Zukunft urbane E-Mobilität: Betriebsbesichtigung bei ebe Europa in Memmingen

8. September 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Am vergangenen Mittwoch, 6. September, hatte die Memminger SPD zu einer Betriebsbesichtigung von Elektrobushersteller ebe Europa in Memmingen eingeladen. Besonderer Gast war der stellvertretende Vorsitzende der Bundes-SPD, Ralf Stegner, der zusammen mit dem hiesigen Bundestagskandidaten Pascal Lechler das kleine aber vielversprechende Unternehmen besuchte, das mit dem BLUE CITY BUS einen E-Bus der Zukunft auf den Markt gebracht hat.

Das Unternehmen ebe Europa hat sich auf die Herstellung und den Vertrieb von Elektrobussen spezialisiert. Das Interesse der beiden SPD-Politiker Ralf Stegner und Pascal Lechler war, sich über aktuelle Entwicklungen und Lösungen bei der E-Mobilität zu informieren. Nachdem der Umweltschutz durch effizientere Nutzung der Energie und das Bestreben, Deutschland zu einer treibhausneutralen Gesellschaft zu machen eines der Kernthemen im Regierungsprogramm der SPD ist, bot sich das Memminger Unternehmen für einen Besuch geradezu an.

ebe Europa und der BLUE CITY BUS

Elektromobilität wird in Zukunft eine immer wichtigere Rolle spielen. Im Individualverkehr, aber insbesondere im ÖPNV. Die Anforderungen an Bushersteller und Busflottenbetreiber werden sich zukünftig durch gesetzliche Vorgaben zur CO2-Reduktion, Verschärfung der Feinstaubgrenzwerte aber auch Lärmemissionen weiter erhöhen.

Für E-Mobilität im öffentlichen Personennahverkehr ist der BLUE CITY BUS der Memminger Firma ebe Europa eine handfeste Antwort.

Geschäftsführer Alfred Neutzner und Vertriebsleiter und Firmengründer Udo Riess stehen bereits neben ihrem Blue City Bus bereit, als ich zu der wartenden Gruppe stoße. Während einer Probefahrt mit der Gruppe, begleitet von Mitgliedern des SPD-Ortsvereins Memmingen führt Firmengründer Udo Riess die Teilnehmer durch die Eckdaten der Firma.

Erst vor vier Jahren gegründet, lieferte das Unternehmen nach 2 Jahren Vorarbeit den ersten E-Bus aus, heute liefert das Unternehmen bereits 100 Elektrobusse pro Jahr aus. Produziert wird jedoch nicht in Memmingen und auch nicht in Deutschland, doch zumindest in Europa, nämlich in osteuropäischen Ländern, während die Zulieferer alle deutsche Firmen sind.

Neben Neubau von Elekrobussen bietet ebe Europa auch die Umrüstung von konventionell betriebenen Bussen zu E-Bussen an, als ein Beispiel nennt der Vertriebsleiter die Sightseeing-Busse der RBA München.

Hauptliefergebiet ist jedoch nicht nur Deutschland, sondern vor allem Österreich, die Schweiz und skandinavische Länder. Vor allem in letzteren habe die E-Mobilität beim ÖPNV bereits einen sehr viel höheren Stellenwert.

E-Mobilität und ÖPNV

An dieser Stelle erkundigte sich der stellvertretende Vorsitzende der Bundes-SPD, Ralf Stegner, ob Elektrobusse nicht auch ein Thema für die Stadt Memmingen sei. Bürgermeister Dr. Hans-Martin Steiger antwortete darauf, dass die Stadt plane umzurüsten, sobald die bestehenden Fahrzeuge ausgemustert würden. Bis dahin lohne sich für die überwiegend privaten Betreiber nicht, sie zu ersetzen oder umzurüsten. Die Stadt habe jedoch ein Interesse daran, E-Busse zu bezuschussen.

