„Ich bleib klar!“

5. Oktober 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Die Sebastian Lotzer Realschule war am gestrigen Mittwoch Gastgeber der Eröffnungsveranstaltung der neuen Ausstellung für Suchtprävention „ICH BLEIBE KLAR!“ des Städtischen Gesundheitsamtes. Natürlich ging es dabei um „trocken bleiben“, doch was zunächst auch eher trocken klingt, ist diesmal eine Ausstellung, die ebenso informativ wie unterhaltsam gestaltet ist und von Schulen kostenlos gebucht werden kann.

Aufgabe des Städtischen Gesundheitsamtes ist es, mit Kindern und Jugendlichen in Memmingen Suchtprävention durchzuführen, vor allem in Schulen, Erziehungs- und Freizeiteinrichtungen.

Anstelle des drohend gehobenen Zeigefingers oder deprimierenden Szenarien hat sich die Fachkraft für Suchtprävention des Gesundheitsamtes diesmal etwas einfallen lassen, was anstatt dessen positiv inspirieren soll zu einem gesunden Leben, sich mit interaktiven Szenen und Workshops unterhaltsam anbietet, auf einfache Weise Zusammenhänge erlebbar macht und gerade deshalb von Jugendlichen viel besser aufgenommen werden kann.

Aufgebaut ist die Ausstellung in 15 Stationen, d.h. in 15 Plakatwänden, die zunächst selbstständig angesehen und gelesen werden sollen und anschließend in einem interaktiven Workshop sowie einem Quiz vertieft und veranschaulicht werden sollen.

Manfred Wiblishauser vom Städtischen Gesundheitsamt erklärte das Konzept: Das Konzept sieht vor, damit vor riskantem Alkoholkonsum zu warnen, die Folgen dessen zu diskutieren und einen genussvollen und gesunden Konsum als sinnvolle Alternative zum `Komatrinken´ in den Fokus zu setzen.

Als ein Beispiel der interaktiven Workshops erklärte Manfred Wiblishauser, wie er das verzögerte Reizleitsystem beim Autofahren bei steigendem Alkohollevel in Form eines Gruppenspieles veranschaulicht: Ein Schüler spielt den Fahrer, der von einem anderen Schüler gesteuert wird. Zunächst kommt ein weiterer Schüler als „Störenfried“ dazu, der versuchen soll, den Fahrer von seinem Kurs abzubringen. Je mehr „Störenfriede“ dazukommen, die wiederum den Alkoholpegel darstellen, desto mehr kommt der Fahrer – spürbar – von seinem Kurs ab.

Die eingeschränkte Sicht- und Reaktionsfähigkeit kann man mit Hilfe einer besonderen Sichtbrille ausprobieren, und damit versuchen, an einer Stehle einen Schlüssel in ein Schlüsselloch zu treffen.

„Wir wollten vor allem eine Sprache verwenden, die Jugendliche einfach verstehen. Einen Flyer schaut man sich mit einem Auge an und legt ihn weg. Aktive Erlebnisse bleiben im Gedächtnis, umso mehr, wenn sie ansprechend gestaltet sind“, erklärt Manfred Wiblishauser die Art und Weise, die Problematik zu veranschaulichen.

Nachdem hier vor allem 9. Klassen angesprochen werden steht hier vor allem Alkohol als Suchtmittel im Vordergrund. – Wie bekommt mir Alkohol? Wann wird es gefährlich? Wie und wann kann ich Stop sagen, wie die Kontrolle bewahren? Wieviel kann ein gesunder Mensch verkraften? Wie errechne ich Promille? Wie kann ich bei Mixgetränken einschenken, ohne das Maß zu verlieren? Wie entsteht ein Suchtpotential? Woher bekomme ich Hilfe?

Dies sind die Fragen, die hier besprochen werden, denn ein komplettes Verbot sieht Manfred Wiblishauser nicht als die richtige Lösung an. Bei all den offiziellen Festen, die in Memmingen angeboten werden, daneben Feiertage, Geburtstage, etc. sehen Jugendliche, wie Erwachsene Alkohol konsumieren und wollen es auch probieren. Dagegen sei grundsätzlich nichts einzuwenden, solange es in Maßen bewusst genossen wird, langsam und bewusst gekostet und vor allem die Kontrolle bewahrt werde.

Auch soll darüber aufgeklärt werden, was passiert, wenn man in der Schwangerschaft trinkt, wenn man Medikamente einnimmt, oder an einer chronischen Erkrankung leidet, als Berufsfahrer arbeitet oder bei der Arbeit beeinflusst wird.

Wichtig sei, so Manfred Wiblishauser weiter, dass Jugendliche eine bewusste Wahrnehmung und Selbstwahrnehmung entwickeln, lernen, selbst dazu Stellung zu beziehen und einen Standpunkt einzunehmen, an den sie sich auch in Gesellschaft erinnern und ihn selbstbewusst vertreten.

Die Ausstellung, die kostenlos von Schulen gebucht werden kann, wurde finanziert von der Stadt Memmingen, dem Lions Club Memmingen und unterstützt durch die Marketing Abteilung der Firma PFEIFER Seil- und Hebetechnik.

Betrachten, lesen, mitmachen, zuhören, aktiv sein, einüben, erleben und begreifen, anwenden und gesund bleiben – interaktiv lernen, gesund zu leben, das ist das Motto dieser Ausstellung.

Fotos:
Bilder 1 – 3: Bei der Eröffnungsveranstaltung der neuen Ausstellung für Suchtprävention „ICH BLEIBE KLAR!“ des Städtischen Gesundheitsamtes.

Bild 4: (v. li.): Schulleiter der Sebastian Lotzer Realschule Harald Rehklau, Schulamtsleiter Bertram Hörtensteiner, Pedro Mendes (Stadtrat und Präsident des Lions Club Memmingen), 2. Bürgermeisterin Margareta Böckh, Oberbürgermeister Manfred Schilder und Manfred Wiblishauser (Städtisches Gesundheitsamt).

Fotos aus eigener Quelle.

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