Die Münchner US-Generalkonsulin zu Besuch im Vöhlin Gymnasium

10. Juli 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Jennifer D. Gavito ist seit Ende 2015 die US-Generalkonsulin in der US-Botschaft in München. Auf Einladung vom Landtagsabgeordneten Klaus Holetschek kam die US-Generalkonsulin nach Memmingen, um zuerst mit Schülerinnen und Schülern im Vöhlin Gymnasium, später im Rathaus mit Vertretern der Wirtschaft über die aktuelle Amerika-Politik zu sprechen.

Falls sich der ein- oder andere unserer Leserinnen und Leser gewundert haben sollte, dass wir am 5. Juli ein Bericht zu diesem Gespräch veröffentlicht hatten, der kurz darauf wieder vom Netz genommen wurde, liegt das daran, dass ich darum gebeten wurde. Hier also der Text, der von der Pressestelle der Generalkonsulin autorisiert wurde. **Eine kurze Stellungnahme dazu im Anschluss an den Beitrag.

Die Amerika-Politik sorgt seit der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten auf der ganzen Welt für viel Diskussionsstoff. Nicht nur Wirtschaftsvertreter, die Geschäftsbeziehungen mit den USA pflegen sind verunsichert, auch Schüler und Studenten, die das Thema in ihren Schulen besprechen oder vorhaben, in den Vereinigten Staaten ein Auslandssemester zu absolvieren, brennen Fragen auf der Seele.

Besuch der US-Generalkonsulin Jennifer Gavito im Vöhlin Gymnasium Memmingen, 03.07.2017

„Wir sind das Gesicht Amerikas in Bayern.  Unser Ziel ist es, die Menschen in den USA und Bayern zusammenzubringen, um so die Welt für uns alle sicherer und wirtschaftlich erfolgreicher zu gestalten“, erklärte die US-Generalkonsulin in der Aula des Vöhlin Gymnasiums. Zu Übungszwecken wandte sich die Diplomatin auf Englisch an die Schülerinnen und Schüler des Vöhlin Gymnasiums, das unter der Leitung von Burkhard Arnold als eine von drei Ausbildungsrichtungen die sprachliche Ausrichtung anbietet.

Jennifer Gavito als Kopf der US-Botschaft in Bayern, dem drittgrößten diplomatischen Standort der Vereinigten Staaten in Deutschland, hat es sich neben den hauptsächlichen Wirkungsfeldern zur Aufgabe gemacht, den Austausch mit jungen Menschen in Bayern zu suchen. Sie selbst hatte während ihrer Schulzeit ein Austauschjahr in Deutschland absolviert und war später als Vizekonsulin im US-Generalkonsulat Frankfurt beschäftigt.

„Als Konsulat kümmern wir uns nicht nur um Visa, sondern um Außenhandelsdienste, sind erste Ansprechpartner bei politischen, wirtschaftlichen und Umwelt-Fragen, wir sprechen mit den Medien und kümmern uns um US-amerikanische Staatsbürger, die in Bayern leben, wie auch um deutsche Staatsbürger, die in die USA reisen, oder an Austauschprogrammen teilnemen möchten“, klärte die US-Generalkonsulin in einem kurzen Impulsreferat die über 100 anwesenden Schülerinnen und Schüler über die Aufgaben des Konsulats auf.

Landtagsabgeordneter Klaus Holetschek hatte die Diplomatin bei einem Wirtschaftsgespräch in München kennengelernt und schlug ihr einen Besuch in Memmingen vor, dem sie sofort zustimmte.

„Deutschland ist für die Vereinigten Staaten der wichtigste Handelspartner in Europa“, so Jennifer Cavito weiter, Bayern sei eines der wichtigsten Exportländer Deutschlands und das US-Generalkonsulat in München berichtet sowohl nach Berlin, als auch nach Washington.

In der anschließenden Fragenrunde der Schülerinnen und Schüler drehten sich die Fragen um die Themen Zuwanderung und ethnische Gruppen, Umweltpolitik, Kommunikation im Twitter-Zeitalter und die Beziehung zu den Medien, Friedensabkommen im Nahen Osten und Protektionismus.

