Mit „Jazz and more“ glänzend in die Saison gestartet

6. September 2017 von Christine Hassler - 2 Comments

Das Memminger Kulturzentrum Kaminwerk startete in die neue Saison mit einem wahrhaft glänzenden musikalischen Abend mit der Landesakademie Ochsenhausen, die hier das Abschlusskonzert ihres diesjährigen Jazzworkshops zelebrierte. Ebenso begeistert, wie die Musiker als auch die Dozenten bei der Sache waren, waren die Zuhörer bei diesem berauschenden Jazz-Abend in der prall gefüllten Halle des Kaminwerks.

Als Fortbildungsstätte für alle musizierenden Gruppen mit den beiden Schwerpunkten der musikalischen Jugendbildung und des praktischen Musizierens bietet die Landesakademie jedes Jahr einen Jazzworkshop an, der sich an jazzinteressierte Musikerinnen und Musiker richtet.

Der Jazzworkshop der Landesakademie für die musizierende Jugend in Baden-Württemberg hat sich zu einer solch beliebten und gefragten Instanz entwickelt, dass die Organisatoren in diesem Jahr interessierten Teilnehmern absagen mussten, weil der Ansturm zu groß war.

Der auf 90 Teilnehmer ausgerichtete Kurs zählte sogar 96 Teilnehmer und beinhaltete Jazzgesang, Gitarre, Saxophon, Trompete, Posaune, Klavier, Bass und Drums. Dabei wurden konzertreife Bigband-Repertoires erarbeitet sowie Satzspiel, Artikulation und Phrasierung im Swing, Jazz und Latin-Bereich, Grundlagen der Improvisation, Gehörbildung, Vertiefung der allgemeinen Grundlagen des Instruments und ein Einblick in die Geschichte des Jazz vermittelt.

Vorausgesetzt wurden Vorkenntnisse in Jazz-Phrasierung und/oder Bigband-Spiel. Besonders gefördert wurden dabei kreative Ideen und nicht zuletzt, besonders durch die Arbeit in Combos, der Spaß am gemeinsamen Musizieren.

Dass dies mehr als gelungen ist, wäre zu wenig gesagt, besser drückte es Gitarren-Dozenten Göran Klinghagen aus: Der Kurs sei so gut wie noch nie gewesen, das Niveau unfassbar hoch.

Er selbst formte als Dozent eine Gruppe von Musikern, die sich den Bandnamen „Celebrating life orchestra“ für diesen Workshop gegeben haben und wie alle Gruppierungen drei Songs vortrugen, unter anderem Night and Day (Cole Porter) und Love Dance (Woody Shaw).

Die begeisterten Zuhörer wurden Teil von Interpretationen von Stücken von Horace Silver (St. Vito´s Dance), Duke Ellington (Caravan, It don´t mean a thing), Herbie Hancock (Canteloupe Island), Count Basie (Diong Basie´s thing), George Gershwin (It Ain’t Necessarily So), Cole Porter (Too Darn Hot), Jamie Cullum (Next year, baby), Bruno Martino (Estate), Luiz Bonfá (Black Orpheus) und vielen mehr, nur um einen Eindruck davon zu haben, auf welcher Liedgutebene wir uns hier bewegt haben.

Stellen Sie sich einmal vor, sie schließen die Augen und hören eines dieser genannten Stücke auf sehr hohem Niveau und stellen sich dazu die Musiker vor. Das naheliegendste wäre sicher, sich abgebrühte Jazzer vorzustellen, die schon ein paar Jahrzehnte auf dieser Erde intensiv gelebt haben.

Und nun stellen Sie sich vor, die Augen zu öffnen, und sie sehen zum Beispiel einen 14-jährigen Trompeter vor sich, der gerade ein unglaublich virtuoses Trompetensolo präsentiert! Unfassbar! 14-Jährige, die, wenn sie nicht gerade ein Klasse-Solo hinlegen, anerkennend mit dem Kopf nicken oder den Füßen wippen wie alte Hasen, wenn sie das Solo eines anderen Mitmusiker hören. Oder ein 15-jähriger Schlagzeuger, oder ein 14-jähriger Posaunist, die sich nach ihren Soli ehrlich anerkennenden Applaus einheimsen und weltmännisch lächelnd verneigen…

Natürlich bestand der Workshop nicht nur aus sehr jungen Teilnehmern, sondern richtete sich an alle Altersklassen, die zwischen 14 und 64 Jahren allesamt zahlreich vertreten waren, wie auch die Fotos dokumentieren. Die acht Band-Formationen wurden zudem meist gesanglich begleitet von sehr schönen Jazz-Stimmen, die einen Feinschliff erhielten von Gesangs-Dozentin Fola Dada, die zudem auch einen Chor zusammenstellte.

Den Abschluss machte eine wechselnde BigBand-Formation mit insgesamt 53 Teilnehmern, deren Saxophon-Sektion oder Trompeten-Sektion mehrfach wechselte, um allen Teilnehmern die Möglichkeit einer Performance zu bieten.

