkeiten boten Arbeitgeber insgesamt zur Besetzung an, ähnlich viele wie im Monat zuvor.

„Der Arbeitsmarkt hat sich im Allgäu auch im Juni sehr dynamisch gezeigt. Die Einstellungsbereitschaft der Betreibe blieb quer durch viele Branchen weiter hoch und sorgte für zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten“, sagt Maria Amtmann, Leiterin der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen. „Davon profitiert auch eine Reihe von geflüchteten Menschen. Insbesondere in Produktionsbetrieben, Gastgewerbe, Logistik und im Handwerk haben sie Arbeitsplätze erhalten.“

Die seit einigen Monaten anhaltende günstige Entwicklung des Arbeitsmarktes verdeutlicht der mehrjährige Vergleich:

Grafik 2 - Arbeitsmarktbericht Memmingen-Kempten, Juni 2017

Flüchtlinge in Arbeit und Ausbildung

Personen, die als Asylberechtigte anerkannt sind oder denen das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge einen so genannten subsidiären Schutz zuerkannt hat, dürfen unbeschränkt einer Beschäftigung nachgehen.

Menschen, die sich noch im Asylverfahren befinden, erhalten eine Aufenthaltsgestattung. Sie können nach einem dreimonatigen Aufenthalt und Prüfung, ob Deutsche oder EU-Angehörige für eine bestimmte Beschäftigung bevorrechtigt zur Verfügung stehen, eine Genehmigung der Ausländerbehörde zur Ausübung einer Beschäftigung erhalten.

Arbeitslos gemeldet

500 Menschen mit Fluchthintergrund waren im Bezirk der Agentur für Arbeit waren im Juni dieses Jahres arbeitslos gemeldet.

Arbeitsaufnahmen

Jeweils zwischen 16 und 42 arbeitslose Frauen und Männer aus nichteuropäischen Hauptherkunftsländern haben innerhalb der letzten zwölf Monate eine neue sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufgenommen. Viele von ihnen begannen eine Tätigkeit im Helferbereich, in Gastronomie oder Baugewerbe. Auch der Logistiksektor sowie die Zeitarbeit boten Arbeitsplätze an.

Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ist insbesondere bei Geflüchteten aus Syrien, Eritrea, Irak und Afghanistan seit 2015 gewachsen. Nach erfolgreichem Abschluss von sprach- und berufsbezogenen Maßnahmen sind weitere Arbeitsaufnahmen zu erwarten.

Grafik 3 - Arbeitsmarktbericht Memmingen-Kempten, Juni 2017

Für die meisten Flüchtlinge sind geringe Deutschkenntnisse sowie fehlende formale Berufsabschlüsse die Hauptgründe, die eine Beschäftigung verhindern. In Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge nehmen zahlreiche geflüchtete Menschen an Integrationskursen, berufsbezogener Sprachförderung oder fachlichen Weiterbildungsmaßnahmen teil. Derzeit sind das im Bezirk der Arbeitsagentur knapp 2.000 Frauen und Männer.

Nachdem das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge einen Asylbewerber anerkannt hat, übernimmt das örtlich zuständige Jobcenter die weitere Betreuung, sofern der Betreffende seinen Lebensunterhalt noch nicht durch eigene Erwerbstätigkeit sicherstellen kann.

Zahlreiche dieser Asylberechtigten absolvieren zu diesem Zeitpunkt Qualifizierungen und zählen nach gesetzlichen Vorgaben nicht als arbeitslos. Dies ist einer der Gründe, weshalb bei den Jobcentern mehr Menschen Leistungen beziehen, obwohl dort gleichzeitig die Zahl der Arbeitslosen zurückgeht.

So waren im Juni bei den Jobcentern 4.118 arbeitslose Menschen gemeldet. Gleichzeitig haben jedoch insgesamt 16.800 Menschen Leistungen erhalten.