Donald Trump und ethnische Randgruppen

Die erste Frage eines Schülers war, warum auf den Stickern, die vorab verteilt wurden, ein Regenbogen abgebildet sei, wo doch Donald Trump nicht unbedingt ein Freund bunter, ethnischer Randgruppen sei.

Dabei stellte die Diplomatin noch einmal klar, dass das Konsulat keine politischen Positionen einnehme, sondern die USA repräsentiere und sie sehr wohl jede Art von ethnischen Gruppen unterstützen.

Die US-Regierung engagiere sich dafür, durch jeden ihrer drei Zweige, sowie auf Bundes- und bundesstaatlicher Ebene, Gruppen von ethnischen Minderheiten die gleichen Möglichkeiten wie allen anderen zu sichern. Präsident Trump habe sich deshalb so auf wirtschaftlichen Wohlstand fokussiert, weil nach dem alten Sprichwort “Die steigende Flut bring alle Boote zum Schwimmen” wirtschaftliche Fortschritte allen Mitgliedern einer Volkswirtschaft zugutekommen würden.
Auch deshalb habe Präsident Trump – nachdem Arbeitsminister Acosta bei BMW und Ivanka Trump bei Siemens Deutschlands erfolgreiches duales Ausbildungssystem kennengelernt haben – eine Verfügung unterzeichnet, um die Zahl an Lehrstellen zu erhöhen. Diese werden allen Amerikanern – einschließlich Gruppen von Minderheiten – helfen, relevante Fähigkeiten und gut bezahlte Stellen zu erreichen.

Auf die Frage, wie sehr sie als Generalkonsulin mit der amerikanischen Regierung in direktem Kontakt stehe, antwortete sie kaum, außer der US-Präsident reise in diese Region.

Besuch der US-Generalkonsulin Jennifer Gavito im Vöhlin Gymnasium Memmingen, 03.07.2017

Die Reisestopp-Politik Donald Trumps

„Glauben Sie, dass es das Problem der IS löst, wenn Muslime aus Ihrem Land verwiesen werden?“ fragte ein weiterer Schüler.

Jennifer Gavito antwortete darauf, sie haben 11 Millionen nicht dokumentierte Immigranten in den USA. Solange eine zugewanderte Person arbeite, Steuern zahle und nicht aktiv gegen Gesetze verstoße, würden sie nicht aus dem Land verwiesen, das habe sich auch unter Donald Trump nicht geändert. Geändert haben sich seither weniger die Praktiken, so die Diplomatin, als mehr der Umgangston.

Ein Problem in diesem Zusammenhang seien Kinder, die in den USA ohne Pass oder Dokumentation aufwachsen. Ein weiteres großes Problem sei die Schwierigkeit, Informationen über einreisewillige Menschen zu erhalten, die ohne Dokumente einreisen möchten und erinnerte daran, dass die EU mit dem gleichen Problem kämpfe. Zeitweilig wurden unter der neuen Regierung von Donald Trump Einreisegenehmigungen blockiert, nun wurden die Prozeduren wieder reaktiviert, klärte Jennifer Gavito auf.

Die US-Regierung versuche der Herausforderung zu begegnen, ihre Grenzen sicher zu halten, ein von Deutschland und Europa geteiltes Ziel, so die Diplomatin weiter. Dies gestalte sich bei den von Präsident Trumps Anordnung betroffenen sechs Ländern Iran, Libyen, Somalia, Sudan, Syrien und Jemen als besonders schwierig, da diese Länder nicht notwendigerweise die Regierungsstrukturen haben, um übliche Informationen bezüglich Identität und Hintergrund bei der Visabeantragung zu bestätigen.

