US-Generalkonsulin im Gespräch mit Wirtschaftsvertretern Memminger Firmen

10. Juli 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Nach dem Gespräch mit etwa 100 Schülern des Vöhlin Gymnasiums Memmingen war die US-Generalkonsulin des Generalkonsulats München Jennifer D. Gavito zu Gast im Memminger Rathaus zu Gesprächen mit Memminger Vertretern aus Wirtschaft, Handwerk und Politik. Landtagsabgeordneter Klaus Holetschek hatte die Generalkonsulin bei Wirtschaftsgesprächen in München kennengelernt und nach Memmingen eingeladen.

Memmingens Oberbürgermeister Manfred Schilder hob die enge Beziehung zu den Vereinigten Staaten hervor und begrüßte die Diplomatin zusammen mit den beiden Bürgermeistern Margareta Böckh und Dr. Hans-Martin Steiger, neben MdL Klaus Holetschek, MdB Stefan Stracke, Mitgliedern des Stadtrates, Alexandra Störl (Europabüro), Burkhard Arnold (Vorsitzender Europa-Union Bayern, Kreisverband Memmingen), sowie Alt-Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger, der die Städtepartnerschaft mit Glendale initiiert hatte.

Zudem hieß er Vertreter von Memminger Unternehmen willkommen, die rege Handelsbeziehungen mit den USA pflegen, wie Geschäftsführer der Pfeifer Seil- und Hebetechnik Gerhard Pfeifer, neben Dipl.-El.-Ing. ETH Wolfgang Schultz (Geschäftsführer von Magnet-Schultz, Memmingen), den Vorstand der Golhofer AG Friedrich Hesemann, Ralf Schmid (Geschäftsführer des Allgäu Airport), Sonja Berger (Geschäftsführerin INTERKONT Berger GmbH), neben Robert Plersch als Vertreter des Handwerks und den beiden Vertretern der Deutsch-Amerikanischen Gesellschaft Memmingen e.V. Dr. Dieter Geiger (Vorsitzender) und Wolfgang Herbst (stv. Vorsitzender).

US-Generalkonsulin Jennifer Gavito im Gespräch mit Wirtschaftsvertretern, Memmingen, 03.07.2017

„Man muss im Moment Amerika erklären“

leitete MdL Klaus Holetschek die Gesprächsrunde ein. Es gebe viel Erklärungsbedarf und er freue sich auf dieses Gespräch mit Vertretern von Memminger Unternehmen, die allesamt in den Vereinigten Staaten wirtschaftlich engagiert sind.

Anmerkung: Auch dieser Bericht wurde von der Pressestelle der Generalkonsulin „autorisiert“. **Eine kurze Stellungnahme dazu im Anschluss an den Beitrag.

Der persönliche Kontakt zu Menschen

„Das Fundament der Beziehungen zwischen Bayern und den Vereinigten Staaten ist der persönliche Kontakt zu Menschen“, betonte US-Generalkonsulin Jennifer Gavito, die seit Ende 2015 das Generalkonsulat in München leitet.

Sie freue sich, gerade in der „Stadt der Menschenrechte“ einen Tag vor dem Unabhängigkeitstag mit Menschen ins Gespräch zu kommen und unterstrich die lebendige Freundschaft zwischen den USA und Deutschland seit dem Ende des zweiten Weltkrieges.

Sicherheit und wirtschaftlicher Wohlstand

Die Bereiche Sicherheit und wirtschaftlicher Wohlstand seien die Eckpfeiler der amerikanischen Politik und verdeutlichen die Absichten und die Verantwortung der politischen Regierung der Vereinigten Staaten.

Donald Trumps „Amerika first“ – Politik bedeute nicht „Amerika only“, betonte die Diplomatin auch hier nochmals, vielmehr bedeute sie die eigentliche Selbstverständlichkeit in Demokratien, zuerst an die Sicherheit und das Wohlergehen der eigenen Bevölkerung zu denken.

„Im Bereich der Sicherheitspolitik steht dabei ganz klar die NATO an erster Stelle.  Präsident Trump hat dies mehrfach bestätigt und zum Beispiel durch seine Bemühungen für eine Stärkung der European Reassurance Initiative untermauert. Die Relevanz der NATO als Bündnis kollektiver Sicherheit steht außer Frage.  Eine starke NATO ist notwendig, um den unilateralen und gewaltsamen Grenzverschiebungen durch Russland, der Instabilität im Mittleren Osten oder dem internationalen Terrorismus eine transatlantische Allianz entgegenzustellen“, so die US-Generalkonsulin.

