Graue Wolken, Regen, aber dennoch gute Stimmung beim 11. Memminger Folk Festival

11. Juli 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Mit einem der Höhepunkte der Memminger Meile, dem 11. Memminger Folk Festival bei der Remise im Stadtpark Neue Welt schloss sich die Veranstaltungsreihe der diesjährigen Memminger Meile mit Folkmusik für Regenresistente und Freunde von Blues- und Folk-Musik. Allerdings nicht ganz, denn heute Abend (11.07.) wird das Open-Air-Kino auf dem Marktplatz nachgeholt. (Sitzgelegenheiten nicht vergessen!)

Wettwebedingt waren es weniger Besucher als im Vorjahr bei der 11. Auflage des Memminger Folk Festivals, doch bis zum Nachmittag hielt das Wetter, lud auch Familien zum verweilen ein und einige nutzten sogar die Wassertretanlage, oder die einladenden Grünflächen zum gemütlichen Picknick. Viele Hartgesottene und gut für Regen ausgerüstete Freunde von Blues und Folk Musik verharrten in geselliger Runde bis zur abschließenden Session gegen 23 Uhr.

Um die Auswahl der Bands, die im 45-Minutentakt auf die Open-Air-Bühne vor der Remise stiegen, hatte sich wieder Rick Stephens gekümmert, der auch regelmäßig die Folk-Sessions im PiK (Parterretheater im Künerhaus) organisiert. Für die Bewirtung, die Technik und die Organisation sorgten wie jedes Jahr die eingespielten Teams von PiK und Meile.

Unter bereits wolkenverhangenem Himmel startete das diesjährige Folk Festival um 15 Uhr mit der „Stangenbohnen Partei“. Serena aus Australien und Jared aus den USA präsentierten zum Festivalauftakt eine musikalische Vorspeise mit Gesang, Akustik-Gitarre, Ukulele, Mandoline und innovativem Cello, unterstützt durch Peer Engström, dem „besten Mundharmonikaspieler südlich von Düsseldorf“, der an Ende dieses Abends jedoch von einem weiteren Kandidaten um diesen Titel herausgefordert wurde.

Folk Festival 2017 Memmingen, 08.07.2017

Mit „Allswasreachtisch, Mate!“ stellte sich der musikalische Organisator und kurzweilige Moderator des Abends Rick Stephens selbst mit Gitarre, Fiddle oder Mandoline auf die Bühne. Zusammen mit Harry Remmele an mehreren Didgeridoos, Gottfried Schuster (Fiddle, Concertina, Örgeli) und Catherine Wayland (Flöte, Harfe, Akkordeon) präsentierten sie einen musikalischen Eintopf auf Australisch, Englisch, Keltisch und Schwäbisch.

Steffi & Alex von „Klezmuse and more“ mit Stefanie Pagnia (Geige/Gesang/Percussion) und Alex Berger (Akkordeon) boten im Anschluss daran in lebhaften Dialogen zwischen den beiden Musikern einen Mix aus mitreißendem Klezmer, beschwingten Musette-Walzern und Musik aus unterschiedlichen Stilen neben einigen Eigenkompositionen.

Der nächste, der die Bühne einnahm war „Ralf Lang“, der in seinen Arrangements gleichzeitig Walking-Bass und Solo-Gitarre spielt und sich deshalb selbst gern als „musikalischen Masochisten“ bezeichnet. Ralf Lang, ein virtuoser Bluesgitarrist aus Kimratshofen, zelebriert den akustischen Blues wie kaum ein anderer.

Mit „Passionplay“ kam dann Martin Englmeier aus Landsberg mit seiner Band auf die Bühne bei der Remise, nachdem er 2016 mit Memminger Musikern auf der Festival-Bühne stand. Mit im Gepäck hatte er Klassiker aus Folk-Rock-Blues ab den 60er Jahren, die er zusammen mit seinem Sohn Lukas (Schlagzeug), Steffi Baumann (Bass) und Tom Mannes (Akustik Gitarre) dem Publikum präsentierte.

Regen? – „Always look on the bright side of life…“

Als es zwischendurch immer wieder zu regnen begann, unterhielt Rick Stephens das Publikum kurzweilig und stellte in seiner schwäbisch-englischen Sprachfärbung fest, „Wir sind schließlich nicht vom sugar gemacht“. Er erzählte einfach drauflos, oder stimmte „Always look on the bright side of life“ an und animierte die Besucher dazu, mitzusingen. Wer einen Schirm hatte, vergass den Regen einfach.