Die US-Regierung glaube, dass sie Zeit brauche, um die eigenen Verfahren zur Überbrückung dieser Lücke zu überwinden. Die Entscheidung des Obersten US-Gerichts vom Juni dieses Jahres habe bestätigt, dass Bürger aus den genannten sechs Ländern, die enge Familienbande zu Amerikanern haben, weiterhin ein Visum zur Einreise in die Vereinigten Staaten beantragen dürfen. Eine 90-tägige Aussetzung der Visaausstellung trete nur in Kraft bei denjenigen Bürgern aus diesen sechs Ländern, die nicht bereits solche Verbindungen zu den Vereinigten Staaten haben. In dieser Zeit werde die US-Regierung ihre präventiven Maßnahmen gegen Bedrohungen überprüfen.

Alle Reisenden mit einem deutschen Pass oder einem gültigen Visum seien davon nicht betroffen, ebenso wenig alle Bürger mit rechtmäßigen und unbeschränkten Aufenthalts- und Arbeitsbewilligungen in den Vereinigten Staaten.

Donald Trumps nein zum Pariser Umweltübereinkommen

Mehrere Fragen bezogen sich auf Donald Trumps Abkehr von der Pariser Vereinbarung, der insgesamt 195 Mitgliedsstaaten der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen angehören, mit dem Ziel des weltweiten Klimaschutzes.

„Unter Obama hatte die US-Regierung den Vertrag des Pariser Abkommen angenommen. Die USA sind neben China die Länder mit dem Größten Treibhausausstoß. Nun hat Donald Trump unlängst bekanntgegeben, die USA würden vom Pariser Abkommen zurücktreten. Wie begründet er das?“ fragte ein Schüler.

An dieser Stelle freute ich mich wiederholt über das hohe Niveau in der englischen Sprache, über das die Schüler verfügten, die sich rege am Gespräch beteiligten.

„Wir werden Anstrengungen machen und auch Donald Trump möchte Anstrengungen machen bezüglich der Umwelt, aber nicht unbedingt in Übereinstimmung mit dem Pariser Abkommen“, so die Diplomatin. US-Präsident Donald Trump habe geäußert, dass der Klimawandel ernst zu nehmen sei und wir klimafreundliche Lösungen brauchen.“ Donald Trump habe den Vertrag den USA gegenüber als unfair betrachtet.

Eine Schülerin hakte ein: „Wie will Donald Trump das Klima verbessern, wenn nicht in Übereinstimmung mit dem Pariser Abkommen?“

Präsident Trump habe seine Beweggründe für den Rückzug der Vereinigten Staaten vom Pariser Klimaschutzabkommen so erklärt, dass dieses Abkommen den US-Bürgerinnen und Bürgern nicht nur harte wirtschaftliche Beschränkungen auferlege, es werde auch den eigenen umweltpolitischen Idealen nicht gerecht. Weil ihm die Umwelt sehr am Herzen liege – denn das tue sie – könne er nicht guten Gewissens ein Abkommen unterstützen, das die Vereinigten Staaten, die im Umweltschutz führend seien, bestrafe, während den größten Umweltsündern keine erwähnenswerten Verpflichtungen auferlegt würden.

Beispielsweise könne China im Rahmen des Abkommens diese Emissionen noch ganze 13 Jahre lang erhöhen. Die USA nicht, und Indien mache seine Teilnahme davon abhängig, dass es von den Industrieländern Milliarden von Dollar an Entwicklungshilfe erhalte. Daher halte er das Abkommen von Paris als auf höchster Ebene ungerecht gegenüber den Vereinigten Staaten.

„Traditionell haben Bundesstaaten und lokale Behörden, zusammen mit dem Privatsektor, die Vereinigten Staaten bei der Entwicklung und Umsetzung von umweltfreundlichen Technologien angeführt.“

Einwand eines Schülers: Wenn aber die Hauptursache für den Klimawandel die Industrie ist, wie kann das helfen?“

Die Vereinigten Staaten seien auf dem Weg, „ihre Verpflichtungen zu erfüllen“. Donald Trump habe erklärt, er werde daran arbeiten, dass die Vereinigten Staaten, was Umweltfragen angehe, weiter eine globale Führungsrolle einnehmen werden, aber unter „fairen Rahmenbedingungen“ und mit einer gleichmäßigen Verteilung der Lasten und Pflichten unter den vielen Ländern der Welt. Es gebe somit keine Uneinigkeit über die Umweltthematik als solche, so die Diplomatin. Auf der Grundlage von Reaktionen auf Präsident Trumps Ankündigung erwarte sie, dass die USA in Sachen Umweltfragen weiter eine globale Führungsrolle einnehmen werden.