Auf wirtschaftlicher Ebene blieben die Vereinigten Staaten Deutschlands wichtigster Handelspartner.  Allein 780 bayerische Unternehmen haben derzeit eigene Produktionsstätten oder Niederlassungen in den USA, investierten dabei etwa 55 Milliarden Euro und stellten mehr als 150.000 Arbeitsplätze in den USA.  Auf der anderen Seite seien etwa 240 US-Unternehmen in Bayern aktiv, die rund 8 Milliarden Euro in Bayern investiert haben, etwa 53.000 Menschen in Bayern beschäftigten und ebenfalls großes Interesse an guten Beziehungen haben, betonte die Doplomatin.

Die wechselseitige Verständigung beim anstehenden G–20 Gipfel werde die Möglichkeit bieten, auch geteilte Interessen zu diskutieren, so die Diplomatin.

Bundeskanzlerin Angela Merkel habe vor kurzem im Weißen Haus gemeinsam mit Donald Trump die Basis geschaffen für ihre Zusammenarbeit und viele Minister beider Länder stehen in engem Austausch.

Vor 70 Jahren habe der Marshall-Plan die Grundlage zum Wiederaufbau Deutschlands gelegt und schuf gleichzeitig das transatlantische Band. Der Marshall-Plan erinnere uns daran, was entstehen kann, wenn Länder zusammenarbeiten.

„Wir sind verbunden durch die gleichen Ideale von Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit“, zitierte die Diplomatin Vizepräsident Mike Pence.

US-Generalkonsulin Jennifer Gavito im Gespräch mit Wirtschaftsvertretern, Memmingen, 03.07.2017

Vor- und Nachteile von Protektionismus aus der Sicht von Unternehmern

Dipl.-El.-Ing. ETH Wolfgang Schultz des Unternehmens Magnet-Schultz, das in den USA 110 Mitarbeiter beschäftigt, drückte seine Bedenken bezüglich US-Präsident Donald Trumps Protektionismus-Politik aus. Nachdem Millionen Umsätze an China verloren wurden, könne die protektionistische Politik Donald Trumps einerseits gut sein. Andererseits würde es ihnen große Probleme bei patentierten Produkten bereiten, die in den Vereinigten Staaten nicht herstellbar seien, sie daher dort auf andere Produkte ausweichen müssten und die Qualität darunter leide.

Jennifer Gavito erklärte, dass in den Vereinigten Staaten die Handelspolitik nicht allein vom Präsidenten geformt werde, sondern maßgeblich vom Kongress. Man könne nicht sagen, dass die USA ein protektionistisches System sei. „Es ist jedoch wichtig, dass die neue Regierung hören muss, welches Ihre Ziele sind und was Sie erwarten“, so die Diplomatin, die den Wirtschaftsvertretern empfiehlt, mit deren Vertretern in den USA über ihre Sorgen zu sprechen.

Donald Trump stehe sehr wohl für freien Handel ein, jedoch für fairen Handel. Er habe sich vom TPP (Transpacific Partnership) abgewendet, aber nicht vom freien Handel. Er stehe ein für ein neues Abkommen, das anders aussehen müsse.  Es müsse ein „give and take“ sein.  Außerdem verhandelt er das NAFTA-Abkommen mit Kanada and Mexico, um insbesondere sicherzustellen, dass dieses Freihandelsabkommen frei und fair ist und im Einklang mit den technologischen Realitäten im 21. Jahrhundert.  Handelsminister Ross signalisiere Offenheit für neue Wirtschaftsverhandlungen mit Europa.

Beunruhigende Signale – abwarten empfiehlt die Diplomatin

Gerhard Pfeifer, Geschäftsführer der Pfeifer Holding GmbH & Co. KG, Teil der Pfeifer-Gruppe, die drei Unternehmen mit insgesamt 150 Mitarbeitern in den USA unterhält, unterstrich, dass die Signale aus den USA diesbezüglich verunsichernd seien. Er gab zu bedenken, dass die weltweite Entwicklung ohne Offenheit nicht vorangegangen wäre.

Der Ausstieg Amerikas aus dem Asia-Pacific-Abkommen habe den Spielraum für China zusätzlich verstärkt, sodass Amerika an Position verloren habe. Es sei sehr wichtig, China einen starken Gegenspieler entgegenzusetzen, so Gerhard Pfeifer.

Die Diplomatin stellte klar, dass es ihre Aufgabe sei, Politik zu erklären. Sie gab zu bedenken, dass starke Kritik an TTIP auch aus Deutschland kam. Bezüglich konkreter Inhalte neuer Freihandelsabkommen empfahl sie abzuwarten.

