Durchwachsene Silphie statt Maiswüste – die neue Energiepflanze ist vielversprechend

11. August 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Während Maiswüsten Umwelt und Grundwasser belasten und artenarme Biotope hervorbringen, macht eine hochgewachsende, leuchtend gelb blühende Pflanze Furore: Die „Durchwachsene Silphie“. Nicht nur Bienen bietet die neue Energiepflanze ausgiebig Nahrung, sondern schont gleichzeitig Boden und Grundwasser, wächst mehrjährig, erfordert wenig Arbeitseinsatz und bringt Erträge, die nahezu an den von Mais heranreichen. In Woringen bei Memmingen wurden wir fündig.

Schon seit geraumer Zeit hat sich renergie Allgäu e.V. mit dem Thema befasst und besuchte Andreas und Wolfgang Karrer in Woringen, die die durchwachsene Silphie schon seit letztem Jahr anbauen.

Silphie vor der Kamera – Andreas und Wolfgang Karrer aus Woringen erzählen von ihren Erfahrungen mit der Energiepflanze

Woringen (rena). Die hochgewachsenen, leuchtend gelb blühenden Pflanzen auf dem Woringer Acker nahe der A7 stechen schon von weitem ins Auge und machen neugierig. Nicht nur Radler und Spaziergänger bleiben immer öfter an der eineinhalb Hektar großen Fläche stehen und informieren sich an den Schautafeln über das Energiepflanzenprojekt – auch Allgäu TV wurde jetzt auf das Feld mit der nordamerikanischen Dauerkultur aufmerksam und stattete den Besitzern Andreas und Wolfgang Karrer einen Besuch ab.

Mit von der Partie waren dabei auch Richard Mair von renergie Allgäu, Ethelbert Babl vom Amt für Ernährung und Landwirtschaft Kempten sowie seine Mitarbeiterin Eva Nowatschin, die seit einigen Wochen ein allgäuweites LEADER-Projekt zum Thema „Silphie“ begleiten.

Während auf den LEADER-Versuchsfeldern die Silphie derzeit gerade mal kniehoch steht recken die Pflanzen auf der Woringer Fläche ihre leuchtend gelben Blütenstängel bereits bis zu drei Metern in die Höhe. Andreas Karrer hat die nordamerikanische Energiepflanze nämlich bereits vor einem Jahr aussäen lassen.

Pure Neugier sei es gewesen, die ihn im Frühjahr 2016 Kontakt aufnehmen ließ mit dem württembergischen Silphie-Experten und Saatgut-Lieferanten Ralf Brodmann, erinnert sich Andreas Karrer. „Ich wollte einfach mehr über die Pflanze wissen“, erzählt der Landwirt, der seit 2006 gemeinsam mit seinem Kollegen Wolfgang Karrer eine inzwischen 610-KW-starke Biogasanlage betreibt.

Schon wenige Wochen nach dem ersten Telefonat wurden auf dem 1,5 Hektar großen Feld Fakten geschaffen und Silphie als Untersaat zum einjährigen Mais ausgebracht. Heuer, im zweiten Jahr, steht die nordamerikanische Dauerkultur allein auf dem Acker. Gelbe Blüten dicht an dicht. „Das sieht sehr gut aus“, hoffen die beiden Unternehmer nun auf eine entsprechend gute Ernte im September.

In der Fachliteratur wird der Silphie ein Ertrag zugesprochen, der nahezu an den von Mais heranreiche. „Mal abwarten“, zeigt sich Wolfgang Karrer zurückhaltend. Was er dagegen jetzt schon sicher sagen kann ist, dass die Silphie vergleichsweise wenig Arbeitseinsatz erfordert.

Bis zu 15 Jahre lang kann die Dauerkultur ohne größere Pflegemaßnahmen zwischendurch geerntet werden. Nach der Ernte treibt die Pflanze nochmal kurz aus, friert dann im Winter komplett ab und kommt nach der Schneeschmelze wieder.  „Nur auf die Schnecken muss man in den ersten Jahren aufpassen“, erzählt er. „Denen scheinen die Jungtriebe im Frühjahr ausgezeichnet zu schmecken.“

Und auch Insekten aller Arten haben Gefallen an der Blühpflanze. „Unsere Imker sind begeistert von dem Projekt“, zeigen die Unternehmer auf die vielen Bienen und Hummeln an den Blüten. Dazwischen tänzeln Schmetterlinge und Falter – und zwischen zwei dicken Blütenstängeln hat sich eine seltene Wespenspinne ihr Nest gebaut.