Besuch der US-Generalkonsulin Jennifer Gavito im Vöhlin Gymnasium Memmingen, 03.07.2017

Flüchtlingsproblematik

„Wie kann die USA bei der Flüchtlingsproblematik helfen?“ kam als weitere Frage seitens der Schüler.

Flüchtlingsströme seien keine neue Erscheinung, so die US-Generalkonsulin. Grundsätzlich haben die Vereinigten Staaten eine stolze Geschichte, wenn es darum gehe, Flüchtlinge willkommen zu heißen. Sie haben dabei geholfen, Amerikas Gefüge zu formen, wie wir es heute kennen und daran werde sich nichts ändern, so die Diplomatin weiter.  Das Eingliederungsprogramm in den USA spiegle ihre höchsten Werte und Ansprüche wieder, was Mitgefühl, Großzügigkeit und Führungsstärke angehe.

Wenn ein Flüchtling von einer Institution zur Antragstellung auf Eingliederung an die Vereinigten Staaten verwiesen werde, werde dieser Fall von einem „Resettlememt Support Center“ (RSC) entgegengenommen und bearbeitet. Das US-Außenministerium finanziere und leite weltweit neun RSCs, die von internationalen und Nichtregierungsorganisationen, sowie einer US-Botschaft betrieben werden. Unter US-Leitung bereiten diese Zentren zugelassene Anträge von Flüchtlingen vor, die zur Eingliederung in die Vereinigten Staaten begutachtet werden, erklärte die Münchner US-Generalkonsulin.

„Seit 1975 haben die Vereinigten Staaten über 3,2 Millionen Flüchtlinge aus aller Welt willkommen geheißen“, so Jennifer Gavito weiter, die USA mussten mit den „Boatpeople“ aus Vietnam und anderen Flüchtlingsströmen zurechtkommen, jetzt müsse Europa damit klarkommen.

Sie räumte jedoch ein, dass die Flüchtlingskrise nur an der Wurzel in den Herkunftsländern gelöst werden könne. Man müsse die Lebensqualität in den Heimatländern von flüchtenden Menschen verbessern. Denn solange sie sich in Gefahr befänden, hielten sie nach einem besseren Leben Ausschau, was nur verständlich sei.

Der Twitter-Präsident Donald Trump

„Nachdem Donald Trump Twitter als eine politische Plattform nutzt, wie gehen Sie mit seinen Aussagen auf Twitter um?“ fragte ein weiterer Schüler.

US-Präsident Donald Trump betrachte Twitter als ein Instrument der modernen Präsidentschaft, erklärte die Diplomatin. „Sie müssen auch davon ausgehen, dass Donald Trump nicht mit Ihnen als Beispiel oder mit Schweden twittert, sondern mit seinen Unterstützern.“ Und diese würden die ungefilterte Nachrichtenübermittlung, die nicht durch die Filter der Medien ginge, sehr schätzen, fügte sie hinzu.

Viele seiner Unterstützer glaubten nicht mehr daran, von Politikern verstanden zu werden, deshalb wähle er dieses Medium als direktes und offenes Kommunikationsmittel.  Sein Sprecher habe dazu gesagt „Immer wenn der Präsident die Gelegenheit hat, direkt mit den amerikanischen Bürgern zu sprechen, ist dies eine gute Sache.“

Jedoch repräsentierten Aussagen auf Twitter nicht die Regierung als solche und seien auch nicht als politische Richtlinien zu sehen, sondern seien persönliche Ansichten, bzw. persönliche Aussagen. Politische Richtlinien wie etwa über Handelsabkommen verfasse nicht Donald Trump als einzelne Person, sondern entstünden in Übereinstimmung mit dem Kongress, dem Obersten Gerichtshof, Vertretern der Industrie und den Partnerländern.