Twitter-Präsident

Oberbürgermeister Manfred Schilder stellte in den Raum, dass es uns hier etwas befremde, Tweets mit dem US-Präsidenten und Wrestlern zu sehen und das angespannte Verhältnis mit den Medien mitzuverfolgen.

US-Präsident Donald Trump empfinde Twitter als ein Instrument der modernen Präsidentschaft, erklärte die Diplomatin. „Sie müssen auch davon ausgehen, dass Donald Trump nicht mit Ihnen als Beispiel oder mit Schweden twittert, sondern mit seinen Unterstützern.“ Und diese würden die ungefilterte Nachrichtenübermittlung, die nicht durch die Medien ginge, sehr schätzen, fügte sie hinzu. Bei seinen Twitter Nachrichten ginge es um Direktheit von persönlichen Aussagen.

US-Generalkonsulin Jennifer Gavito im Gespräch mit Wirtschaftsvertretern, Memmingen, 03.07.2017

Iran-Strategie

Ralf Schmid, Geschäftsführer des Allgäu Airports interessierte sich hingegen für die Strategie, die die Vereinigten Staaten mit dem Iran verfolgen. Sie fänden keine Banken mehr im Iran, die die Landegebühren gewährleisten können. Es sei ihnen praktisch unmöglich geworden, Geschäfte zu machen, ohne sich selbst zu schaden. Wie wird es weitergehen mit dem Iran, fragte der Geschäftsführer des Allgäu Airports.

Eine eindeutige Strategie zu formulieren, sei ihr nicht möglich, so die Diplomatin, gibt jedoch zu bedenken, dass die Sanktionen im Rahmen des Nuklearabkommens liberalisiert wurden.  Die vom Kongress verhängten Sanktionen blieben aber bestehen, zum Beispiel diejenigen auf der Basis von Menschenrechtsverletzungen.

Auch für Friedrich Hesemann, Vorstand der Golhofer AG, ist der Iran ein wichtiges Thema. Sie seien heute dazu gezwungen, keine amerikanischen Produkte mehr in ihre Fahrzeuge zu verbauen, da sie ansonsten die Regelungen des Irans und der Vereinigten Staaten abdecken müssten, was immensen bürokratischen Aufwand bedeute.

Die Diplomatin verwies nochmals darauf, dass auch die Bedrohung betrachtet werden müsse.

Migration – was können wir gemeinsam tun?

Stadtrat und Fraktionsvorsitzender der CSU Stefan Gutermann gab zu bedenken, dass der Marshall-Plan uns auch an die Verantwortung für diese eine Welt erinnern sollte. Man müsse die Fluchtursachen für die weltweite Migration gemeinsam überdenken und auch an der Klimaveränderung gemeinsam arbeiten. Denn wenn die Prognosen der Migration aufgrund des Klimawandels sich verwirklichen würden, könnten wir keine solch hohen Mauern bauen, um uns vor einer enormen Migrationswelle zu schützen. Was können wir gemeinsam tun, fragte er die Diplomatin.

„Wir als westliche Gesellschaft nehmen die Problematik wahr“, so Jennifer Gavito, die z.B. in Afrika eine große Gefahr sieht. Die aktuelle Migrationswelle nach Europa sei jedoch ein Problem, mit dem alle ** (siehe Anmerkung dazu unten) zurechtkommen müssen.  Sie räumte ein, dass das wirksamste Mittel, um die Migration einzudämmen, die Prävention sei, d.h. die Bekämpfung von Fluchtursachen in den Herkunftsländern.

Stärker gemeinsam

Mitglied des Bundestages Stefan Stracke betonte abschließend die Wichtigkeit von Gesprächen wie diesen, um Unsicherheiten zu beseitigen und zu verstehen, wo Gemeinsamkeiten der beiden Länder zu finden seien. Er gab zu bedenken, dass vor allem Afrika ein Teil unserer Zukunft werden wird und wir dies nicht allein stemmen können. Nur gemeinsames Handeln könne dieses Problem auffangen.

Auch machte er deutlich, dass sich keines der beteiligten Länder einen neuen Handelskrieg leisten könne, unter dem Amerika zudem noch mehr leiden würde wie die Bundesrepublik. Wichtig sei daher, wie wir uns verbinden können, um stärker gemeinsame Ziele zu verfolgen.

US-Generalkonsulin Jennifer Gavito stellte abschließend fest, dass sie vielen der Fragen und Problematiken, die hier besprochenen wurden, bereits in einigen anderen Wirtschaftsgesprächen begegnet sei. Sie empfahl den Wirtschaftsvertretern nochmals, sich mit ihren Sorgen an ihre jeweiligen Vertreter in den USA zu wenden.