Genauso spannend ist übrigens auch, was sich unter der Erde abspielt. Als Dauerkultur und Tiefwurzler sorgt die Silphie nämlich für eine besondere Durchlüftung und Stabilität des Bodens, baut Humus auf, sorgt Erosionen vor und bindet das Nitrat, das sonst ins Grundwasser gelangen würde. Damit sorgt die Silphie nicht nur für optische Abwechslung im Landschaftsbild, sondern bietet eben auch eine ökologische Alternative zum Mais.

Text („Silphie vor der Kamera“): Claudia Lau, renergie Allgäu e.V.

Mehr Infos über renergie Allgäu e.V. auf www.renergie-allgaeu.de.

Reich blühende „Durchwachsene Silphie“ statt Maiswüste – ÖDP-Bundestagsdirektkandidatin Gabriela Schimmer-Göresz setzt sich für die „neue“ Energiepflanze ein

In einer Pressemitteilung von ÖDP-Bundestagsdirektkandidatin im nördlichen Landkreis Unterallgäu Gabriela Schimmer-Göresz, setzt sich die ÖDP-Spitzenkandidatin in Bayern dafür ein, die riesigen Monokulturen von Maisfeldern durch die vielversprechende Kulturpflanze „Durchwachsene Silphie“ zu ersetzen.

Gabriela Schimmer-Göresz, ÖDP-Bundestagsdirektkandidatin im nördlichen Landkreis Unterallgäu hatte sich bereits im August 2016 beim Silphieblütenfest im Energiepark Hahnennest, Ostrach, Baden-Württemberg, einen Eindruck über Wachstum, Pflege, Ertrag, Umweltfreundlichkeit und Ernte der Donau-Silphie, einer Asternart aus Nordamerika, machen können.

„Ich bin begeistert, ob der Blühfreudigkeit und Insektenfreundlichkeit und wünsche mir einen Wechsel vom Mais zur durchwachsenen Silphie“, so die Bundestagsdirektkandidatin, die selbst auf dem Lande lebt und Selbstversorgung praktiziert. Die gelb blühende Silphie würde, da ist sich Schimmer-Göresz sicher, nicht nur die gesellschaftliche Akzeptanz durch die größere Vielfalt im Landschaftsbild erhöhen.

Der ökologische Gewinn durch den Umstieg von Mais auf Silphie wäre ihrer Ansicht nach enorm: Die Dauerkultur erhöhe den Erosionsschutz und die Humusbildung. Das Grundwasser würde geschützt durch die Stickstoffbindung der Pflanze. Vielfach werde die Silphie auch eingesetzt, um belastete Flächen wieder in nutzbare Böden zu wandeln.

Auch der ökonomische Gewinn sei bedenkenswert. Einmal gepflanzt ist die Silphie mehrjährig nutzbar. Sie hat das Ertragspotential von Mais, benötigt hingegen nur im ersten Anbaujahr chemischen Pflanzenschutz. Der ackerbauliche Aufwand sei geringer und so würden auch kleine oder schlecht zugeschnittene Felder wieder interessant.

Für den Übergang könne die Silphie gleichzeitig mit Mais als Bodendeckung und Unkrautunterdrückung gepflanzt werden. Schon im ersten Jahr könne eine Ernte erzielt werden. Die Silphie verfüge über hervorragende Siliereigenschaften, sie ist im Bestand sehr tragfähig und unempfindlich.

Für Schimmer-Göresz ist die durchwachsene Silphie die Antwort auf die Sorge um den Verlust von Bienen und weiteren Insekten. Und nicht nur das: auch die zunehmende Belastung der Böden und des Grundwassers durch beispielsweise Glyphosat und Neonikotinoide sei längst nicht mehr hinzunehmen.