Angespanntes Verhältnis zur Presse

„Wie kann ein demokratisch gewählter Präsident solch eine Propaganda gegen die Medien in den USA machen? Das erinnert doch stark an totalitäre Systeme!? Und wie kann es sein, dass er die Presse ständig der Fake-News bezichtigt, wovon sich jedoch im Nachhinein oft herausstellt, dass etwas Wahres dran war?“ so in etwa die Frage eines weiteren Schülers.

„Die Presse spielt eine wichtige Rolle und wird aus gutem Grund als der vierte Zweig der Regierung bezeichnet“, so die Diplomatin. Regierungen von beiden politischen Parteien hätten zeitweise ein angespanntes Verhältnis zur Presse gehabt – dies sei ein Teil der Demokratie.  Letztendlich sei Pressefreiheit in den Vereinigten Staaten unantastbar und so robust wie immer.

Die Medienlandschaft in den USA sei zudem sehr speziell: Die große Tagespresse sei vor allem an der Ostküste angesiedelt und spiegle nicht Amerika wieder, sondern einen Teil Amerikas. Die USA seien in gewisser Weise ein zweigeteiltes Land und der andere Teil Amerikas fühle sich – wie auch Donald Trump – durch diese Medienlandschaft nicht repräsentiert.

Donald Trump fühle sich von dieser Presse unfair behandelt. „Die Menschen glauben den Headlines“, das sei so lange in Ordnung, solange sie auf Fakten basierten, so die Diplomatin, man müsse allgemein mit seinem eigenen Kopf denken und Nachrichten kritischer lesen.

Die sozialen Netzwerke spielten dabei auch eine große Rolle, die jedoch einen Unterschied zur Tagespresse darstellten und nicht als Fakten angesehen werden dürften.

Friedensabkommen im Nahen Osten

„Was ist bezüglich der Friedenspolitik im Nahen Osten unter Donald Trump zu erwarten?“ lautete in etwa die Frage eines weiteren Schülers.

Eine Station ihrer Karriere habe Jennifer Gavito drei Jahre nach Jerusalem geführt. Sie wisse daher, wie kompliziert die Angelegenheit sei und wie schwierig sich eine Lösung gestalte, sogar nach Jahrzehnten von parteiübergreifenden Bemühungen, erzählte die Diplomatin.

Donald Trump möchte sich für die Beilegung des Konfliktes verstärkt einsetzen, betonte sie weiter. Der Chefberater des Präsidenten, Jared Kushner, habe sich im Juni sowohl mit dem Präsidenten der Palästinensischen Autonomiebehörde Abbas in Ramallah, als auch mit dem israelischen Präsidenten Netanyahu in Jerusalem getroffen und bekräftigte den amerikanischen Einsatz für die Schaffung eines wahren und dauerhaften Friedens zwischen Israelis und Palästinensern, um die Stabilität in der Region zu fördern.

Menschenrechte und Homosexualität

„Donald Trumps Positionen sind manchmal schwer verständlich. Er lässt sich beispielsweise mit einer Regenbogenflagge ablichten, sein Kabinett besteht aber aus Feinden der Homosexualität. Wie passt das zusammen, und: muss man nun erwarten, dass Homosexuelle wieder strafrechtlich verfolgt werden? Wie positioniert er sich diesbezüglich?“ fragte ein Schüler.

Erziehung, Ethik, Homosexualität seien Fragen, die in der Öffentlichkeit immer wieder zu kontroversen Diskussionen führten. Wie etwa beim Falle des Bäckers in Colorado, der sich weigerte, eine Hochzeitstorte für ein homosexuelles Paar zu backen. Die einen sagen, es ist Diskriminierung, die anderen sagen, es ist eine private Entscheidung.