Folk Festival 2017 Memmingen, 08.07.2017

Einer meiner persönlichen Höhepunkte war die nächste Band auf dem Programm: „Snotty Holly“ aus Ettringen und mit ihnen Garage-Grunge-Punkrock, der Leben ins Geschehen brachte. Die drei Mitglieder der Band um T©M G.  und Joschi stellen zwar auf Facebook schon einmal die Frage, ob das noch Punkrock oder schon Jazz ist, die Tendenz an diesem Abend lag jedoch eher bei ersterem, wenn auch durchdrungen von ihrem persönlichen Stil, der auch Improvisation miteinbezieht. Nachdem sie sich auf der Bühne einsam fühlten, holten sie sich kurzerhand das Publikum auf die Bühne, das enthusiastisch mittanzte, auf ihre Musik, bei der man kaum stillstehen konnte und wieder richtig wach wurde.

Mit „The Ghost Cats“, die wir bereits vom letzten Jahr kennen, wurde es dann wieder lauschiger und eher feinsinnig. Dianne, gebürtig aus Liverpool, singt in ihrer Muttersprache Englisch und gelegentlich auch Allgäuerisch, begleitet von Stefan, Songwriter und Gitarrist, Randy Dandruff am Bass und Mandi mit Percussion und Begleitstimme. Zusammen sind sie eine Anglo-Allgäuer Liederschmiede und bieten gecoverte und eigene Lieder, die sie auf unkomplizierte Weise spielen und hauptsächlich stimmlich von Dianne getragen werden.

Auch bei „Blue on Black“, die sich aus sieben Musikern aus dem Allgäu zusammensetzen, war eher Entspannung angesagt, obwohl die „reiferen“ Musiker mit Songs von den Beatles und Jimi Hendrix über Joe Cocker und Hubert von Goisern bis zu Pat Metheny, Republic Tigers und Kenny Wayne Shepherd „die Musik ihres Lebens“ spielten, oder besser gesagt, die Musik, mit der sie als Jugendliche aufwuchsen. Nachdem dies jedoch schon eine Weile her ist, fielen ihre Interpretationen dieser Musikepoche eher entspannend aus.

Folk Festival 2017 Memmingen, 08.07.2017

Die volle Aufmerksamkeit aller verbliebenen Festival Besucher erhielt die „Al Jones Band“ als eigentlicher Höhepunkt des Abends. Die Stimme von Al Jones atmet Rhythm and Blues, seine Hände transportieren ihn gradlinig und unverschnörkelt auf der Gitarre, er selbst verkörpert diese Musik durch jede Pore und lässt an Rhythm and Blues Legenden wie Chuck Berry denken.

Neben ihm die für dieses Musikgenre blutjunge Gitarristin Yvonne Isegrei, die die gradlinige und unverschnörkelte Sprache des Rhythm and Blues von Al Jones perfekt komplettiert, neben Sebastian Kühn am Bass, Björn Kellerstrass am Schlagzeug und Johann Fliegauf an der Blues-Harp, der seine Blues-Harp(s) manchmal wie ein Saxophon klingen ließ und sicher ein Hauptanwärter um den Titel des „besten Mundharmonikaspieler südlich von Düsseldorf“ ist.

“In time, right time, any time” – Al Jones´ Blues ist ebenso zeitgemäß wie zeitlos, lebhaft, tief, authentisch und voller Leidenschaft. Seit zwei Jahren hatte sich Rick Stephens um ihn bemüht, nun hatte es endlich geklappt und seine Musik bildete den perfekten Abschluss dieses Folk-Festivals. Gerne hätten wir ihm noch weiter gelauscht unter einem Himmel, der sich nach und nach von den Wolken befreite und den Vollmond durchschauen ließ.

Folk Festival 2017 Memmingen, 08.07.2017

Zum Abschluss gab es dafür eine Session mit einigen Musikern, die die Besucher vorher gehört hatten, inklusive Rick Stephens selbst, Harry Remmele am Didgeridoo, Dianne von den Ghost Cats. Hinzu kamen auf einen Song Johann Fliegauf an der Blues-Harp und – zur Freude aller – Al Jones, der mit seiner charakteristischen Stimme einen Song mitsang. Mit „Schön war die Zeit“ klang das Folk Festival stimmungsvoll aus.

Fotos:
aus eigener Quelle.

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