Wenn man die Entwicklung bei arbeitslosen Menschen im Jahresvergleich betrachtet, ergibt sich sowohl im Bereich der Arbeitslosenversicherung wie auch in der sozialen Grundsicherung (Hartz IV) ein kräftiger Rückgang.

Betreuung durch die Arbeitsagentur

Aktuell 5.091 Kräfte betreute die Arbeitsagentur betreute, 235 weniger als im Juni 2016.

Betreuung durch die soziale Grundsicherung

Für 4.118 arbeitslose Frauen und Männer waren die sieben Jobcenter in der sozialen Grundsicherung zuständig. Im Vergleich zum Juni des Vorjahres bedeutete das einen starken Abbau um gut 880 Personen.

Der unterschiedlich starke Rückgang hat auch damit zu tun, dass seit diesem Jahr sogenannte Aufstocker nicht mehr von den Jobcentern, sondern von der Agentur für Arbeit betreut werden. Als Aufstocker werden Menschen geführt, die ihr Arbeitslosengeld I mit Hartz IV-Leistungen aufstocken. Daneben erhalten dort auch Menschen Leistungen, die beispielsweise kleine Kinder betreuen, Angehörige pflegen oder die sich in einer Ausbildung befinden.

Grafik 4 - Arbeitsmarktbericht Memmingen-Kempten, Juni 2017

Regionale Entwicklungen im Jahresvergleich

Die Arbeitslosenquote erreichte aktuell die Marke von 2,5 Prozent und unterschritt den Wert des Vorjahres um 0,3 Prozentpunkte, gut 1.100 Frauen und Männer weniger waren aktuell im Bezirk der Agentur für Arbeit arbeitslos als im Juni des Vorjahres.

Zu dieser Entwicklung trugen alle Wirtschaftsregionen des Agenturbezirks bei. Nahezu alle Regionen konnten bei der Arbeitslosenquote im Juni eine Zwei vor dem Komma vorweisen.

In Front lag der Wirtschaftsraum Mindelheim, der mit einer Quote von 1,9 Prozent sogar eine Eins vor dem Komma aufweisen konnte. Auch deutschlandweit bewegt sich die Region damit im Spitzenfeld. Die stärksten Rückgänge im Jahresvergleich erzielten die Regionen Füssen und Kaufbeuren mit Verbesserungen von 0,5 bzw. 0,6 Prozentpunkten.

Grafik 5 - Arbeitsmarktbericht Memmingen-Kempten, Juni 2017

Arbeitskräfte – Wanted!

Auch im Juni blieb die Nachfrage nach Arbeitskräften weiter hoch.

Beschäftigungsmöglichkeiten

Gut 1.850 Beschäftigungsmöglichkeiten meldeten Betriebe neu zur Besetzung, 50 mehr als im Monat zuvor.

Schwerpunkte bei den Beschäftigungsmöglichkeiten

  • Gewerblich-technische Produktion: Gut 280 neue Jobs Im Maschinen- und Fahrzeugbau sowie in der Metallbearbeitung waren allein zu besetzen.
  • Köche und Servicepersonal: Annähernd 250 zusätzliche Stellenangebote für derartige Tätigkeiten kamen hinzu. Besonders in den Tourismusregionen des südlichen Oberallgäus und am Bodensee läuft das Saisongeschäft, das für viel Beschäftigung sorgt.
  • Handwerk: Der Investitionsboom ins „Betongold“ sorgte für zusätzliche Arbeitsplätze im Hochbau, für Tätigkeiten als Maler sowie für Bau- und Transportgeräteführer.
  • Medizinische/zahnmedizinische Fachangestellte: Arztpraxen, Seniorenheime und ambulante Dienste hatten Stellen für qualifizierte Pflegefachkräfte zu besetzen.
  • Zeitarbeit: war ebenfalls stark vertreten und bot zahlreiche Stellen in unterschiedlichsten Branchen zur Besetzung an.
  • Büro und Sekretariat: 40 Arbeitsplätze offerierten Arbeitgeber hier neu zur Besetzung, gleichzeitig meldeten sich im Juni jedoch auch 160 Kräfte aus diesem Bereich erneut arbeitslos.

