Klinikum Memmingen: Dreiländerkongress Euregio informiert über aktuelle Therapien

26. Juli 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Beim Dreiländerkongress Euregio in der Memminger Stadthalle informierte Professor Dr. Dr. h.c. Carsten N. Gutt vom Klinikum Memmingen über aktuelle Therapien bei Tumoren an Bauchspeicheldrüse oder Enddarm. Der Chefarzt des Memminger Klinikums referierte bei diesem Chirurgenkongress der drei deutschsprachigen Länder Deutschland, Österreich und der Schweiz neben hochkarätigen Referenten unter anderem aus Heidelberg, München und St. Gallen.

Ob Entzündung, zystische Veränderung oder Tumor – Operationen an der Bauchspeicheldrüse erfordern eine hohe chirurgische Expertise, wie Professor Dr. Dr. h.c. Carsten N. Gutt vom Klinikum Memmingen beim medizinischen Dreiländerkongress Euregio betonte, zu dem der Chefarzt hochkarätige Referenten unter anderem aus Heidelberg, München und St. Gallen geladen hatte.

„Dank modernster Geräte operieren wir in einem nahezu blutfreien Raum“

Bedingt durch ihre anatomische Lage in unmittelbarer Nachbarschaft zu lebenswichtigen Blutgefäßen wie Aorta, Pfortader und Eingeweidearterien, stellt die Bauchspeicheldrüse besonders hohe Ansprüche an die diagnostische Genauigkeit sowie die chirurgische Expertise des Operateurs:

„Suchen Sie bei Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse unbedingt ein dafür zertifiziertes Zentrum wie hier am Klinikum Memmingen auf“, rät Kongressorganisator und Chefarzt Prof. Dr. Dr. h.c. Carsten N. Gutt. „Denn nur ein Zentrum kann alle Erkrankungen an diesem komplexen Organ mit modernsten Methoden behandeln.“

Das Bauchspeichelzentrum am Klinikum Memmingen wird schon seit Jahren kontinuierlich von der Deutschen Krebsgesellschaft und der Gesellschaft für Allgemein- und Visceralchirurgie zertifiziert. „Bei uns liegt die Komplikationsrate weit unter dem bundesweiten Durchschnitt“, so Gutt.

Wann ist eine OP sinnvoll?

Wann eine Operation an diesem, für Verdauung und Stoffwechsel wichtigen Drüsenorgan sinnvoll ist und wann sie vermieden werden kann, diskutierten Chirurgen und Internisten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz jetzt beim renommierten Kongress in der Memminger Stadthalle.

„Beim aggressiven Bauchspeicheldrüsenkrebs, der wegen seiner Schmerzfreiheit oft lange unerkannt bleibt, ist die chirurgische Therapie die bisher einzige Möglichkeit, ein langfristiges Überleben zu erreichen“, schilderte Gutt.

Auch bei einer chronischen Entzündung der Bauchspeicheldrüse, die oft durch übermäßigen Alkoholkonsum oder genetische Defekte verursacht wird und zu starken Schmerzen im Oberbauch führt, ist eine Operation laut Studien die Therapie der Wahl:

„Während bei einer konservativen Therapie meist rund zehn Jahre vergehen, bis der Patient eine relevante Reduktion der Schmerzen verspürt, sind bei einer Operation die Ergebnisse sehr gut“, erläuterte Prof. Dr. Tobias Keck von der Klinik für Chirurgie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein. Dabei wird das entzündlich veränderte Gewebe entfernt, wodurch die heftigen und andauernden Schmerzen im Oberbauch, die meist mit stärksten Schmerzmitteln – sprich Opiaten – bekämpft werden müssen, nachlassen.

Im Gegensatz dazu machen zystische Veränderungen im Bereich der Bauchspeicheldrüse meist keinerlei Schmerzen und werden häufig als Zufallsbefunde entdeckt, wie Gutt als Chefarzt der Allgemein-, Visceral-, Thorax- und Gefäßchirurgie am Klinikum Memmingen beschrieb.

„Solche gutartigen Geschwülste sind aber oft die Vorstufen einer bösartigen Krebserkrankung“, warnte Gutt. Auch sie könnten – dank modernster Apparate – mittlerweile schon ab einer Größe von nur fünf Millimetern entdeckt werden.

„Da diese primär gutartigen Tumore das Potential haben, sich bösartig zu verändern, ist in der Regel die operative Entfernung angezeigt“, betonte Gutt und ergänzte: „Dank modernster Geräte operieren wir heute in einem nahezu blutfreien Raum.“ Blutkonserven seien während und nach einem chirurgischen Eingriff kaum noch notwendig. „Obwohl die Bauchspeicheldrüse in einer Tiefe von circa 20 Zentimetern im Bauchraum sitzt.“

Neueste Techniken der Gallenblasen- und Enddarmchirurgie

Auch neueste Techniken der Gallenblasen- und Enddarmchirurgie standen beim Euregio-Kongress mit rund 300 Teilnehmern auf der Tagesordnung. „Unser großes Ziel bei der Entfernung von Enddarmtumoren ist es natürlich, dass die Patienten später nicht an Inkontinenz leiden und die körperlichen Funktionen im Urogenitalbereich erhalten bleiben“, so Gutt.

Im Foyer der Stadthalle konnten die Kongressteilnehmer einen Operationsroboter testen. Dabei steuerten sie über eine Konsole, ähnlich einer Spielkonsole, die vier Arme des Roboters, unter denen bei einer echten Operation der Patient liegen würde. Auch Memmingens Oberbürgermeister Manfred Schilder versuchte sich beim Kongressauftakt an dem rund 1,5 Millionen Euro teuren Gerät – mit Erfolg: Von den zuschauenden Medizinern wurde ihm großes Talent bescheinigt.

Euregio

Der Dreiländerkongress unter dem Titel „Euregio“ findet seit zwei Jahrzehnten jährlich abwechselnd in Deutschland, Österreich und der Schweiz statt.

Heuer waren zum dritten Mal Ärzte des Klinikum Memmingen Gastgeber dieser internationalen, chirurgischen Veranstaltung, die – nach dem bayerischen Chirurgenkongress – die größte Plattform dieser Art in Süddeutschland ist.

Fotos:

Bild 1: Euregio-Organisator Prof. Dr. Dr. h.c. Carsten N. Gutt vom Klinikum Memmingen (Mitte) mit Memmingens Oberbürgermeister Manfred Schilder (links) und Pflegedirektor Hans-Jürgen Stopora vor einem Operationsroboter.
Bild 2: Auf dem Euregio-Kongress wurde das Operieren mit laparoskopischen Instrumenten geübt. Im Bild (v. li.): Die OP-Schwestern Anika Bohner und Tanja Neuß-Schulze von der Krankenhaus GmbH Weilheim-Schongau werden von Oberarzt Dr. Robert Grabensee vom Klinikum Memmingen angeleitet.
Bild 3: Die Kongressteilnehmer (im Bild die Operationstechnische Assistentin Angelika Tronci aus Garmisch-Partenkirchen) informierten sich in der Industrieausstellung über neue OP-Instrumente.

Fotos: Eva Maria Häfele/Pressestelle Klinikum Memmingen.

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