Ralf Stegner stimmte zu, dass die öffentliche Hand hier vorangehen müsse, auch weil dadurch der Bau von Ladestationen und das Versorgungsnetz für Elektrofahrzeuge vorangetrieben würde.

Auf die Frage Ralf Stegners, welchen Stellenwert der ÖPNV in Memmingen habe, antwortete Dr. Steiger, die Frequenz sei bis dato überschaubar, doch sei es im Interesse der Stadt das ÖPNV auszubauen, die Nutzung zu steigern und die Umwelt damit mehr zu entlasten. Nachdem der Busverkehr in privatwirtschaftlicher Hand läge, regle bis dato die Nachfrage auch die Nutzung.

Der Fraktionsvorsitzende der SPD/FDP-Stadtratsfraktion Matthias Ressler betonte, dass auch Im ÖPNV-Arbeitskreis das Thema “Elektrobus” vorrangig sei. Seiner Ansicht nach müssten jedoch die Kommunen beim Thema E-Mobilität mehr von Bund und Land unterstützt werden.

Die wichtigsten Eigenschaften des BLUE CITY BUS von ebe Europa

Die Reichweite des BLUE CITY BUS von ebe Europa ist bis zu 250 Kilometer. Im Vergleich dazu betragen die Tagfahrten in Städten mittlerer Größenordnung wie etwa Augsburg (280.000 Einwohner) um 220 bis 230 Kilometer. Die Ladung erfolgt nachts und dauert etwa fünf Stunden, klärt Udo Riess die Probefahrer weiter auf.

Nachdem Batterien nicht endlos andauern, wie wir von den Handys wissen, lässt auch diese Batterie in der Ladekapazität nach, jedoch vergleichbar langsam: erst nach 5-6000 Ladezyklen reduziere sich die Ladekapazität auf etwa 80%, was bei einer Nutzung von ca. 230 Kilometern pro Tag immerhin erst nach 12 – 13 Jahren erfolge.

Und bis dahin betreibt die gleiche Batterie auch ein zuverlässiges Klimatisierungssystem, das Temperaturen bis – 15 Grad bis +40 Grad ohne Probleme reguliere.

Nach dieser Frist können die Batterien recycelt werden und/oder als Stromspeicher für PV-Anlagen weiter genutzt werden.

Während dessen wird mir bewusst, dass man sich in diesem Elektrobus in ganz normaler Lautstärke unterhalten kann, denn der BLUE CITY BUS läuft sehr geräuscharm.

Umweltfreundlich, emissionslos und geräuscharm sind also die überzeugenden Argumente neben Platz, Reichweite, Komfort für Fahrer und Passagiere und einem ansprechenden Design, was für die Nutzung im urbanen Umfeld ebenso interessant ist, wie die Nutzung in Tourismusregionen oder Naturschutzgebieten.

Auf die Frage, wieviel denn so ein Bus kostet, ernüchtert die Antwort des Firmengründers zunächst: Mit ca. 450.000 Euro ist der BLUE CITY BUS etwa doppelt so teuer wie ein konventioneller Bus.

„Zunächst“ deshalb, weil sich jedoch die Kosten des antreibenden Kraftstoffes extrem stark auf die Amortisation auswirken: Während ein herkömmlicher Bus für 130 Euro tankt, „tankt“ der E-Bus für 20 Euro. Bei Standardbetrieb und einer Laufzeit von 10 – 12 Jahren zeigt die Berechnung, dass der Betrieb eines BLUE CITY BUS eine Kostenersparnis von mehr als 20.000 Euro pro Jahr bringt. Was den hohen Kaufpreis enorm relativiert, denn der Bus amortisiert sich somit nach etwa 60.000 Kilometern, bzw. ca. 7 Jahren.

