Memmingen feiert sein beliebtes Heimatfest: den Fischertag

25. Juli 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Ein schöner Bestandteil des Memminger Fischertages ist die Vorfreude. Die ausgelassene Vorfreude steigert sich beginnend mit dem Vorabend und hält an bis um etwa 07.45 des Fischertagsmorgens. „Schmotz, Schmotz, Dreck auf Dreck…“ hallt immer wieder durch die Gassen der Innenstadt und findet ein Echo an einer anderen Stelle. Der diesjährige Fischertag hielt wieder magische, aberwitzige, aufregende, entspannende und ausgelassene Momente bereit.

Es ist Samstag Morgen 07:35. Neben mir am Stadtbach unterhielt ich mich gerade noch mit einer freundlichen Frau aus Kambodscha, deren Verwandte in Stuttgart leben und mir auf meine Frage erzählt, dass sie vom Fischertag durch das gute Memminger Stadtmarketing erfahren hat.

Und dann folgt einer der sicher schönsten Momente des Fischertages: Die Stille vor dem Sturm.

Etwa zehn Minuten vor dem Böllerschuss wird es plötzlich mucksmäuschenstill. Die Spannung bei den Stadtbachfischern wie auch bei den tausenden von Besuchern, die sich um den Stadtbach drängen, ist greifbar. Psssst! Sagen selbst die Kinder und fast könnte man eine Stecknadel fallen hören, denn niemand möchte den Böllerschuss überhören und keiner der Fischer möchte riskieren, ein Geräusch für einen Böllerschuss zu halten und versehentlich zu früh ins kniehohe Nass zu „jucken“, denn das würde eine Kettenreaktion auslösen, die nicht aufzuhalten wäre.

Die Stadtbachfischer stehen oder sitzen bereits nach vorn gebeugt und halten sich nur mit einer Hand am Geländer fest, in der anderen Hand den Bären fest im Griff, sehen sie wie hypnotisiert in das still fließende Bächlein. Pure Magie! Und aus der Stille…

BAMMMMM!!! Mit einem Schrei von tief aus dem Inneren – bei manchem etwas kratzig von der langen Nacht zuvor – genährt durch Spannung und Vorfreude, vielleicht auch weil man weiß, dass man gleich furchtbar nass werden wird, dauert der Sprung der rund 1200 Stadtbachfischer vielleicht eine Sekunde.

Und dann ist alles anders: die Stille weicht wildem Aktionismus, Gespritze, Geschrei und – furiosem Fischen um die größte, die schwerste, die Königsforelle.

„Die meisten Forellen gehen in den ersten Minuten ins Netz“, erzählte mir ein Fischer etwa eine halbe Stunde vor dem großen Moment. Zwölf zählte ich in den ersten fünf Minuten an dem kleinen Teil des Stadtbaches an dem ich stand und zu jedem gefangenen Fisch gibt es zügelloses Geschrei des Fischers und freudigen Jubel bei den Zuschauern.

Die größte, die schwerste – die Königsforelle –  ging in diesem Jahr dem 33-jährigen Martin Ackel aus Amendingen im Bereich der Wiesmühle ins Netz: Mit 2.240 Gramm ist sie nicht die größte, die je gefangen wurde, aber in diesem Jahr ist sie das und Martin Ackel, der es bereits seit 26 Jahren versucht hat, ist unser neuer Fischerkönig!

Bevor ich in die Stadionhalle zur Krönung des neuen Fischerkönigs fuhr, machte ich einen Abstecher ins Rathaus, wo neben zahlreichen Gästen und Ehrengästen aus Politik und Wirtschaft auch zwei Vertreter von Memminger Partnerstädten begrüßt wurden: Teramos Bürgermeister Maurizio Brucchi und stv. Bürgermeister Oleksander Lomako aus Tschernihiw in der Ukraine.

Dann geht es ab in die Stadionhalle, denn dort wird der Vorgänger unseres neuen Fischerkönigs , Danny I. „Der Ordnungshüter“, zuerst gebührend empfangen, dann mit einer deftigen Brotzeit vom Thron gestoßen und mit so vielen Fußtritten davongejagt, „wie er verdient“, wie die beiden Moderatoren Christian Karrer und Oberfischer Jürgen Kolb schmunzelnd erklärten.

Danny I. jedoch grinst nur, ist er doch darauf vorbereitet und hatte „ein schönes Jahr als Fischerkönig“, wie er erzählte.

Zuvor werden die geschätzten 2000 Besucher von der Memminger Stadtkapelle, der Fanfarengruppe und ihren fliegenden Fahnen, dem tollen Schneidertanz von Schüler_innen der Bismarckschule und einem neu geschriebenen Fischer-Blues unterhalten: „Ich hatte den Song schon lange im Kopf, und rechtzeitig zum Fischertag wurde er endlich fertig“, erzählte mir Christian Feiner am Fischertagsvorabend, der Gesang, Bass und die Akustik Gitarre für den Song eingespielt hat, während Hannes Stefko das Schlagzeug lieferte und Frederic Voigt die E-Gitarrensounds.

Auf der Bühne präsentierten sie sich als „Bach Brothers“ mit weiteren Freunden, einer E-Gitarre und Outfits, die an die Blues-Brothers mit Lederhosen erinnerten. Mit einer witzigen Show, die den Text ihres „Schlamper-Blues“ untermalte rissen sie das Publikum mit: Der Alptraum aller Fischer, sein „Fischertagshäs“ nicht zu finden…

Als dann der neue Fischerkönig einzieht ist der Jubel nochmals riesig und alle Augen auf den neuen, feschen Fischerkönig gerichtet, dem kurzerhand der Titel Martin II., „Der Baggermeister“ verliehen wird, nachdem er Ausbildungsmeister bei Liebherr in Kirchdorf ist.