Oberbürgermeister Manfred Schilder dankte der Diplomatin nochmals herzlich für Ihren Besuch und ihre Zeit, überreichte ihr zum Andenken an Memmingen ein Stadtbuch der Stadt Memmingen und lud sie ein, sich ins Goldene Buch der Stadt Memmingen einzutragen.

US-Generalkonsulin Jennifer Gavito im Gespräch mit Wirtschaftsvertretern, Memmingen, 03.07.2017

Über die US-Generalkonsulin Jennifer D. Gavito

Seit 2015 ist Jennifer Gavito die US-Generalkonsulin in München. Zuletzt war sie drei Jahre lang als Leiterin der politischen Abteilung am US-Generalkonsulat in Jerusalem tätig. Dort fungierte sie als leitende Beraterin für den Generalkonsul in sämtlichen Angelegenheiten, die die Friedensverhandlungen im Nahen Osten sowie die amerikanische Politik gegenüber Jerusalem, dem Westjordanland und dem Gaza-Streifen betreffen.

Zuvor war Frau Gavito ein Jahr lang als außenpolitische Beraterin für das Directorate for Plans, Policies, and Programs (J5) des U.S. Africa Command (AFRICOM) in Stuttgart tätig. Von 2008 bis 2011 hatte Jennifer Gavito die Position der stellvertretenden Generalkonsulin im US-Generalkonsulat in Dubai inne.

Vor dieser Anstellung war sie als Direktorin für Syrien und den Libanon im Stab des Nationalen Sicherheitsrates im Weißen Haus tätig. Frau Gavito hat außerdem als stellvertretende Direktorin des Amtes für Maghreb-Angelegenheiten im Nahost-Büro des US-Außenministeriums gearbeitet, wo sie für alle Aspekte der amerikanischen Politik gegenüber Nordafrika verantwortlich war.

Davor war sie als Primary Action Officer für Libyen im US-Außenministerium tätig. Von 2003 bis 2005 war sie Leiterin der Wirtschafts- und Handels-Abteilung an der US-Botschaft in Beirut, Libanon. Frühere Anstellungen führten sie als Wirtschafts- und Konsularbeamtin nach Nicaragua.

Ihre ersten Deutschland-Erfahrungen im diplomatischen Dienst sammelte sie von 1998 bis 2000 als Vizekonsulin im US-Generalkonsulat Frankfurt. Während ihrer Schulzeit verbrachte sie von 1990 bis 1991 ein Austauschjahr in Goch, Nordrhein-Westfalen, im Rahmen des Programms AFS International (ursprünglich American Field Service).

Vor ihrem Eintritt in die Laufbahn des US-Außenministeriums im Jahr 1998, arbeitete sie als Wirtschaftsanalystin für das US-Finanzministerium.

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Anmerkung: Auch hier zog es die US-Generalkonsulin es vor, einige Aussagen durch unverfänglichere bzw. offizielle Formulierungen zu ersetzen.

** Zur blau gekennzeichneten Korrektur möchte ich anmerken, dass ich diese Aussage anders verstanden habe: nämlich, dass Europa mit dem aktuellen Flüchtlingsproblem nach Europa zurechtkommen müsse.

Fotos:

Memmingens Oberbürgermeister Manfred Schilder begrüßte die Diplomatin im Rathaus zusammen mit den beiden Bürgermeistern Margareta Böckh und Dr. Hans-Martin Steiger, neben MdL Klaus Holetschek, MdB Stefan Stracke, Mitgliedern des Stadtrates, Alexandra Störl (Europabüro), Burkhard Arnold (Vorsitzender Europa-Union Bayern, Kreisverband Memmingen), sowie Alt-Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger, der die Städtepartnerschaft mit Glendale initiiert hatte.

Zudem hieß er Vertreter von Memminger Unternehmen willkommen: Geschäftsführer der Pfeifer Seil- und Hebetechnik Gerhard Pfeifer, neben Dipl.-El.-Ing. ETH Wolfgang Schultz (Geschäftsführer von Magnet-Schultz, Memmingen), den Vorstand der Golhofer AG Friedrich Hesemann, Ralf Schmid (Geschäftsführer des Allgäu Airport), Sonja Berger (Geschäftsführerin INTERKONT Berger GmbH), neben Robert Plersch als Vertreter des Handwerks und den beiden Vertretern der Deutsch-Amerikanischen Gesellschaft Memmingen e.V. Dr. Dieter Geiger (Vorsitzender) und Wolfgang Herbst (stv. Vorsitzender).

Fotos aus eigener Quelle.

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