„Es geht nicht mehr um ob Energiewende, sondern wann und wie schnell“

Momentan haben die konventionell betriebenen Busse von MAN und Daimler einen Marktanteil von 70%, der Anteil an E-Bussen sei noch sehr gering, gibt Firmengründer Udo Riess zu bedenken. Auch bezweifelt er, dass bis zum Jahr 2018 700 – 800 neue E-Busse zugelassen würden, wie es der VDV vorsieht, er selbst sieht 350 – 500 Fahrzeuge als realistisch an.

Schleswig-Holstein habe bezüglich der E-Busse im ÖPNV schon eine Vorreiterrolle, so der in Kiel lebende stellvertretende Vorsitzende der Bundes-SPD, Ralf Stegner, der die Meinung vertritt, dass Deutschland auch in Hinsicht auf die Konkurrenz aus dem asiatischen Raum technologisch mithalten können muss. Auch wenn es nicht ganz so schnell ginge wie gewünscht oder geplant, müsse es gestartet und vorangetrieben werden.

Denn auf lange Sicht kämen wir nicht um die E-Mobilität herum, so der SPD-Politiker, der zudem mehr Investition in die Speicherung von Energie fordert.

„Es geht nicht mehr um ob Energiewende, sondern wann und wie schnell“, ist sich Ralf Stegner sicher.

Unterstützung von Gründern, kleiner Unternehmen und Förderung der Bildung

Firmengründer Udo Riess blickte auf die Schwierigkeiten zurück bei der Firmengründung. Unter Führung von ebe EUROPA ist heute eine Allianz aus Systempartnern entstanden, die ein einzigartiges E-Mobilitäts-System rund um den BLUE CITY BUS entwickelt hat. Doch der Anfang sei alles andere als einfach gewesen, denn zu Beginn erhielten sie Null Unterstützung von den Banken. Daher richtete er an dieser Stelle die Frage an die Politik, wie kleine Unternehmen und Firmengründer mehr unterstützt werden können.

Das Thema Zukunftsinvestitionen sei ein sehr wichtiges, so Ralf Stegner, das Regierungsprogramm der SPD sehe die Stärkung des Gründergeistes durch mehr private und öffentliche Investitionen vor.

Auch kritisierte Udo Riess die Stromsteuerpolitik, denn mit einer geeigneten Anpassung würden sich Elektrofahrzeuge viel schneller amortisieren und so die Anschaffung von Elektrofahrzeugen erleichtern.

E-Mobilität auf kommunaler Ebene unterstützen

Der SPD/FDP-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat Matthias Ressler betonte, das Thema E-Mobilität sei ein sehr wichtiges und sollte im Bereich ÖPNV vor allem in den Kommunen anfangen Fuß zu fassen.

Daher richtete er an dieser Stelle eine Bitte an den stellvertretenden Vorsitzenden der Bundes-SPD, Ralf Stegner, dass die Forderung auf Bundesebene weitergetragen wird, die Kommunen diesbezüglich mehr zu entlasten und auf Landes- und Bundesebene mehr zu fördern.

Ralf Stegner zeigt sich einer Meinung, die Kommunen müssten bezüglich E-Mobilität mehr unterstützt werden. Grundsätzlich mache sich die SPD dafür stark, weniger in Rüstung und dafür mehr in die Forschung, die Bildung, in Investitionsprogramme, die digitale Infrastruktur und die Umwelt durch effizientere Nutzung der Energie zu investieren.

Fotos:

Bild 1: (v.li.): Ralf Stegner, Pascal Lechler, Dr. Simone Strohmayr, David Yeow.

Bild 3: (v.li.): David Yeow (Vorsitzender des Memminger SPD-Ortsvereins), 3. Bürgermeister Dr. Hans-Martin Steiger, SPD/FDP-Fraktionsvorsitzender im Stadtrat Matthias Ressler, MdL Dr. Simone Strohmayr, Pascal Lechler, Ralf Stegner, Geschäftsführer Alfred Neutzner und Firmengründer und Vertriebsleiter Udo Riess.

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