Geleitet wurde der Workshop übrigens von insgesamt acht Dozenten, die bereits allesamt ihre eigene Geschichte geschrieben haben:

Prof. Klaus Graf – Dozent für Saxophon/BigBand, gehört zu den renommiertesten Saxophonisten Deutschlands. Im Laufe seiner Tätigkeit arbeitete er mit einer Vielzahl von weltbekannten Jazzmusikern, wie Peter Herholzheimer, Al Jarreau, Paul Kuhn, Phil Collins, Wolfgang Dauner und vielen anderen mehr zusammen. Seit 2001 ist er Professor für Jazz-Saxophon an der Musikhochschule Nürnberg.

Prof. Johannes Herrlich – Dozent für Posaune/BigBand, übt seit 2007 eine umfangreiche Lehrtätigkeit an der Musik und Kunst Privatuniversität Wien aus (Professur seit 2013), an der Hochschule für Musik und Theater München (seit 2008) und beim LandesJugendJazzOrchester Bayern (seit 1995).

Veit Hübner – Dozent für Bass, hatte nach den Studien von Orchestermusik und Jazz in Stuttgart und Karlsruhe einen Studienaufenthalt in New York bei Marc Johnson und Eddie Gomez. Es folgten internationale Tourneen durch Europa, USA und Südamerika. Er ist Mitglied von Tango Five, den Stuttgarter Philharmonikern und verschiedenen Jazzensembles. 1999 erhielt er den Hennessy Jazzpreis, 2003 Träger des Baden-Württembergischen Jazzpreises und Dozent an der Musikhochschule Stuttgart.

Göran Klinghagen – Dozent für Gitarre (SWE-Göteborg) arbeitet mit zahlreichen berühmten Gruppen und Musikern Skandinaviens zusammen, u.a. Bobo Stenson, Palle Danielsson, John Christensen, Arild Andersen, etc.. Er ist Mitglied der „Swedish Radio-jazzgroup“ und hat mehrere CD’s veröffentlicht.

Joo Kraus – Dozent für Trompete (Ulm), ist aus der Musikszene Deutschlands nicht wegzudenken. Zahlreiche Kompositionen von ihm werden von Stars wie Tina Turner, Xavier Naidoo, Klaus Doldinger, Mezzoforte, etc., gespielt. Eine Vielzahl seiner Alben gehören zu zentralen Veröffentlichungen in der Jazzszene, so auch sein neuestes Album „SUENO“ mit berühmten Melodien aus Kuba. 2012 wurde er mit dem Jazz ECHO ausgezeichnet.

Torsten Krill – Dozent für Schlagzeug, ist ein vielfach mit internationalen Preisen ausgezeichneter Schlagzeuger und Musikproduzent und seit vielen Jahren in der internationalen Musikszene unterwegs. Seine künstlerische Bandbreite zeigt sich an der Vielfalt seiner musikalischen Partner, mit denen er mittlerweile auf über 90 CDs zu hören ist. 2006 erhielt er den Jazzpreis des Landes Baden-Württemberg und den Preis der Deutschen Schallplattenkritik, 2012 den Deutschen Hörbuchpreis „Hörkules“ und den ECHO Jazz als Musikproduzent für die CD „Painting Pop“ von JOO KRAUS & TALES IN TONES TRIO. Seit Herbst 2014 Akademiedozent für Jazz, Popularmusik und Digitale Medien an der Landesmusikakademie Ochsenhausen.

Prof. Martin Schrack – Dozent für Klavier, ist Professor für Jazzpiano an der Musikhochschule Nürnberg. Er spielt u.a. bei „Charly Antolini‘s Jazz Power“, ,,Bobby Burgess Big Band Explosion“ und Musikern wie Bob Mintzer, Benny Bailey, Joe Gallardo, Fatty George, Sally Oldfield, Don Menza, Chuck Israels, Bobby Shew, Pete York, Paquito d´Rivera, Sandy Patton, Maria Schneider, Sheila Jordan und vielen anderen. Unzählige TV- und Rundfunkproduktionen, CD-Aufnahmen mit der SWR Big Band und Bob Mintzer dokumentieren seine Arbeit.

Fola Dada – Dozentin für Gesang, war 15 Jahre lang Mitglied einer der renommiertesten Tanzschulen Deutschlands, der New York City Dance School. Dort wurde sie ausgebildet in Stepptanz, Jazz-Tanz und durch die Teilnahme an den diversen Showgruppen in Bühen-Performance. Danach folge ein Gesang-Studium an der Musikhochschule Mannheim. Heute ist sie als Sängerin in allen Facetten tätig. Darüber hinaus arbeitet sie für das TV-Format „DSDS“ als Vocalcoach und ist Dozentin für Jazz- und Popgesang an den Musikhochschulen Stuttgart, Nürnberg und Freiburg.

Die besten Voraussetzungen also für einen großartigen Jazzworkshop – der jedoch nur von Erfolg gekrönt wurde durch 96 ambitionierte Musiker aller Altersgruppen und viele herausragende Talente.

Fotos:
aus eigener Quelle.

Mehr ansprechende Fotos vom Event auf unserer Facebookseite.

2 Antworten zu “Mit „Jazz and more“ glänzend in die Saison gestartet”

    • Herzlichen Dank für das Lob! Der Jazz-Abend war tatsächlich nicht nur von einem großartigen Niveau, sondern auch die Stimmung der Musiker, die Leidenschaft der Dozenten, das war toll zu beobachten.

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