3. Stadtteilarbeitskreis der Sozialen Stadt Ost

19. Juli 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Zum 3. Stadtteilarbeitskreis der Sozialen Stadt Ost wurde vergangene Woche wieder die Bürgerschaft in die Lindenschule eingeladen. Das beauftragte Planer-Team informierte bei der Veranstaltung über die vorgesehenen Maßnahmen, die auf Basis der vorhergehenden Arbeitskreise mit zahlreichen Anregungen der Bürger_innen ausgearbeitet wurden.
Gemeinsam mit den Planern sollte nun eine Prioritätenliste für den Memminger Osten erarbeitet werden,

mit dem Ziel, die Vorhaben herauszufiltern, die nach Ansicht der teilnehmenden Bewohner des Viertels am dringendsten umgesetzt werden sollen.

Zudem wurden Möglichkeiten vorgestellt am Beispiel anderer Orte, die es auch ohne große Investitionen ermöglichen, die Aufenthaltsqualität eines Quartiers zu steigern. Auch gestalterische Möglichkeiten wurden anhand andernorts realisierter Projekte vorgestellt, die den zur Verfügung stehenden Raum optimal nutzen, ohne weiterhin neue Flächen zu verbauen, wie etwa eine kleine Siedlung von Einfamilienhäusern mit Gärtchen auf einem großen Einkaufsmarkt.

Im Anschluss waren die Teilnehmer eingeladen, ihre Punkte auf die zu priorisierenden Maßnahmen abzugeben. Zu guter Letzt wurde darüber gesprochen, wie dieses bereits existierende Gremium von Personen als eine Art Begleitgremium weiterhin abgehalten werden könnte, um zu gewährleisten, dass Fehler bei der Umsetzung der Maßnahmen vermieden oder Reaktionen und Erfahrungen weitergeleitet werden.

Jan Weber Ebnet (Urbanes Wohnen – entwickeln planen kommunizieren) unterschied bei den Maßnahmen zwischen „investiven“ und „nicht-investiven“ Maßnahmen. Investive sind solche Maßnahmen, die finanzielle Mittel erfordern, Beispiele für nicht-investive Maßnahmen hingegen sind etwa ein ehrenamtliches Quartiersmanagement oder Aktivitäten von Gruppen, die anstelle finanzieller Mittel ihre Zeit, ihr Geschick oder ihre manuelle Mithilfe einbringen, um gemeinsam etwas für die Qualität seines Wohnquartier auf die Beine zu stellen.

Bürgerbeteiligung sei eine tolle Investition, denn niemand wisse besser, wo die Stärken und Schwächen eines Quartiers liegen, als die Anwohner des Stadtteils selbst, betonte jan WeberEbnet. Dass dies bereits Früchte trage, habe sich einmal dadurch bewiesen, dass viele Anregungen und Bedürfnisse der Bürger in die Planung aufgenommen wurden, des Weiteren auch durch die schnelle Formierung eines Geschichts-Arbeitskreises.

Dieser „Geschichtsarbeitskreis“ hatte sich im Februar dieses Jahres gegründet und es sich zur Aufgabe gemacht, erhaltenswerte Orte oder Gebäude zu benennen und zu sichern, die dem Stadtteil Identität stiften. Mittlerweile zählt der Geschichts-Arbeitskreis 15 Mitglieder und mausert sich zu einer festen Instanz. Als geschichtsträchtige und erhaltenswerte Orte hat dieser Arbeitskreis etwa die Bindfadenfabrik Neunhoeffer herausgearbeitet, die Papiermühle, die Wasserkörper wie etwa die Stadtbachläufe, die St. Leonhard Kapelle, den jüdischen Friedhof und den Waldfriedhof, das Lindenbad, und viele weitere. Ein weiterhin umstrittener Ort ist hingegen das Ziegeltörle.

Stärken und Schwächen des Memminger Osten

Stadtplanerin Annegret Michler (Leuninger & Michler – Stadtentwicklung Stadtplanung) führte uns nochmals kurz durch die Stärken und Schwächen des Memminger Osten, welche in den vorhergehenden Arbeitskreisen herausgearbeitet wurden. Nachdem sie die Grundlage für die erarbeiteten Maßnahmen bilden, möchten wir diese hier zusammengefasst nochmals wiedergeben.