Arbeitslose Menschen

Neu arbeitslos gemeldet

1.108 Kräfte meldeten sich im Juni nach einer Erwerbstätigkeit neu arbeitslos, so wenige wie in keinem Monat des laufenden Jahres.

Arbeistaufnahmen

1.300 Menschen starteten gleichzeitig in eine neue Beschäftigung, damit gab es im vierten Monat in Folge mehr Menschen, die eine neue Arbeit aufnahmen als sich nach einer Beschäftigung neu bei den Vermittlern arbeitslos meldeten.

Bereiche der Arbeitsaufnahmen

  • In Hotellerie und Gastronomie,
  • Im Verkauf und im Gesundheitssektor,
  • In der Lagerwirtschaft und im
  • Reinigungsgewerbe.

Ältere Menschen starten in Beschäftigungen

Eine Reihe Älterer und längere Zeit arbeitslos gemeldeter Menschen konnte ebenfalls in eine neue Beschäftigung starten. So nahm ein 61-Jähriger eine Tätigkeit als Maurer auf. Eine Buchhalterin erhielt nach längerer Arbeitslosigkeit ebenso einen neuen Arbeitsvertrag wie eine Kraft, die im Alter von 61 Jahren als Servicekraft eine neue Beschäftigung aufnahm.

Die zwei Gesichter des Ausbildungsmarktes

Der Ausbildungsmarkt zeigte auch im Juni seine zwei Gesichter: Betriebe meldeten im bisherigen Verlauf des Ausbildungsjahres so viele Ausbildungsplätze wie seit Jahren nicht mehr.

Damit blieb die Lage auf dem Ausbildungsmarkt für junge Menschen günstig, wenn sie auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz waren.

Schwieriger wird die Suche nach geeigneten Azubis vor allem für kleine Betriebe, denn insgesamt waren deutlich mehr Ausbildungsplätze als Bewerber gemeldet.

Zur Verfügung stehende Lehrstellen

Mehr als 5.700 Lehrstellen stellten Betriebe seit dem Start des Beratungsjahres bisher zur Verfügung.

Bewerber um Lehrstellen

Über 4.200 junge Menschen meldeten sich gleichzeitig als Bewerber um eine Ausbildungsstelle bei den Berufsberatern.

Wie in den Vorjahren herrschte damit rein rechnerisch erneut ein starkes Übergewicht an gemeldeten Ausbildungsplätzen.

Mehr als 2.000 Ausbildungsplätze waren bis zum Juni noch nicht vergeben,

während 1.500 junge Menschen bisher noch keinen Ausbildungsplatz hatten, der ihren Vorstellungen entsprach, oder es lag noch keine entsprechende Mitteilung bei der Berufsberatung vor.

Weitere Veränderungen bis zum Start des neuen Ausbildungsjahres im September sind in den nächsten Wochen weitere Veränderungen zu erwarten.

Grafik 6 - Arbeitsmarktbericht Memmingen-Kempten, Juni 2017

Ausblick

In den Sommermonaten Juli und August ist für wenige Wochen mit einer vorübergehenden Zunahme der Arbeitslosigkeit zu rechnen, wenn zahlreiche schulische und betriebliche Ausbildungen enden und generell eine Reihe von Kräften entlassen wird. Mit dem Ende der Sommerferien ist aufgrund der Erfahrungen aus den vergangenen Jahren ein erneuter Rückgang der Arbeitslosigkeit zu erwarten.

Darstellung nach Wirtschaftsräumen/Regionen

Grafik 7 - Arbeitsmarktbericht Memmingen-Kempten, Juni 2017

Darstellung nach kommunalen Strukturen

Grafik 8 - Arbeitsmarktbericht Memmingen-Kempten, Juni 2017

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