Kein Mann vieler Worte, sagte Martin II., „Der Baggermeister“ alias Martin Ackel genau das, worum es geht: „Es ist einfach toll, hier auf dem Thron zu sitzen. Ich freue mich riesig, genieße den Tag und auch das ganze nächste Jahr.“

Der Ehemann und Vater zweier Töchter ist neben seiner Arbeit auch Hobby-Marathonläufer, macht Ausdauersport und ist seit 26 Jahren jedes Jahr beim Fischertag dabei. Dieses Jahr wurde er nun endlich für seine Ausdauer in Sachen Stadtbachfischen belohnt.

Neben ihm wurden die Fischer der zweit- und drittgrößten Forellen, drei Jungfischer und auch die feschesten Fischer geehrt: Stefan Pichl holte bei der ehemaligen Frauenmühle eine 2.090 Gramm schwere Forelle aus dem Bach und Luca Wassermann beim Einlass mit 2.010 Gramm die drittgrößte.

Für die beiden kleinen Stadtbachfischer musste sich Christian Karrer auf die Knie begeben, um mit Marco Paul Mancebo Loen und Alexander Fackler auf Augenhöhe zu kommen, der dritte im Bunde – Ben Baschwitz – „hatte wohl etwas Besseres auf dem Programm“, wie Christian Karrer schmunzelnd bemerkte.

Als fescheste Fischer im schönsten „Häs“ wurden der Schreiner in Zimmermannstracht Florian Schmidt, Thomas Hartmann und Jörg Haldenmayr (Schmotzergruppe) gewählt.

Schöne Momente für Auge und Ohr boten die Trommlerbuben- und mädchen zwischendurch und vor allem der Fischertanz, der dazu gehört wie der Bären zum Fischer und diesmal von Schüler_innen der Tanzgruppe des Bernhard-Strigel-Gymnasiums unter der Leitung von Birgit Reuter vorgeführt wurde.

Weitere schöne Tänze zeigten uns die Gruppe der Landsknechte mit einem sehr sympathischen Schuhplattl-Tanz, der unter einem Goldregen endete und ganz besonders und besonders schön war ein Tanz, den Uschi Buhmann mit ihren grazilen Tänzerinnen gestaltete: Besonders daran war sicher, dass die Herren der Stadtgarde Teil ihres Tanzes wurden und das wirklich toll gemacht haben!

Dabei wurden die jungen Tänzerinnen gefährliche (Stadtbach-) Piratinnen (😊), vor denen die Stadtgardisten um Gnade flehten und ihnen praktisch zu Füßen lagen. Rasender Applaus und Zugabe-Rufe führten dazu, dass die armen Stadtgardisten in ihren schweren Uniformen bei anständiger Wärme in der Stadionhalle den Tanz wiederholen mussten und auch beim zweiten Anlauf ihre Sache ganz wunderbar machten.

Nach einer kurzen Verschnaufpause ging es für mich ab zum Biwak bei der Grimmelschanze, denn da wartete ein besonderer Gast: Mitglied des Europäischen Parlaments Markus Ferber, der von Oberbürgermeister Manfred Schilder, Bundestagsabgeordneten Stephan Stracke, Landtagsabgeordneten Klaus Holetschek und – der Schmotzergruppe empfangen wurde.

Ich weiß nicht, ob er wusste, was ihm blühte, aber am Memminger Fischertag muss man einfach auf alles gefasst sein, denn an Humor und Fantasie darf es hier nicht fehlen.

Die Schmotzergruppe wurde unlängst ins EU-Parlament nach Straßburg eingeladen, erzählte mir ein Mitglied der Schmotzergruppe, im Gegenzug luden sie Europaparlamentsmitglied Markus Ferber zu „einer besonderen Ballonfahrt“ während des Memminger Fischertages ein.

Anstelle eines Heißluftballons gab es hier zwei enorme blaue und einen gelben Luftballon – ganz in den Farben der Europaflagge – und der Korb war kein Korb sondern eine (neue, saubere) „Kloschissel“ auf gut Allgäuerisch, die auf einem Handkarren befestigt wurde.

Nachdem der EU-Politiker ein besonderer Fahrgast war, gab es natürlich auch ein Extra: eine eisgekühlte „Kloschissel“. Zum Glück brachte der Fahrgast ausreichend Humor mit und machte „eine besondere Ballonfahrt“ – wie versprochen – um das Biwak herum, gezogen von ein paar starken Männern der Schmotzergruppe und angeführt von den Musikern der Gruppe – sozusagen mit Pauken und Trompeten.

Ein weiterer Höhepunkt des Fischertages war am späten Nachmittag der Einzug des Fischerkönigs in die Stadt auf Kutsche und Pferdegespann, unterstützt durch alle Gruppen des Fischertagsvereins, Musikkapellen, Neptun höchstpersönlich, Tanzgruppen, und den sieben Schwaben, gefolgt von dem Tross an Schmotzern, die immer sehr fantasiereiche Objekte aus Müll und Abfällen basteln, die sie – zumindest in Theorie – vorher beim Reinigen aus dem Stadtbach gefischt haben.

Am Abend konnten die Besucher dann beim Fischerabend auf dem Markplatz bei Musik des Musikvereins Amendingen, der Stadtkapelle Memmingen und nochmals dem „Schlamper-Blues“ den Abend noch gemütlich ausklingen lassen.

Zum „Schlamper-Blues“ auf YouTube geht es hier.

Fotos:
aus eigener Quelle.

Viele tolle Fotos vom Fischertag 2017 findet Ihr auf unserer Facebookseite.

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