Schwächen, Defizite und Konflikte

  • Lokale Ökonomie: viele Leerstände in kleinen Geschäftseinheiten, die Nahversorgung deckt noch nicht die Bedürfnisse ab.
  • Bildung/Qualifizierung: es fehlen Treffpunkte und Räume, besonders im kalker Feld und in der Baltensiedlung.
  • Bevölkerung(-sgruppen)/Demografie: hoher Anteil an migrierten Menschen, Konzentration in der Baltensiedlung, dem Kalker Feld und dem gebiert um die Bergermühlstraße.
  • Wohnumfeldsituation (mit Infrastruktur): Heterogenes Mischgebiet aus Wohn- und Gewerbeflächen (was allerdings gleichzeitig auch eine Stärke des Gebietes ist).
  • Stadtraumqualitäten, Öffentlicher Raum: Einige zu sanierende Gebäude, unschöner Stadteingang und Lärmentwicklung in manchen Gebieten.
  • Wohnen mit Wohnumfeld: fehlende Aufenthaltsqualitäten, mindergenutzte Flächen.
  • Grünplanung mit Freiraum/Umwelt: Straßenbreiten und -gestaltung (Münchnerstrasse), mangelhafte Übergänge zur Altstadt, in einigen Bereichen fehlende Spielplätze bzw. Spielflächen im direkten Wohnumfeld.

Stärken, Potentiale und Chancen im Gebiet

  • Lokale Ökonomie: gut zu Fuß erreichbare Versorgung.
  • Bildung/Qualifizierung: soziale Infrastruktur vorhanden (Schulen, Kindergärten, Seniorenheim, kirchliche Einrichtungen, Sport- und Freizeiteinrichtungen, etc.)
  • Bevölkerung(-sgruppen)/Demografie: hohe Kinderdichte in bestimmten Gebieten.
  • Wohnumfeldsituation (mit Infrastruktur): Nähe zur Altstadt und zum Bahnhof, Wohnen und Arbeiten am gleichen Ort.
  • Stadtraumqualitäten, Öffentlicher Raum: historische Strukturen der Stadtteilgründung sind noch ablesbar.
  • Wohnen mit Wohnumfeld: hoher Anteil an privaten Grünflächen.
  • Grünplanung mit Freiraum/Umwelt: Naherholungsflächen vorhanden, Zuordnung für alle Altersgruppen, Vernetzung der Grünflächen untereinander möglich (Rundweg!).

Zielplanung

Die Zielplanung beinhaltet dementsprechend, der lokalen Ökonomie ein Nahversorgungszentrum zuzuführen und damit auch ein Quartierszentrum zu schaffen, idealerweise im Bereich der Augsburger Straße. Dass das nicht wie ein weiterer Klotz aussehen muss, sondern sich auch aufgegliedert und gestalterisch angenehm lösen lässt, versteht sich.

Ein Quartiersmanagement sollte sich der Frage von Bildungseinrichtungen annehmen, der Stadteingang Münchner Straße verschönert, historische Identifikationsorte gesichert und aktiviert werden.

Im Bereich Wohnen und Wohnumfeld sollen Nahverdichtungsflächen mit neuem Wohnangebot und baukultureller Qualität angestrebt, und semi-private Räume wie Hausgärten oder abschirmende Nebengebäude für Betätigungen oder Rückzug nutzbar gemacht werden.

Gezielte Grünplanung soll Netze, Übergänge und kleine Treffpunkte bilden und Übergänge zur Altstadt schaffen wie etwa neue Durchgänge über die Bahn.

Spielflächen sollen aufgewertet oder neugestaltet werden und brachliegende Grünräume, wie etwa Bachläufe zur Stärkung der Naherholung für die Wohnquartiere nutzbar gemacht werden.

Schwerpunkträume mit vertiefter Betrachtung

Im Rahmenplan besonderes Augenmerk soll der Stadteingang mit Baltensiedlung und dem Kalker Feld erhalten, die Arbeitersiedlung um die Bergermühlstraße und das Quartier um das Ziegeltörle.

Weitere Schwerpunkte wurden festgelegt auf die Aufwertung des Sozialraumes und des Images des Stadtteiles, dem Freiraumnetz (Fahrrad- und Gehwegnetz) mit Knotenpunkten und Spielflächen, sowie die Wohnumfeldverbesserung vor allem im Kalker Feld.

