Schüler werden zu Lebensrettern ausgebildet

5. Oktober 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Nicht tatenlos dastehen, sondern handeln – So lautet die Devise, wenn ein Mitmensch einen Herzstillstand erleidet. Dass es gar nicht so schwer ist, zum Lebensretter zu werden, erfuhren Achtklässler aus dem Bernhard-Strigel-Gymnasium von Mitarbeitern der Anästhesie des Klinikum Memmingen anlässlich der Woche der Wiederbelebung vom 18. bis 24.September 2017.

„Ein plötzlicher Herzstillstand kann jeden treffen und jeder kann helfen“, erklärte Anästhesie-Chefarzt Professor Dr. Lars Fischer den vor ihm sitzenden Schülern. „Wichtig ist, dass ihr nicht panisch davonrennt, sondern handelt, wenn jemand bewusstlos wird“, appellierte der Chefarzt und betonte: „Ihr könnt dabei nichts falsch machen. Das einzige, was man falsch machen kann, ist, nichts zu tun!“

Was genau zu tun ist, wenn ein Mitmensch einen Kreislaufstillstand erleidet, erklärte Anästhesist Dr. Tobias Gebs: „Die Formel lautet: Prüfen, rufen, drücken.“ Bedeute im Klartext: „Als Erstes prüft ihr, ob der Mensch vor euch noch ansprechbar ist und atmet. Als Zweites ruft ihr andere um Hilfe und informiert den Rettungsdienst unter der Telefonnummer 112.“ Als Drittes werde mit der Reanimation begonnen: „Dabei drückt ihr 30 Mal fest und schnell auf den Brustkorb.“ Danach werde zwei Mal beatmet und wieder 30 Mal gedrückt. Wie das genau funktioniert, übten die Schüler anschließend mit Dr. Gebs und den Anästhesiepflegekräften Dorothée Merrath und Stefan Lindenau an Demonstrationspuppen.

„Der Druckpunkt bei der Herzdruckmassage liegt in der Mitte des Brustbeins“, erläuterte Dr. Gebs. „Beugt euch senkrecht über den Patienten und haltet die Arme ausgestreckt, denn dann braucht ihr weniger Kraft als wenn die Arme angewinkelt sind.“ Bei der Herzdruckmassage müsse der Brustkorb um mindestens fünf Zentimeter eingedrückt werden. „Nur so könnt ihr die Pumpfunktion des Herzens übernehmen, das in diesem Fall nicht mehr schlägt.“ Bei der anschließenden Beatmung werde der Kopf etwas überstreckt und das Kinn leicht angehoben.

„Durch die Reanimation haltet ihr den lebenswichtigen Blutkreislauf in Gang, bis der Rettungsdienst eingetroffen ist“, erklärte Dr. Gebs und erläuterte, dass die sofortige Herzdruckmassage die Überlebenschance des Patienten verdoppele bis verdreifache: „Denn jede Körperzelle kann nur überleben, solange sie Sauerstoff bekommt. Schon nach drei bis fünf Minuten ohne Sauerstoff kommt es beispielsweise zu unwiederbringlichen Schäden im Gehirn.“

Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes vergingen aber im Schnitt bis zu acht Minuten. „Dieses kritische Zeitfenster könnt ihr als Ersthelfer überbrücken. Die Erfolgschancen bei einer Reanimation nach drei Minuten liegen bei 75 Prozent, nach zehn Minuten bei fünf Prozent.“

Nach der Übung fühlten sich die Gymnasiasten für den Ernstfall gerüstet: „Wir haben es uns komplizierter vorgestellt“, sagten die Klassenkameradinnen Sophia May und Selma Keller. „Aber es ist gar nicht so schwer.“ Und ihre Lehrerin Christina Gundhardt ergänzte: „Die Schüler haben nach so einer Aktion viel weniger Hemmungen, zu helfen. Das haben wir bei den Klassen bemerkt, die in den letzten Jahren die Übung im Klinikum Memmingen mitgemacht haben.“

Infos:

Mehr Informationen zur Laienreanimation finden Sie auf: www.einlebenretten.de.

Foto:
Die Achtklässlerinnen Selma Keller (links) und Lara Costa (rechts) üben an einer Puppe Reanimationstechniken wie das Beatmen und die Herz-Druck-Massage. Anästhesist Dr. Tobas Gebs vom Klinikum Memmingen (Mitte) leitet die beiden Gymnasiastinnen an.

Fotoquelle: Eva Maria Häfele/Pressestelle Klinikum Memmingen.

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