Die ÖDP-Kandidatin fordert, sämtliche Agrarsubventionen zu überprüfen und nicht mehr den kritischen Maisanbau zu fördern, sondern die ökologisch wertvolle und ökonomisch sinnvolle durchwachsene Silphie, damit neben dem ökologischen und ökonomischen Nutzen auch der Spaziergang durch die Natur wieder zum Erlebnis wird.

Fachliteratur

Die „Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.“ schreibt:

Durchwachsene Silphie (Silphium perfoliatum L.)

Merkmale

Nach einer langsamen Jugendentwicklung im ersten Jahr präsentiert sich die Durchwachsende Silphie im zweiten Jahr als eine hochwachsende, gelb blühende Pflanze mit vierkantigem Stängel und großen, gegenständig angeordneten Blättern. Diese Blätter sind am Stängel zusammengewachsen, so dass sich darin Tauwasser sammeln kann. Daher wird die Pflanze auch Becherpflanze genannt. Die Pflanze ist mehrjährig und eine wirtschaftliche Nutzung kann durchaus 10 bis 15 Jahre erfolgen.

Kulturgeschichtlicher Hintergrund

Die Durchwachsene Silphie hat in den letzten Jahren als Alternative zum Maisanbau mit diversen ökologischen Vorteilen zunehmend Beachtung für die Biogasproduktion gefunden. In den gemäßigten Regionen Nordamerikas zuhause, gelangte die Pflanze über Russland in die ehemalige DDR. Dort wurde sie zunächst als Viehfutter getestet, konnte sich aber nicht etablieren. Seit etwa 10 Jahren wird ihre Eignung als Energiepflanze für Biogasanlagen untersucht.

Anbau

Aufgrund einer langsamen Jugendentwicklung wurde ein Feldbestand bisher durch Pflanzung etabliert. Inzwischen ist es durch erste züchterische Erfolge gelungen, Saatgut für eine Aussaat mit herkömmlicher Sätechnik bereitzustellen. Die Aussaat bzw. Pflanzung erfolgt bei ausreichend erwärmtem Boden im Frühjahr. Im ersten Jahr liegt die Hauptarbeit in der Unkrautbekämpfung. Zur Samenreife im September erfolgt die Ernte bei etwa 24-28 % Trockenmassegehalt mit einem Maishäcksler, anschließend wird das Erntegut siliert. Bislang liegen nur relativ wenige Erfahrungen zum Praxisanbau vor. Deutschlandweit werden zurzeit einige hundert Hektar angebaut. Der Versuchsanbau erreicht Erträge von 13 bis 20 t TM pro Hektar, die im Praxisanbau durchaus bestätigt wurden.

Detaillierte Hinweise zu acker- und pflanzenbaulichen Maßnahmen (wie Fruchtfolge, Aussaat, Düngung, Pflanzenschutz u. s. w.) erhalten Sie u. a. über die Datenbank Pflanzenbau des KTBL, Landwirtschaftskammern und landwirtschaftliche Landesanstalten (z.B. Anbautelegramm der TLL) und in den FNR-Regionalbroschüren zum Energiepflanzenanbau.

Verwendung als nachwachsender Rohstoff

Substrat für Biogasanlagen

(Quelle: www.energiepflanzen.fnr.de)

Fotos:

Bild 1 (und Titelbild) zeigt die Anbaufläche in Woringen: links im Bild das Ergebnis im ersten Anbaujahr, rechts im Bild die durchwachsene Silphie im zweiten Anbaujahr, in der die Pflanzen bereits eine Höhe von bis zu drei Metern erreicht.

Bild 2: (v. li.): Andreas Karrer (Landwirt) , Eva Nowatschin ( LandschaftEnergie), Wolfgang Karrer ( Landwirt), Ethelbert Babl (Leiter der LEADER Stelle) Richard Mair (Projektträger und Ansprechpartner bei renergie Allgäu e.V.).

Bilder 1, 2, 3 und 5: Fotoquelle: renergie Allgäu e.V.

Bild 4: Gabriela Schimmer-Göresz, ÖDP-Bundestagsdirektkandidatin im nördlichen Landkreis Unterallgäu und Spitzenkandidatin in Bayern. Fotoquelle: Regensburg, Pressestelle ÖDP Memmingen-Unterallgäu.

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