Grundsätzlich sei die gleichgeschlechtliche Ehe ein fundamentales Recht laut US-Verfassung, wie der Oberste Gerichtshof 2015 entschieden habe. Präsident Trump habe dies als landesübliches Recht anerkannt, als er sein Amt anstrebte, betonte die Diplomatin.  Gleichgeschlechtliche Paare würden alle Rechte und Verantwortungen von heterosexuellen Paaren genießen, einschließlich der Adoption von Kindern.
Eine Stellungnahme des Weißen Hauses lautete: “Präsident Trump respektiert weiterhin die Rechte der LGBT-Gemeinde, so wie er es im Wahlkampf gehalten hat.” Er habe eine Anordnung beibehalten, die eine Diskriminierung von Bundesangestellten wegen ihrer sexuellen Orientierung verbiete, welche von Präsident Clinton in ein Gesetz umgewandelt, und danach unter den Präsidenten Bush und Obama so fortgeführt wurde, erklärte die US-Generalkonsulin.

Besuch der US-Generalkonsulin Jennifer Gavito im Vöhlin Gymnasium Memmingen, 03.07.2017

Protektionismus – „Amerika first“

„Donald Trump spricht sich ja deutlich für Protektionismus aus, ´Amerika first´ ist eines seiner geflügelten Worte. Was haben wir diesbezüglich zu erwarten?“ lautete eine weitere Frage aus den Schülerreihen.

Donald Trumps geflügeltes Worte „Amerika first“ hieße nicht „Amerika only“. Der nationale Sicherheitsberater des Präsidenten McMaster erklärte dazu: „Im Gegenteil, wenn wir amerikanischen Interessen eine Priorität einräumen bedeutet dies eine Verstärkung von Allianzen und Partnerschaften, die uns dabei helfen unseren Einfluss auszuweiten und die Sicherheit des amerikanischen Volkes zu verbessern.“ Gewählte Staats- und Regierungschefs müssten weltweit in erster Linie zum Wohl ihrer eigenen Bürger handeln. Das sollte niemanden überraschen – schließlich seien sie deswegen gewählt worden.

Die Regierung Trump verfolge eine außenpolitische Linie, bei der die Interessen und die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten an erster Stelle stehen.  Kern dieser Außenpolitik sei „Frieden durch Stärke“. Die Überzeugung, die dem zugrunde liege sei, mit diesem Grundsatz eine stabilere, friedlichere Welt mit weniger Konflikten und mehr Gemeinsamkeiten zu schaffen.

Letzten Endes gehe es um die Stärkung der nationalen Sicherheit und die Förderung des wirtschaftlichen Wohlstands der amerikanischen Bürgerinnen und Bürger, was die Vereinigten Staaten zusammen mit vielen Partnern bewerkstelligten, und natürlich Deutschland miteinschließe. Präsident Trump werde nach Hamburg reisen, nicht nur um Kanzlerin Merkel zu treffen, sondern auch Amerikas weitere G20-Partner. Sein Ziel sei die Kooperation bei der Art und Weise, wie alle Beteiligten mehr Sicherheit erlangen können, sei es hinsichtlich wirtschaftlicher oder auch terroristischer Bedrohungen.

„Ich bin sehr stolz auf Sie!“

Damit schloss sich die Gesprächsrunde mit den Schülerinnen und Schülern des Vöhlin Gymnasiums und obwohl das Gespräch sehr umfangreich war, blieben viele Fragen dennoch offen.

Schulleiter Burkhard Arnold dankte MdL Klaus Holetschek, dass er diese Gesprächsrunde ermöglicht hat, bedankte sich herzlich bei US-Generalkonsulin Jennifer Gavito für ihren Besuch und ihre erklärenden Ausführungen und fügte hinzu: „Wir unterstützen zwar niemanden zuerst, aber wir glauben an Kollaboration und Miteinander.“

Er dankte auch seinen Schülerinnen und Schülern, die sich mit guten Fragen in einem sehr gepflegten und fließenden Englisch an die US-Generalkonsulin gerichtet hatten: „Ich bin sehr stolz auf Sie!“

Im Anschluss besuchte die US-Generalkonsulin das Rathaus, wo sich die US-Generalkonsulin mit Oberbürgermeister Manfred Schilder und Vertretern der Wirtschaft zu einem Gespräch traf. Aufgrund der Länge dieses Teils des Berichtes werden wir darüber jedoch separat berichten.

