„Wer erbt, muss auch gießen“ – Die Twitter-Oma Renate Bergmann

6. Juli 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Nachdem die 83-jährige Renate Bergmann, geborene Strelemann, wohnhaft in Berlin, Trümmerfrau, Reichsbahnerin, Haushaltsprofi und vierfach verwitwet, ihre Beiträge zum Weltgeschehen mit mittlerweile über 38 Tausend Followern auf Twitter teilt, war die Twitter-Oma nun zu Gast in Memmingen.

Doch die Twitter-Oma kommt zu spät, weil sie, wie wir von ihr später erfahren werden, noch schnell eines der vier Gräber ihrer verstorbenen Ehemänner gießen musste. So erfahren wir von Torsten Rhode etwas über den Hintergrund der famosen Geschichte der erfolgreichen Twitter-Oma.

Renate Bergmann - Wer erbt muss auch gießen, Memminger Meile, Memmingen, 06.07.2017

Renate Bergmann erobert seit Anfang 2013 Twitter mit ihren absolut treffsicheren An- und Einsichten über das Leben und das Weltgeschehen, das sich vor allem um sie herum abspielt. Aufgrund des durchschlagenden Erfolges beschloss der studierte Betriebswirt und spätere Controller, auch Bücher zu veröffentlichen „von“ Renate Bergmann.

Wenn die Twitter-Omi auch pure Fiktion und eine Erfindung von Torsten Rhode ist, hatte auch sein, pardon, ihr erstes Buch „Ich bin nicht süß, ich hab bloß Zucker“ einen ähnlich durchschlagenden Erfolg und so entstand die Idee von Lesungen, gefolgt von ausverkauften Tourneen.

„Ich will das gar nicht wissen“, schrieb einmal ein User, als sich Torsten Rhode als ihr „Schöpfer“ outen wollte, „Sie bleiben meine Oma.“ Ähnlich ging es wohl den Zuhörern bei ihrer Lesung in der Hüetlin & Roeck Mühle im Rahmen der Memminger Meile, als die Besucher die Twitter-Omi mit enthusiastischem Applaus begrüßten, die da mit der Gießkanne in der Hand und gekrümmtem Rücken die Treppe hinauf geschnauft kam.

Renate Bergmann - Wer erbt muss auch gießen, Memminger Meile, Memmingen, 06.07.2017

„Man unterschätzt die Wege“, entschuldigt sich Renate Bergmann, hier verkörpert von der geborenen Memmingerin Anke Siefken, die einst am Landestheater Schwaben spielte und seit langem Berlin zu ihrer neuen Heimat gemacht hat.

Für uns ist sie jedoch heute Renate Bergmann in Person. Und die hat vier Ehemänner erlebt, deren Ringe sie uns stolz zeigt und uns erzählt, dass sie auf vier verschiedenen Friedhöfen begraben wurden, die sie nun regelmäßig gießt, denn „Wer erbt muss auch gießen“.

Irgendwann habe sie sich einmal gefragt, was wohl wird, wenn sie selbst einmal sterben wird und beschloss, sich um ihr Testament zu kümmern und die Dinge zu regeln. Um festzustellen, dass sie eigentlich gar nicht wusste, was sie genau besaß und dann waren da doch noch diese „Schatzschätze, diese Briefschätze, diese – Schatzbriefe“, die sie vor mehr als 20 Jahren gekauft hat.

Also beschließt sie, zur Bank zu gehen. Was wohl daraus geworden ist, fragte sie sich gedankenverloren auf dem Weg und aus lauter Gewohnheit warf sie drei Schippen Erde in das Loch, das wohl Telekom vor der Bank gegraben hatte. „Der Mensch ist ein Gewohnheitstier.“

Wie sich herausstellt, ist der Bank damals ein Fehler unterlaufen und „anstatt das Geld sicher anzulegen, haben sie Aktien gekauft! Von dieser Firma mit dem Scheibchentelefon und der angebissenen Tomate drauf.“

Renate Bergmann - Wer erbt muss auch gießen, Memminger Meile, Memmingen, 06.07.2017

So kommt unsere online-Omi zu Reichtum, den es vor ihrer Tochter Kirsten, der esoterischen Heilpraktikerin für Katzen und Hunde zu schützen gilt, die anbauen möchte, um auch Wassergeburt für Katzen anzubieten und sie deshalb um Geld anpumpen will.

„Man sagt ja, ´Wenn die Kinder klein sind, gib ihnen Wurzeln, wenn sie groß sind, gib ihnen Flügel.´ Meine Erfahrung ist, dass sie Geld immer gern nehmen. Kinder sind wie Griechenland: erst nehmen se gerne das Geld, und dann gehn se undankbar ihrer Wege.“

Also spielt sie schwerhörig, denn viel lieber feiert sie ihren neuen Reichtum mit ihrer besten Freundin Gertrud, Ilse und Kurt und teilt ihn mit Stefan und seinen Liebsten, die wir alle an diesem Abend kennenlernen, neben unanfechtbaren Weisheiten: „Bei großen Problemen hilft der Fachmann, bei kleinen reicht der Flachmann.“

Ihre Lieblings-Allheilmittel sind Korn und Kölnisch Wasser und auch ihre Tipps an ihre Freundinnen sind unanfechtbar: „Schick ihn zum Männerchor!“ rät sie ihrer Freundin Ilse, die sich über die Schwerhörigkeit ihres Mannes beklagt, „da fällt er nicht auf.“ Oder „Mach Locken, sonst bleibste hocken.“

Ganz nebenbei beschäftigt sich Renate Bergmann mit den ganz großen Fragen des Lebens: Wer bekommt welche Sammeltasse? Wann macht Fielmann endlich die Dioptrien direkt auf die Windschutzscheibe für ältere Menschen? Wer harkt immer die Gräber wildfremder Frauen? Und wohin mit den Eheringen bei der Beerdigung? „Denn schließlich ist ein Grab kein Wertstoffhof!“

Renate Bergmann - Wer erbt muss auch gießen, Memminger Meile, Memmingen, 06.07.2017

Am liebsten teilt Renate Bergmann jedoch ihr Leben mit ihrem vielfältigen Publikum: „Nach dem Essen kommen die Zähne ins Glas, sonst könnte man noch lachen“, erzählt von der Frau, die sie dabei erwischt hat, wie sie eine Reifenpanne mit dem Rollator vorgetäuscht hat, weil sie hinter reichen Witwern her ist, oder von ihrer Freundin, die Kartoffelpuffer nur bei ihrer Freundin kocht, weil das immer so riecht, vom guten Koyota mit 5 Türen ihres Nachbarn Kurt, dessen Frau Ilse einem Parkplatzrivalen eine Karotte in den Auspuff gesteckt hat und, und, und.

Und: Sie ist überzeugt „Geerbt ist nicht geschenkt, sondern verdient!“ Doch, „Wer erbt, muss auch gießen!“

Die letzten Tweeds von Renate Bergmann auf https://twitter.com/renatebergmann?lang=de.

Fotos:
Bild 4: „Renate Bergmann“ und ihr „Erfinder“ Torsten Rhode.
Fotos aus eigener Quelle.

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