Gesamtblick auf den Memminger Osten

Interessant war für die Planer, dass ganz zu Beginn der östliche Teil unserer Stadt als eine Art „Glasscherbenviertel“ dargestellt wurde, sich bei genauerer Betrachtung jedoch viele Qualitäten dieses Quartiers herauskristallisiert haben.

Der Memminger Osten als ein traditioneller Wirtschaftsstandort mit vielen Arbeits- und Ausbildungsplätzen und dem räumlichen Miteinander von Wohnen und Arbeiten soll auch in Zukunft ein prägender Teil der Stadtentwicklung bleiben.

Die intensive Vernetzung der zahlreichen sozialen, kirchlichen und kulturellen Initiativen dieses Stadtteiles stärkt nach Meinung der Planer die Lebensqualität für alle gesellschaftlichen Gruppen, stellt den Mensch in den Mittelpunkt und wirke sich positiv auf das Image des Stadtteiles aus.

Aufgrund der Innenstadtnähe, der vielfältigen Infrastruktur und den Versorgungsmöglichkeiten entwickle sich der Memminger Osten zu einem attraktiven Wohnstandort, gerade für junge Familien.

Zudem ist der östliche Teil der Stadt ein „grüner“ Stadtteil zu sehen und als ein Wohnstandort, der durch weitere Aufwertung und Vernetzung von Freiräumen, Ruhezonen und Spielplätzen noch gestärkt werden kann. Auch dies würde zur Verbesserung seines Images beitragen, sind sich die Planer sicher.

Blick auf das Detail und spezifische Handlungsmaßnahmen

Zu allen Handlungsfeldern, die im Vorfeld durch die vorangegangenen Bürgerarbeitskreise erarbeitet wurden, stellten uns die Planer nun entsprechende Maßnahmen vor.

Nachdem alle Details aller Handlungsfelder rahmensprengend wären, greifen wir im Folgenden beispielhaft das Handlungsfeld „Grünplanung mit Freiraum/Umwelt“ heraus, um einen Einblick zu geben, wie weit die Planungen bereits in die Tiefe gehen – auch durch die engagierte Mithilfe der an den Arbeitskreisen teilnehmenden Bürger_innen des Stadtteiles.

Bezüglich des Freiraumnetzes soll die Umgestaltung des Schießstattdreieckes und- platzes angegangen werden, ebenso wie eine Neugestaltung des Querschnittes der Benninger Straße und eine Querungsmöglichkeit in diesem Bereich, und eine Aufwertung der Fuß- und Radwegbeziehung zwischen Ziegeltörle, dem Alten Friedhof und der Münchner Straße geschaffen werden.

Die Schaffung eines Rundweges am Alten Friedhof soll forciert und ein östlicher, wie auch ein nördlicher Zugang zum Waldfriedhof ermöglicht werden.

Der Bayernring soll eine Querungsmöglichkeit, und die Haienbachstraße eine Fußwegeverbindung zur Schießstattstraße bekommen und im gesamten Stadtteil soll das Straßenbegleitgrün verstärkt werden.

Die Münchner Straße soll jedoch dem größten Face-Lifting unterzogen werden: Optisch verschmälert soll sie im Bereich Kreuzung Mindelheimer Straße aufgewertet werden, eine Querschnittsgestaltung im Bereich Grünfläche wie auch im Bereich der Baltensiedlung erfahren und Überquerungsmöglichkeiten sollen entstehen, vor allem hinsichtlich der Schulkinder.

Auch die Waldfriedhofstraße soll neugestaltet werden, die Beschilderung an den Knotenpunkten Mittlerer Ring/Münchner Straße und Benninger Straße soll angepasst und eine Fuß/Radwegeverbindung über den nördlichen Teil der Bahn geschaffen werden, während die Bahnquerung Süd aufgewertet werden soll.

Was also zuerst?

Das ist die Frage bei allen Handlungsfeldern und genau dabei sollten die Bürger_innen bei diesem offenen Arbeitskreis helfen, indem sie die für sie wichtigsten Maßnahmen mit einem Klebepunkt auf den Infotafeln im Schulgang der Lindenschule kennzeichneten.

Die Ergebnisse davon müssen nun ausgewertet werden und werden im Anschluss der Öffentlichkeit wieder vorgestellt.

Auch auf der Webseite des Projektes Soziale Stadt Ost (hier verlinkt) — https://sso.memmingen.de/3037.html — können Sie alle Entwicklungen und Ergebnisse nach-und mitverfolgen.

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