Über die US-Generalkonsulin Jennifer D. Gavito

Seit 2015 ist Jennifer Gavito die US-Generalkonsulin in München. Zuletzt war sie drei Jahre lang als Leiterin der politischen Abteilung am US-Generalkonsulat in Jerusalem tätig. Dort fungierte sie als leitende Beraterin für den Generalkonsul in sämtlichen Angelegenheiten, die die Friedensverhandlungen im Nahen Osten sowie die amerikanische Politik gegenüber Jerusalem, dem Westjordanland und dem Gaza-Streifen betreffen.

Zuvor war Frau Gavito ein Jahr lang als außenpolitische Beraterin für das Directorate for Plans, Policies, and Programs (J5) des U.S. Africa Command (AFRICOM) in Stuttgart tätig. Von 2008 bis 2011 hatte Jennifer Gavito die Position der stellvertretenden Generalkonsulin im US-Generalkonsulat in Dubai inne.

Vor dieser Anstellung war sie als Direktorin für Syrien und den Libanon im Stab des Nationalen Sicherheitsrates im Weißen Haus tätig. Frau Gavito hat außerdem als stellvertretende Direktorin des Amtes für Maghreb-Angelegenheiten im Nahost-Büro des US-Außenministeriums gearbeitet, wo sie für alle Aspekte der amerikanischen Politik gegenüber Nordafrika verantwortlich war.

Davor war sie als Primary Action Officer für Libyen im US-Außenministerium tätig. Von 2003 bis 2005 war sie Leiterin der Wirtschafts- und Handels-Abteilung an der US-Botschaft in Beirut, Libanon. Frühere Anstellungen führten sie als Wirtschafts- und Konsularbeamtin nach Nicaragua.

Ihre ersten Deutschland-Erfahrungen im diplomatischen Dienst sammelte sie von 1998 bis 2000 als Vizekonsulin im US-Generalkonsulat Frankfurt. Während ihrer Schulzeit verbrachte sie von 1990 bis 1991 ein Austauschjahr in Goch, Nordrhein-Westfalen, im Rahmen des Programms AFS International (ursprünglich American Field Service).

Vor ihrem Eintritt in die Laufbahn des US-Außenministeriums im Jahr 1998, arbeitete sie als Wirtschaftsanalystin für das US-Finanzministerium.

**
Anmerkung: Die Begründung dafür, den Bericht nach dessen Veröffentlichumng nochmal vom Netz zu nehmen war, dass man angesichts der Kommunikation auf Englisch nicht mit einem solch ausführlichen Bericht gerechnet hatte und die US-Generalkonsulin es vorzog, einige Aussagen durch unverfänglichere bzw. offizielle Formulierungen zu ersetzen.

Fotos:
Bild 1, 2 (und Titelbild): US-Generalkonsulin Jennifer D. Gavito aus dem Generalkonsulat München im Gespräch mit Schülerinnen und Schülern im Vöhlin Gymnasium in Memmingen.
Bild 3: Die US-Generalkonsulin zusammen mit Schulleiter Burkhard Arnold, MdL. Klaus Holetschek, MdB. Stephan Stracke und einem Schülervertreter des Vöhlin Gymnasiums.
Bild 4: Die US-Generalkonsulin zusammen mit Schulleiter Burkhard Arnold, MdL. Klaus Holetschek, MdB. Stephan Stracke.

Fotos aus eigener Quelle.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Kostenlosen Newsletter abonnieren!

Verpassen Sie keine neuen Termine, Stellenangebote und Kleinanzeigen mehr. Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter-Service noch heute!

Ihre E-Mail-Adresse (Pflichtfeld)

Bitte beachten Sie die Datenschutzbestimmungen. Sie können den Newsletter in der Newsletter E-Mail abbestellen.